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»Das wird ein Tag werden«, sagte Larry und dachte daran, wie schön es sein würde, mit einer großen Fender-Gitarre und einem noch größeren Verstärker im Shannon's oder Broken Drum zu sitzen und etwas zu spielen - irgend etwas, wenn es nur unkompliziert war und einen schweren Rhythmus hatte - bei voller Lautstärke. Vielleicht »Gloria« oder »Walkin' the Dog«. Irgend etwas, nur nicht »Baby, Can You Dig Your Man?«

»Vielleicht«, sagte Fran, »sollten wir uns trotzdem eine Ausrede überlegen. Für alle Fälle.«

Larry grinste schief. »Willst du etwa sagen, wir verkaufen Zeitschriftenabos, wenn einer zurückkommt?«

»Ha-ha, Larry.«

»Nun, wir könnten sagen, daß wir gekommen sind, um das zu berichten, was du mir gerade gesagt hast, von wegen Strom wieder einschalten. Wenn sie da ist.«

Fran nickte. »Ja, das wäre gut.«

»Mach dir nichts vor, Fran. Sie wäre selbst dann argwöhnisch, wenn wir ihr sagen würden, daß Jesus Christus gerade wiedergekommen ist und auf dem Wasserturm hin und her läuft.«

»Wenn sie schuldig ist.«

»Ja. Wenn sie schuldig ist.«

»Komm«, sagte Fran nach kurzem Zögern. »Gehen wir.«

Sie brauchten die Ausrede nicht. Lautes, anhaltendes Klopfen an Vorder- und Hintertür überzeugte sie davon, daß Harolds Haus tatsächlich leer war. Um so besser, dachte Frannie - je mehr sie über ihre Ausrede nachdachte, um so dünner kam sie ihr vor.

»Wie bist du reingekommen?« fragte Larry.

»Durchs Kellerfenster.«

Sie gingen zur Seite des Hauses, und Larry zog und zerrte vergeblich an dem Fenster, während Frannie Schmiere stand.

»Damals vielleicht«, sagte er, »aber jetzt ist es abgeschlossen.«

»Nein, es klemmt nur. Laß mich versuchen.«

Aber sie hatte auch nicht mehr Glück. Irgendwann zwischen ihrem ersten heimlichen Besuch und heute hatte Harold das Fenster verriegelt.

»Was machen wir jetzt?« fragte sie.

»Laß uns einbrechen.«

»Larry, das merkter doch.«

»Soll er. Wenn er nichts zu verbergen hat, wird er denken, daß es nur ein paar Kinder waren, die Fensterscheiben von leeren Häusern eingeschlagen haben. Mit den runtergelassenen Rollos sieht es eindeutig leer aus. Und wenner etwas zu verbergen hat, dann wird es ihm eine Menge Kopfzerbrechen machen, aber das geschieht ihm dann auch recht. Richtig?«

Sie sah zweifelnd drein, hinderte ihn aber nicht, als er sein Hemd auszog, um Hand und Unterarm wickelte und das Kellerfenster eindrückte. Glas fiel klirrend nach innen; er tastete nach dem Riegel.

»Hab' ihn.« Er drückte ihn zurück und schob das Fenster auf. »Sei vorsichtig, Mädchen. Bitte keine Fehlgeburten in Harold Lauders Keller.«

Er griff ihr unter die Arme und half ihr herunter. Sie sahen sich gemeinsam im Kellerraum um. Die Krocketschläger standen Wache. Auf dem Tischhockey lagen Schnipsel von bunten Stromkabeln.

»Was ist das?« sagte sie und hob ein Stück auf. »Das war vorher nicht da.«

Er zuckte die Achseln. »Vielleicht bastelt Harold an einer Mausefalle.«

Er angelte sich den Karton, der unter dem Tisch stand. Auf dem Deckel hieß es: DELUXE REALISTIC WALKIE-TALKIE SET, BATTERIES NOT INCLUDED. Larry öffnete den Karton, aber das Gewicht hatte ihm schon verraten, daß er leer war.

»Er baut keine Mausefallen, sondern Walkie-talkies«, sagte Fran.

»Nein, dies war kein Bausatz. Diese Dinger kauft man fertig. Vielleicht wollte er es irgendwie umbauen. Das würde Harold ähnlich sehen. Weißt du noch, wie Stu sich über den Walkie-talkie-Empfang geärgert hat, als er und Harold und Ralph Mutter Abagail gesucht haben?«

Sie nickte, aber etwas an diesen Drahtabfällen machte ihr Sorgen. Larry ließ den Karton auf den Boden fallen und machte eine Bemerkung, die er später als den größten Irrtum seines Lebens ansehen sollte. »Ist nicht wichtig«, sagte er. »Gehen wir.«

Sie gingen die Treppe hinauf, aber diesmal war die obere Tür abgeschlossen. Sie sah ihn an, und Larry zuckte die Achseln. »Wir sind soweit gekommen, richtig?«

Fran nickte.

Larry stieß ein paarmal mit der Schulter gegen die Tür, um den Riegel auf der anderen Seite zu prüfen, dann warf er sich kräftig dagegen. Sie hörten ein metallisches Knacken, ein Klirren, und die Tür sprang auf. Larry bückte sich und hob Schrauben und Riegel vom Linoleumfußboden der Küche auf. »Das schraube ich wieder an, und er wird nichts merken. Das heißt, wenn ich einen Schraubenzieher auftreibe.«

»Wozu die Mühe? Er wird das eingeschlagene Fenster sehen.«

»Das stimmt. Aber wenn der Riegel wieder an der Tür ist, wird er... warum lachst du?«

»Bring meinetwegen den Riegel wieder an. Aber wie willst du ihn von der Kellerseite zumachen?«

Er dachte darüber nach und sagte: »Verdammt, wenn ich etwas hasse, dann neunmalkluge Weiber.« Er warf den Riegel auf den Küchentresen. »Sehen wir unter dem Kaminstein nach.«

Sie gingen in das halbdunkle Wohnzimmer, und Fran spürte, wie Angst in ihr hochkroch. Beim letzten Mal hatte Nadine keinen Schlüssel gehabt. Diesmal schon, wenn sie zurückkam. Es wäre ein schlechter Witz, wenn Stus erste Amtshandlung als Marshai darin bestehen sollte, seine eigene Frau wegen Einbruchs festzunehmen.

»Dort drüben, nicht«, sagte Larry und zeigte auf den Kamin.

»Ja. Beeil dich.«

»Die Möglichkeit ist ohnehin groß, daß er es anderswo versteckt hat.« Das hatte Harold auch. Nadine hatte es wieder unter dem losen Kaminstein verstaut. Das wußten Larry und Fran natürlich nicht, aber als Larry den losen Kaminstein weggezogen hatte, lag das Buch in dem Hohlraum darunter, und das Wort HAUPTBUCH glänzte ihnen in goldgeprägten Buchstaben entgegen. Sie sahen es beide an. Plötzlich schien es heißer, stickiger und dunkler in dem Zimmer zu sein.

»Nun«, sagte Larry. »Wollen wir es bewundern oder lesen?«

»Lies du«, sagte Fran. »Ich will es nicht einmal anfassen.«

Larry nahm es aus der Vertiefung und wischte automatisch den weißen Steinstaub vom Einband. Er blätterte es wahllos durch. Es war mit einem Filzstift beschrieben worden, der unter dem kämpferischen Markennamen Hardhead in den Handel gekommen war. Mit ihm hatte Harold mit gedrängter winziger Schrift schreiben können - der Schrift eines äußerst gewissenhaften Mannes, vielleicht eines Besessenen. Es gab keine Absätze. Rechts und links war nur ein winziger Rand, aber dieser Rand war so gleichmäßig und gerade, daß er mit dem Lineal hätte gezogen sein können.

»Ich brauche drei Tage, um das alles zu lesen«, sagte Larry und blätterte zum Anfang des Buches zurück.

»Halt«, sagte Fran und griff über seinen Arm, um ein paar Seiten zurückzublättern. Hier war der gleichmäßig fließende Text durch einige scharf umrandete Stellen unterbrochen. Die umrandeten Stellen schienen jeweils eine Art Motto darzustellen:

Seinem Stern zu folgen bedeutet, sich einer höheren Macht, einer Vorsehung auszuliefern; aber ist es nicht dennoch möglich, dass dieser Akt der Selbstentäußerung den Zugang zu noch größerer Macht erschließt? Dein GOTT, dein TEUFEL hat den Schlüssel zum Leuchtturm; ich habe mich in den letzten zwei Monaten sehr intensiv damit auseinandergesetzt; aber jedem von uns hat er die Verantwortung des NAVIGIERENS selbst überlassen.

HAROLD EMERY LAUDER

»Tut mir leid«, sagte Larry. »Das ist mir zu hoch. Verstehst du das?«

Fran schüttelte langsam den Kopf. »Ich vermute, Harold will damit ausdrücken, daß Gehorchen genauso ehrenhaft ist wie Befehlen. Aber als Sprichwort kann es >Spare in der Zeit, dann hast du in der Not< gewiß nicht verdrängen.«

Larry blättert e noch ein Stück nach vorn und fand vier oder fünf weitere umrandete Maximen, unter denen in Großbuchstaben Harolds Name stand. »Puuuh«, sagte Larry. »Sieh dir das an, Frannie.«