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»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

»Warum musst du unbedingt etwas sagen? Ich habe dich nur darum gebeten, den Ring anzuziehen.«

»Ich glaube, du weißt nicht, was du mir da gibst.«

Verärgert runzelte sie die Stirn. »Du musst mich wirklich für sehr dumm halten, Ashe.«

»Ich ... ich halte dich überhaupt nicht für dumm. Im Gegenteil, ich ...«

»Ich habe den Ring nicht in einer Schachtel mit alter Unterwäsche auf dem Speicher oder an einem Marktstand entdeckt, ich habe ihn vom Patriarchen persönlich ausgehändigt bekommen, in der Nacht des Rituals am Hochheiligen Tag, dem ich beigewohnt habe. Was bringt dich auf den Gedanken, er könnte mir so einen wichtigen Gegenstand gegeben haben, das Wertvollste, was er besaß, wenn ich seine Bedeutung nicht begriffen hätte?«

»Dann verstehst du vielleicht nicht, wie das mit meinem Vater ist, dass er nämlich ...«

»... dass er das Oberhaupt der Entgegengesetzten Glaubensrichtung ist und dass auch du eines Tages wahrscheinlich sein Nachfolger wirst? Doch, auch das verstehe ich. Ist dir klar, dass es nur eine einzige Religion gab, als die Cymrer aus Serendair kamen, eine Kombination der Praktiken aus Gwynwald und Sepulvarta, und dass es die cymrische Spaltung war, die diese Glaubenstrennung vorantrieb? Wenn du planst, den Riss in der Regierung des cymrischen Volks zu kitten, warum nimmst du dir dann nicht auch gleich noch die religiöse Teilung vor? Ich habe religiösen Riten beider Kirchen beigewohnt; sie sind einander viel ähnlicher, als du vielleicht glaubst. Wer braucht einen Patriarchen und einen Fürbitter? Warum kann nicht einer beides sein? Oder warum kann der Cymrer-Herrscher nicht das vereinende Oberhaupt beider Sekten sein und die geistliche Herrschaft der jeweiligen Gruppe überlassen? Anerkennen, dass den Menschen das Recht auf Glaubensfreiheit zusteht, sie aber dennoch als ein monotheistisches Volk vereint bleiben können.«

Sie hielt inne; Ashe starrte sie ungläubig an.

»Was ist?«, fragte sie.

»Du bist erstaunlich.«

»Warum?«

Ashe schüttelte lächelnd den Kopf. »Und beängstigend. Erstaunlich und beängstigend.«

»Jetzt verstehe ich wirklich nicht, was du meinst.«

Er hielt sich weiter am Kaminsims fest und senkte den Kopf, sodass der Feuerschein auf seinem metallisch roten Haar glänzte. So verharrte er eine Weile, sammelte seine Gedanken und atmete tief. Rhapsody fragte sich, ob ihm übel war. Schließlich jedoch richtete er sich auf und wandte sich zu ihr um.

»Wie hast du das alles herausgefunden?«

»Es war nicht leicht«, antwortete sie und verschränkte die Arme. »Du jedenfalls hast mir ganz bestimmt nicht geholfen. Also, lass mich sehen, ob ich dich jetzt verstehe, Ashe oder soll ich dich lieber Gwydion ap Llauron ap Gwylliam und so weiter nennen?«

»Nein, danke, Ashe genügt.«

»Du bist der Sohn Llaurons, der einzige Enkel von Gwylliam und Anwyn, Träger des Schwertes Kirsdarke, das du von der Seite deiner Mutter bekommen hast. Außerdem bist du von manossischem Adel, Herr des Geschlechts Neuland sowie Erbe des cymrischen Königstitels, sollten die Cymrer wiedervereint werden.«

Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. »Bist du sicher?«

Verärgerung schlich sich auf ihr freundliches Gesicht. »Unterbrich mich nicht ich musste das alles ohne deine Hilfe herausbekommen, also hör mir lieber zu und warte, bis du an der Reihe bist. Ob ich sicher bin? Nein. Wenn ich mir einer Sache sicher bin, dann sage ich es auch so. Aber ich habe mehr als einen vagen Verdacht, dass ich Recht habe, und jetzt misch dich bitte nicht noch mal ein, es sei denn, du musst mich in den Fakten korrigieren. Abgemacht?«

»Ja«, antwortete er und senkte lächelnd die Augen.

»Vor etwa zwanzig Jahren hast du mit einem Dämon aus der alten Welt gekämpft, der als blinder Passagier auf Gwylliams Schiff in dieses Land gekommen war; als du versucht hast, ihn zu töten, hat er dir ein Stück von deiner Seele aus der Brust gerissen. Seither lebst du in ständiger Qual, und der Dämon hat die Macht, dich zu finden. Du hast dich versteckt, hast alle, die dich kannten, in dem Glauben gelassen, du wärest tot, bist unter einem Nebelumhang umhergewandert und hast versucht, den neuen Wirt des Dämons zu finden, um die kleinen Kriege zu verhindern, die er heraufbeschwört. Leider hattest du in beider Hinsicht nicht viel Erfolg, wenn du mir verzeihst, dass ich das sage.

Unterdessen hat sich der Dämon das Stück deiner Seele genommen und hat eine Art Maschine darum herum gebaut, in Wesen, das genau so aussieht wie du und das die Kraft aus deiner Seele bezieht, aber aus dem Blut des F’dor geschaffen ist. Dieses Wesen ist für einen großen Teil des Schreckens verantwortlich, der das Land an den Rand eines folgenschweren Kriegs gebracht hat, und sollte jemand ihm begegnen und diese Begegnung überleben, so würde der Betreffende dich für diese Untaten verantwortlich machen, vorausgesetzt, er würde es für möglich halten, dass du noch am Leben bist.

Doch das ist nicht sehr wahrscheinlich. Vermutlich weiß nicht einmal der Dämon, dass du lebst. Trotzdem hat der Rakshas die ganze Zeit im Auftrag seines Meisters nach dir gefahndet, hat versucht, sich auch deinen Körper und den Rest deiner Seele anzueignen, wahrscheinlich, um dich zum neuen Wirt des Dämons zu machen. Er sucht nach wie vor nach dir, deshalb wanderst du in einem Umhang umher, der dich verbirgt. Liege ich bisher einigermaßen richtig?«

Ashe nickte benommen.

»Oh, und ich weiß auch, dass du hauptsächlich vom Fürsten und der Fürstin von Rowan geheilt wurdest. Und dass du ein Drache bist, zumindest teilweise. Daher wusstest du auch, in welcher der hundert Hütten ich Gavin finden würde.«

»Was wirst du mit dieser Erkenntnis anfangen?«

Rhapsodys Augen funkelten. »Nun, zuerst einmal hoffe ich, dass du mich nicht auf der Stelle umbringst.«

»Ich denke, für den Augenblick bist du in Sicherheit.«

»Oh, gut. Als Nächstes plane ich, dir zu helfen. Ich glaube, ich habe schon in etwa angedeutet, wie, aber du hast den Ring immer noch nicht angesteckt.«

»Ich weiß.«

»Hast du Angst davor?«

»Ein wenig.«

»Warum?«

Er seufzte. »Rhapsody, das ist es nicht, was ich von dir zu hören erwartet habe.«

Sie lächelte, und ein neugieriges Funkeln trat in ihre Augen. »Wirklich? Was hast du denn dann erwartet?«

»Eigentlich habe ich keine Ahnung. Vermutlich dachte ich, du könntest vielleicht selbst Hilfe brauchen oder du wolltest mir nur mitteilen, dass du wieder da bist.«

»Aha. Sieh mal, Ashe, du warst einer der wenigen Menschen, die mir, seit ich in diesem Land bin, tatsächlich geholfen haben, das zu finden, was ich gesucht habe; du hast mir geholfen, und ich würde mich gern bei dir revanchieren. Seit ich in diesem Land bin, war ich ziemlich isoliert; bis jetzt habe ich meine Zeit hauptsächlich mit Achmed und Grunthor verbracht. Abgesehen von Jo bist du eigentlich der einzige Freund, den ich habe. Ich weiß, du bist es gewöhnt, allein zu sein, und konntest lange Zeit niemandem trauen außer Llauron, aber bitte, lass mich dir helfen. Ich glaube, du brauchst genauso dringend einen Freund wie ich, vielleicht sogar noch dringender.« Ashe lächelte. Rhapsody setzte sich und klopfte auf den Platz neben sich. »Bitte, ich weiß, dass du mir nicht vertrauen magst, aber du musst es versuchen, wirklich. Früher oder später wird der Dämon dich in einem unvorbereiteten Augenblick erwischen. Du brauchst jemanden, der dir den Rücken frei hält. Außerdem sollte eine Frau einen Mann nicht anflehen müssen, einen Ring anzustecken, das ist demütigend.«

Ashe lachte. Er trat zur Couch, setzte sich neben Rhapsody und nahm ihre Hand. »Ich wollte, ich wüsste, was ich dir sagen soll.«

»Meinetwegen brauchst du gar nichts zu sagen. Bitte, Ashe, zieh einfach nur den Ring an. Es ist der erste Schritt, dass du wieder vollständig wirst. Sobald du heil und von der Qual befreit bist, mache ich mich auf den Weg, den Rakshas für dich zu töten. Hier.« Abermals hielt sie ihm den Ring hin.