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Rhapsody sah ihn an. Seine Augen funkelten, seine Schultern waren verkrampft so wütend hatte sie ihn schon lange nicht mehr gesehen.

»Warum bist du denn so zornig? Nur weil ich einem anderen helfen will, bedeutet das noch nicht lange nicht, dass meine Loyalität zu euch darunter leiden muss.«

»Das hat nichts damit zu tun.«

»Da bin ich anderer Meinung.« Rhapsody stand auf, ging zu Achmed auf die andere Seite des Tischs und setzte sich vor ihn auf die Tischplatte. »Ich glaube, dass es viel damit zu tun hat. Und ich möchte dich daran erinnern, dass ich, während ich euch geholfen habe, in diesem Land eure Ziele durchzusetzen, eine ganze Reihe von Dingen getan habe, derer ich mir alles andere als sicher war oder die mich sogar abstießen. Aber ich habe sie trotzdem getan, weil ihr mich darum gebeten habt und weil ihr gesagt habt, es sei das Richtige. Ich habe an euch geglaubt. Warum sollte ich nicht auch an ihn glauben?«

»Weil er dir nichts von all dem gesagt hat. Er hat sein Versteckspiel mit dir getrieben, er hat dir Informationen aus der Nase gezogen und war nicht bereit, selbst das Geringste preiszugeben. Er vertraut dir nicht. Nach allem, was du weißt, könnte er genauso gut der F’dor höchstpersönlich sein.«

»Das glaube ich aber nicht.«

»Na, das ist ja beruhigend. Du bist die schlechteste Menschenkennerin der Welt. Und deine Intuition ist auch mit Vorsicht zu genießen.«

Tränen der Wut traten in Rhapsodys Augen. »Warum sagst du das? Ich liebe dich, ich liebe Grunthor. Was glaubst du, wie viele Nicht-Bolg in der Lage wären, sich über dein fieses Benehmen hinwegzusetzen und das Gute in dir zu sehen?«

»Keiner. Und zwar, weil sie uns besser verstünden als du. Seit wir uns kennen, hast du meine Absichten falsch gedeutet.«

»Was meinst du damit?« Auf einmal hatte Rhapsody einen Knoten im Magen. Achmed legte die Hände links und rechts neben ihr auf den Tisch, beugte sich vor, bis er nur wenige Zoll von ihrem Gesicht entfernt war, und zwang sie so, ihm in die Augen zu sehen.

»Erinnerst du dich noch an das Allererste, was ich zu dir gesagt habe?«

Rhapsody schluckte. »Ja. Du hast gesagt: »Komm mit uns, wenn du am Leben bleiben möchtest/«

»Und du hast gedacht, das bedeutet, dass ich dich retten würde, wenn du mit mir kommst, oder?«

»Ja, und das hast du auch getan.«

»Schon wieder falsch«, fauchte Achmed. »Vielleicht hätte ich mich dir gegenüber anders ausdrücken sollen. Mach keinen Fehler, Rhapsody. Ganz gleich, was sich seither zwischen uns verändert hat, ganz gleich, welche Gefühle für dich im Lauf der Zeit in mir erwacht sind in diesem Augenblick hätte ich zu dir sagen sollen: »Komm mit uns, sonst bringe ich dich um.‹ Verstehst du jetzt? Du willst ständig glauben, dass die Leute so gut sind, wie du es dir wünschst. Im Großen und Ganzen ist das aber nicht der Fall. Nicht bei mir, nicht bei Grunthor und schon gar nicht bei Ashe. Seine Seele befindet sich in der Hand eines Dämons aus der alten Welt weißt du, was das bedeutet?«

»Nein.«

»Nun, ich weiß es aber. Denk dran, ich habe es selbst erlebt.« Mit den Fäusten schlug er neben ihr auf den Tisch, dass sie vor Schreck zusammenzuckte. »Im Gegensatz zu dir verstehe ich, was Ashe durchmacht. Ich weiß, wie es ist, wenn ein Teil der eigenen Seele sich in dämonischen Händen befindet. Man tut alles, man hintergeht jeden, nur um zu verhindern, dass einem der Rest auch noch genommen wird. Ich will ihn deswegen nicht schlecht machen, Rhapsody; wenn es nicht um ihn, sondern um mich ginge, dürftest du mir auch nicht trauen. Ich habe dir schon des Öfteren gesagt, dass die F’dor ihre Opfer auf verschiedene Weise in Besitz nehmen können. Ashe muss nicht der eigentliche Wirt sein, um von dem Dämon versklavt zu sein. Manchmal pflanzt der F’dor einen einzigen Gedanken in den Kopf eines Unwissenden, gerade lange genug, dass der Betreffende irgendetwas für ihn tut. Manchmal nimmt er sein Opfer voll in Besitz und kann es ganz nach Belieben herumkommandieren, schreckt aber davor zurück, seinen Geist ganz an den Körper des Unglücklichen zu binden. Das bedeutet, dass jeder, dem wir hier begegnen, verdächtig ist. Warum verstehst du das nicht?

Schlimm genug, dass du nicht aufhören kannst, Waisen zu adoptieren, die das Biest vielleicht kennen gelernt haben. Die FirBolg-Kinder und sogar die von Stephen sind höchstwahrscheinlich harmlos, aber Jo haben wir im Haus der Erinnerungen gefunden, weißt du noch? Sie war eine Gefangene des Rakshas. Wer weiß, ob sie vielleicht auch an den F’dor gebunden war?«

Rhapsody zitterte. »Ich weiß es«, antwortete sie. »Jo ist nicht seine Gefangene. Du vergisst, Achmed, dass sie dort war, um als Blutopfer zu dienen, zusammen mit all den anderen Kindern. Warum sollten der F’dor oder der Rakshas Zeit, Energie und Lebenskraft darauf verschwenden, etwas zu besitzen, das sie zerstören wollen?«

Doch der Zorn in den ungleichen Augen wurde nicht geringer. »Das ist auch der einzige

Grund, warum ich dir erlaubt habe, sie mitzunehmen. Trotzdem war es ein ernstes Versagen meiner Urteilskraft.«

»Wie kannst du so etwas sagen?«, fragte Rhapsody wieder. »Ich dachte, du magst sie.«

»Ich mag sie ja auch, jedenfalls meistens. Und der Umstand, dass du mit einem so dummen Einwand daherkommst, zeigt mir, dass dir der Ernst der Lage nicht einmal annähernd klar ist. Liebe und Freundschaft haben hier keinerlei Bedeutung, nicht die geringste. Wenn man es mit den F’dor zu tun hat, ist es schlimmer als im Kampf um Leben und Tod. Ich weiß, dass du Jo liebst, und Grunthor liebt sie auch. Nichtsdestoweniger bereue ich ständig, dass ich sie nicht getötet habe, gleich als sie zum ersten Mal etwas Dummes getan und uns in Gefahr gebracht hat. Das ist wiederholt passiert, sowohl in deiner Gegenwart als auch in deiner Abwesenheit. Allmählich glaube ich, dass es ein Muster ist, Rhapsody, dass es einen Grund dafür gibt, den wir nicht erkennen, und dass sie nicht anders kann. Wenn sich herausstellt, dass dies tatsächlich der Fall ist, dann sind die Folgen für uns und für die Bolg so weitreichend, dass die Zerstörung von Serendair im Vergleich dazu verblasst. Und diese Folgen werden ewig andauern sie sind nicht mit dem Tod zu Ende.«

»Um Himmels willen, Achmed, sie ist ein junges Mädchen! Hast du in ihrem Alter nie etwas Dummes oder Unüberlegtes getan?«

»Nein. Doch das ist nicht der Punkt. Der F’dor oder sein Lakai kann sehr wohl ein junges Mädchen sein oder ein Kind, oder der gut aussehende Dummkopf, der dir auf der Straße begegnet ist und vor deinen Füßen eine Blume hat fallen lassen. Jeder kann es sein, Rhapsody, jeder!«

»Aber nicht wirklich, Achmed. Irgendwann müssen wir Stellung beziehen und eingreifen. Wir können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken, wir können uns nicht für den Rest der Ewigkeit in Ylorc verkriechen. Wenn auch nur irgendetwas von dem Mythos der Wahrheit entspricht und wir zu der scheußlichen Form von Langlebigkeit verdammt sind, die an Unsterblichkeit grenzt, dann wird es früher oder später zu einer Konfrontation zwischen uns und dem F’dor kommen.

Außerdem, wenn du wirklich glaubst, dass jemand, der dir am Herzen liegt, unter der Macht des Bösen steht, findest du dann nicht, dass du die Pflicht hast, wenigstens zu versuchen, diese Person vor der ewigen Verdammnis zu retten? Den Teil, der sich in der Hand eines F’dor befindet, zurückzufordern?«

Achmed wandte sich ab und fuhr sich ärgerlich mit der Hand durchs Haar. »Jetzt meinst du aber nicht Jo, oder? Du bist wieder bei Ashe. Mir war bisher nicht klar, dass er inzwischen zu jemandem aufgestiegen ist, ›der uns am Herzen liegt‹.«

»Wir können ihm helfen«, flüsterte Rhapsody. »Wir können den F’dor finden und töten. Wir sind die Einzigen, die dazu imstande sind. Erinnerst du dich an die Prophezeiung, von der Llauron uns erzählt hat? Hast du es noch nicht erraten? Wir sind die Drei. Du bist das Kind des Blutes, das ist ganz offensichtlich, Grunthor ist das Kind der Erde, das weißt du auch. Und ich bin eine Lirin, uns nennt man die Kinder des Himmels. Das sind wir, Achmed. Man hat unser Kommen in diesem Land prophezeit.«