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Ashe konnte den Hoffnungsschimmer kaum ertragen. »Was?«

Wieder senkte sie den Blick auf ihre Hände. »Wenn sich die Dinge so entwickeln, wie wir es erwarten, dann wirst du irgendwann der cymrische Herrscher sein. Da ich Cymrerin. bin, bist du dann mein König und ich deine Untertanin, deshalb habe ich die Pflicht, dich zu unterstützen.«

Als sie den Ausdruck auf Ashes Gesicht sah, rückte sie ein wenig von ihm ab. Es war eine Mischung aus Enttäuschung und Entsetzen.

»Tut mir Leid, wenn ich dich an etwas Schmerzliches erinnert habe«, sagte sie und wünschte, sie hätte den Mund gehalten.

Er brauchte einen Augenblick, ehe er etwas erwidern konnte, bemühte sich aber, seine Stimme ruhig und sanft klingen zu lassen. Auf gar keinen Fall wollte er sie mit der Heftigkeit seiner Gefühle erschrecken.

»Rhapsody, ich möchte nicht, dass du meine Untertanin bist.«

Verblüfft und fast ein wenig verletzt blickte sie zu ihm auf.

»Wirklich?«

»Ja.«

Sie atmete tief ein und senkte erneut die Augen, als verstünde sie allmählich, was er sagen wollte.

»Nun gut«, sagte sie langsam, »wenn du so darüber denkst, dann werde ich mich wohl von Roland fern halten müssen. Hier ist Achmeds Land, das wird sowieso nicht unter cymrische Herrschaft kommen. Vielleicht kann ich ja auch in Tyrian leben, Oelendra hat gesagt, ich bin dort immer ...«

Sie unterbrach sich, denn er hatte sich mit einer schnellen Bewegung neben sie auf den Boden gesetzt, umfasste ihr Gesicht und küsste sie.

Seine Lippen waren warm und entschlossen, sein Kuss leidenschaftlich, aber nicht aufdringlich. Ihre Augen wurden weit vor Schreck, sie erstarrte in seinem Griff, und als er sie widerstrebend freigab, sah sie ihn völlig verblüfft an. Doch bemerkte sie die Verzweiflung, die ihm ins Gesicht geschrieben stand, stand auf und fuhr sich verlegen mit der Hand über die Haare.

Nach kurzem Schweigen sagte sie: »Weißt du, es ist wirklich erstaunlich, was die Leute alles anstellen, nur damit ich aufhöre zu reden. Einmal hat Achmed mir gedroht, mich am Spieß zu grillen und mich Grunthor als Delikatesse anzubieten, wenn ich ...«

»Weich nicht aus, Rhapsody«, fiel Ashe ihr ins Wort. »Das ist doch sonst nicht deine Art.«

»Ich weiche nicht aus«, protestierte sie und rang nervös die Hände. »Ich versuche nur herauszufinden, ob seine oder deine Maßnahme extremer war. Ich meine, er hatte schon die Marinade ausgesucht.«

»Schrecklich. Wahrscheinlich hat er es sogar erst gemeint«, sagte Ashe, verärgert über diese seltsame Wendung des Gesprächs.

»Ich weiß, dass er es ernst gemeint hat«, erwiderte Rhapsody und sah weg. »Aber bei dir weiß ich es nicht.«

»Ich meine es vollkommen ernst.«

»Warum?«, fragte sie ungläubig. »Was sollte das denn?«

Ashe betrachtete ihr Gesicht, auf dem der Schreck allmählich einem eher verwunderten Ausdruck Platz gemacht hatte. »Vermutlich konnte ich es einfach nicht länger verbergen, Rhapsody ... Ich ertrage es nicht, wenn du mit mir sprichst, als wäre ich dein Herr oder dein Bruder oder ein Fremder, der nichts für dich empfindet, oder selbst nur ein gewöhnlicher Freund. Vielleicht empfindest du ja nichts weiter für mich, aber das wäre wahrlich nicht das, was ich mir wünsche.«

»Was wünschst du dir denn?«

Ashe seufzte und blickte zur Zimmerdecke empor, ehe er sie wieder ansah. »Ich möchte dein Liebhaber sein, Rhapsody.«

Die Verwirrung verschwand. Zu seiner großen Überraschung entspannte sich ihr Gesicht, und sie begann zu lächeln.

»Oh, jetzt verstehe ich«, sagte sie freundlich. »Du hast so lange diese furchtbaren Schmerzen gelitten, Ashe, und jetzt fühlst du dich besser. Da ist es ja nur natürlich, dass auch solche Bedürfnisse zurückkehren, wenn ...«

»Sei doch nicht so begriffsstutzig«, unterbrach er sie erneut und konnte nicht verhindern, dass seine Worte bitter und unfreundlich herauskamen. »Damit beleidigst du uns beide. Hier handelt es sich nicht um ein plötzlich aufgetretenes körperliches Bedürfnis, das befriedigt werden will, weil die Schmerzen verschwunden sind. Ich habe mir das schon die ganze Zeit über gewünscht. Bei allen Göttern, du verstehst mich einfach nicht.«

»In diesem Punkt will ich dir nicht widersprechen«, entgegnete sie, allmählich etwas ungehalten. »Nun, wie könnte das wohl kommen? Überlegen wir mal zuerst verweigerst du mir jede Auskunft darüber, was du willst oder was du denkst oder auch nur, wer du bist. Dann erzählst du mir endlich, was du dir von mir wünschst. Ich glaube, die mir zugedachten Rollen waren ›Freund‹ und ›Verbündete‹. Ach ja, und ›Dienstmagd‹ gehörte auch noch dazu. Bitte korrigiere mich, wenn ich mich irre aber hast du das andere vielleicht schon einmal erwähnt, und ich habe es nur nicht gehört? Wie dumm von mir, dass ich nicht gleich den Zusammenhang zwischen diesen Dingen und einer Geliebten gesehen habe. Vielleicht hätte ich ihn erkennen können, als du mich für eine Kurtisane gehalten und es mir Geschmackloserweise auch noch gesagt hast? Oder vielleicht hätte ich es merken können, als du mir befohlen hast, mich von dir fern zu halten, als du mir erzählt hast, dass du mir nicht vertraust, dass ich dich in Ruhe lassen soll? Ich kann mir gar nicht erklären, wie ich das bei all den Vertraulichkeiten übersehen konnte, die wir tagtäglich miteinander ausgetauscht haben, Ashe. Diese Art von Liebesgeflüster bringt mich nämlich für gewöhnlich dazu, dass ich gleich die nächstbeste horizontale Oberfläche suche und mich hinlege.«

Unfähig, ihren Zorn länger im Zaum zu halten, wandte sie sich von ihm ab und drückte die geballten Fäuste gegen ihre brennende Stirn. »Ich kann das nicht glauben. Du hast Recht, Ashe, ich bin dumm. Die ganze Zeit habe ich gedacht, du hättest gelernt, mich gern zu haben, jedenfalls ein wenig, als Mensch, nicht nur als eine mögliche neue Eroberung. Ich habe mich bei dir wohl gefühlt, weil ich dachte, du willst nicht das, was alle wollen, du lernst endlich, mir zu vertrauen. Wahrscheinlich beweist das nur, welch eine Närrin ich bin. Ich hätte wissen müssen, dass das zu viel verlangt ist von allen außer Achmed.« Das Kaminfeuer loderte, die Flammen hüpften und verbreiteten ein wütendes Licht im Zimmer und auf den Bildern der adoptierten Enkelkinder, deren Augen in stummem Vorwurf zu funkeln schienen. Einen Moment stand Ashe reglos da und betrachtete die verschlungenen Muster auf dem Teppich. Dann trat er auf Rhapsody zu, stellte sich hinter sie ans Feuer und sah eine Weile zu, wie die Flammen sich drehten und in verwirrtem Zorn tanzten.

Schließlich stieß er einen tiefen, schmerzlichen Seufzer aus. »Nein, Rhapsody, du bist nicht diejenige, die dumm gewesen ist; ich denke, diese Ehre gebührt mir. Bitte fang nicht an, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln. Du weißt sicherlich, wie Recht du damit hast, dass ich beginne, dir zu vertrauen.«

Auch Rhapsody starrte ins Feuer. »Genau genommen ist das Einzige, was ich mit Sicherheit über dich sagen kann, dass ich nichts von dir weiß, Ashe, wirklich überhaupt nichts.«

»Bitte sag, dass du das nicht ernst meinst.«

Rhapsody drehte sich um und sah ihn an, mit tief traurigem Gesicht. »Es tut mir Leid, aber das wäre eine Lüge. Und du weißt ja, dass ich versuche, nie zu lügen.«

Behutsam umfasste Ashe ihre Schultern und sah ihr in die Augen. »Wie kannst du daran zweifeln, dass ich dir vertraue, Rhapsody? Schau mich an. Kannst du mich sehen?« Sie nickte. »Nun, dann bist du seit etwa zwanzig Jahren die Erste. Nicht einmal mein Vater hat in dieser ganzen Zeit je mein Gesicht gesehen. Doch hier stehe ich in deinem Haus vor dir, ohne Umhang, unbewaffnet, offen und ungeschützt. Und so siehst du mich nicht zum ersten Mal. Sagt dir das nicht etwas?«

Rhapsody schenkte ihm ein sanftes Lächeln, um die Verzweiflung zu lindern, die sie in seinem Gesicht gewahrte. »Ich denke schon. Vermutlich weiß ich nur nicht recht, was.«

»Mir ist klar, dass du die Bedeutung dieser scheinbar ganz einfachen Dinge nicht verstehst, aber das kommt daher, dass du keine Ahnung hast, wie es für mich war, jeden Morgen Jahr um Jahr aufzuwachen und zu wünschen, ich wäre tot, gleichzeitig aber zu wissen, dass ich mir nicht das Leben nehmen konnte, weil es nichts genutzt hätte.«