Выбрать главу

Während ihre Gedanken diese Frage hin und her wälzten, fühlte sie tief in sich etwas erwachen, das viele Jahre lang weggeschlossen und vernachlässigt worden war. Zuerst fühlte sie es als ein Tröpfeln, als hörte sie mit einem Mal das Plätschern eines Baches, der doch die ganze Zeit in der Ferne Vorbeigeflossen war. Dann überwältigte es sie mit einer größeren Kraft, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie ertrank in Sehnsucht, in Schmerz und Begehren und in noch etwas anderem, etwas Seltsamem und Wunderbarem und lange Verdrängtem Eine Flut von Gefühlen riss sie mit sich fort, zu schnell, um in Gedanken mit ihnen Schritt halten zu können, und die ganze lyrische Schönheit ihrer Talente als Sängerin, als Benennerin ließ sie im Stich. Übrig blieb nur die aufrichtige, wenig poetische, aber inständige Bitte einer verletzlichen Frau.

»Bitte sei, was du zu sein scheinst. Bitte, bitte tu mir nicht weh.«

Tränen brannten in Ashes Augen. »Ich bin der, der ich zu sein scheine. Und ich werde dir niemals wehtun.«

Und dann lag sie wieder in seinen Armen, ihre Tränen mischten sich mit seinen, und sie hielt ihn fest, als hinge ihrer beider Leben davon ab.

Das Element des Feuers in ihr fand den Weg in die dunklen Stellen seines Wesens, die keine Wärme mehr gespürt hatten seit der Nacht, in der seine Seele aufgerissen worden war, und drang vor bis zu seinem verwundeten Herzen. Die Flammen erfüllten die leeren Teile seiner Seele, und er spürte, wie sie heil wurden, wenigstens für eine Weile. Dann plötzlich pressten sich ihre Lippen auf die seinen, aus freien Stücken, und als sich ihr Kuss zu berauschender Dunkelheit vertiefte, kam der Drache wieder zum Vorschein, von dort, wo er ihn festgehalten hatte, um das Wunder zu spüren, diese Frau.

Ich möchte es berühren.

Ja.

Seine Wahrnehmung erweiterte sich, und er spürte, wie ihre Tränen versiegten, ihr Atem sich entspannte und ihre Abwehr nachgab. Seine Hände glitten über ihren Körper, und der Drache konnte jede Stelle fühlen, an der die Berührung ihr gefiel. Er genoss all die winzigen Einzelheiten, die der Drache erspürte, und ließ sich ganz darauf ein. Schweißtropfen bahnten sich einen Weg über ihren Rücken; ihre Muskeln wölbten sich fließend, wenn sie sich in seinen Armen bewegte. Ihre Bluse verhakte sich in seiner Umarmung, und der gezerrte Stoff gab am Saum nach, Faden um Faden. Im Nebenzimmer wurde ein Riss in einer Holzdiele in winziges bisschen breiter, als sie sich bewegten.

Das Dunkelgrün von Rhapsodys Augen wandelte sich in ein leuchtendes Smaragd. Sie atmete tief ein; im Kamin loderte und knisterte das Feuer, sodass Funken in den Schornstein hinaufsprühten, wo sie in den Backsteinen hängen blieben und leise vor sich hin glühten. Ströme und Strudel von Energie flössen durch den Raum, kreisten um sie und um das uralte Wissen, das sie hüteten Musik, Feuer, Zeit, Drachenweisheit, wurden in ihre Leidenschaft hineingesogen und als sprudelnde Essenz in einem einzigen Atemzug wieder entlassen. Schneller, wilder, aber richtungslos, so wirbelte es durch die Luft, über das Land, über das Wasser, das widerhallte. Die Grotte wurde lebendig von all der Energie, wie seit unzähligen Jahrhunderten nicht mehr, seit der Krieg begonnen hatte.

Im See sprang ein Fisch; sanft breitete sich das Geräusch in der Höhle aus, wurde von den Felswänden zurückgeworfen und ertrank im Rauschen des Wasserfalls. Überquellend stürzte er sich in den Teich, und aus seiner Musik entstand der Dunst, in dem das Mondlicht sich zu einem kaum sichtbaren Regenbogen brach; Myriaden von Schwingungen stoben in alle Richtungen und verbargen diesen Ort sicher vor den neugierigen Augen ihrer Verfolger. Das aufgewühlte Wasser schlug mit seinen Wellen ans Ufer der kleinen grünen Insel, auf der das Haus stand, und aus dem Schornstein stieg Rauch auf, Rauch von dem Feuer, das von Rhapsodys wachsender Leidenschaft angefacht wurde.

Rhapsody, deren Körper Feuer und Hitze ausstrahlte und deren sanfte Stimme selbst dann noch musikalisch klang, wenn sie beim Küssen nach Atem rang. Rhapsody, auf deren Rücken noch die Striemen vom Kampf mit dem Rakshas zu sehen waren. Deren Herz pochte, dass ihr Blut schneller floss unter den Bewegungen seiner Hände auf ihrem Körper. Rhapsody, die Frau, die er geliebt hatte von dem Augenblick an, als er sich ihrer bewusst geworden war. Ashe löste das Band aus ihrem Haar und fühlte mit geschlossenen Augen jede Strähne, die nun über ihre Schultern fiel, bis hinunter zu ihrer Taille. Dann nahm er ihr Gesicht zwischen die Hände und sah sie an. Das Licht funkelte in ihren Augen, die ihn musterten, und das Feuer zauberte Leben jn ihr Haar. Sie atmete tief ein und hielt die Luft an; ihr Mund war leicht geöffnet, aber sie sagte nichts.

Wieder küsste er sie, und seine Hände wanderten ganz von selbst zu den Stellen, an denen sie sich seine Berührung wünschte. Sie tat das Gleiche, streichelte sanft über seine Schultern und ließ die Hände dann auf seiner Brust ruhen, sodass er ihre Hitze fühlte. Dann berührten sie unter seinem Hemd behutsam seine Haut und die Narbe, die ihm bis zu dieser Nacht solche Schmerzen bereitet hatte.

Ashe strich ihr übers Gesicht und ließ die Finger langsam im schimmernden Wasserfall ihrer Haare verschwinden, bewegte sie durch die glänzenden Locken, die noch seidiger waren, als er es sich vorgestellt hatte. Schauer durchliefen seinen ganzen Körper, seine Erregung war inzwischen nahezu unerträglich. Dann glitten seine Hände unter ihre Bluse, unter das Spitzenhemd, und seine Finger spielten behutsam mit ihren Brüsten, genossen ihre weiche Festigkeit. Er spürte, wie sie zitterte, und seine Lippen suchten ihre Halsbeuge, sogen den Duft ihrer Haare, ihrer Haut ein. Auch Rhapsody fuhr mit den Händen durch sein kupferrotes Haar, voller Staunen, dass es so weich war, wo es doch so metallisch wirkte. Ihre Finger schlangen sich um die schimmernden Locken und hielten sie fest, während er ihren Hals mit Küssen bedeckte.

Nun umkreiste Ashes Hand ihre Taille, liebkoste ihr Kreuz, während er vorsichtig ihre Rockbänder löste. Als das letzte Band gelockert war, umfasste er ihre Mitte und hob sie hoch, sodass der Rock zu Boden glitt. Lächelnd schaute Rhapsody auf Ashe herab, während sie sich an den Bändern seines Hemds aus feinem Wollstoff zu schaffen machten; er wartete, bis sie fertig war, ehe er sich aufrichtete, um erneut ihren Mund zu küssen. So bewegten sie sich in einem wortlosen Tanz und befreiten sich gegenseitig von ihren Kleidern. Beim Anblick seiner nackten Brust traten Rhapsody abermals Tränen in die Augen, doch das geschwärzte Fleisch und die wulstige Narbewaren verschwunden und an ihrer Stelle schimmerte neue, verheilende Haut, nicht anders als auf ihrem Bein. Überwältigt wandte sie sich ab, doch Ashe nahm sie in die Arme, drückte sie fest an sich, und beide feierten so seine Befreiung von den grausigen Schmerzen. Sie griff in ihren Nacken und öffnete den Verschluss des Medaillons, hielt das Kettchen aber einen Augenblick fest in der Hand, ehe sie es auf den Tisch neben dem Sofa legte. Mit den Lippen liebkoste Ashe ihren Nacken, dann drehte er sie behutsam um, blickte in ihre Augen und sah zum ersten Mal, dass sie sein eigenes Hochgefühl erwiderte. Erneut umarmten sie sich, und während sie langsam zu Boden sanken, entledigten sie sich der letzten Kleidungsstücke. Er beugte sich über sie, entzog sich einen Moment ihrer Umarmung und nahm mit den Augen die Formen wahr, die seine Drachensinne bereits so gut kannten. Ein Strahlen ging von ihr aus; sie war vollkommen, und ihre Haut leuchtete, wie er es sich in seinen schönsten Träumen nicht hätte ausdenken können.