Panik ergriff sie, während der Wind über ihre beiden Körper peitschte, und sie spürte eisige Regentropfen auf der Haut. Zitternd, teils vor Verlangen, aber mehr noch aus Angst, flehte sie ihn an, er möge von ihr ablassen. Doch als Antwort bewegten sich seine Lippen von ihrer Brust auf ihren Mund, seine Zunge glitt hitzig hinein und erstickte ihre Bitte. Dann spürte sie eine noch heftigere Hitze und einen Schmerz, als ihre Jungfräulichkeit hinweggerafft wurde und er sich in einer hastigen Bewegung mit ihr vereinte. Sie krallte sich in seinen Rücken, dass das Blut aus ihren Fingern wich, und gab sich den rasenden Wogen der Lust hin, in die sich ein quälender Schmerz mischte, während er immer weiter in sie eindrang. Seine Lippen lösten sich von ihren, und er begann zu ächzen, ein harter, tierischer Laut im Rhythmus seiner Bewegungen, die sie auf den Boden drückten und wieder und wieder gegen den felsigen Untergrund schlugen. Jo schrie auf, rief immer wieder seinen Namen, betete, dass es bald zu Ende sein möge, und fürchtete doch eben jenen Moment. Die ganze Zeit über brauste der Wind über sie hinweg und um sie her, dämpfte ihre Schreie und trug sie mit sich fort, wie die Stimmen der Möwen, hinab ins Tal. Und die Firbolg, welche sie hörten, suchten Schutz, so schnell sie konnten, denn sie fürchteten das Kommen der Dämonen.
Und dann, als Jo schon fast um den Tod betete, war es vorüber. Keuchend lag er auf ihr, und sie hielt sich an ihm fest. Als sie so dalag, spürte sie, ausgehend von der Stelle ihrer körperlichen Vereinigung, eine schleichende Empfindung, die sich durch ihren Körper und ihre Seele wand, sich um ihr Innerstes schlang wie eine Ranke, die ihr Rückgrat emporwucherte und überallhin ihre Triebe aussandte. Das Gefühl stieg hinauf bis in ihren Schädel und wuchs daraus hervor wie ein Haarschaft, um sich schließlich aufzulösen. Sie begann zu frösteln. Inzwischen war der Wind zu einer kaum spürbaren Brise abgeflaut; der Mann neben ihr hob den Kopf und sah sie an. Die ganze Hässlichkeit, deren Zeuge sie in der Leidenschaft gewesen war, war verschwunden. Jetzt lächelte er wieder und küsste sie sanft.
»Alles in Ordnung mit dir?«
Sie nickte, unfähig zu sprechen.
»Gut.« Er machte sich los, erhob sich langsam und band seine Hose zu. »Siehst du, Jo, du bist mehr als etwas Besonderes, du bist einzigartig auf der weiten Welt. Jetzt zieh dich wieder an.«
Wie im Traum knotete Jo ihr zerfetztes Hemd zusammen und band ihre zerrissene Hose zu, so gut es eben ging. Mit zitternden Händen zog sie ihr Wams über und beobachtete, wie er den Schmutz von seinem Umhang schüttelte und ihn überzog. Dann drückte er sie noch ein letztes Mal an sich und strich ihr dabei behutsam über die langen Haare. Zusammen gingen sie zum Rand des Kessels, wo er ihr einen raschen Kuss auf den Kopf drückte und davonschlenderte, in die Schatten der Zahnfelsen hinein. Im Handumdrehen hatte die Dunkelheit ihn verschluckt.
Erst als sie allein war, als sie mit schmerzendem Körper und schmerzender Seele in ihren Gemächern in Ylorc lag, wurde Jo klar, dass sie keine Ahnung hatte, was seine letzten Worte zu bedeuten hatten.
Fröhliches Lachen drang aus dem Beratungszimmer hinter der Großen Halle, als Ashe in den Kessel zurückkehrte; der Duft von gebratenem Wildschwein und gewürzten Äpfeln hing in der Luft. Die Lampen waren angezündet worden; zu den Essensgerüchen und dem süßen Holzrauch gesellte sich der beißende Gestank von brennendem Fett. Im Laternenlicht wirkte der Raum wie ein Leuchtfeuer in den finsteren Gängen des Kessels. Als er eintrat, sprang Rhapsody von ihrem Platz auf und rannte zu ihm, um ihn zu begrüßen. Sie hatte ihre Reisekleidung gegen ein langes, tailliertes Kleid aus blassgrüner Seide eingetauscht; daher wusste er, dass sie gefeiert hatten. Als er sich zu ihr beugte, um sie zu küssen, bemerkte er Achmeds Blick; in seinen mürrischen Augen lag demonstrative Belustigung. Ashe legte einen Arm um Rhapsodys Mitte und nahm mit der freien Hand den Krug entgegen, den Grunthor ihm hinhielt.
»Also gibt es gute Neuigkeiten?«
Achmed sagte nichts.
»Kommt ganz drauf an, wie man es sieht«, meinte Grunthor.
»Wo ist Jo?«, fragte Rhapsody.
Ashe ließ den Blick über das ungewöhnliche Trio schweifen, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder Rhapsody zuwandte. »Ich habe sie nicht gefunden«, antwortete er. Er sah, wie sich das schöne Gesicht vor Enttäuschung verzog und besorgt wirkte. »Vielleicht sollte ich sie suchen«, sagte sie, an Achmed gewandt.
»Lass sie in Ruhe, Hoheit«, widersprach Grunthor und füllte sein Glas wieder auf. »Wenn sie gefunden werden wollte, dann hätte er sie auch gefunden. Vielleicht braucht sie bloß ein bisschen Zeit, um sich daran zu gewöhnen ... na, ihr wisst schon, woran.«
»Das müssen wir doch alle«, meinte Achmed. Doch Rhapsody starrte nachdenklich in ihr Glas. Ashe strich ihr zärtlich über das Haar, und sie blickte zu ihm auf und lächelte.
»Wahrscheinlich habt ihr Recht«, sagte sie endlich, nahm Ashes Hand und führte ihn an seinen Platz.
Dort schob sie Geschirr und Besteck beiseite und zeigte ihm die große Landkarte, an der sie in seiner Abwesenheit gearbeitet hatten. »Achmed und Grunthor haben sich bereit erklärt, uns zu helfen«, sagte sie und lächelte die beiden Firbolg strahlend an. »Wir wollen am ersten Tag des Winters aufbrechen.«
»Das ist wunderbar. Danke. Danke euch beiden.« »Bitte sehr«, antwortete Grunthor. »Keine Ursache.« »Bitte«, fügte Achmed hinzu, »erinnere mich nicht daran.« Bis spät in die Nacht schmiedeten sie Pläne, tranken, aßen und scherzten. Draußen um den Berg heulte und wütete der Wind, und der dunkle Himmel weinte eisige Tränen, ohne zu wissen, um wen.
43
»Rhapsody, durch das Wasser scheint immer Sternenlicht. Kein Grund zur Sorge.«
Zweifelnd blickte Rhapsody ihn an. Sie hielt das Schwert über den See von Elysian und sah zu, wie das flackernde Licht auf der Wasseroberfläche glitzerte und helle Schatten auf den Grund warf.
»Was ist, wenn ich es auslösche? Oelendra wird mich persönlich dafür umbringen.«
Ashe lachte und küsste sie auf den Kopf. »Na gut, wenn du dir so viel Gedanken machst, dann ist es vielleicht besser, wir tun es nicht.«
Rhapsody spähte ins Wasser. Nicht weit vom Ufer konnte sie unter der Oberfläche die schimmernden Stalagmiten erkennen, die vom Grund des Sees emporwuchsen und funkelten, wenn das Feuer der Tagessternfanfare sie berührte. Sie glitzerten in sanften Grün und Blauschattierungen; wahrscheinlich stammten sie aus der Zeit, bevor die Höhle sich mit Wasser gefüllt hatte. Das Bild eines ganzen Feldes voller spitzer Gebilde hatte ihre Träume in der Nacht heimgesucht; daher war sie schon den ganzen Morgen am Seeufer entlanggewandert und hatte versucht, die Tiefen in der Dunkelheit der unterirdischen Grotte zu erforschen.
Es war Ashes Vorschlag gewesen, das Schwert mit ins Wasser zu nehmen. Über ihre entsetzte Reaktion war er in lautes Gelächter ausgebrochen, doch sie wurde von der entsetzlichen Vorstellung geplagt, das Feuer des Schwerts würde womöglich für immer ausgelöscht, wenn es mit dem Wasser in Berührung käme. Er hatte ihr die Härtungsprozesse der Waffen zu erklären versucht, das unauslöschliche Licht, das in die Waffe eingearbeitet worden war, aber er merkte, dass sie trotzdem noch unsicher war, und zog sie in seine Arme.
»Aria, du wirst das Schwert nicht zerstören, das verspreche ich dir. Aber wenn du dir immer noch Sorgen machst, dann versuchen wir etwas anderes. Es gibt noch eine ganze Reihe von interessanten Stellen hier unten, die wir erforschen können.«