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Jav rannte ihm nach und schrie dabei vor Entsetzen.

»Hab Mitleid, Tario! Hab doch Mitleid! Denk doch an die lange Zeit, die ich dir treu gedient habe. Denk doch an alles, was ich für Lothar getan habe. Rette mich! Verdamme mich nicht zu einem so schrecklichen Tod! Rette mich! Rette mich!«

Aber Tario lachte nur höhnisch und hob den Wandbehang auf, der die kleine Tür verdeckte.

Jav wandte sich zu Carthoris um.

»Halt ihn auf!« kreischte er. »Du mußt ihn aufhalten! Wenn dir dein Leben lieb ist, darfst du ihn nicht aus diesem Raum hinausgehen lassen!« Und mit diesen Worten rannte er seinem Jeddak nach.

Carthoris folgte Javs Beispiel, aber der letzte der Jeddaks von Barsoom war zu flink für beide. Als sie nämlich die kleine Tür erreichten, durch die er verschwunden war, fanden sie, daß eine schwere Steintür ihnen den Weiterweg versperrte.

Jav sank, von Entsetzen geschüttelt, zu Boden.

»Mensch, wir sind doch noch nicht tot!« rief Carthoris.

»Reiß dich zusammen! Wir wollen auf die Straße laufen und versuchen, die Stadt zu verlassen. Wir leben doch noch! Und solange wir leben, müssen wir versuchen, unser Schicksal fest in die Hand zu nehmen und es selbst zu bestimmen. Wofür soll es gut sein, wenn du dich rückgratlos auf den Boden fallen läßt? Komm, sei doch ein Mann!« Aber Jav schüttelte nur den Kopf.

»Hast du denn nicht gehört, wie er seine Leibwache rief?« ächzte er. »Ah, wenn wir ihn nur hätten aufhalten können! Dann hätten wir wenigstens hoffen können. Aber leider – er war viel zu flink für uns.«

»Na, schön«, antwortete Carthoris ungehalten. »Und wenn er die Leibwache rief? Wenn sie kommen, haben wir immer noch Zeit genug, uns darüber den Kopf zu zerbrechen. Im Moment glaube ich noch gar nicht daran, daß sie’s wirklich so schrecklich eilig haben, dem Ruf ihres Jeddaks zu folgen.« Jav schüttelte betrübt den Kopf.

»Das verstehst du nicht«, sagte er. »Die Leibwache war schon da – und ist schon wieder weg. Sie haben ihre Arbeit getan, und wir sind verloren. Schau dir doch einmal die verschiedenen Ausgänge an.« Carthoris und Thuvia wandten sich zu den Türen um und stellten fest, daß alle mit riesigen Steinquadern verschlossen waren. »Na, und?« fragte Carthoris. »Wir müssen sterben«, flüsterte Jav matt.

Mehr wollte er nicht sagen. Er setzte sich auf die Kante von des Jeddaks Couch und wartete.

Carthoris trat neben Thuvia und hatte sein blankes Schwert in der Hand. Unablässig suchte er mit den Augen den ganzen Saal ab, damit nicht unbemerkt ein Feind auf sie eindringen konnte. Die Minuten erschienen ihnen wie Stunden, und nichts durchbrach die Grabesstille. Von nirgendwoher wurde ihnen ein Zeichen dafür gegeben, wann und auf welche Art sie den Tod zu erwarten hatten.

Die Spannung war fast unerträglich. Selbst Carthoris von Helium spürte, wie sie an seinen Nerven zerrte. Wenn er nur geahnt hätte, wie und wann der Tod zuschlagen würde! Er wäre ihm ganz sicher furchtlos gegenübergetreten. Die Pläne des Mörders nicht zu kennen und endlos lange auf das Verhängnis warten zu müssen, war mehr als er ertragen zu können glaubte.

Thuvia von Ptarth drängte sich nahe an ihn. Sie fühlte sich sicherer, wenn sie seinen Arm an dem ihren spürte, und da sich ihm dieses Gefühl mitteilte, riß er sich zusammen. Lächelnd wandte er sich ihr zu.

»Mir scheint, daß sie uns zu Tode ängstigen wollen«, sagte er lachend. »Und Schande über mich! Leider muß ich bekennen, daß es ihnen beinahe gelungen wäre, ihr Ziel bei mir zu erreichen.« Sie wollte ihm gerade antworten, als der Lotharianer einen entsetzlichen Schrei ausstieß.

»Das Ende kommt!« jammerte er. »Das Ende kommt! Der Boden! Oh, der Boden! O Komal, sei barmherzig!«

Thuvia und Carthoris brauchten den Boden nicht anzusehen, denn sie wußten auch so, was los war – er bewegte sich.

Der Marmorboden senkte sich von allen Seiten her der Mitte zu.

Zuerst war es eine kaum unmerkliche Bewegung, aber allmählich wurde die Neigung so steil, daß sie nur dann gerade zu stehen vermochten, wenn sie ein Knie sehr stark anzogen.

Jav kreischte immer lauter und klammerte sich an die königliche Couch, die der Raummitte entgegenrutschte. Dort bemerkten Thuvia und Carthoris eine kleine Öffnung, die sich schnell erweiterte und schließlich eine trichterähnliche Form annahm.

Es wurde immer schwieriger, sich an dem glatt polierten immer steiler sich neigenden Marmorboden festzuhalten.

Carthoris versuchte Thuvia zu stützen, aber er selbst rutschte unaufhaltsam dem Trichter entgegen.

Um besseren Halt auf dem glatten Stein zu finden, schlüpfte Carthoris aus seinen Sandalen aus Zitidarleder, und nun stemmte er sich mit nackten Sohlen gegen den Marmor. Mit den Armen stütze er Thuvia. In ihrer Angst legte sie ihm die Arme um den Hals. Ihre Wange lag an der seinen. Der Tod, der sie in einer ihnen unbekannten, vielleicht unsichtbaren Form bald ereilen würde, streifte einige Hemmungen von ihnen ab.

»Mut, meine Prinzessin«, flüsterte er.

Sie schaute ihm ins Gesicht: sie sah seine lächelnden Lippen, seine tapferen Augen, in denen keine Spur Angst zu erkennen war und diese Augen tauchten tief in die ihren.

Dann neigte sich der Boden noch mehr: er kippte direkt. Und nun rutschten sie der Öffnung entgegen.

Javs Schreie gellten ihnen schauerlich in den Ohren. Einen Moment später fanden sie sich zu dritt auf Tarios königlicher Couch wieder, die am Grund des Marmortrichters steckengeblieben war.

Einen Augenblick lang atmeten sie ein wenig freier, aber dann entdeckten sie, daß sich die Öffnung ständig erweiterte. Die Couch rutschte weiter nach unten. Jav kreischte. Es war ein recht merkwürdiges Gefühl, als sie spürten, wie die Couch unter ihnen wegfiel und sie selbst durch eine undurchdringliche Dunkelheit dem Tod entgegenstürzten.

9

Der Kampf auf der Ebene

Die Entfernung zwischen dem Trichterende und dem darunterliegenden Raum konnte nicht sehr groß sein, denn alle drei Opfer von Tarios Bosheit landeten dort völlig unbeschädigt.

Carthoris drückte Thuvia noch immer fest an seine breite Brust. Wie eine Katze kam er mit den Beinen auf, so daß der Schock für das Mädchen nicht allzu groß war. Kaum hatten seine Füße die groben Steinplatten berührt, als er auch schon sein Schwert kampfbereit in der Hand hatte. Der Raum war hell, doch von einem Feind war nichts zu sehen.

Carthoris sah Jav an. Der Mann war vor Angst kreidebleich.

»Wie wird nun unser Schicksal aussehen?« fragte der Prinz von Helium. »Mensch, so sag es mir doch! Oder bist du kein Mensch? Kannst du nicht die Angst von dir schütteln, um mir zu antworten? Ich wäre gerne darauf vorbereitet, denn ich will mein Leben und das der Prinzessin von Ptarth so teuer wie möglich verkaufen.«

»Komal«, flüsterte Jav. »Wir werden von Komal verzehrt.«

»Ist das deine Gottheit?« wollte Carthoris wissen.

Der Lotharianer nickte. Dann deutete er auf einen niederen Durchgang an einem Ende des Raumes.

»Von hierher kommt er. Leg dein dummes Schwert weg, du Narr. Es macht ihn nur noch wütender, und wenn er wütend ist, läßt er dich nur noch mehr leiden.«

Carthoris lächelte nur und griff noch etwas fester um sein Schwert.

Dann begann Jav entsetzlich zu jammern und zu stöhnen, und gleichzeitig deutete er zur Tür.

»Er ist gekommen!« wimmerte er. »Er ist gekommen, oh!«

Carthoris und Thuvia schauten in die Richtung, in die der Lotharianer gezeigt hatte: sie erwarteten dort ein seltsames, furchterregendes Menschenwesen zu erblicken. Zu ihrer großen Überraschung sahen sie aber einen breiten Kopf und die prachtvolle Mähne eines riesigen Banths, des größten, den Carthoris und Thuvia je gesehen hatten.

Langsam und voll unendlicher Würde näherte sich das riesige Tier. Jav warf sich sofort auf den Boden und kroch ihm auf dieselbe untertänige Art entgegen wie wenige Stunden vorher Tario. Er sprach mit dem wilden Tier genauso, wie er mit wilden Menschen gesprochen hätte, denn er flehte es um Gnade und Barmherzig keit an.

Carthoris trat zwischen Thuvia und den Banth. Er zückte sein Schwert, um dem Tier den Sieg nicht allzu leicht zu machen. Aber Thuvia wandte sich nun an Jav.