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»Wir sollten etwas tun.« Burx stampfte wieder mit dem Fuß auf, selbst als Kalthar langsam aus dem Raum ging, um zu erledigen, was Thrall ihm aufgetragen hatte. »Wir sollten nicht nur reden...«

»Reden ist der zweite Schritt, wenn man Dinge lernen will, Burx. Ich habe vor, herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist. Jetzt geh und befolge meine Anweisungen.«

Burx wollte etwas erwidern, aber Thrall unterband es.

»Schweig, Burx! Du hast deine Position mehr als klar gemacht. Selbst du wirst mir zustimmen, dass die Probleme von Drygulch im Moment dringlicher sind. Jetzt geh und tu, was ich dir aufgetragen habe, bevor unsere Farmen noch tatsächlich verwüstet werden.«

»Selbstverständlich, Kriegshäuptling«, murrte Burx. Er grüßte, wie es der Bote getan hatte, und ging.

Thrall hoffte, dass Jaina seine Verteidigung verdiente, und tief in seinem Herzen wusste er, dass es so war.

Aber wenn nicht Jaina Proudmoore die Bäume gestohlen und die Donnerechsen freigelassen hatte... wer dann?

8

Lorena wurde von Duree, der verrückten alten Zofe, die die Angelegenheiten von Lady Proudmoore regelte, in deren Gemach geführt. Doch der Raum war leer.

Lorena wirbelte zu Duree herum, die sie um einen ganzen Kopf überragte und fragte: »Wo ist sie?«

»Sie wird bald zurück sein, grämt Euch nicht. Sie ist vor einer Stunde gegangen, um sich mit diesem Orc-Kriegshäuptling zu treffen. Sie sollte jeden Moment wieder zurück sein.«

Verärgert fragte Lorena: »Sie trifft sich mit Thrall?«

Duree legte ihre Hand auf den Mund. »Oh, meine Liebe, ich durfte das gar nicht erzählen. Vergesst einfach, dass ich irgendetwas gesagt habe. Würdet Ihr das bitte tun, meine Teure?«

Der Oberst blieb ihr die Antwort schuldig. Stattdessen verzog sie ihr kantiges Gesicht und gab ein Knurren von sich, weil sie wollte, dass die alte Frau endlich das Zimmer verließ. Sie hatte Erfolg mit ihrer Drohgebärde, denn Duree preschte förmlich aus der Kammer, so überhastet, dass ihr fast die Brille von der Nase rutschte.

Einen Moment später erschien Kristoff. »Oberst. Duree sagte, Ihr wolltet Meldung machen.«

Lorena schaute auf den Kämmerer. Wie die Zofe war auch Kristoff ein notwendiges Übel. Immerhin funktionierte eine Nation nicht nur allein durch das Militär. Eine der ersten Lektionen, die ihr Vater und ihre Brüder ihr erteilt hatten, war gewesen, nett zu Verwaltern und Ihresgleichen zu sein. Denn sie waren es, die noch viel entscheidender als ein hochdekorierter Offizier dafür sorgten, dass eine Einheit funktionierte.

Duree war ihr jedoch so lästig, dass sie bei ihr diesen guten Rat fast immer vergaß. Kristoff hingegen war die rechte Hand der Lady. Deshalb schob Lorena ihre intensive Abneigung gegen diesen Mann beiseite und zwang sich ein Lächeln ins Gesicht.

»Ja, Kämmerer, ich habe einen Bericht für die Lady, sobald sie eintrifft.«

Kristoff lächelte. Es war das falscheste Lächeln, das Lorena jemals gesehen hatte und das, obwohl sie Jahre damit verbracht hatte, die Burg von Kul Tiras zu bewachen, wo es große Rivalitäten gab. »Ihr könnt Euren Rapport auch bei mir ablegen, und ich versichere Euch, dass ich seinen Inhalt an Lady Proudmoore weiterleiten werde.«

»Ich ziehe es vor, auf die Lady zu warten, Sir, wenn Ihr erlaubt.«

»Sie ist in offiziellen Angelegenheiten unterwegs.« Kristoff zog die Luft scharf ein. »Es könnte länger dauern.«

Der Oberst schenkte dem Kämmerer nun ihrerseits ein falsches Lächeln und meinte: »Die Lady ist eine Magierin. Wenn die Angelegenheit erledigt ist, wird sie innerhalb kürzester Zeit zurückkehren. Und sie wünschte, meine Meldung persönlich von mir zu erhalten.«

»Oberst...«

Was immer Kristoff sagen wollte, wurde von einem Geräusch übertönt, das die Ankunft von Lady Proudmoore ankündigte und von der Luft erzeugt wurde, die ihr materialisierender Körper verdrängte.

Besonders beeindruckend sieht sie nicht aus, dachte der Oberst wie stets, wenn es zu einer Begegnung kam. Aber Lorena hatte früh gelernt, dass man Magier nicht nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilen durfte. Sie selbst hatte sich ihr ganzes Leben lang darum bemüht, so männlich wie möglich auszusehen. Sie hielt ihr Haar kurz geschnitten, ließ die Beine unrasiert und trug Unterkleider, die ihre Brüste verbargen. Und trotzdem war sie mehr als einmal ob ihres Frauseins herabgewürdigt worden. Deshalb erstaunte es Lorena umso mehr, wie diese kleine dünne Frau mit dem goldenen Haar und den tiefblauen Augen es geschafft hatte, den Respekt so vieler zu erringen.

Teilweise, so nahm sie an, lag es an der Art, wie sie sich bewegte. Sie wirkte immer wie die größte Person, wo und neben wem sie auch gerade stehen mochte. Und das, obwohl sie objektiv und nüchtern betrachtet oft die Kleinste war. Ihre Kleidung war fast immer komplett weiß gehalten: Schuhe, Blusen, Hose, Umhang. Noch erstaunlicher aber war, dass diese Sachen weiß blieben.

Es nahm eine Woche jedes Jahres im Leben eines Soldaten in Anspruch, die weißen Verzierungen auf dem Brustpanzer davon abzuhalten, braun oder grau zu werden. Und die meisten hatten keinen Erfolg damit. Aber Lady Proudmoores Kleidung strahlte immer wie neu.

Lorena vermutete, dass das einer der positiveren Nebeneffekte eines Lebens als mächtige Magierin war.

»Oberst, Ihr seid zurück.« Lady Proudmoore redete, als wäre sie die ganze Zeit im Raum gewesen. »Bitte berichtet.«

Kurz und prägnant schilderte Lorena ihr und dem Kämmerer, was sie und ihre Leute in Northwatch erfahren hatten.

Kristoff schürzte die Lippen. »Ich habe noch niemals von diesem Flammenden Schwert gehört.«

»Ich schon.« Die Lady hatte ihre Kapuze zurückgeworfen, sodass ihr goldenes Haar offen herabfallen konnte. Sie saß an ihrem Tisch, während Lorena Bericht erstattete, und legte einen Finger an ihr Kinn. »Es gab einen Orc-Clan dieses Namens, aber er wurde vernichtet. Und einige Leute meiner Leibwache haben eine solche Gruppierung erwähnt.«

Lorena gefiel nicht, was sie hörte: Es war eine Sache, dass Strov davon gehört hatte. Aber wenn Gerüchte über diese Organisation die Leibwache der Lady erreichten, dann stimmte etwas nicht. »Das waren Orcs, Ma'am, davon bin ich überzeugt.«

»Oder sie sollten wie Orcs aussehen«, sagte Lady Proudmoore. »Sie benutzten offensichtlich Magie, was irritierend genug ist. Und deshalb könnten sie sich auch verkleidet haben. Immerhin, ein unprovozierter Angriff auf Menschensoldaten durch Orcs würde viel dazu beitragen, unser Bündnis zu destabilisieren.«

»Es ist genauso möglich«, warf Kristoff ein, »dass es Orc-Aufrührer sind, die den Namen dieses ausgestorbenen Clans für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.«

Lorena schüttelte ihren Kopf. »Das erklärt nicht, warum Strovs Bruder davon in einer Taverne in Theramore hörte.«

Die Lady nickte so tief in Gedanken versunken, als hätte sie vergessen, dass sich auch noch andere im Raum aufhielten. Lorena kannte nicht viele Zauberer, aber sie alle hatten die Tendenz, hin und wieder in tranceartige Zustände zu verfallen.

Doch anders als andere Magier, die oft einen Schlag auf den Kopf benötigten, um die Welt um sich her wieder wahrzunehmen, war Lady Proudmoore meist in der Lage, sich selbst zurück in die Realität zu holen.

Das tat sie gerade und stand dabei auf. »Oberst, ich möchte, dass Ihr diese Vereinigung namens Flammendes Schwert auskundschaftet. Wir müssen wissen, wer dahintersteckt, wie sie operiert und ganz besonders, ob sie Magie einsetzt. Wenn Orcs dafür rekrutiert wurden, warum sollten sie sich dann noch mit Menschen abgeben? Geht dem auf den Grund, Lorena. Setzt ein, was immer Ihr für nötig erachtet.«