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»Tschüs, Larry«, sagte Lucy. Ihr Gesicht war wachsbleich.

»Vergiß es nicht, Stuart«, sagte Frannie. »Vergiß nicht, was du geschworen hast.«

»Ja. Ich vergesse es nicht.«

Glen steckte zwei Finger in den Mund und pfiff. Kojak, der einen Kanaldeckel inspizierte, kam gelaufen.

»Also, gehen wir«, sagte Larry. Er war genauso blaß wie Lucy, seine Augen unnatürlich hell, fast glitzernd. »Bevor ich die Nerven verliere.«

Stu warf Fran eine Kußhand zu, was er nicht mehr getan hatte, fiel ihm ein, seit seine Mutter ihn zum Schulbus brachte. Frannie winkte ihm zu. Die Tränen wollten wieder strömen, heiß und brennend, aber sie unterdrückte sie. Sie brachen auf. Sie gingen einfach fort. Sie hatten schon den halben Block hinter sich, und irgendwo sang ein Vogel. Die Mittagssonne war warm und unspektakulär. Sie kamen zum Ende des Blocks. Stu drehte sich um und winkte. Auch Larry winkte. Fran und Lucy winkten zurück. Sie gingen über die Straße. Sie waren fort. Lucy erschien beinahe krank vor Angst und Kummer.

»Großer Gott«, sagte sie.

»Gehen wir rein«, sagte Fran. »Ich will Tee.«

Sie gingen rein. Fran stellte den Teekessel auf. Das Warten hatte begonnen.

Den Nachmittag über zogen die vier langsam nach Südwesten, ohne viel zu reden. Ihr erstes Ziel war Golden, wo sie die erste Nacht verbringen wollten. Sie kamen an den Beerdigungsplätzen vorbei - es waren inzwischen drei -, und gegen vier Uhr, als ihre Schatten länger und der Tag kühl wurden, erreichten sie das Ortsschild am südlichen Stadtrand von Boulder. Einen Augenblick hatte Stu das Gefühl, daß sie alle kurz davor waren, wieder umzukehren und nach Hause zu gehen. Vor ihnen lagen Dunkelheit und Tod. Hinter ihnen ein wenig Wärme, ein wenig Liebe.

Glen nahm ein grobes Taschentuch aus der Gesäßtasche und band es sich um den Kopf. »Kapitel dreiundvierzig«, sagte er hohl. »Der kahlköpfige Soziologe legt sein Schweißband an.« Kojak war vorausgelaufen und schon über der Grenze von Golden, wo er fröhlich in den Wildblumen schnupperte.

»O Mann«, sagte Larry mit fast schluchzender Stimme. »Ich habe das Gefühl, als wäre dies das Ende von allem.«

»Ja«, sagte Ralph. »Das Gefühl habe ich auch.«

»Will jemand umkehren?« fragte Glen ohne große Hoffnung.

»Kommt«, sagte Stu und lächelte. »Hunde, wollt ihr ewig leben?«

Sie gingen weiter und ließen Boulder hinter sich. Gegen neun Uhr abends machten sie in Golden Rast, eine halbe Meile von dem Punkt entfernt, von dem aus die Route 6 sich am Clear Creek entlang und ins steinerne Herz der Rockies zu winden beginnt.

In dieser ersten Nacht schlief keiner gut. Sie fühlten sich schon weit von zu Hause entfernt und unter dem Schatten des Todes.

BUCH III 

DAS LETZTE GEFECHT

7. September 1990 - 10. Januar 1991

This land is your land,

this land is my land,

front California

to the New York island,

from the redwood forests,

to the Gulf stream waters,

this land was made for you and me.

Woody Guthrie

»He, Müll, was hat die alte Oma Semple gesagt, als du ihren Rentenscheck verbrannt hast?« 

Carley Yates

When the night has come

And the land is dark

And the moon is the only light we'll see, I won't be afraid

Just as long as you stand by me.

Ben E. King 

61

Der dunkle Mann hatte überall entlang der östlichen Grenze Oregons Posten errichtet. Der größte befand sich in Ontario, wo die I-80 von Idaho herüberführt; hier hatten sich sechs Männer im Anhänger eines großen Peterbilt-Lastwagens einquartiert. Sie saßen schon eine Woche und spielten Poker um Zwanziger und Fünfziger, die so wenig wert waren wie Monopoly-Geld. Ein Mann lag etwa sechzigtausend Dollar voraus, und ein anderer - ein Mann, dessen Jahresgehalt in der Welt vor der Seuche etwa zehntausend Dollar betragen hatte - war über vierzigtausend in den Miesen. 

Es hatte fast die ganze Woche geregnet die Stimmung im Anhänger war gereizt. Sie waren aus Portland gekommen und wollten dorthin zurück. In Portland gab es Frauen. An einem Nagel hing ein starkes Funkgerät, aus dem nur Statik zu hören war. Sie warteten auf zwei schlichte Worte: Kommt zurück. Das würde bedeuten, daß der Mann, nach dem sie Ausschau hielten, anderswo gefangengenommen worden war.

Der Mann, den sie suchten, war etwa siebzig Jahre alt, kräftig, mit schütterem Haar. Er trug eine Brille und fuhr einen blauen, weiss abgesetzten Wagen mit Vierradantrieb, entweder einen Jeep oder einen International Harvester. Sobald sie ihn sahen, sollte er getötet werden.

Sie waren nervös und langweilten sich - der Reiz des Neuen, um höchste Einsätze echten Geldes zu pokern, war selbst dem dümmsten unter ihnen schon vor zwei Tagen vergangen -, aber sie langweilten sich nicht so sehr, daß sie einfach auf eigene Faust nach Portland zurückgekehrt wären. Sie hatten ihre Befehle vom Wandelnden Gecken selbst bekommen, und wenn ihnen auch der vom Regen verursachte Kabinenkoller zusetzte, überwog doch die Angst vor ihm. Wenn sie ihren Job verpatzten und er es herausfand, dann helfe ihnen Gott.

Daher spielten sie Karten und hielten abwechselnd Wache an dem Beobachtungsschlitz, der an der Seitenwand des Anhängers durch den Stahl geschnitten worden war. Die I-80 lag im stumpfsinnigen, unablässigen Regen verlassen da. Aber wenn der Kundschafter in Sicht kam, würde er gesehen... und aufgehalten werden.

»Er ist ein Spion von drüben«, hatte der Wandelnde Geck gesagt und dabei das Gesicht zu einem entsetzlichen Grinsen verzerrt. Warum dieses Grinsen so fürchterlich war, hätte keiner von ihnen sagen können, aber wenn er einen angrinste, hatte man das Gefühl, als würde sich das eigene Blut in heiße Tomatensuppe verwandeln.

»Er ist ein Spion. Wir könnten ihn mit offenen Armen empfangen. Wir könnten ihn herumführen, ihm alles zeigen und ohne Schaden für uns wieder zurückschicken. Aber ich will ihn. Ich will sie beide. Und bevor der erste Schnee fällt, werden wir ihre Köpfe über die Berge zurückschicken. Daran können sie den ganzen Winter kauen.« Und er hatte vor den Leuten, die sich in einem der Konferenzräume des Gemeindezentrums von Portland um ihn versammelt hatten, heißes Lachen hinausgebrüllt. Sie ' hatten ebenfalls gelacht, aber es war ein kaltes, unbehagliches Lachen gewesen. Sie hätten sich gegenseitig dazu gratulieren können, daß sie für so eine Verantwortung auserkoren worden waren, aber innerlich wünschten sie, der Blick seiner fröhlichen und entsetzlichen Wieselaugen wäre nicht ausgerechnet auf sie gefallen.

Ein weiterer großer Wachtposten befand sich weit südlich von Ontario, in Sheaville. Hier hielten sich vier Männer in einem kleinen Haus dicht an der 1-95 auf, die sich dort zur Alvord Desert mit ihren unheimlichen Felsformationen und dunklen, trüben Wasserläufen hinunterschlängelte.