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Er ließ seine Hände über ihre Arme gleiten, ergriff ihre Hände und hielt sie fest, während er noch ernster fortfuhr.

»Irgendwo da draußen existiert ein abscheuliches Wesen, das genauso aussieht wie ich und aus einem Teil meiner Seele die Kraft für unaussprechliche Gräueltaten bezieht. Die ganze Zeit über hat dieses Wesen Verbrechen an unzähligen Unschuldigen begangen, die ich nicht beschützen kann, weil diese Kreatur vollkommen chaotisch und willkürlich vorgeht, nach einem grausamen Plan, den nicht einmal mein verdrehtes Gehirn nachvollziehen kann. Jedes Mal, wenn irgendwo etwas Schlimmes geschieht, ist das mein erster Gedanke. Er verfolgt mich bei jedem Herzschlag, bei jedem Atemzug.

Wie soll eine Seele, die so rein und unschuldig ist wie deine, das verstehen können?« Ein ersticktes Lachen kam über Rhapsodys Lippen, aber ihr ironisches Lächeln verblasste, als sie in Ashes Augen sah; sein Blick war fest, und er sprach, als wäre er sich seiner Sache ganz sicher.

»Lache nicht, Rhapsody; du bist unschuldig, auch wenn du selbst einiges erlebt hast. Du glaubst an Menschen, obwohl sie eigentlich kein Anrecht auf diesen Glauben hätten, du liebst Menschen, die es eigentlich nicht verdienen. Aber mehr als alles andere suchst du jemanden, dem du vertrauen kannst, weil das in deiner Natur liegt. Es spielt keine Rolle, welche Erfahrungen du gemacht oder was du getan hast es hat dich nicht wirklich berührt. Es ist, als wärst du eine Jungfrau, an Leib und Seele.«

Wieder lachte Rhapsody. »Du hast ja keine Ahnung, wie komisch diese Bemerkung ist«, sagte sie. »Wenn es das ist, wonach du suchst, dann bist du absolut auf dem Holzweg.«

»Ich suche gar nichts das ist doch gerade der Punkt«, erwiderte Ashe ernst. »Ich habe mich versteckt, Rhapsody, zwei Jahrzehnte lang, habe versucht, jeden Kontakt mit der Welt zu vermeiden, und das ist mir auch ganz gut gelungen. Und dann warst eines Tages du da, kamst aus dem Nichts, wie ein unerbittlicher Leitstrahl, und ganz gleich, wohin ich ging, ganz gleich, wie sehr ich versuchte, dich aus meinen Gedanken zu verbannen, wie weit ich mich von dir entfernte, du warst immer da, in den Sternen, im Wasser, in meinen Träumen, in der Luft um mich herum. Ich habe versucht, dich aus meinem Blut zu vertreiben, Rhapsody, aber es nutzt nichts. Ich werde dich einfach nicht los.

Und wahrscheinlich waren mein Verfolgungswahn, meine Versuche, dich von mir wegzustoßen, dich so zu verletzen, dass du mich hasst und endlich in Ruhe lässt, nur Methoden, mit denen ich der Anziehung entkommen wollte, die du auf mich ausübst, aber auch Experimente, mit denen ich geprüft habe, ob du wirklich das bist, was du zu sein schienst.

Du darfst nicht vergessen, was der Dämon sich alles ausdenkt, um Unschuldige zu umgarnen, sie an sich zu binden und dann durch sie zu wirken. Nach allem, was ich erfahren hatte, hättest du der F’dor persönlich sein können. Ich hatte keine Ahnung, ob du mich aus den gleichen Gründen suchst, wie mich seit jener Nacht vor zwanzig Jahren zahllose andere Sklaven gesucht haben um zu zerstören, was von meiner Seele noch übrig ist, oder schlimmer noch, diesen Rest auf noch abscheulichere Weise für ihre üblen Zwecke zu benutzen. Und es wäre doch bestens eingefädelt gewesen mir ein unschuldiges Herz über den Weg zu schicken, gehüllt in ein wunderschönes Äußeres, ausgestattet mit den Kräften einer alten Welt, die schon unter den Wellen des Meeres verschwunden war, bevor mein Vater gezeugt wurde welcher Köder wäre für einen Drachen besser geeignet gewesen? Besonders argwöhnisch machte es mich, als mir klar wurde, dass du Jungfrau bist wie wahrscheinlich ist so etwas schon?«

»Genau genommen ist es eigentlich nur eine theoretische Möglichkeit«, erwiderte Rhapsody humorvoll.

»Es spielt keine Rolle«, fuhr Ashe fort. »Verstehst du nicht, was ich sagen will? Du bist das Höchste, was ich, als Mann und als Drache, mir jemals wünschen könnte du bist viel zu schön, um wahr zu sein. Deshalb war ich dir gegenüber natürlich sehr misstrauisch. Ich muss paranoid sein sonst hätte ich die letzten zwanzig Jahre nicht überlebt. Da kamst du und wolltest mich trösten, mir helfen, mich in dein Herz schließen; das konnte unmöglich wahr sein. Deshalb wartete ich, dass du deine andere Seite zeigen und dich gegen mich wenden würdest. Ich wartete und wartete. Aber natürlich geschah nichts dergleichen. Wenn überhaupt, dann hast du dich mir gegenüber viel verletzlicher gemacht, als ich es dir gegenüber je hätte sein können.

Dann begann mein Herz sich allmählich zu wünschen, dass es doch wahr wäre. Seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe, hat es sich an diese Hoffnung geklammert, aber die vernünftigeren Teile meines Selbst haben es in seine Schranken verwiesen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. Du hast zuvor gesagt, du habest beschlossen, mir zu vertrauen und mit den Folgen zu leben oder zu sterben; ich hatte den gleichen Entschluss gefasst ich musste es dir einfach gestehen und beten, dass ich damit nicht den Rest meiner Seele dem F’dor überantwortete.

Ehrlich, Rhapsody, wenn es so wäre, es wäre mir gleich. Ich wäre zu dir gekommen, auch wenn du mich nicht gerufen hättest. Ich habe noch darüber nachgedacht, wie ich es dir am besten sagen könnte, und vermutlich habe ich es jetzt verpatzt, aber ich konnte einfach nicht mehr lügen. Nicht bei einer Frau, die nicht einmal lügen würde, um ihr Leben zu retten. Wie könnte ich je darauf hoffen, deiner würdig zu sein, wenn ich weiter lüge?«

Die Ironie seiner Worte überwältige sie, und obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, sich zusammenzunehmen, fing sie laut an zu lachen. »Tut mir Leid, Ashe, bitte entschuldige«, sagte sie und versuchte, sich wieder in die Hand zu bekommen. »Das ist einfach zu komisch.«

Ashe war wie vom Donner gerührt. »Warum?«

Rhapsody ergriff seine Hände. »Du bist der zukünftige cymrische König, der Schnittpunkt der königlichen Linien aller drei cymrischen Geschlechter. Aber ich bin eine Bäuerin, ich stamme aus der untersten Schicht. Und du hoffst, meiner würdig zu sein? Findest du das nicht zum Brüllen komisch?«

»Nein«, erwiderte Ashe brüsk. »Ich finde das nicht komisch. Eigentlich überrascht mich deine Reaktion, Rhapsody. Ich dachte, gerade du müsstest am besten wissen, dass die Abstammung einer Person nicht ihren Wert bestimmt.«

»Nicht als Person, natürlich«, entgegnete Rhapsody, und weil er so streng war, wurde auch sie wieder ernst. »Aber wenn man über Liebe spricht, geben Leute wie du selten einer Frau wie mir diese Rolle, es sei denn als Befehl oder als Freizeitvergnügen, und ich denke nicht, dass du etwas Derartiges mit mir im Sinn hattest. Soweit ich mich erinnere, haben wir dieses Thema damals am Ufer des Tar’afel geklärt.«

Ashe drehte sich zum Kaminsims um, und Rhapsody spürte, dass er sich sammelte. Gedankenverloren nahm er das Bild der FirBolg-Kinder in die Hand und betrachtete es noch einmal.

»Jetzt sehe ich, was die Grundlage für unser Missverständnis bildet«, sagte er schließlich, mehr zu dem Gemälde als zu Rhapsody. »Du verstehst nicht, was ich damit meine, wenn ich sage, ich möchte dich als Geliebte.«

Gegen ihren Willen musste Rhapsody schon wieder lachen. »Ich denke, ich verstehe das weit besser, als dein Drachenverstand es dich glauben lässt. Du weißt vieles nicht über mich, Ashe.«

»Und du weißt eine sehr wichtige Sache nicht über mich, Rhapsody.«

»Nur eine?«

»Nur eine, die wirklich wichtig ist.«

»Und die wäre ...?«

Er blickte von dem Bild auf und fixierte sie mit seinen kristallklaren blauen Augen. »Ich liebe dich.«

Rhapsody seufzte leise.

»Tu das nicht«, sagte Ashe, und in seiner Stimme lag ein drohender Unterton. »Tu es nicht einfach ab, Rhapsody, ich weiß, was du jetzt denkst.«