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Rhapsody schob ihn beiseite und trat ein. Die Einrichtung war vollkommen schmucklos, wenn man den allgegenwärtigen Schmutz nicht als zusätzliche Zierde rechnete. Außer dem Bett gab es noch einen kleinen Tisch und einen alten, wackeligen Stuhl mit einem scheußlichen, vollkommen durchgesessenen Polster. Über allem schwebte der unangenehme Geruch schmutziger Wäsche.

»Nun, was sagst du dazu?«

»Ich finde, dieses Zimmer könnte eine weibliche Hand gebrauchen oder ein Dienstmädchen.«

Ashe lachte. »Du kannst gern beide Funktionen übernehmen, wenn du möchtest.«

»Ich habe schon als Dienstmädchen gearbeitet, das ist keine Schande.«

»Ganz gewiss nicht«, entgegnete er. »Nichts, was du tun würdest, wäre eine Schande, glaube ich.« Rhapsody wurde rot, sagte aber nichts darauf. Das zeigt mal wieder, wie wenig da von mir weißt, dachte sie im Stillen.

»Wenn ich recht darüber nachdenke, wäre vielleicht eher eine Überschwemmung angebracht.«

»Auch das kann ich veranlassen.« Ashe berührte den Griff seines Wasserschwerts. »Nun, bleibst du? Du wirst dafür bezahlen müssen.«

Rhapsody wandte sich ihm zu. »Ach ja? Was ist denn der Preis?«

»Eine Antwort.«

»Wie lautet die Frage?«

»Es sind zwei Fragen.«

»Leg los.« Rhapsody verschränkte die Arme.

»Bist du Cymrerin, und wenn ja, aus welcher Generation? Du hast gesagt, du würdest nicht lügen, also weiß ich, dass du die Wahrheit sprächest.«

Nachdenklich senkte Rhapsody den Kopf. »In Ordnung, ich gebe dir eine Antwort. Auf deine erste Frage. Die Antwort lautet: Nein, ich bleibe nicht.« Mit diesen Worten ging sie zur Tür, wo er immer noch stand. Ashe streckte die Hand aus.

»Warte. Das war nur ein Scherz.«

»Nein, war es nicht. Lass mich durch.«

»Ich entschuldige mich«, sagte er und trat beiseite. Er war klug genug, ihr nicht den Weg zu versperren. So sah er ihr nach, wie sie zum Teich ging, sich ans Ufer setzte und den Tornister von der Schulter nahm.

»Keine Ursache. Ich bin hier sehr zufrieden.« Gemächlich packte sie ihre Decken aus und rollte sie aus.

Er ging zu ihr und beugte sich über sie. »Aber ich nicht. Rhapsody, du bist die Erste, der ich diesen Ort jemals gezeigt habe. Ich habe dich den ganzen Weg hierher gebracht, damit wir uns noch einmal richtig ausruhen können, ehe du dich auf den Weg nach Tyrian machst. Ich habe genug davon, draußen zu übernachten. Das tue ich dauernd, und ich möchte gern wenigstens eine Nacht in meinem Bett schlafen. Ich weiß, die Hütte macht nicht viel her, aber es ist mein einziges Zuhause. Bitte komm herein. Es tut mir Leid, dass es so unordentlich ist und dass ich manchmal so dumm bin. Du musst meine Fragen nicht beantworten, und ich höre auch auf, dich ständig damit zu bedrängen, ob du cymrischer Abstammung bist, das verspreche ich. Außerdem ist es ein Teil unserer Abmachung, dass einer von uns Wache hält, während der andere schläft, und das kann ich schlecht, wenn ich drinnen bin, während du hier draußen übernachtest. Es wäre eine sträfliche Vernachlässigung meiner Pflichten als dein Führer. Deshalb komm bitte wieder herein.«

Rhapsody musterte die verhüllte Gestalt neben sich. In seiner Stimme lag eine Verzweiflung, die sie nicht verstand, und sie verspürte Mitleid für ihn, für diesen müden Wanderer, der ständig unterwegs war, sich ständig verbergen musste vor den Augen derer, die ihn verfolgten. Plötzlich schämte sie sich ihrer mangelnden Dankbarkeit nach allem, was er für sie getan hatte; immerhin hatte er sein eigenes Leben und wohl auch seine Beziehung hintangestellt, um sie bis hierher zu begleiten. Wieder hörte sie die melodiöse, vernünftige Stimme des Drachen.

Der Mann da draußen, der dich hergebracht hat er wollte auch wissen, ob du Cymrerin bist, nicht wahr?

Ja.

Du kannst es ihm ruhig sagen, Hübsche. Er weiß es bereits. Es ist unverkennbar. Sie stand auf und klopfte sich den Schmutz von den Kleidern, dann hob sie ihre Sachen wieder auf. »Ich bin bereit, mich auf einen Handel mit dir einzulassen, Ashe«, sagte sie, während sie den Tornister wieder schulterte. »Ich werde deine Fragen beantworten.«

»Nein, bitte, ich habe kein Recht...«

»Lass mich ausreden. Ich werde eine oder auch beide Fragen beantworten, die du mir gestellt hast, vorausgesetzt, du beantwortest mir die gleichen Fragen zuerst selbst. Abgemacht?«

Ashe dachte einen Moment nach. »Abgemacht.«

»Gut, dann lass uns hineingehen.«

»Die Unordnung tut mir Leid.«

»Du musst dich nicht entschuldigen«, erwiderte Rhapsody. »Erstens ist es dein Zimmer, und das kannst du gestalten, wie es dir passt. Zweitens ist es hier im Vergleich zu Jos Zimmer wirklich aufgeräumt.«

Ashe lachte. »Dann muss sie ja in einem Abfallhaufen leben.«

»Ja, das stimmt, aber bevor ich ihr begegnet bin, hat sie einen großen Teil ihres Lebens tatsächlich im Abfall gelebt, deshalb versuche ich mich nicht darum zu kümmern, so sehr ich Schlamperei auch verabscheue. Ich fürchte, ein ordentlicher Haushalt gehört zu meiner Erziehung.«

Ashe nickte. Rhapsody ging zu dem Stuhl, hob die schmutzigen Wollsocken auf, faltete sie zusammen und legte sie sich auf den Schoß.

»Hier, die nehme ich«, meinte Ashe hastig. »Um die musst du dich nicht kümmern.« Kurz entschlossen warf er die Socken in einen leeren Korb im Wandschrank.

»Willst du nicht deinen Mantel ausziehen?«, fragte Rhapsody. »Du freust dich doch bestimmt schon lange darauf, ihn loszuwerden.«

Ashe schlug die Kapuze zurück, ließ den Umhang jedoch an und setzte sich aufs Bett. Rhapsody holte tief Luft, als sie sein Gesicht wieder sah; es war seltsam, ihn ein zweites Mal zu erblicken. Von der anderen Seite des Raums waren seine sonderbaren Pupillen nicht zu erkennen, aber der metallische Glanz in seinem Haar war ebenso überwältigend wie beim ersten Mal. Offenbar merkte er, dass sie ihn anstarrte, und machte ein unbehagliches Gesicht.

»Also«, begann er verlegen. »Also, bist du nun Cymrerin?«

»Du zuerst.«

»Ja.«

»Nun«, erwiderte sie, »du weißt es zwar schon, aber ja, ich auch.«

»Und was ist mit Achmed und Grunthor?«

»Für sie kann ich ohne ihre Zustimmung nicht sprechen«, antwortete sie bedauernd. »Da musst du deine eigenen Schlüsse ziehen.«

Ashe nickte. »Welche Generation?« Als sie ihn misstrauisch musterte, lächelte er. »Auf meines Vaters Seite die Dritte Generation. Bei meiner Mutter ist die Verwandtschaft zu den Cymrern so weit entfernt, dass es sich fast nicht mehr zu erwähnen lohnt.«

»Erklär mir das noch einmal«, bat Rhapsody. »Cymrer der Ersten Generation sind in der alten Welt geboren, und ihre Kinder, die hier zur Welt gekommen sind, gehören dann der Zweiten Generation an?«

»Ja.«

»Was, wenn jemand Seren war, in Serendair gelebt hat, aber nicht mit den Flotten in See stach?«

Ashe, der sie aufmerksam betrachtete, blinzelte, dann wurde sein Gesicht plötzlich leer. »Und die Katastrophe trotzdem überlebt hat?«

»Offensichtlich, sonst gäbe es ja keinen Grund, darüber zu sprechen, oder?«

Ashe nickte. »Nein, natürlich nicht, das war eine dumme Frage. Wenn meine Geschichtsstudien korrekt sind, ist das sehr vielen Leuten geschehen. Nicht alle, die Serendair verlassen haben, wollten sich Gwylliam anschließen; viele glaubten, er sei verrückt, einige hatten schlichtweg Angst, sie würden die Reise nicht verkraften vor allem Angehörige der Rassen, die von sich aus keine enge Verbindung zum Meer haben. Sie brachen auf, bevor die Drei Flotten in See stachen, und haben an anderen Orten Zuflucht gesucht, die näher bei der Insel liegen.«

Rhapsody erhob sich und zog sich den Umhang von den Schultern. »Wären diese darin Cymrer?«

Die blauen Augen hefteten sich noch durchdringender auf sie; die vertikalen Schlitze weiteten sich in der Dunkelheit des Raums und sogen ihre Antwort auf, als wäre sie Sonnenlicht.