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»Tut mir Leid«, erwiderte Ashe zerknirscht. »Manchmal wundere ich mich noch immer darüber, dass du mit den beiden überhaupt etwas zu tun hast, vor allem mit Achmed.«

»Warum?«

»Weil er so abstoßend ist.«

»Du kennst ihn ja nicht mal«, gab Rhapsody ungehalten zurück. »Wie kannst du da so etwas behaupten?«

»Ich war jetzt zweimal Empfänger seiner Gastfreundschaft, und ich kann nicht behaupten, dass ich sie genossen hätte.«

»Das tut mir ausgesprochen Leid«, erwiderte Rhapsody aufrichtig. »Er kann schon ein bisschen schroff sein. Warum bist du geblieben?«

Ashe ging zurück zum Feuer und stocherte noch einmal darin herum. Aus irgendeinem Grund schienen die Flammen nicht gewillt, ihren Beitrag zur Erwärmung des Zimmers zu leisten.

»Deine und Jos Gesellschaft war mir immer angenehm. Und als du Elynsynos erwähntest, wusste ich, dass ich dir helfen konnte, sie zu finden. Ich bin einer der wenigen noch lebenden Waldhüter, die sich ihrer Höhle genähert haben.«

Bei dem Wort Waldhüter setzte sie sich auf. »Bist du ein offizieller Waldhüter?« Ashe nickte.

»Hast du bei Llauron gelernt?«

»Ja.«

»Ich war bei ihm! Er ist ein wundervoller Mann. Hattest du direkt mit ihm zu tun?«

Ashe stellte das Kamingitter wieder an seinen Platz. »Gelegentlich. Im Allgemeinen leitete Llauron aber die Ausbildung nicht selbst, sondern überließ sie Gavin, mit gelegentlicher Unterstützung durch Lark.«

»Ja, die beiden habe ich auch kennen gelernt. Lark hat mir eine Menge über Kräuter beigebracht. Aber entschuldige, ich habe vom Thema abgelenkt. Achmed ist in Wirklichkeit gar nicht so schlimm. Er hat eine harte Schale und eine ziemlich ungewöhnliche Weltanschauung, aber es ist eindeutig eine Bereicherung, ihn zu kennen. Er und ich haben viel gemeinsam.«

Ashe schauderte. »Außer dass ihr beide Cymrer der Ersten Generation seid, fällt mir da nichts ein.«

»Ich habe nie behauptet, dass Achmed ein Cymrer der Ersten Generation ist das hast du dir zusammengereimt. Aber was die Gemeinsamkeiten angeht zum einen scheint unser Äußeres die Leute in diesem Land zu stören.«

»Was?« Ashe staunte.

»Ja. Falls dir das noch nicht aufgefallen ist: Wir laufen beide am liebsten in Kapuzenmänteln herum, weil man uns dann nicht ganz so penetrant anglotzt.«

Verwundert schüttelte er den Kopf. Offensichtlich hatte sie wirklich keine Ahnung, warum sie alle Blicke auf sich zog, und dieser Umstand erstaunte ihn immer wieder von neuem.

»Achmed ist hässlich.«

Allmählich wurde Rhapsody wütend. »Wie voreingenommen du bist! Es ist einfach dumm zu glauben, dass man aus der äußeren Erscheinung einer Person auf ihren Charakter schließen kann.«

»Ich meinte aber seinen Charakter.«

»Du kennst ihn doch überhaupt nicht.«

Ashe lehnte sich neben dem Kamin an die Wand. »Du hast mir die Frage über ihn und dich immer noch nicht beantwortet.«

»Welche Frage denn?«

»Ob Achmed für dich ein möglicher Partner wäre ich meine, ob du ihn heiraten würdest.«

Die Worte blieben ihm fast ihm Hals stecken.

»Vielleicht«, antwortete Rhapsody nachdenklich. »Aber wir haben noch nie darüber gesprochen. Möglicherweise würde er schon den Gedanken daran entsetzlich finden, aber falls ich sehr lange lebe, wäre er wahrscheinlich meine beste Möglichkeit.«

Ashe sah aus, als wäre ihm übel. »Warum?«

Rhapsody zog die Knie an die Brust. »Hmm, lass mich überlegen. Er weiß mehr über mich als sonst irgendjemand auf der Welt, er durchschaut meine Stärken und Schwächen, und mein Äußeres scheint ihn nicht abzustoßen.«

»Rhapsody, dich findet niemand abstoßend.«

Sie ging nicht auf seine Bemerkung ein. »Und ich glaube nicht, dass er von einer Ehe das erwarten würde, was andere vielleicht erwarten.«

»Zum Beispiel?«

»Zum Beispiel Liebe. Achmed ist klar, dass ich kein Herz habe, und das scheint ihn nicht zu stören. Ich denke, er wäre mit dem zufrieden, was ich in meiner Begrenztheit zu bieten habe. Ich spreche natürlich nur in der Theorie. Wie gesagt, wir haben uns noch nie über diese Möglichkeit unterhalten.«

»Ich weiß nicht, Rhapsody, aber ich finde es schade, dass du deine Erwartungen an eine Beziehung, die du angeblich so hoch schätzt, dermaßen niedrig ansetzt.«

Wieder stieg Ärger in ihr auf. »Was spielt das schon für eine Rolle? Ich meine, bist du vielleicht der Wächter über meine ehelichen Zukunftsaussichten?«

Ashe wandte sich ab. Ohne die Anonymität, die ihm der Nebelumhang gewährte, war es wesentlich schwieriger, sich mit Rhapsody zu unterhalten. »Nein, das bin ich gewiss nicht.«

»Es kommt mir seltsam vor, dass du dich so aufregst, weil ich womöglich eine Ehe ohne Liebe eingehen werde.«

Nun sah er ihr wieder direkt ins Gesicht. »Mich überrascht es, dass du selbst dich nicht darüber aufregst. Dabei behauptest du doch, große Achtung vor dieser Institution zu empfinden.«

Rhapsody dachte nach. »Ein gerechtfertigter Einwand. Vermutlich bezieht sich dies für mich nur auf diejenigen, denen die Fähigkeit gegeben ist, eine liebevolle Ehe einzugehen.«

»Und zu denen gehörst du nicht?«

»Nein.«

»Warum nicht?«

Sie seufzte und starrte ins Feuer, das allmählich in Gang kam. »Ich habe der Liebe abgeschworen, ich habe ihr entsagt.«

Ashe ließ sich ihr gegenüber auf dem Bett nieder. »Warum? Bist du Mitglied irgendeines zölibatären Ordens?«

Rhapsody verschlug es den Atem, dann lachte sie. »Wohl kaum.«

»Warum dann?«

Sie schlug die Augen nieder und sah auf ihre Hände. »Im alten Land habe ich meine Fähigkeit, auf diese Art zu lieben, gegen etwas eingetauscht, das ich beschützen wollte.«

»Und was war das?«

»Ein Kind«, antwortete Rhapsody. Sie blickte wieder auf, und auf ihrem Gesicht lag ein überraschter Ausdruck; sie konnte kaum glauben, dass sie seine Fragen so mühelos beantwortete, wo er doch der Erste war, dem sie davon erzählte. Ashe senkte die Augen und wich ihrem Blick aus. »Du hattest ein Kind?«

»Kein eigenes, nein, aber ich wollte es trotzdem beschützen.« Ashe nickte. Rhapsody glaubte eine gewisse Erleichterung bei ihm zu spüren, aber er sagte nichts. »Jedenfalls habe ich geschworen, niemand anderen jemals zu lieben, und ich habe Wort gehalten.«

»Niemand anderen als dieses Kind?«

»Nein. Anscheinend drücke ich mich nicht klar genug aus. Ich habe einem Mann mein Wort gegeben, nie einen anderen zu lieben, bis die Welt untergeht.«

»Und wer war dieser Mann, den du geliebt hast? Was ist mit ihm geschehen?«

Rhapsody verzog das Gesicht. »Ich habe nie gesagt, dass ich ihn geliebt habe. Er war ein Schwein.«

»Da komme ich nicht mehr mit. Warum hast du geschworen, ein Schwein zu lieben?«

»Na gut«, seufzte sie. »Wenn es dir so wichtig ist, muss ich wohl die ganze Geschichte erzählen. Der widerlichste, gemeinste und grausamste Bastard, den ich jemals kennen gelernt habe, befand sich im Besitz eines unschuldigen Kindes, das er ohne mein Eingreifen wiederholt vergewaltigt und irgendwann schließlich getötet hätte. Als Gegenleistung dafür, dass er sie frei gab, schwor ich, nie einen anderen Mann zu lieben, und daran habe ich mich gehalten. Aber ich habe niemals behauptet, dass ich ihn geliebt habe.«

»Nicht bis zum Untergang der Welt, richtig?«

»Stimmt genau.«

»Wie konntest du diesem Mann nur einen solchen Schwur leisten?«

»Nun, wahrscheinlich hatte es etwas damit zu tun, dass ich es nicht sehr wahrscheinlich fand, jemals der Liebe zu begegnen, die ich mir gewünscht hätte.«

»Du hast das nicht erwartet?«