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Blitzschnell, sodass das Auge kaum folgen konnte, sprang sie auf. Einen Herzschlag später schwebte ein riesiger roter Drache über Thrall. Der feine graue Staub des toten Landes wurde aufgewirbelt und bedeckte seine Haut und Kleidung. Seine Augen tränten. Er sprang ebenfalls auf, trat schnell zurück und fragte sich, was wohl als Nächstes geschehen würde.

„Ja, dafür wurde ich gemacht“, sagte Alexstrasza. Ihre Stimme klang nun tiefer, rauer und voller Wut und glühender Bitterkeit. „Ich wurde zur Lebensbinderin, ohne wirklich zu verstehen, was damit von mir verlangt wurde. Und was von mir verlangt wird, ist nicht länger auszuhalten. Ich habe alles geopfert und gegeben, habe geholfen und gekämpft. Und mein Lohn ist mehr Schmerz, mehr Sehnsucht und der Tod aller, die ich liebe. Ich will Euch nicht töten, aber ich werde es tun, Orc, wenn Ihr mich weiter belästigt. Nichts ist wichtig! Nichts! GEHT!“

Er versuchte es noch einmal. „Bitte“, sagte er. „Bitte denkt doch an die Unschuldigen, die...“

„GEHT!“

Alexstrasza bäumte sich auf, schlug mit den Flügeln und öffnete ihr riesiges, scharfzahniges Maul. Thrall floh. Eine Wand aus auflodernden orangeroten Flammen stülpte sich über den Stein, auf dem er eben noch gesessen hatte. Er hörte, wie sie erneut Atem holte, und lief halb rennend, halb stürzend den Berg hinab.

Ein Brüllen erfüllte die schwere Luft. Es war eine Mischung aus Wut und Angst, und Thralls Herz schmerzte vor Sorge um den trauernden Aspekt. Er wünschte, er hätte einen Weg finden können, an sie heranzukommen. Der Gedanke, dass sie hier sterben würde, allein, aus Mangel an Nahrung und Wasser und an gebrochenem Herzen, schmerzte ihn. Er stellte sich mit Bedauern Reisende vor, die eines Tages ihre Knochen finden würden, ausgeblichen und alt wie die anderen Skelette, die diese Landschaft bedeckten.

Er rutschte und schlitterte den Rest des Weges hinab. Zerschrammt, voll bedrückender Gedanken und mit schweren Schritten erreichte er den Treffpunkt mit Tick. Der Drache kreiste einen Moment über ihm, dann landete er und betrachtete ihn traurig.

„Wohin soll ich Euch bringen, Thrall?“, fragte Tick leise.

„Wir fliegen zum Nexus, so wie geplant“, sagte Thrall, seine Stimme klang rau. „Wir werden die blauen Drachen überzeugen, sich mit den anderen Schwärmen zu vereinen, wie Nozdormu es wollte.“

„Und... wir fliegen allein.“

Thrall nickte. „Allein.“ Er blickte zum Umriss des großen roten Drachen hinauf, dessen Flügel wild schlugen. Ihr Körper wand sich, als sie den gehörnten Kopf zurückwarf. Vielleicht würde sie es sich noch einmal überlegen, wenn sie erst merkte, was die anderen Drachen taten. „Zumindest für den Augenblick.“

Doch selbst während sie nach Norden flogen, konnte Thrall über Ticks Flügelschlag das bittere, brüllende Trauern der gebrochenen Lebensbinderin hören.

Wie ein Schatten, der sich zur Dämmerung über das Land ausbreitete, erhob sich etwas Dunkles aus einem Hohlraum, in dem es sich verborgen gehalten hatte. Die Gestalt war weit genug entfernt, sodass sie nicht gesehen wurde, aber noch nahe genug an der Beute dran, um in Reichweite zu bleiben. König Aedelas Schwarzmoor folgte Thrall auf einem Zwielichtdrachen.

Der Wind wehte sein langes schwarzes Haar zurück. Sein Gesicht war zwar grausam, doch nicht hässlich. Ein kurz geschnittener Spitzbart umgab seine Lippen und seine blauen Augen lagen zwischen den elegant geschwungenen schwarzen Brauen.

Nach dem ersten Angriff hatte Schwarzmoor sich entschieden, Thrall nicht durch die Zeitwege zu folgen. Das war zu kniffelig. Die Wahrscheinlichkeit, dass seine Beute ihm entkam und ihn auf eine fruchtlose Jagd führte, war einfach zu groß.

Besser war es, abzuwarten, auf den richtigen Moment zu lauern und bereit zu sein, denn er wusste, dass Thrall schließlich erscheinen musste.

Thrall. Er hatte genug von Thrall gehört, dass er ihn mit einem Messer zerlegen wollte. Thrall, der ihn getötet hatte, dessen schiere Existenz aus Schwarzmoor einen betrunkenen Feigling gemacht hatte. Thrall, der eine Orc-Armee gegen Durnholde geführt hatte. Nein, es war die reine Freude, die vor ihm lag. Der Sieg würde umso süßer sein, wenn man die Herausforderung bedachte, die die Grünhaut momentan darstellte.

Flieg weg, Orc, murmelte er. Seine dünnen Lippen kräuselten sich. Flieg, doch du entkommst mir nicht.

Ich werde dich finden und ich werde dich töten. Und dann werde ich dabei helfen, die Welt zu zerstören.

13

Thrall musste sich selbst eingestehen, dass er sich nicht sonderlich wohl dabei fühlte, den blauen Drachenschwarm in dessen eigenem Bau aufzusuchen. Der Umgang mit den riesigen Echsen war keinesfalls weniger einschüchternd geworden. Je mehr er über Drachen erfuhr, desto mehr imponierten sie ihm – grüne und bronzene Drachen oder die starke, doch an gebrochenem Herzen leidende Lebensbinderin, die fraglos der mächtigste Drache in ganz Azeroth war. Selbst der kleinste Drache konnte ihn mit einem einzigen Schwanzschlag unter seinen Klauenfüßen zerschmettern.

Doch sie hatten ihn nicht nur physisch beeindruckt. Ihre Gehirne waren nicht wie die der „kurzlebigen“ Völker, wie sie sie nannten. Sie dachten in größeren Maßstäben, und egal, wie lange er leben würde, Thrall wusste, dass er nur einen winzigen Teil ihrer Komplexität erahnen konnte. So wie Yseras Verträumtheit, die selbst als Erwachte Dinge sah, die kein anderes Wesen erkennen konnte. Oder das Erschaffen des Lebens auf Nozdormus Schuppen und der Schmerz einer Drachendame, die das Mitgefühl der Welt in ihrem Herzen trug...

Jetzt flogen Thrall und Tick direkt zu dem Schwarm, der kürzlich so viel Schaden angerichtet hatte. Sein Aspekt war eigentlich als Wächter der arkanen Magie auf dieser Welt ausersehen. Doch Malygos war wahnsinnig geworden. Als er dann endlich gesundete, hatte er Dinge getan, die schlimmer waren als alles, was er im Wahn angerichtet hatte. Thrall war nicht im Smaragdgrünen Traum gewandelt. Doch er hatte sein Bestes gegeben, Alexstrasza zu helfen. Schließlich hatte er den Zeitlosen erleuchten können.

Aber die Blauen...

Sie mochten die „niederen Völker“ nicht, dieser Schwarm – Meister der arkanen Magie – lebte in Klimazonen, die so blau, weiß und kalt waren wie sie selbst.

Er lachte bitter, als er an das Treffen dachte. „Vielleicht hätte ich einfach zu Hause bleiben sollen“, sagte er zu Tick.

„Wenn Ihr das getan hättet“, vermutete Tick, „dann wäre dieser Zeitweg noch viel mehr verändert worden – und Ihr hättet meinen Artgenossen noch mehr Arbeit bereitet.“

Thrall brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass der bronzene Drache, obwohl er meist sehr ernst war, offensichtlich auch einen Sinn für Humor hatte. Thrall lachte.

Das Blaugrau des kühlen Ozeans unter ihm, das Thrall fast ausschließlich auf dieser Reise begleitet hatte, wandelte sich zu weißgrauen Klippen. Thrall hatte an diesem Tag bereits einige beeindruckende Anblicke erlebt. Doch der Nexus übertraf sie alle.

Er war blau, völlig blau, mit silbernen und weißen Einsprengseln hier und dort. Mehrere flache Scheiben schwebten in der Luft, die um den Nexus selbst angeordnet waren. Als Tick näher heranflog, konnte Thrall erkennen, dass diese Scheiben Plattformen waren. Ihre Böden waren mit eingelegten leuchtenden Siegeln durchzogen, und auf einigen standen schöne kristalline Bäume, deren Äste aus Eis geformt schienen, mit Frost auf den Blättern.

Der Nexus selbst schien aus vielen Ebenen zu bestehen, jede über Stränge magischer Energie mit der darüber verbunden. Er gehörte fraglos zu den schönsten Orten, die Thrall je gesehen hatte. Mehrere Drachen kreisten träge um den Nexus – ihre Körper leuchteten in allen Schattierungen von Himmelblau über Aquamarin bis Kobaltblau.

Thrall und Tick wurden natürlich fast augenblicklich bemerkt und vier blaue Drachen lösten sich von den anderen und kamen näher. Ihre Ablehnung richtete sich zunächst nicht gegen den Orc, sondern gegen den bronzenen Drachen. Thrall wurde von ihnen völlig ignoriert.