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»Du darfst dich nicht davon beeinflussen lassen«, sagte er. »Solche Schrecken... mußten passieren. Der beste Schutz dagegen ist Vielzahl. Gesellschaft, weißt du. Gesellschaft ist das Fundament des Bauwerks, das wir Zivilisation nennen, der einzig wirksame Schutz gegen Gesetzlosigkeit. Du mußt solche... solche Vorkommnisse als Gang der Dinge sehen. Das vorhin war ein absoluter Einzelfall. Stell dir einfach vor, es waren Trolle. Ja! Trolle oder Gnome oder Bestien. Monster der übelsten Sorte. Kannst du das? Ich bin überzeugt, dass Wahrheit für sich sprechen muß. Eine sozio-konstitutionelle Ethik, könnte man sagen. Ha! Ha!«

Sein Lachen war mehr ein Stöhnen. Sie kontrapunktierte jeden seiner unvollendeten Sätze mit einem »Ja, Glen«, aber er schien es nicht zu hören. Glen roch leicht nach Erbrochenem. Die Schmetterlinge prallten gegen sie und flatterten auf ihren unergründlichen Schmetterlingswegen weiter. Fran und die anderen waren nun fast beim Farmhaus angelangt. Der Kampf hatte weniger als eine Minute gedauert. Weniger als eine Minute, aber Frannie vermutete, daß sie die Bilder lange nicht aus dem Kopf bekommen würde. Glen tätschelte ihre Hand. Sie wollte ihm sagen, er möge das sein lassen, befürchtete aber, daß er dann zu weinen anfing. Das Tätscheln konnte sie ertragen. Sie war nicht sicher, ob sie es ertragen konnte, Glen Bateman weinen zu sehen.

Stu wurde auf der einen Seite von Dayna Jürgens, dem blonden Mädchen, und auf der anderen von Harold flankiert. Susan Stern und Patty Kroger hatten die namenlose katatonische Frau zwischen sich, die in Archbold aufgelesen worden war. Shirley Hammett, die von dem Mann, der im Todeskampf Roger Rabbit gespielt hatte, auf kürzeste Distanz verfehlt worden war, ging ein Stück links, murmelte und schnappte ab und zu nach einem vorbeiflatternden Schmetterling. Die Gruppe kam langsam voran, aber Shirley Hammett konnte selbst dieses Tempo kaum mithalten. Das graue Haar hing ihr wirr ins Gesicht, ihre benommenen Augen sahen in die Welt wie ängstliche Mäuse, die aus einem vorübergehenden Versteck blickten.

Harold sah Stu unbehaglich an. »Wir haben sie vernichtet, Stu, was? Wir haben sie weggepustet. Ihnen die Ärsche aufgerissen.«

»Stimmt, Harold.«

»Mann, aber wir mußten es tun«, sagte Harold eindringlich, als hätte Stu angedeutet, daß es auch anders hätte kommen können. »Sie oder wir!«

»Sie hätten euch die Köpfe weggepustet«, sagte Dayna Jürgens leise. »Ich war mit zwei Typen zusammen, als die Kerle uns erwischt haben. Sie haben Rieh und Dämon aus dem Hinterhalt erschossen. Als es vorbei war, haben sie jedem noch eine Kugel in den Kopf gejagt, um ganz sicher zu gehen. Ihr mußtet es tun, jawohl. Normalerweise müßtet ihr jetzt tot sein.«

»Normalerweise müßten wir jetzt tot sein!« rief Harold zu Stu.

»Schon gut«, sagte Stu. »Nimm's nicht so schwer, Harold.«

»Klar. Null Problemo!« sagte Harold von Herzen. Er kramte mit fliegenden Fingern im Rucksack, holte einen Payday-Schokoriegel heraus und ließ ihn beinahe fallen, als er hektisch das Papier abriß. Er verfluchte ihn bitter, dann schlang er den Riegel hinunter, wobei er ihn wie einen Lutscher mit beiden Händen hielt. Sie hatten das Farmhaus erreicht. Harold mußte sich verstohlen betasten, während er den Schokoriegel aß - um sicherzustellen, dass er nicht verletzt war. Ihm war kotzübel. Er wagte kaum, sich zwischen die Beine zu sehen. Er war sicher, daß er in die Hose gepinkelt hatte, als das Fest beim rosa Wohnwagen so richtig in Schwung gekommen war.

Dayna und Susan erzählten während eines späten Frühstücks, bei dem alle niedergeschlagen auf ihren Tellern herumstocherten, ohne daß jemand einen Bissen aß, was sich zugetragen hatte. Patty Kroger, die siebzehn und eine Schönheit war, fügte gelegentlich etwas hinzu. Die namenlose Frau drückte sich in die entfernteste Ecke der Küche des Farmhauses. Shirley Hammett saß am Tisch, verdrückte schale Nabisco-Honigschnitten und murmelte vor sich hin.

Dayna hatte Xenia in Begleitung von Richard Darliss und Dämon Bracknell verlassen. Wie viele andere nach der Supergrippe noch in Xenia gelebt hatten? Sie hatte nur drei gesehen, einen alten Mann, eine Frau und ein kleines Mädchen. Dayna und ihre Freunde fragten das Trio, ob sie mitkommen wollten, aber der alte Mann winkte ab und erzählte etwas von »Geschäften in der Wüste«.

Am 8. Juli litten Dayna, Richard und Dämon unter Alpträumen vom Schwarzen Mann. Schlimmen Alpträumen. Rieh war sogar zur Überzeugung gelangt, daß es den Schwarzen Mann tatsächlich gab, sagte Dayna, und daß er in Kalifornien lebte. Rieh hatte die Vermutung, daß es sich bei diesem Mann um das »Geschäft in der Wüste« handelte, von dem der Alte in Xenia geredet hatte. Dayne und Dämon fürchteten um Richs geistige Gesundheit. Er nannte den Traum-Mann den »Hartgesottenen« und behauptete, daß er eine Armee von Hartgesottenen um sich versammelte. Er sagte, diese Armee würde bald von Westen aus losziehen und alle noch Lebenden versklaven, zuerst in Amerika, dann im Rest der Welt. Dayna und Dämon unterhielten sich heimlich darüber, ob sie Rieh eines Nachts zurücklassen sollten, denn sie waren zu der Überzeugung gekommen, daß ihre eigenen Alpträume die Folge von Richs beängstigenden Hirngespinsten waren.

In Williamson waren sie um eine Kurve gefahren und hatten einen großen Mülltransporter gesehen, der mitten auf der Straße auf der Seite lag. Daneben parkten ein Kombi und ein Abschleppwagen.

»Wir sind davon ausgegangen, daß es nur ein Unfall von vielen war«, sagte Dayna, die nervös einen Grahamcracker zwischen den Fingern zerkrümelte, »und genau das sollten wir natürlich auch denken.«

Sie stiegen von den Motorrädern ab, um sie um den Laster herumzuschieben, und da eröffneten die vier Hartgesottenen - um Richs Ausdruck zu verwenden - das Feuer aus dem Straßengraben. Sie hatten Rieh und Dämon getötet und sie, Dayna, ihrer Gruppe einverleibt, die sie manchmal den »Zoo« und manchmal den »Harem« nannten. Dayna war bereits die vierte Frau im »Harem«. Einer der drei anderen war Shirley Hammett, die damals noch fast normal gewesen war, obwohl sie wiederholt vergewaltigt worden war, auch anal, und man gezwungen hatte, bei allen vier Fellatio auszuführen. »Einmal«, sagte Dayne, »als sie sich mal in die Hosen geschissen hat, weil sich keiner der Kerle bequemte, mit ihr in die Büsche zu gehen, hat Ronnie ihr den Hintern mit einem Stück Stacheldraht abgewischt. Sie hat drei Tage lang aus dem After geblutet.«

»Jesus Christus«, sagte Stu. »Welcher war das?«

»Der Mann mit der Schrotflinte«, sagte Patty Kroger. »Dem ich den Schädel eingeschlagen habe. Ich wünschte, er würde hier vor mir liegen, damit ich es noch einmal machen kann.«

Den Mann mit dem sandfarbenen Bart und der Sonnenbrille hatten sie nur als »Doc« gekannt. Er und Virge gehörten zu einer Armeeinheit, die nach Akron geschickt worden war, als die Grippe ausbrach. Ihre Aufgabe war »Medienkontakt« gewesen, bei der Armee ein anderes Wort für »Medienunterdrückung«. Als sie diese Aufgabe einigermaßen im Griff hatten, waren sie der »Massenkontrolle« zugeteilt worden, ein Armeeausdruck für die Erschließung fliehender und das Hängen gefaßter Plünderer. Am 2.7. Juni, hatte Doc ihnen gesagt, wies die Befehlskette mehr Löcher als Glieder auf. Viele der eigenen Männer waren so krank, daß sie keinen Dienst mehr tun konnten, aber das spielte zu diesem Zeitpunkt schon keine Rolle mehr, da die Einwohner von Akron zu schwach waren, Nachrichten zu lesen oder zu schreiben, ganz zu schweigen davon, Banken und Juweliere zu überfallen. Am 30. Juni gab es die Einheit nicht mehr - ihre Mitglieder waren tot, lagen im Sterben oder waren in alle Winde zerstreut. Doc und Virge waren gewissermaßen die einzigen in alle Winde Zerstreuten, und da hatten sie ihr neues Leben als Zoowärter angefangen. Garvey war am 1. Juli dazugestoßen, Ronnie am 3. An diesem Punkt hatten sie keine neuen Mitglieder mehr in ihrem seltsamen kleinen Klub aufgenommen.

»Aber nach einer Weile müssen sie, die Gefangenen, doch in der Überzahl gewesen sein«, sagte Glen.