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Ein amüsierter Ausdruck zog über das Gesicht des Firbolg-König s, und er starrte zur Decke hinauf. »Überlegen wir mal warum bist du hier? Wegen des hervorragenden Weins, der guten Bedienung, der Umgebung ...«

»In Ordnung«, unterbrach Rhapsody ihn seufzend. »Da du uns die Sache anscheinend schwer machen willst, fangen wir noch mal von vorn an. Wie du verdammt genau weißt, bin ich gekommen, um euch zu helfen, den Rakshas zu töten.«

Jetzt legte Achmed das Pergament beiseite. »Wie du verdammt genau weißt, könnte er soeben diesen Raum verlassen haben.«

»Nein«, antwortete Rhapsody. »Er ist ein eigenständiges Wesen, er sieht nur aus wie Ashe. Bitte Achmed, quäl mich nicht.«

Grunthors Gesicht hellte sich auf. »Da haben wir’s, ich wusste ja, dass sie mich am liebsten mag. Oh, darf ich es probieren, ja, Herr? Bitte! In einer Minute bin ich mit den Daumenschrauben wieder da.«

Wütend starrte Rhapsody ihn an. »Sei still, mit dir spreche ich noch nicht wieder.« Der scherzhafte Ausdruck auf dem Gesicht des Ungeheuers wandelte sich in Verlegenheit.

»Schon komisch«, meinte Achmed mit einem sarkastischen Lächeln. »Gerade darum geht es doch bei der Folter sie soll den Betreffenden zum Reden bringen. Wenn du nicht redest, dann muss ich daraus schließen, dass wir dich nicht wirklich quälen.«

»0 nein, das macht ihr ganz hervorragend. Bitte, wollt ihr mir helfen? Ich möchte nicht, dass Ashe den Rakshas jagt. Wenn der Rakshas ihn findet, wird der F’dor versuchen, ihm den Rest seiner Seele zu stehlen. Uns aber hat der Dämon nicht in der Hand; wir können den Rakshas wahrscheinlich ohne viel Mühe töten, wenn wir zusammenarbeiten. Seit wir im Haus der Erinnerungen waren, steht das sowieso auf unserer Liste. Jetzt möchte ich es nur zu einer Priorität machen. Bitte. Helft mir, den Rakshas zu töten.«

Achmed lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und seufzte. »Na gut, verschaffen wir uns einen Überblick. Weißt du mit Sicherheit, wo er ist, wer er ist und was er ist?«

»Wo er ist, nein. Aber ich habe getrocknetes Blut mitgebracht, von den Wunden, die er bei unserem Kampf erlitten hat. Der Rakshas ist aus dem Blut des F’dor geschaffen, und er stammt aus der alten Welt. Ich dachte, du könntest das Blut dazu nehmen, um ihm auf die Spur zu kommen.« Achmed antwortete nicht. »Wer er ist, das wisst ihr bereits. Was du wirklich meinst, ist, wer er nicht ist er ist nicht Ashe, da bin ich sicher.«

»Wie kannste dir da so sicher sein?«, fragte Grunthor.

»Möchtest du eine Liste von Gründen, oder reicht dir mein Wort?«

Achmed und Grunthor tauschten einen kurzen Blick. »Lieber die Liste.«

»Nun, dann sehen wir mal ... Ashe hat Drachenaugen. Sie sind ganz anders als die des Rakshas seine Pupillen sind vertikal geschlitzt, die des Rakshas rund, genau wie die unseren.«

»Warum sollte das so sein? Ich dachte, sie müssen identisch sein.«

Rhapsody bemühte sich, trotz Achmeds spöttischem Ton die Ruhe zu bewahren. »Das Stück von Ashes Seele wurde herausgerissen, als der Drache in seinem Blut noch schlief. Sobald der Fürst und die Fürstin Rowan den Sternensplitter in seine Brust legten, brachte diese reine, ungezähmte Elementarkraft die Drachennatur ans Licht und machte sie dominanter. Ich vermute, dass Ashes Augen, bevor er verwundet wurde, normal waren, genau wie die von Llauron.«

»Hat er dir das erzählt?«

»Nein«, gab Rhapsody zu. »Wir sprechen nicht über die Vergangenheit.«

»Nein? Sprecht ihr dann über die Zukunft?« »Eigentlich auch nicht. Das ist ein schmerzhaftes Thema, denn wir haben keine gemeinsame Zukunft.« »Nun, das ist aber ausnahmsweise eine gute Nachricht.« »Find ich nich«, warf Grunthor fröhlich ein. »Wenn sie nich viel miteinander reden, was meinste wohl, was sie dann so alles treiben?« Rhapsodys Gesicht wurde finster, und Grunthor beeilte sich, die bevorstehende Attacke abzuwehren. »Ist das schon die ganze Liste? Was unterscheidet die beiden denn sonst noch?«

»Nun, als ich mit dem Rakshas kämpfte, habe ich ihm einen Daumen abgeschnitten. Ashe hat noch beide Daumen ...«

»Er hat sowieso zwei linke Hände. Wahrscheinlich hatte er einen Daumen in Reserve. Das beweist gar nichts.«

Jetzt reichte es Rhapsody. »Seht mal, das ist wirklich dumm von euch. Wenn ihr mir nicht helfen wollt, dann tu ich es eben allein.« Damit schob sie den schweren Stuhl zurück und machte Anstalten aufzustehen.

»Da müsste ich Einspruch einlegen, Hoheit«, sagte Grunthor sanft. »Bei allem Respekt, aber ich denke, wenn du allein bist, riskierst du deinen bezaubernden kleinen Arsch.«

»Das lass nur meine Sorge sein.« Sie ging um den Stuhl herum und schob ihn unter den Tisch.

»Zeig mir sein Blut.«

Einen Moment sah Rhapsody Achmed schweigend an und versuchte, seine Absicht zu erraten. Schließlich aber griff sie in ihren Tornister und zog die Kleider hervor, die sie in Sepulvarta getragen hatte, als sie in der Basilika vom Rakshas angegriffen worden war. Sie waren mit Blut getränkt, einige Stellen auch verbrannt.

Beeindruckt beugte Grunthor sich vor. »Ist das Blut alles von ihm?« Rhapsody nickte. »Na, dann muss ich wohl zugeben, dass ich mich geirrt habe. Anscheinend hast du bei den Schwertübungen doch aufgepasst, Schätzchen.«

Achmed drehte die Kleidungsstücke in den Händen und konzentrierte sich auf die Flecken. Rhapsody fühlte eine seltsame Schwingung von ihm ausgehen, eine, an die sie sich überhaupt nicht erinnern konnte. Irgendwie kratzig, nicht unähnlich dem Zirpen einer Grille in der Nacht. Schließlich blickte er wieder auf.

»Hast du auch etwas von Ashes Blut?«

»Nein.«

»Ich könnt welches besorgen«, schlug Grunthor eifrig vor.

»Nein. Das ist Nummer zwei, Grunthor. Noch einmal, und du wirst aus dem Testament gestrichen.«

Eine Weile blickte Achmed Rhapsody schweigend an. Schließlich sagte er: »Wenn ich dir helfe, den Rakshas zu töten, kann ich dann auf deine Hilfe für das zählen, was in der Kolonie in Angriff genommen werden muss?«

Sie betrachtete ihn ernst. »Davon kannst du auch ausgehen, wenn du mir nicht hilfst.«

»Womöglich musst du kämpfen.«

»Ich weiß.«

Der Firbolg-König nickte. »Dann machen wir Pläne für den ersten Tag des Winters.«

Ein Strahlen breitete sich über Rhapsodys Gesicht aus. »Dann tut ihr es? Ihr helft Ashe? Ihr helft mir, den Rakshas zu töten?«

»Ja. Nein. Und ja«, stellte Achmed trocken fest. »Ich habe dir schon gesagt, dass meine Hilfe allein dir gilt. Außerdem bin ich dazu bereit, weil es getan werden muss. Jetzt hol die Karte.«

Lange Zeit war das einzige Geräusch auf der Heide das erbarmungslose Heulen des Windes. Hartnäckig schweigend saß Jo da, warf gelegentlich einen Seitenblick auf ihren unwillkommenen Aufpasser, der sie geduldig aus höflicher Distanz beobachtete. Unbeholfenheit und Verlegenheit untergruben allmählich ihre Wut, und schließlich nahm sie allen Mut zusammen und sprach ihn an.

»Schau mal«, sagte sie und versuchte, erwachsen zu klingen, »warum gehst du nicht zu eurem Treffen zurück? Ich verspreche dir, dass ich in ein paar Minuten nachkomme.«

Beinahe hätte der Sturm seine Antwort übertönt. »Nein.«

Jo sprang auf. »Verdammt, Ashe, ich bin kein Kind mehr! Ich habe mein Leben lang allein für mich gesorgt; es ist wirklich nicht nötig, dass du die arme, dumme Jo vor der Dunkelheit beschützt. Womöglich kriegst du irgendwas Wichtiges von der Besprechung nicht mit. Hau einfach ab.«

Als sie sah, wie er aufstand und auf sie zukam, bekam sie weiche Knie. So sehr sie ihn hassen wollte, in diesem Augenblick spürte sie nur das wundervolle Ziehen im Bauch, das sie auch gespürt hatte, als sie ihm in Bethe Corbair das erste Mal begegnet war. Sie wollte weglaufen, konnte sich aber nicht vom Fleck rühren. Er blieb vor ihr stehen. Seine Stimme war ganz sanft, als er die Hand ausstreckte und ihr die vom Wind zerzausten Haarsträhnen aus der Stirn strich. »Was könnte wichtiger sein, als dafür zu sorgen, dass dir nichts passiert?«