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»Wie wäre es, wenn du Achmed überzeugst, dass er Rhapsody helfen soll, den Rakshas zu töten?«

Jo konnte nicht sehen, wie er reagierte, aber seine Antwort klang ernst. »Achmed wird tun, was er für das Beste hält, ungeachtet dessen, was ich dazu sage. Außerdem bedeutet es mir mehr, bei dir zu sein.«

Ehe sie die Frage zurückhalten konnte, war sie schon aus ihrem Mund. »Warum?«

Er kam noch ein wenig näher, und seine Finger glitten von den Haarsträhnen über ihre Wange. So standen sie voreinander und sahen sich an; Jo glaubte, die blauen Augen in der dunklen Kapuze funkeln zu sehen, wie die Sterne am inzwischen nachtschwarzen Himmel. In seiner Stimme lag eine Wärme, die ihre Haut zum Prickeln brachte.

»Musst du mich das wirklich fragen, Jo?«

Der wirbelnde Wind umkreiste sie, das Blut wich aus Jos Kopf, und ihr wurde schwindlig. Der Abscheu, den sie gegen das Verlangen in ihrem Körper empfand, unterlag rasch dem Verlangen selbst, und sie senkte die Augen in der vergeblichen Hoffnung, ihre Gefühle verbergen zu können. Ihr Blut pochte an Stellen, an denen sie im Augenblick lieber nichts fühlen wollte.

»Dann lass uns eben zusammen zurückgehen«, sagte sie.

»Noch nicht, ich möchte lieber noch einen Augenblick hier bleiben«, entgegnete er, und seine Hand glitt von ihrer Wange zu ihrem Kinn. Langsam hob er mit der einen Hand ihr Gesicht an und ergriff mit der anderen seine Kapuze.

»Aber ich möchte reingehen«, wiederholte Jo, ihre Stimme nur noch ein panisches Flüstern.

»Ich auch«, erwiderte er und zog sich die Kapuze vom Kopf. Selbst in der Dunkelheit übten die Gesichtszüge, die ihr damals das Herz gestohlen hatten die wie Kupfer glänzenden Haare, die Augen so blau wie der Zenit immer noch die gleiche Wirkung auf sie aus. Und das Gesicht war noch viel schöner, als sie es sich in ihren hartnäckig wiederkehrenden Träumen vorgestellt hatte. Jo fühlte ihren Willen dahinschmelzen, und ihr Schoß begann in höchst unwillkommenem Verlangen zu brennen. Halb benommen, halb entsetzt sah sie zu, wie er den Überwurf seines Umhangs ablegte und auf den Boden warf. Das Kleidungsstück war mit scheckigem Pelz gefüttert, und er breitete es mit der Stiefelspitze über das Gras neben ihnen. Jo zitterte heftig. »Ashe, was tust du da?«

Nun gesellte sich seine zweite Hand zu der ersten, und er umfasste ihr Gesicht, während seine Augen, die in der Dunkelheit noch schöner waren, als sie sich erinnern konnte, über ihren Körper glitten. »Nichts, was du nicht auch wollen würdest«, antwortete er und lächelte auf sie herab, seine Stimme so warm wie ein knisterndes Feuer. »Ich habe dir doch gesagt, ich würde dich nie zu etwas zwingen, nicht wahr, Jo?«

»Ja«, flüsterte sie schwach.

»Und das habe ich auch so gemeint. Ich würde dich niemals in irgendeiner Weise in Gefahr bringen.« Sanft glitten seine Lippen über ihren Mund, spielerisch liebkoste er ihn mit der Zunge. »Du glaubst mir doch, Jo, oder etwa nicht?«

Ihre Antwort war kaum hörbar. »Doch.«

»Das dachte ich mir. Ich bin froh, dass du mir vertraust«, meinte er, und dann presste er die Lippen fest auf ihre, leidenschaftlich beinahe grob.

Die Hitze seines Kusses ließ Jo erzittern. Aus der Tiefe ihrer Seele stieg eine flammende Hitze empor; all die Wunden, die ihr in ihrem früheren Leben zugefügt worden waren, all die schmerzhaften, verkümmerten Stellen schrieen plötzlich geradezu danach, getröstet und angenommen zu werden. Im beißenden Wind fröstelte ihr Körper, und sie schlang die Arme um Ashes Hals, erwiderte seinen Kuss und drückte sich dabei Wärme suchend an ihn. Er zog sie enger an sich, und da bemerkte Jo, wie groß seine Erregung war und wie ungleich die Kräfte zwischen ihnen verteilt waren.

Auf einmal bekam sie Angst. Aber noch ernüchternder war der Gedanke an Rhapsody. Mit einem Ruck wurde ihr die ekelhafte Wirklichkeit klar. Sie entzog sich ihm und befreite sich aus seiner Umarmung.

»Himmel, was tun wir denn da?«, stöhnte sie. »Ashe, bitte lass uns zurückgehen.« Schnell drehte sie sich um und wollte sich auf den Weg machen.

Doch er legte von hinten die Hände auf ihre Schultern, sanft, aber entschlossen, und hielt sie fest, während seine Lippen ihr Ohr und ihre Wange streiften. Im heulenden Wind war seine Stimme warm und fast tonlos.

»Es tut mir Leid, dass ich dein Missfallen erregt habe, Jo«, murmelte er, während er sanft ihren Hals unter den strohblonden Haarsträhnen liebkoste. »Das wollte ich wahrhaftig nicht.«

Behutsam drehte er sie um und blickte wieder auf sie herab.

In seinen Augen stand Mitgefühl vielleicht wirken sie deshalb auf einmal so viel menschlicher, dachte sie. Sein strahlendes Lächeln brachte ihr Herz wieder zum Beben, und erneut kämpfte ihr Gewissen mit dem Verlangen tief in ihr.

»Das hast du auch nicht«, erwiderte sie stockend. »Ich möchte nur Rhapsody nicht wehtun.«

»Ach, ja, Rhapsody«, sagte er. »Sie hat Glück, dich zur Freundin zu haben, wo du dir solche Sorgen um ihre Gefühle machst. Aber wer schützt denn deine Gefühle, Jo? Wer weiß denn all die Dinge zu schätzen, die dich zu etwas Besonderem machen?«

Jo ließ den Kopf hängen. »Mach dich nicht über mich lustig, Ashe.«

Jetzt kniete er sich vor ihr nieder und blickte zu ihr auf. »Ich mache mich nicht über dich lustig das schwöre ich dir. Warum denkst du das?«

»Weil du genauso gut wie ich weißt, dass es an mir nichts Besonderes gibt«, antwortete sie heftig und kämpfte gegen die Tränen an.

»Das ist nicht wahr.«

»Wirklich? Woher willst du das überhaupt wissen? Ich sage es dir ja ungern, aber manche Leute können nicht mit Macht und Einfluss um sich werfen, als wären es Brotkrumen, manche haben kein Schwert aus Feuer oder Sternenlicht geerbt, und wenn wir lächeln, breitet sich auch kein Blumenteppich vor unseren Füßen aus. Manche Leute werden in einem Hinterhof geboren und sterben irgendwo auf einem Müllhaufen, und keiner merkt etwas davon.«

Jetzt flössen die Tränen in Strömen über ihr Gesicht. Behutsam nahm er ihre Hand und küsste sie. Der nächste Windstoß peitschte über ihr tränennasses Gesicht, und er zog sie zu sich auf die Erde und drückte ihr Gesicht an seine Brust.

»Jo, Jo, was ist nur los mit dir? Du bist so voller versteckter Schätze du musst nur bereit sein, jemanden sie bergen zu lassen.« Jo hob den Kopf, und er küsste sie abermals. Ihr Verlangen gewann die Oberhand, und sie schob das schlechte Gewissen zur Seite, während sie mit all dem Begehren, dem Schmerz und der Bedürftigkeit auf ihn reagierte, die ihre Seele überflutet hatten.

In der Ferne heulte ein Wolf, ein lang gezogenes, hohes Jaulen, das sich disharmonisch in das Stöhnen des Windes mischte. Ein bleicher Mond ging auf und warf gespenstische weiße Schatten auf die sturmgepeitschte Landschaft. Jo hatte das Gefühl zu fallen, als er sie auf seinen mit Pelz gefütterten Umhang legte. Sie öffnete die Augen und sah das schimmernde blaue Licht auf sie zurückstrahlen, sah eine Gier in diesen Augen, die ihr die letzte Kraft raubte. Aber sie war bereits zu weit gegangen.

Schon rissen seine Hände an ihrem Wams, zerrten grob ihr Hemd auseinander. Sie hörte ein heftiges Einatmen und ein anerkennendes Ausatmen.

»Siehst du, Jo versteckte Schätze. Die nur darauf warten, geborgen zu werden.« Sie rang nach Luft, als sein Mund sich auf ihre Brüste legte; feuchte Wärme umschloss ihre Brustwarzen, bis sie hart wurden und schmerzten, während seine Hände sich an den Bändern ihrer Hose zu schaffen machten. Er riss so heftig daran, dass Jo plötzlich den eisigen Wind auf ihrer entblößten Haut spürte; sie klammerte sich an seinen Hals und hieß fröstelnd seine heißen Finger zwischen ihren Beinen willkommen.

Seine grobe Erkundung ließ sie pulsierend von unerfülltem Verlangen zurück, während er sich seiner eigenen Hose widmete. Ihr lauter frustrierter Seufzer überraschte sie beide, und er lachte, bellend und unangenehm. Dann bewegte sich sein Mund über ihren Bauch und immer weiter nach unten, hin zu der Stelle, wo zuvor seine Finger gewesen waren. Beinahe brutal befriedigte er sie und schob dann die Kleider fort, die ihm noch im Weg waren; sein Mund glitt wieder nach oben, während er sich auf sie legte. Als Jo seinen Kopf über ihrem spürte, blickte sie in sein Gesicht; die Erregung, die sie darin sah, war von einer Grausamkeit, die ihr Angst einjagte.