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Dann Düsternis, Gesichter und Stimmen, an die er sich nicht erinnern kann, und schließlich war er hier zu sich gekommen, in dem kleinen Haus, das er mit eigenen Händen am Stadtrand von Mountain City gebaut hat. Heute war heute, die Woge der Rebellion, die über das Land gekommen war, war längst wieder zurückgeflutet, die jungen Boys von damals waren heute größtenteils alte Fürze mit Grau in den Barten und großen Kokslöchern, wo die Nasenscheidewand gewesen war, und dies waren die Trümmer, Baby, das Treibgut. Der Junge mit dem gelben Tanga, das war schon lange her, und in Bomder war Kit Bradenton selbst kaum mehr als ein Junge gewesen.

Mein Gott, sterbe ich?

Er verdrängte den Gedanken voll quälendem Entsetzen, während die Hitze in seinem Kopf wie ein Sandsturm wehte und wogte. Und plötzlich hörten seine raschen, flachen Atemzüge auf, als draußen vor der geschlossenen Schlafzimmertür ein Geräusch einsetzte. Erst dachte Bradenton, es wäre eine Feuerwehrsirene oder eine Polizeisirene. Sie schwoll an und wurde lauter, je näher sie kam; dazwischen konnte er das abgehackte Pochen von Schritten hören, die unten in die Diele eindrangen, durchs Wohnzimmer stürmten und dann wie eine Stampede die Treppe herauf.

Er drückte sich ins Kissen, und sein Gesicht verzog sich zur Leichenstarre des Entsetzens, während die Augen zu großen Kreisen in dem aufgequollenen schwarzen Gesicht wurden und die Geräusche näher kamen. Keine Sirene mehr, sondern ein Schrei, schrill und trillernd, ein Schrei, den keine menschliche Kehle erzeugen oder ausstoßen konnte, gewiß der Schrei einer Banshee oder eines schwarzen Charon, der gekommen war, um ihn über den Fluß zu bringen, der das Land der Lebenden vom Land der Toten trennte.

Jetzt kamen die polternden Schritte im oberen Flur direkt auf ihn zu, die Dielen ächzten und quietschten und protestierten unter dem Gewicht der gnadenlosen abgetretenen Absätze, und plötzlich wußte Kit Bradenton, wer es war, und fing an zu schreien, als der Mann im verblichenen Jeansjäckchen auch schon hereingeplatzt kam; in seinem Gesicht spielte das mörderische Grinsen wie ein surrender weißer Kreis aus Messern, und dabei war dieses Gesicht so fröhlich wie das eines übergeschnappten Nikolaus, der einen verzinkten Stahleimer hoch über der rechten Schulter trug.

»HIIIIIIAAAAAHHHHHH!«

»Nein!« kreischte Bradenton und schlug entkräftet die Arme vors Gesicht. »Nein! Neiiiin...!«

Der Eimer kippte, und das Wasser strömte heraus, schien einen Moment im gelben Lampenschein zu hängen wie der größte ungeschliffene Diamant im Universum, und er konnte das Gesicht des dunklen Mannes dahinter erkennen, das reflektiert und zur Fratze eines übermütig grinsenden Trolls gebrochen wurde, der gerade aus den tiefsten scheißegefüllten Eingeweiden der Hölle heraufgekommen ist, um die Erde heimzusuchen; dann platschte das Wasser auf ihn, so kalt, daß sein zugeschwollener Hals momentan aufging und dicke Blutströpfchen aus seinen Wänden preßte, Atem wie ein Schock in ihn hineinzwängte und ihn dazu brachte, die Decke mit einem einzigen konvulsivischen Tritt über die Bettkante zu befördern, damit sein ganzer Körper wie ein Taschenmesser zusammenklappen konnte, als teuflische Krämpfe von diesen unwillkürlichen Bewegungen durch ihn hindurchrasten wie beißende Windhunde auf der Flucht.

Er schrie und schrie. Dann lag er zitternd da, sein fiebriger Körper war vom Scheitel bis zur Sohle tropfnaß, in seinem Kopf pochte es, und die Augen quollen ihm aus den Höhlen. Sein Hals wurde wieder zu einem wunden Schlitz, er rang erneut kläglich nach Atem. Er schlotterte am ganzen Körper.