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»Du bist schön«, sagte er, mit vor Ehrfurcht heiserer Stimme. »Wunderschön.«

Lächelnd erwiderte Rhapsody: »Ich bin froh, dass du das findest«, und strich ihm sanft übers Gesicht. Ashe schloss die Augen und nahm ihre Hand in seine, küsste erst sie, dann ihre Armbeuge und verlor sich ganz in ihr. Hinter ihnen loderte das Feuer, und sie liebten sich auf dem Boden von Elysian.

Nach einer Zeit nahm er sie hoch und trug sie zum Bett, wo sie sich weiter in den Armen lagen, bis die Nacht dem neuen Tag wich und die Flammen zu schläfrig glühenden Kohleresten heruntergebrannt waren, die auf dem Rost glommen wie feurige Edelsteine und Wärme aus dem Zimmer in den Nebel hinaufschickten, der über dem stillen See wirbelte. In der Nacht erwachte Ashe und fühlte in der Dunkelheit ihren Kopf ganz nah bei seinen Lippen; sanft schlafend lag sie auf seiner Brust. Der Drache hatte sich um ihre Träume gelegt und schützte sie vor Albdrücken; ganz ruhig lag sie da und atmete leicht und tief. Er hauchte ihr einen Kuss aufs Haar, zog sie noch näher an sich und vergrub das Gesicht an ihrem Hals. Mit einem tiefen Atemzug sog er ihren Duft, die Wärme und Süße ihrer Haut tief in sich ein. Im Schlaf fühlte Rhapsody warme Tränen in der Schulterbeuge und Ashes heißen Atem. Als sie fühlte, wie er erschauderte, drehte sie sich schläfrig auf die Seite, schlang die Arme um seinen Hals, zog seinen Kopf an ihre Brust und wiegte ihn wie ein Kind, um ihn vor den Dämonenträumen zu beschützen, die ihn vielleicht geweckt hatten. Aber Ashe war nicht unglücklich; er vergoss Tränen der Dankbarkeit, Dankbarkeit darüber, dass dieses Mal der Traum, den er in den Armen gehalten hatte, Wirklichkeit gewesen und immer noch bei ihm war, als er erwachte. Seine Lippen strichen über ihre Schulter und weiter zu ihrer Brust; mit seinem warmen Mund liebkoste er die zarte Haut und spürte, wie sie sich unter seiner Berührung regte und auf ihn reagierte.

Ashes Kuss wurde inniger, und er ließ seine Fingerspitzen über ihre Seite hinauf wandern. Sehnsucht erfüllte ihn, Sehnsucht, ihr Freude zu bereiten, sie so glücklich zu machen, wie sie ihn gemacht hatte. Träge streckte sie sich, und während sie sich räkelte, glitt seine Hand sanft über ihren schlanken, flachen Bauch und kam auf ihrem Bein zur Ruhe, das leise zitterte, als er es berührte.

Im Halbschlaf seufzte sie auf, ein leiser, musikalischer Laut, der ihn noch mehr in Erregung versetzte. Ungeduldig wartete er, dass sie erwachte, aber ihre Augen blieben geschlossen und ihre Arme schläfrig um seinen Hals geschlungen, während ihre Finger gedankenverloren die Haare in seinem Nacken streichelten. Offensichtlich schlief sie wirklich. Was sollte er jetzt tun? Sein Verlangen nach ihr wuchs von einem Moment zum nächsten, aber der Drache wusste, dass sie müde war, erschöpft von der emotionalen Anstrengung des gestrigen Abends und von der Heftigkeit der körperlichen Liebe, die auf dem Boden vor dem Feuer bei Sonnenuntergang ihren Anfang genommen und bis lange nach Mitternacht gewährt hatte. Sie hatte ihn auf eine Art befriedigt, die er sich nicht einmal hätte träumen lassen; doch sie war unwiderstehlich, und je mehr er von ihr bekam, desto mehr wollte er. Nun aber war ihre Energie verausgabt, und sie schlief tief und fest, während ihr Körper neue Kraft schöpfte. Er dachte daran, sie noch einmal zu lieben, so, dass er ihr etwas von der Freude zurückgeben konnte, die sie ihm bereitet hatte, aber dann sah er ihr ins Gesicht und beschloss, es lieber nicht zu tun. Die Erschöpfung hatte sie an sich gerissen wie ein übereifriger Liebhaber, und ihr Schlaf war ungestört von den Träumen, die sie sonst so ängstigten. Zum ersten Mal, seit er sie kannte, schlief sie vollkommen in Frieden. So schluckte er sein Bedürfnis herunter, auch wenn es ihm schwer fiel, und schloss sie in die Arme, wachte über ihre Träume und ihre Ruhe. Er konnte warten.

In der grauen Morgendämmerung, die dem Sonnenaufgang vorausging, erhob sich Ashe in der unterirdischen Höhle aus dem Bett, leise und vorsichtig, um Rhapsody nicht zu wecken. Seine Füße zuckten vor der Kälte des Fußbodens zurück, als er zur Feuerstelle schlich, wo der Drache das Zeichen gespürt hatte. Er wusste, was es war, doch er wollte es trotzdem sehen, mit seinen eigenen, nicht ganz menschlichen Augen. Auf dem Boden waren Blutstropfen, Rhapsodys Blut, Blut, das in Leidenschaft vergossen worden war. Natürlich hatte er gewusst, dass sie unberührt war; der Drache hatte es von Anfang an gefühlt. Es waren drei Tropfen wie bei Emily, drei Tropfen. Zweifellos ein Omen, auch wenn er es nicht deuten konnte. Ihm entging nicht, dass sie sich im Haus seiner Großmutter befanden, und auch ihr Amt als Seherin der Vergangenheit konnte nicht bedeutungslos sein. Drei Blutstropfen, genau wie Emily. Ein Zeichen für zukünftige Dinge oder dafür, dass etwas Vergangenes nun vollendet war?

Ashe wandte sich wieder zum Bett um und betrachtete Rhapsody, die noch immer sanft schlief. In ihrem Gesicht war keine Spur von Bedauern oder Furcht; ihre Träume schienen glücklich zu sein. Mit einem melancholischen Lächeln verließ Ashe das Zimmer und ging die Treppe hinunter in die Eingangshalle, wo sein Umhang am Haken hing. Er griff hinein, fühlte die kühle Feuchte des Nebels und zog einen kleinen, silbernen Gegenstand heraus, den er dort seit Jahren aufbewahrte. Den Umhang ließ er zurück, trat aus dem Haus und wanderte hinunter ans Ufer des Sees.

Dort stand er und lauschte, wie das Wasser von Anwyns Hütte mit dem Wasser seiner Seele sprach, während er den silbernen Gegenstand fest in der Hand hielt und über das Omen der Blutstropfen nachgrübelte. Er schloss die Augen, atmete tief ein, schloss die Hand fester um das silberne Etwas, beugte sich dann zurück und warf es in den See der Grotte.

»Lebe wohl, Emily«, flüsterte er und blieb noch einen Augenblick regungslos, mit Tränen in den Augen, stehen.

Als Rhapsody erwachte, wusste sie sogleich, dass Ashe nicht mehr im Bett war, aber mit der gleichen Gewissheit wusste sie auch, dass er sich ganz in ihrer Nähe aufhielt. Sie fühlte seine Anwesenheit so sicher wie sie seinen Atem gehört hatte, als er neben ihr im Bett gelegen und geschlafen hatte. Und obgleich all das, was geschehen war, sie verwirrte, war sie glücklich, dass er bei ihr war.

Rasch zog sie eine Decke um sich, stand auf und ging ohne Zögern zum Fenster. Sie wusste, dass sie ihn von hier aus sehen würde. In der Ferne konnte sie denn auch seine Gestalt ausmachen, nackt und in den Nebel des Sees gehüllt starrte er ins Leere was er dort sah, konnte sie nicht ahnen. Ihre Haut prickelte, und ihr war klar, dass der Drache ihre Bewegung ebenso zweifelsfrei fühlte wie sie seine Anwesenheit einen Augenblick zuvor. Der Gedanke war tröstlich.

Bei seinem Anblick wurde ihr Herz von einer Melancholie ergriffen, die sie erst nicht erkannte, obgleich sie sie schon früher gespürt hatte. Seit einiger Zeit begleitete sie dieses Gefühl, und ihr wurde bewusst, dass sie es in den letzten Monaten immer dann verspürt hatte, wenn sie an Ashe gedacht hatte. Erst jetzt verstand sie es, denn es war lange her, seit sie etwas Ähnliches gefühlt hatte.

Welch ein seltsamer Mann du bist, Ashe, dachte sie. Manch | mal war er so unangreifbar wie ein sprungbereiter Drache, doch jetzt sah er aus wie ein verlorenes Kätzchen. Was immer er war, zum Guten oder zum Schlechten, er besaß ihr Herz, das Herz, das sie verloren geglaubt hatte. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Unten am Ufer fröstelte er und rieb sich mit den Händen über die Arme, als wollte er sich wärmen. Rhapsody fasste sich ein Herz und lief zu ihm, sprang die Stufen hinab, riss die Tür der Hütte weit auf und rannte hinunter an den Strand. Ohne ihren Schritt zu bremsen, umarmte sie ihn von hinten und legte ihm ihre Decke um die Schulter. Ashe wandte sich um und lächelte auf sie herab, dann zog er sie zu sich unter die Decke. Sanft küsste er sie auf den Kopf und versuchte zu entscheiden, was mehr strahlte ihr Haar oder ihr Gesicht.

»Gut geschlafen?«

»Sehr gut, danke«, antwortete sie. »Ich habe etwas entdeckt und dachte, du solltest es wissen.«