»Ha-ha, sehr komisch. Wie lange stehst du schon da, Klugscheißer?« »Ein paar Minuten. Wie nennst du das übrigens? Den Paarungstanz der wilden Waldente?«
»Noch maclass="underline" ha-ha.« Sie sah ihn kühl an. »Noch so ein dummer Witz, und du kannst heute nacht auf der Couch schlafen, oder mit deinem Freund Glen Bateman auf dem Flagstaff.« »Hör zu, ich wollte nicht...«
»Es ist auch Ihre Wäsche, Mr. Stuart Redman. Sie mögen einer der Gründerväter sein, aber Sie hinterlassen dennoch gelegentlich Bremsspuren in Ihren Unterhosen.«
Stu grinste, das Grinsen wurde breiter, schließlich fing er an zu lachen. »Das war deutlich, Liebling.«
»Im Moment ist mir auch nicht nach Höflichkeiten zumute.«
»Gut, komm einen Augenblick raus. Ich muß mit dir reden.«
Sie war froh, obwohl sie sich die Füße waschen mußte, bevor sie wieder in die Wanne stieg. Ihr Herz klopfte, aber nicht fröhlich, sondern überfordert wie eine getreue Maschine, die von jemand ohne gesunden Menschenverstand mißbraucht wird. Wenn es meine Ur-Ur-Großmutter so machen mußte, dachte sie, dann hatte sie vielleicht ein Anrecht auf das Zimmer, das schließlich der kostbare Salon ihrer Mutter wurde. Vielleicht hat sie es als Gefahrenzulage betrachtet oder so.
Sie betrachtete entmutigt Füße und Waden. Immer noch klebte ein grauer Film Seifenschaum daran. Sie wischte ihn mißfällig ab.
»Wenn meine Frau mit der Hand gewaschen hat«, sagte Stu, »hat sie immer ein... wie nennt man das noch? Ein Waschbrett, glaube ich, genommen. Soweit ich weiß, muß meine Mutter ungefähr drei gehabt haben.«
»Das weiß ich«, sagte Frannie gereizt. »June Brinkmeyer und ich haben ganz Boulder abgeklappert, um eins aufzutreiben. Wir haben kein einziges gefunden. Die Technologie hat zugeschlagen.«
Er lächelte wieder.
Frannie stemmte die Hände in die Hüften. »Willst du mich verarschen, Stuart Redman?«
»Nein. Aber ich glaube, ich weiß, wo ich dir ein Waschbrett besorgen kann. Und June, wenn sie eins haben will.«
»Wo?«
»Das muß ich erst noch sehen.« Sein Lächeln verschwand, er legte die Arme um sie und drückte seine Stirn an ihre. »Weißt du, ich finde es lieb von dir, daß du meine Wäsche wäschst«, sagte er, »und ich weiß, daß eine schwangere Frau besser als ihr Mann abschätzen kann, was sie tun und lassen sollte. Aber, Frannie, warum die Arbeit?«
»Warum?« Sie sah ihn perplex an. »Was willst du anziehen? Willst du in schmutziger Wäsche rumlaufen?«
»Frannie, die Läden sind voll von Kleidung, und ich habe eine gängige Größe.«
»Was? Die alten Sachen wegwerfen, nur weil sie schmutzig sind?«
Er zuckte unbehaglich die Achseln.
»Kommt nicht in Frage, hm-hm«, sagte sie. »Das ist die alte Denkweise, Stu. Wie die Schachteln, in denen die Big Macs waren, oder Einwegflaschen. Damit sollten wir nicht neu anfangen.«
Er küßte sie leicht. » Okay. Aber am nächsten Waschtag bin ich dran, hörst du?«
»Klar.« Sie lächelte listig. »Und wie lange gilt das? Bis ich entbunden habe?«
»Bis der Strom wieder eingeschaltet ist«, sagte Stu. »Dann besorge ich dir die größte, schönste Waschmaschine, die du je gesehen hast, und schließe sie eigenhändig an.«
»Angebot angenommen.« Sie küßte ihn, er erwiderte den Kuß, und seine kräftigen Hände fuhren rastlos durch ihr Haar. Davon wurde ihr warm (nein, heiß, warum so zimperlich, ich bin heiß, ich werde immer heiß, wenn er das macht), ihre Brustwarzen stellten sich auf, die Hitze breitete sich bis in den Unterleib aus.
»Hör lieber auf«, sagte sie außer Atem, »es sei denn, du willst mehr als mit mir reden.«
»Wir können ja später reden.«
»Die Wäsche...«
»Einweichen ist gut für den tiefen Schmutz«, sagte er ernsthaft. Sie fing an zu lachen, und er verschloß ihr den Mund mit einem Kuß. Als er sie aufhob, auf die Füße stellte und ins Haus führte, spürte sie die Wärme der Sonne auf den Schultern und dachte: Ist es schon jemals so heiß gewesen? War die Sonne schon jemals so stark? Die ganzen Pickel an meinem Rücken sind weg. Ob es an der ultravioletten Strahlung liegt? Oder an der Höhenluft? Ist es hier jeden Sommer so? Ist es immer so heiß?
Und dann machte er etwas mit ihr, schon auf der Treppe machte er es, machte sie nackt, machte sie heiß, liebte sie.
»Nein, du setzt dich«, sagte er.
»Aber...«
»Das ist mein Ernst, Frannie.«
»Stuart, die Wäsche quillt auf oder so. Ich habe ein halbes Paket Tide reingetan ...«
»Mach dir keine Sorgen.«
Sie setzte sich unter dem Vordach auf einen Liegestuhl. Nachdem sie wieder heruntergekommen waren, hatte er zwei draußen hingestellt.
Stu zog Schuhe und Socken aus und krempelte die Hosenbeine bis über die Knie hoch. Als er in die Wanne stieg und anfing, bierernst auf der Wäsche herumzustampfen, fing sie an zu kichern. Stu sah hinüber und sagte: »Willst du die Nacht auf der Couch verbringen?«
»Nein, Stuart«, sagte sie mit gespielter Reue, und dann fing sie wieder an zu kichern... bis ihr die Tränen die Wangen herabliefen und die kleinen Muskeln in ihrem Bauch sich weich wie Gummi anfühlten. Als sie sich wieder in der Gewalt hatte, sagte sie: »Zum dritten und letzten Mal, worüber wolltest du mit mir sprechen?«
»Ach ja.« Er marschierte hin und her und hatte schon ordentlich Schaum erzeugt. Ein Paar Bluejeans kamen an die Oberfläche, und er stampfte sie unter das Wasser zurück, so daß cremiger Seifenschaum auf den Rasen spritzte. Frannie dachte: Es sieht ein wenig aus wie... nein, Schluß jetzt, sonst bekommst du vom Lachen noch eine Fehlgeburt.
»Wir haben heute abend die erste Ad-hoc-Versammlung«, sagte Stu.
»Ich habe zwei Kästen Bier, Käsecracker, Käsedip und Peperoni, die eigentlich noch gut...«
»Darum geht es nicht, Frannie. Dick Ellis war heute hier und hat gesagt, daß er aus dem Komitee raus will.«
»Echt?« Sie war überrascht. Dick schien ihr nicht der Mann zu sein, der sich vor der Verantwortung drückte.
»Er meinte, er würde gern mitarbeiten, aber erst müßten wir hier einen Arzt haben, momentan sei es ihm unmöglich. Heute sind wieder fünfundzwanzig Leute angekommen, und eine Frau hatte eine Blutvergiftung im Bein. Von einem Kratzer, als sie unter einem rostigen Stacheldrahtzaun hindurchgekrochen ist.«
»Oh, das ist schlimm.«
»Dick hat sie gerettet... Dick und diese Krankenschwester, die mit Underwood gekommen ist. Ein großes, hübsches Mädchen. Laurie Constable heißt sie. Dick sagte, ohne sie wäre die Frau gestorben. Jedenfalls haben sie ihr das Bein unter dem Knie amputiert und sind völlig erschöpft. Sie haben drei Stunden gebraucht. Dann ist da noch ein kleiner Junge mit Krämpfen, und Dick ist halb verrückt, weil er nicht weiß, ob es Epilepsie ist oder eine Art Schädeldruck oder Diabetes. Sie haben einige Fälle von Lebensmittelvergiftung, Leute haben verdorbene Lebensmittel gegessen, und er sagt, daß Leute sterben werden, wenn wir nicht sofort Zettel drucken, damit die Leute erfahren, wie sie ihre Lebensmittel auswählen müssen. Mal sehen, wo war ich stehengeblieben? Zwei gebrochene Arme, zwei Grippefälle...«
»Mein Gott! Hast du Grippe gesagt?«
»Ruhig. Normale Grippe. Aspirin senkt das Fieber, keine Panik... und es geht nicht wieder hoch. Auch keine schwarzen Flecken am Hals. Aber Dick weiß nicht, welche Antibiotika er anwenden soll, wenn überhaupt, und er sitzt bis in die Nacht hinein, um es rauszufinden. Außerdem hat er Angst, die Grippe könnte um sich greifen und die Leute in Panik versetzen.«
»Wer ist es?«
»Eine Dame namens Rona Hewett. Sie ist fast den ganzen Weg von Laramie, Wyoming, bis hierher zu Fuß gegangen, und Dick sagt, sie war anfällig.«