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»Wirklich?«

»Nun, ich glaube schon, aber entscheide du. Du denkst, dass ich mit heiligen Worten um mich werfe, wie bereits unzählige andere Narren vor mir, entweder weil deine Schönheit mich dazu gebracht hat oder weil ich dich ins Bett kriegen will.«

»Eigentlich ...«

»Wage es nicht, mich mit diesen Schwachsinnigen in einen Topf zu werfen, die dir nach einem Blick in dein Gesicht ihre Liebe gestehen, während ihnen schon der Sabber aus dem Mund läuft. Ich bin nicht einer von denen, Rhapsody. Ich habe mich in dich verliebt, ehe ich dich gesehen habe, ich konnte deine Magie schon spüren, als ich noch meilenweit von dir entfernt war. Was glaubst du denn, was ich in Bethe Corbair wollte?«

»Einkaufen vielleicht?«

»Nein, meine Liebe.«

»Ich habe wirklich keine Ahnung. Tut mir Leid, dass ich so vernagelt bin.«

»Ich habe dich gesucht, Rhapsody, ich wollte herausfinden, wer mein Herz zu sich gerufen hatte, dort draußen auf den Krevensfeldern, sechs Meilen weit entfernt. Ich bin gekommen, um dich zu suchen, und als ich dich gefunden hatte, wusste ich, dass ich verloren bin. Hast du gedacht, ich bin nach Ylorc gekommen, weil es mir so großes Vergnügen macht, mich ständig von Achmed beleidigen zu lassen?«

»Nun, das ist wirklich ein ganz außergewöhnlicher Genuss. Außerdem ist der Blick von den Zahnfelsen im Frühling wunderschön.« Inzwischen war Rhapsodys Humor zurückgekehrt und ergoss sich über Ashe wie wohlig warmes Wasser.

»Ja, da hast du Recht«, meinte er und erinnerte sich daran, wie sie über die Bergwiesen gelaufen, wie sie mit dem Wind über die Heide getanzt war. »Nun, habe ich Recht?« Er lächelte sie an, um ihre veränderte Stimmung zu überprüfen, und war entzückt, als sie sein Lächeln freimütig erwiderte.

»Womit?«

»Mit dem, was ich gedacht habe?«

Rhapsody kicherte. »Na ja, nicht ganz«, antwortete sie, nahm ihm das Bild ihrer Enkel aus der Hand und betrachtete es selbst. »Aber vielen Dank, dass du es versucht hast.«

»Und?«

»Nun«, meinte sie, drehte ihren Rücken zum Feuer und ließ sich die Schultern wärmen, »nun, ich musste eben an eines unserer Gespräche denken, als wir zusammen unterwegs waren.«

Ashe stützte einen Ellbogen auf den Kaminsims. Er war blitzsauber, ohne eine Spur von Staub. »Wirklich? An welches denn?«

»Weißt du noch, wie ich dir gesagt habe, dass meiner Erfahrung nach Waldläufer und umherziehende Wanderer bei Frauen andere Dinge suchen als die meisten übrigen Männer?«

»Ja«, antwortete er, und sein Gesicht wurde warm bei der Erinnerung. »Du hast gesagt, die meisten Männer wollen Vergnügen und Ablenkung, während es den Wanderern um Nähe geht.«

»Ja, genau das meinte ich.«

»Warum musst du gerade jetzt daran denken?«

Rhapsody seufzte. »Ich kann mich der Frage nicht erwehren, warum du etwas mit einer Frau anfangen willst, die in deinem Leben eindeutig nichts anderes wäre als ein kurzfristiges Intermezzo, vor allem, wenn gleichzeitig noch so ein großes Risiko damit verbunden ist.«

»Ich habe keine Ahnung, was du damit meinst.«

Sie drehte sich um und starrte ihn an. »Nein? Vielleicht kann ich dich an ein paar Situationen erinnern, die du vergessen zu haben scheinst. Erstens kommen wir, wie ich bereits erwähnt habe, aus gänzlich unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, ja, wir könnten kaum verschiedener sein. Daher kann dein Interesse an mir nur anhalten, bis du eine andere findest, die sich für dich besser als Lebenspartnerin eignet, eine Frau königlicher oder zumindest adliger Abstammung, denn sie muss ja irgendwann die Rolle der cymrischen Herrscherin erfüllen.«

»Du hast wirklich keine Ahnung, wie die Nachfolge funktioniert, Rhapsody.«

»Willst du mir damit sagen, dass du keinen Anspruch auf die Königswürde hast?«

Ashes Gesicht wurde ernst. »Nein, das nicht, aber ...«

»Und erwarten die anderen nicht auch, dass du eine passende Frau erwählst, die dann deine Königin wird?«

»Ja, aber ...«

»Na, da hast du es doch schon, Ashe«, stellte sie fest. »Unser Zeitplan für das nächste Jahr sieht so aus, dass wir den F’dor finden und töten und dann die Cymrer vereinen. Ich bin nicht sicher, wie lange es für dich danach noch angemessen wäre, unverheiratet zu bleiben, aber ich habe wohl schon des Öfteren erwähnt, dass ich mich um keinen Preis mit verheirateten Männern einlasse, auf gar keinen Fall, ohne jede Ausnahme. Daher wäre unserer Liebesbeziehung von vornherein nur eine sehr kurze Lebensdauer vergönnt. Ich bin nicht sicher, ob ich verstehe, warum es dann für dich die Zeit und Mühe lohnt angesichts dessen, was du mir zum Thema Langlebigkeit gesagt hast.«

Ashe nahm den Ellbogen wieder vom Kaminsims und verschränkte die Arme. Von ihrem Standpunkt betrachtet, war ihre Logik unangreifbar, und daher war es im Augenblick vollkommen sinnlos, ihr zu widersprechen. »Du glaubst also, dass Liebe nichts wert ist, wenn sie nur kurz dauert?«

Rhapsody blickte zu ihm empor, und ihre Augen füllten sich mit Erinnerungen. Sie dachte an ihre Unterhaltung mit Oelendra über deren Ehemann. In der kurzen Zeit, die wir gemeinsam verbrachten, liebten wir uns für ein ganzes Leben. »Nein«, antwortete sie leise, aus Respekt vor diesem Gedanken. »Das glaube ich ganz bestimmt nicht.«

»Was dann?« Wieder spürte Ashe eine ihm wohl vertraute Verzweiflung in sich aufsteigen.

»Was muss ich tun, damit du mir eine Chance gibst?«

»Eine Chance worauf?«

Am liebsten hätte Ashe sie geschüttelt. »Eine Chance, meinen Gefühlen entsprechend zu handeln, Rhapsody. Eine Chance, dich zu lieben und Zeit mit dir gemeinsam zu verbringen, eine Chance, zu dir so ehrlich zu sein, wie du es zu mir gewesen bist, dir von ganzem Herzen zu vertrauen, selbst wenn ...« Er unterbrach sich, unfähig, den Satz zu vollenden.

»Selbst wenn was?« Ihre Stimme klang sanft, und als Ashe sie ansah, stand die gleiche Milde auch in ihren Augen.

»Selbst wenn du es nicht behalten möchtest.« Der Schmerz in seinem Gesicht und in seiner Stimme rührten sie tief, auf eine traurige Art, die ihr nicht fremd war. Aus Angst, sie könnte anfangen zu weinen, wenn sie ihn länger anschaute, senkte sie den Blick. Eine Weile verharrten sie so Ashe sah Rhapsody an, Rhapsody betrachtete die tanzenden Schatten des Feuers an der Wand. Doch schließlich hob sie die Augen wieder.

»Du wärst also bereit, mit mir eine Liebesbeziehung einzugehen, obwohl du weißt, es wäre nur für eine kurze Zeit?«

»Ja. Ich wäre dankbar für jeden Augenblick mit dir, ganz gleich, wie kurz die Zeit auch sein mag. Ich weiß, dass für mich kein Preis zu hoch wäre.«

»Und das wäre genug?«

»Fall es nicht anders geht, ja. Wenn man sich etwas so sehr wünscht, ist man zufrieden mit allem, was man bekommt.«

Einen Moment schwieg sie nachdenklich, dann nickte sie, als hätte sie einen Ausweg gefunden. »Und welchen Teil von dir würdest du während dieses zeitweiligen Arrangements für dich behalten?«

»Keinen. Ich glaube nicht, dass ich fähig wäre, etwas vor dir zurückzuhalten, Rhapsody und ich will es eigentlich auch gar nicht. Wir sprechen nicht über die Vergangenheit, weil es wehtut, aber wenn du es möchtest, dann tue ich es.« Sie schüttelte den Kopf. »Es gibt Dinge, von denen wir beide wissen, dass wir sie nicht miteinander teilen können, weil sie die Geheimnisse anderer sind. Aber ansonsten hätte ich keine Geheimnisse vor dir.« Freude stieg in ihm auf, als er sah, wie sich der Ausdruck in ihren Augen veränderte, und er preschte weiter vor.

»Ich weiß, dass die Vorstellung, von einem Drachen geliebt zu werden, erschreckend ist, vor allem, wenn man etwas über die Natur der Bestie weiß wir neigen dazu, in höchstem Maße Besitz ergreifend zu werden. Aber es ist der menschliche Anteil in mir, der dich am meisten liebt, und der Drache würde uns nicht im Wege stehen, selbst wenn du irgendwann gehen willst.«

Voller Staunen schüttelte Rhapsody den Kopf. »Ich glaube, du siehst das ein bisschen verdreht«, meinte sie lachend. »Ich bin nicht diejenige mit den ganzen königlichen Verpflichtungen.«