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Jetzt lächelte Rhapsody. Sie liebte es, mit ihm die verborgenen Schätze von Elysian zu erkunden. Sie waren durch Höhlen voller purpurroter Kristallformationen gekrochen, deren Wände durch das Licht der Tagesternfanfare in fiebrigem Glanz erstrahlten, sodass es aussah, als wäre man in einem facettenreichen Edelstein gefangen.

Gemeinsam hatten sie die versteckte Quelle des Bachs gesucht, der den Wasserfall bildete, und waren ihm gefolgt, wie er durchs Felsgestein sprudelte. Sie waren in den Bach gestiegen und in ihm geschwommen, bis sie über den Rand in den See hinuntergeplumpst waren. Und sie hatten eine kleine unterirdische Wiese gefunden, umgeben von Felsmauern, die um die tausend Fuß hoch in den offenen Himmel aufragten, wie eine unterirdische Version der Wächterfelsen von Kraldurge. Ein wunderbarer Ort für ein Picknick im Sonnenschein oder bei Nacht, um die Sterne zu beobachten. Und um sich zu lieben.

»Nein«, sagte sie entschlossen. »Ich möchte diese Stelle sehen, und wenn du sicher bist, dass es dem Schwert nicht schadet, dann vertraue ich dir.« Vorsichtig berührte sie das Wasser mit der Schwertspitze. Unter der Wasseroberfläche veränderte sich das Licht; statt der flackernden Flammen, die gewöhnlich an der Klinge emporzüngelten, ging ein strahlendes Glühen von der Tagessternfanfare aus. Aber Ashe behielt Recht: Das Feuer machte keinerlei Anstalten zu verlöschen.

Vor Aufregung glühte Rhapsody schon selbst. »Komm«, drängte sie, »zieh dich aus.«

Sie legten ihre Oberbekleidung ab und stiegen ins Wasser, das sehr kalt war, bis Rhapsody ihr Feuerwissen einsetzte. Sofort stieg die Temperatur an, und der See heizte sich auf wie unter der Sommersonne, hätte diese ihn direkt erreichen können.

»Hier«, meinte Ashe, »lass uns die Schwerter tauschen. Mit Kirsdarke kannst du unter Wasser Luft holen, denn es ist ein Wasserschwert. Ich kann auch ohne seine Hilfe atmen. Natürlich nur, wenn du möchtest.« Er kannte ihr natürliches Widerstreben, ihr Schwert aus der Hand zu geben, hatte aber in diesem Augenblick nicht daran gedacht.

Offensichtlich hatte Rhapsody ihm gegenüber jedoch keine Schwierigkeiten mehr damit, denn sie reichte ihm fröhlich die Tagessternfanfare und nahm dafür das mit blauen Schnörkeln verzierte Kirsdarke, das er ihr hinhielt. Sobald sie die Waffe anfasste, veränderte sie sich; die schimmernden Wellen, die sonst über seine Oberfläche spielten, liefen rasch vom Heft die Klinge hinunter und verschwanden, als wären sie aus dem Schwert getropft. Das blasse Licht, das aus den Verzierungen drang, erlosch ebenfalls, und auf einmal wurde das gesamte Schwert massiver. Die Waffe, die sie nun in der Hand hielt, war wunderschön, die silberne Klinge mit komplizierten türkisfarbenen Mustern geschmückt, aber sie sah nicht mehr aus wie in Ashes Hand, wo sie aus in der Luft hängendem Wasser gemacht zu sein schien.

»Ich habe es zerstört!«, flüsterte sie nervös.

»0 nein!« Ashe schnappte in gespieltem Schrecken nach Luft, lachte dann aber herzlich über ihre ängstlich aufgerissenen Augen. »Ich nehme dich doch nur auf den Arm, Aria es ist alles in Ordnung. So sieht das Schwert aus, wenn es in anderen Händen als denen des Kirsdarkenvar ruht.«

Rhapsody fuhr mit den Fingern vorsichtig über die jetzt feste Klinge. »Bist du sicher, dass ich es nicht beschädigt habe?«

»Ja, ich bin sicher. Es ist vollkommen intakt. Siehst du, dein Schwert reagiert auf mich auch nicht so wie auf dich.«

Er hatte Recht. Auch die Tagesternfanfare ähnelte jetzt einem ganz gewöhnlichen Schwert, zwar glänzend vom Sternenlicht, mit dem es getränkt worden war, aber an der Klinge waren keine Flammen mehr zu sehen. Rhapsody runzelte die Stirn.

»Wie seltsam«, murmelte sie. »Sowohl Achmed als auch Grunthor haben es gehalten, aber das Feuer ist nicht erloschen wie bei dir.«

Ashes Augen blickten traurig, als er antwortete: »Das Stück meiner Seele, das der F’dor mir ausgerissen hat, war mit dem Feuer verbunden, Rhapsody. Deshalb verfügte meine Seele nicht mehr über dieses Element, bis du in mein Leben tratest.« Lächelnd legte er den Arm um sie und zog sie an sich. »Das Schwert spürt das und reagiert deshalb nicht auf mich. Das einzige Feuer in meinem Herzen ist das, welches ich in den Armen halte.«

Rhapsody küsste ihn. »Aber nicht für lange.«

Unwillkürlich zuckte Ashe zusammen. Wenn Rhapsody auf ihren Plan anspielte, den Rakshas zu finden und zu zerstören und dabei das verlorene Stück seiner Seele zurückzuerobern, wurde ihm jedes Mal flau im Magen. Deshalb verdrängte er den Gedanken und konzentrierte sich lieber ganz auf seine goldhaarige Geliebte und die Welt, die sie miteinander erforschen wollten.

»Wenn du fertig bist, können wir loslegen. Aber denk immer daran: Was du auch tust, schwimm nicht zu schnell zur Oberfläche hinauf, sonst kannst du dich ernsthaft verletzen.«

»Verstanden.« Wieder küsste sie ihn und senkte Kirsdarke dann behutsam ins Wasser. Unter der Oberfläche verschwand die Wasserklinge, sodass nichts von ihr sichtbar blieb bis auf das Heft in Rhapsodys Hand. Mit einem zufriedenen Lächeln dachte Ashe daran, wie groß das Vertrauen zwischen ihnen geworden war, denn sonst hätte sie ihr Schwert nicht so ohne weiteres mit ihm getauscht. Langsam glitt er ins Wasser. Rhapsody sah das Licht der Tagessternfanfare in seiner Hand unter Wasser leuchten.

Sie holte tief Atem und sammelte sich, ehe sie ihm folgte. Sobald sie unter die Oberfläche getaucht war, erkannte sie das Paradox in der unendlichen Stille herrschte ein fast ohrenbetäubender Lärm. Das Wasser war erfüllt von subtilen Lauten, doch ein Rauschen, das einem starken Wind ähnelte, übertönte fast alles andere. Für ihre Ohren waren es fremde Klänge, aber sie waren dennoch sehr schön. Einen Moment schloss sie die Augen und versuchte, den Ursprung des Rauschens auszumachen: Es kam von dem großen Wasserfall, der von den Felsen in den See stürzte.

Eine Weile trieb Rhapsody im Wasser, die Augen noch immer geschlossen, und nahm die Geräusche der Unterwasserwelt in sich auf. Doch plötzlich hörte sie einen sonderbaren, gedämpften Ton, wie von einer Glocke. Sie öffnete die Augen und sah vor sich eine in sonderbares Licht und unglaubliche Schönheit getauchte Welt, in der bestimmte Farben zu fehlen schienen.

Das Geräusch, das sie gehört hatte, war Ashes Lachen, und als sie sich zu ihm umwandte, staunte sie. Er schwamm frei im Wasser, hoch über ihr, im Kristalllicht der Tagessternfanfare. Sein rotgoldenes Haar wallte um seinen Kopf, langsam und metallisch, das Strahlen des Schwerts reflektierend. Seine Haut war ebenso blass wie die ihre, und sein Lächeln ließ seine Zähne schimmern wie Perlen. Doch am sonderbarsten waren seine Augen, denn hier in seinem Element leuchteten sie wie Saphire, ganz seiner natürlichen Umgebung angepasst. Im Wasser schwebend, fast als flöge er, hielt er die glühende Sternklinge in der Hand und wirkte mehr wie ein Engel denn wie ein Mann. Rhapsodys Herz wurde von der heftigen Empfindung überschwemmt, die sie jedes Mal überwältigte, wenn sie ihre Liebe zu ihm wachsen fühlte, und ihr stockte der Atem.

Sofort überkam sie Panik, und sie fürchtete, Wasser in der Lunge zu haben. Sie fühlte den heftigen Drang, so schnell wie möglich zur Oberfläche aufzusteigen, wieder in die Welt der Luft zurückzukehren, aber sie widerstand, zwang die Furcht nieder und machte den nächsten Atemzug. Ruhe kehrte ein, als sie merkte, dass sie problemlos atmen konnte, und die Panik wich der Aufregung über das Wunder der neuen Welt, die sich um sie herum ausbreitete. Als Ashe ihre Angst bemerkte, verschwand sein Lächeln, und er war sofort neben ihr; sie nickte ihm zu, um ihn zu beruhigen. Dann machte er eine Handbewegung hinunter in die Tiefe. Zusammen schwammen die zur Mitte des Sees, dem Lichtstrahl folgend, den das Schwert warf. Etwa zwanzig Fuß vom Ufer entfernt stiegen die Stalagmiten-Formationen, die Rhapsody gesehen hatte, vom abschüssigen Grund des Sees auf und glänzten zart im reflektierten Licht. Sie waren kristallklar und glatt, anders als ihre spitzen Gegenstücke über der Oberfläche, und schillerten in sanften Schattierungen von Rosa, Grün und Blau und immer mehr Violett, je tiefer sie kamen.