Выбрать главу

»Du baust die Maschine nach?«, fragte Rhapsody. »Warum?«

Der Bolg betrachtete die Zeichnungen vor ihm. »Wenn man den spärlichen Berichten glauben kann, die in der Bibliothek von Canrif über den cymrischen Krieg aufbewahrt werden, lag einer der Gründe, warum Anwyn Gwylliams Festung mehr als fünfhundert Jahre lang nicht angreifen konnte, in dieser Maschine und deren Macht, worin auch immer sie bestehen mag. Als Anwyn schließlich die Berge einnahm, war die Zerstörung dieses Gerätes ihr erstes Ziel. Ein solch mächtiger Apparat würde die Berge sicher machen.«

Trotz des heißen Tages bekam Rhapsody eine Gänsehaut. »Glaubst du nicht, dass die Berge schon sicher genug sind, Achmed?«, fragte sie. Besorgnis verdunkelte ihre Augen. »Gibt es da eine Bedrohung, von der das Bündnis nichts weiß?«

Der Firbolg-König zuckte die Achseln. »Es existieren immer Bedrohungen, Rhapsody. So etwas wie dauerhaften Frieden gibt es nicht, nur lange Pausen zwischen den Kriegen.«

»Bist du sicher, dass du nicht mit Anborn verwandt bist?«, fragte Rhapsody scherzhaft.

»Wenn ich mit jemandem aus der schrecklichen Familie deines Mannes verwandt wäre, dann wäre Ashe wohl der Einzige, den ich halbwegs ertragen könnte. Ich achte seine Fähigkeit, sich einen feuchten Kehricht um die Meinung anderer über ihn zu scheren. Doch was deine Frage angeht:

Erinnere dich daran, dass ich einen Berg und ein Kind bewache, die den Schlüssel zur Unterwelt der F’dor darstellen. Selbst wenn augenblicklich Frieden herrscht, kann man nie zu vorsichtig sein. Das Risiko ist viel zu groß. Und da du als die Amelystik des Erdenkindes benannt bist, solltest du freudig alles tun, um ihre Sicherheit zu garantieren – zum Beispiel, indem du mir bei dieser Sache hilfst.«

Rhapsody seufzte und trennte vorsichtig die oberen Blätter von den älteren, die weiter unten lagen. Sie reichte sie Achmed, während sie das letzte aufmerksam betrachtete. Es war dünn und brüchig vom Alter, und das Pergament zerfiel an den Rändern. Die Zeichen darauf entstammten einer Sprache, die sie sofort erkannte, denn in ihr waren die lirinischen Sänger zu Benennern ausgebildet worden. Es handelte sich um Serenne, die Sprache der alten serenischen Rasse, der ursprünglichen Bevölkerung ihrer Heimat.

»Hier ist so etwas wie ein Gedicht oder ein Titel«, sagte sie und untersuchte die hauchdünnen Tintenstriche. »Serenne basiert auf einer Notenschrift; daher kann es nur schwer in gesprochene Sprache übersetzt werden.«

»Es sollte genügen, wenn du es so gut wie möglich versuchst«, sagte Achmed ungeduldig.

»Das Gedicht ist eine Art Rundgesang. Es handelt sich um einen einzelnen Vers, aber die Hauptzeilen lauten in etwa so:

Sieben Gaben des Schöpfers, Sieben Farben des Lichts, Sieben Meere auf der weiten Welt, Sieben Tage in einer Woche, Sieben Monate Brache, Sieben Kontinente durchwandert, webe Sieben Zeitalter der Geschichte Im Auge Gottes.«

Sie hielt das Pergament schräg gegen das Licht. »Es ist wie eine Tonleiter aufgebaut, und da gibt es eine weitere Sieben: sieben gut erkennbare Noten einer Oktave, die achte ist wieder die gleiche wie die erste. Das scheint nur der Teil eines Gedichts zu sein; der Rest fehlt.«

»Ergibt es für dich einen Sinn?«, fragte Achmed.

Rhapsody seufzte. »Eigentlich nicht, außer dass es sich um eine Liste bedeutender Siebenzahlen handelt.« Sie runzelte die Stirn. »Nur eine davon scheint nicht zu passen: die sieben Gaben des Schöpfers. Ich weiß nur, dass die Elemente immer als die fünf Gaben des Schöpfers bezeichnet werden: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther. Daher bin ich mir nicht sicher, was das bedeuten soll.«

»Kannst du sonst noch etwas lesen?«

»Neben den Bezeichnungen für die verschiedenen Farben des Regenbogens steht eine Liste von Namen. Soll ich sie dir vorlesen?«

»Ja.«

Sie schob sich eine Haarlocke hinter das Ohr und beugte sich tiefer über das Pergamentblatt.

»Sie sind mit den musikalischen Zeichen versehen, mit denen man eine Note erhöht oder erniedrigt, so wie Kreuz und B, bis auf den letzten.

Lisele-ut, oder rot, Blutretter, Blutgeber Frith-re, orange, Feuerleger, Feuerlöscher Merte-mi, gelb, Lichtbringer, Lichtersticker Kurh-fa, grün, Grasverberger, Lichtungskenner Brige-sol, blau, Wolkenfänger, Wolkenrufer Luasa-ela, indigo, Nachtbleiber, Nachtrufer Grei-ti, violett, der Neubeginn.«

Als Rhapsody wieder aufschaute, war ihr Gesicht bleich.

»Was hast du da bloß gefunden, Achmed?«, fragte sie besorgt. »Das ist alte Magie, heilige und geheime Überlieferung. Es macht mir Angst, es dem Tageslicht ausgesetzt zu sehen. Nur die ehrwürdigsten Benenner der alten Welt durften zu solchen Dingen Zugang haben. Diese Worte sind die Basis aller Schwingungsregeln, die der Musik der Sänger sowie den Zauberwebern, Heilern und anderen aus dem alten Land die Kraft verleiht, die in den Schwingungen alles Lebendigen liegt.«

Achmed sagte nichts darauf. Er nutzte selbst diese Schwingungen aufgrund des elementaren Bandes in seinem Blut, das ihm erlaubte, Herzschläge aufzuspüren und voneinander zu unterscheiden. Diese Kraft hatte ihn auf der anderen Seite der Zeit zu einem unfehlbaren Mörder gemacht.

»Was willst du damit machen, sobald du diese Maschine wiederhergestellt hast, Achmed?«, fragte Rhapsody und gab ihm die Pergamentblätter mit großer Vorsicht zurück.

Der Firbolg-König lächelte hinter seinen Schleiern.

»Dasselbe, das ich hier in Yarim für dich tun solclass="underline" das Leben deiner Untertanen sicherer machen.«

»Warum kann ich nicht glauben, dass das der einzige Grund ist?«, meinte Rhapsody, erhob sich vom Boden und wischte sich den roten Lehm vom Kleid.

»Weil du mit Ausnahme der Wahl deines Ehemannes keine Närrin bist. Ich bin sicher, es ist noch etwas Eintopf oder Haferschleim vom Mittagessen für dich übrig, damit du bei deiner Rückkehr heute Abend Ihrman Karsrick aufrichtig für seine Gastfreundschaft danken kannst.«

Auf dem offenen Meer

Der Vogt des Seneschalls entdeckte das Land noch vor dem Ausguck im Krähennest.

»Land, Herr«, rief Fergus und hob die Stimme, damit sie in der launischen Seebrise zu hören war. Der Seneschall nickte und schaute steuerbords über den Bug auf das schwache Grau am Rand des Horizonts.

»Wie lange noch?«, fragte er den Kapitän. Seine trockene Stimme knisterte in der feuchten Luft.

»Wir müssen an der Küste entlangfahren, Herr. Im Lirinland liegt ein gefährliches Riff zwischen Sorbold und Avonderre. Zwischen fünf Tagen und einer Woche bis Port Fallon, würde ich schätzen.«

Der Seneschall nickte und versuchte die ungeduldige Stimme in seinem Kopf zu besänftigen. Er lauschte dem Kreischen des Windes, dem Knattern der Segel, während sie sich abwechselnd aufblähten und schlaff wurden und ihn seinem Ziel näher und näher brachten. Er schloss die Augen und ließ sich von der Sonne am wolkenlosen Himmel bescheinen.

Bald.

11

Der Platz in der Stadtmitte von Yarim Paar

Als Achmed, Grunthor und die Minenarbeiter der Firbolg an jenem Abend in Yarim Paar eintrafen, quoll trotz Karsricks Anstrengungen der Platz von Menschen über.

Ein viertes Kontingent des yarimesischen Heeres war ausgesandt worden, um die Bemühungen der drei vorangegangenen Divisionen zu unterstützen. Sie sperrten den Platz um den alten Obelisken ab und trieben die lärmende Menge in den ersten Straßenring zurück – weit fort von dem ausgetrockneten Becken, in dem die Entudenin stand. Die Nachricht, dass die Bolg kamen, hatte sich wie ein Lauffeuer in der Hauptstadt verbreitet, und so drängten sich am frühen Abend immer mehr Einwohner von Yarim Paar in den staubigen Straßen und hofften, einen Blick auf die Ungeheuer zu erhaschen. Als Tariz und die Geleittruppen die Stadtmitte erreichten, befand sich Yarim Paar im Zustand eines kaum mehr beherrschbaren Chaos. Es herrschte regelrechte Volksfest-Atmosphäre; Fackeln wurden geschwenkt, und Rufe sowie seltsame Lustbarkeiten verursachten einen Höllenlärm.