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»Na schau mal einer an! Was für ’ne herrliche Auswahl an Frischfleisch!«, rief Grunthor so laut, dass die Eskorte ihn hören konnte, und deutete auf die johlende Menge. »Ich mag’s, wenn mein Essen fröhlich ist, dann schmeckt es besser. Dieser Karsrick weiß verdammt gut, wie man ’nen Bolg willkommen heißt und bewirtet. Was für ’n Gastgeber, nicht wahr?«

Tariz, der mit der Vorhut ritt, wirbelte herum und starrte zuerst den riesigen Sergeanten und dann den Bolg-König an.

»Ich vermute, er macht einen Scherz, oder, Euer Majestät?«

»Möglicherweise«, erwiderte Achmed. »Im Allgemeinen mag Grunthor kein Trockenfleisch, und Yarim ist schon so lange ohne Wasser, dass ihr wohl alle ein wenig faserig seid.«

»Wie wahr«, pflichtete ihm der Sergeant mit einem gespielten Seufzer bei. »Gebt mir ’nen netten, frischen Lirin. Das war ’ne saftige Köstlichkeit, feucht und schmackhaft. Aber man weiß ja nie. Scheint hier nicht viele Lirin zu geben. Vielleicht ist die örtliche Küche doch gut.«

Die Begleitsoldaten sahen einander an, zügelten die Pferde und stiegen rasch ab.

»Schickt eine Vorhut über die Marktstraße in die Stadtmitte, vereinigt euch mit der zweiten Division und bringt genügend Truppen mit, um einen Korridor zu öffnen«, befahl Tariz seinen Soldaten.

»Drängt die Einwohner zurück, aber treibt es nicht allzu arg mit den Narren.«

Achmeds Augen verengten sich vor Ärger. Seine persönlichen Gründe für die Reise nach Yarim hatten darin bestanden, Rhapsody aufzusuchen und ihre Hilfe bei der Übersetzung der Manuskripte zu erbitten sowie einen Glaskünstler zu finden, der ein ausgewiesener Meister seines Fachs war. Er nahm an, dass es in einer Stadt, die für ihre Ziegelherstellung berühmt war, nicht unmöglich sein sollte, einen zu finden, dessen Dienste man mieten konnte. Omet hatte ihm versichert, dass es hier viele Meister der alten Schule gab, die nun ihr Brot mit niederen Arbeiten verdienten und sich nach den Tagen zurücksehnten, als Yarim die Keramiken, Ziegel und Glasfenster für die großen Kathedralen und Staatsgebäude geliefert hatte, bis der cymrische Krieg alldem ein Ende gesetzt hatte. In dem wirbelnden Chaos aber, das die Straßen erfüllte, würde es beinahe unmöglich sein, einen solchen Künstler zu finden. Er blickte über die Schulter zu seinen eigenen Truppen. Die Bolg waren wachsam; ihre einfache Tracht erschien auf groteske Weise primitiv gegenüber den roten Tuniken, der Rüstung aus Leder und den gehörnten Helmen des yarimesischen Heeres. Jedes Firbolg-Gesicht trug eine Maske der Unerschütterlichkeit. Sie richteten den Blick unmittelbar vor sich und beachteten den Aufruhr um sie herum nicht, aber er bemerkte, dass sie trotzdem von der wogenden Menschenmasse entnervt waren, die auf den Straßen grölte, schrie und lachte und jede Gelegenheit wahrnahm, um einen Blick auf sie zu erringen.

Vor den gewaltigen Zelten, welche die Entudenin umgaben, wurde Rhapsody allmählich ängstlich.

»Das ist ein verrücktes Schauspiel«, sagte sie besorgt zu Ashe. »Ich weiß nicht, ob sie inmitten dieser Menge sicher sind, auch wenn die Soldaten sie beschützen. Bisher sind die Städter nur neugierig, doch was ist, wenn die Atmosphäre gewalttätig wird? Wenn bei einer der Gruppen die Neugier von Angst verdrängt wird, kann man nicht mehr vorhersagen, was geschehen wird. Wenn die Städter auf sie zuschwärmen, könnten die Bolg Panik bekommen und die Yarimesen zermalmen.«

Ashe nickte zustimmend, drehte sich um, öffnete die Zeltklappe und ging nach drinnen. Wenig später kam er zurück und hielt ein langes Seil in der Hand.

»Ihrman«, sagte er zu dem Herzog, in dessen Blick Besorgnis lag und dessen Haut mit Schweiß bedeckt war, »in diesem Zelt befinden sich noch ein paar Seile. Bindet die Enden zusammen – es könnte für vier Straßenlängen reichen – und gebt es den Soldaten, die damit einen Korridor durch die Stadt markieren sollen. Er soll geradewegs durch die Menge geöffnet werden und so breit sein, dass die Bolg bequem hindurchmarschieren können. Stellt die Soldaten innerhalb des Seils auf und bringt die am nächsten stehenden Zuschauer dazu, es zusammen mit ihnen zu halten. Bittet den Firbolg-König um Nachsicht und Entschuldigung. Sagt ihm, wir werden dieses Problem in wenigen Minuten gelöst haben.«

Der Herzog gab dem Hauptmann der Garde die Anweisung, den Befehl des cymrischen Herrschers an den Rest der Truppe weiterzugeben. Ashe wandte sich an Rhapsody.

»Geh zurück ins Zelt, Aria. Es wird für kurze Zeit ein großes Gedränge geben, aber bald schon wird es sich in ein beherrschbares Chaos verwandelt haben.« Er zog die Zeltklappe zur Seite.

»Was hast du vor?«

»Es ist unmöglich, die Neugier zu unterdrücken, die durch den Versuch entstanden ist, die Bolg zu verstecken. Dank Ihrmans Stümperei sind sie zu einer unwiderstehlichen Attraktion geworden. Aber das können wir zu unserem Vorteil einsetzen.« Er wandte sich an den Hauptmann der Wacheinheit, die zwischen der Tribüne, auf der sie standen, und der Menge der Schaulustigen eine Barriere errichtete. »Hauptmann, ruf deinen besten Hornbläser herbei.«

Eine Kette gebrüllter Befehle wallte über den anschwellenden Lärm und wurde bald geschluckt. Nach kurzer Zeit erschien ein Trompeter.

»Mein Herr.«

»Bläser, mach dich bereit«, sagte Ashe zu dem Soldaten. »Spiel eine Willkommenshymne für ein Staatsoberhaupt.«

Als sich der Bläser vorbereitete, wandte sich Ashe wieder an den Herzog von Yarim.

»Sobald die Bolg das Arbeitszelt betreten haben, sollen die vorhandenen Soldaten es einkesseln, aber sorgt dafür, dass es allmählich immer mehr werden. Wenn Ihr vorsichtig hier und da ein paar Truppen einfügt, wird sich der Kreis langsam, aber sicher erweitern, und es wird keinen Zusammenstoß mit übereifrigen Zuschauern geben. Der Ring sollte ausgedehnt werden, bis die Menge zwei Straßenecken weit von der Arbeitsstelle entfernt ist. Und gebt die Zeiten der Schichtwechsel bekannt.«

Karsrick fiel der Kiefer herunter. »Ist das klug, mein Herrscher? Dann wissen die Leute, wann die Bolg kommen und gehen, und werden sich zu diesen Stunden in derselben großen Masse wieder zusammenfinden.«

»Ja«, stimmte Ashe ihm zu, »und in der Zwischenzeit werden sie wieder an ihre Arbeit gehen. Zuerst werden viele bleiben und hoffen, noch einen Blick zu erhaschen, doch wenn sie bemerken, dass das sinnlos ist, kommen sie nur noch zur Wachablösung. Und nach kurzer Zeit wird auch die nur noch für wenige interessant sein.« Er klopfte Karsrick ermunternd auf die Schulter. »Kopf hoch, Ihrman, das ist alles nur vorübergehend. Allerdings hatte Rhapsody Recht, als sie sagte, Ihr hättet sie wie Gäste behandeln sollen und nicht wie Ungeheuer, vor denen man die Bevölkerung schützen muss, denn dann wäre das alles kein Problem gewesen. Wenn Ihr das getan hättet, wäre niemals eine so große Neugier erzeugt worden.«

»Ja, mein Herrscher«, murmelte Karsrick.

»In Ordnung, Bläser, leg los«, befahl Ashe. »Spiel ein fröhliches Liedchen, damit sich die Bolg willkommen fühlen.«

Rhapsody spähte durch den Zelteingang und kicherte.

»Ich schlage eine Instrumentalversion von ›Lass kein Glied ungebrochen vor‹«, sagte sie. »Soweit ich weiß, ist das ihr Lieblingsmarsch.«

Sobald der Korridor aus Seilen im Meer der Zuschauer geöffnet war und sich die Bewohner freiwillig gemeldet hatten, die Barriere mit festzuhalten, konnten die Bolg ohne Zwischenfall rasch an ihren Arbeitsplatz gelangen.

Als sich die Klappen der riesigen Zelte hinter ihnen geschlossen hatten, der Lärm der Massen leiser wurde und die Soldaten sich wieder in einem Kreis aufstellten, wandte sich Achmed an den Herrn und die Herrin der Cymrer sowie an den Herzog.

»Vielleicht habe ich die Einladung missverstanden«, sagte er wütend. »Ich hatte den Eindruck, Ihr wolltet uns zur Arbeit an Eurem ausgetrockneten Geysir anstellen in der Hoffnung, dass unser Können Eure dahinsiechende Provinz vor dem Verdursten rettet. Wenn ich gewusst hätte, dass Ihr uns nur für Euer Kuriositätenkabinett oder einen Reisezirkus haben wolltet, wäre ich in Ylorc geblieben und hätte Euch in der Hitze verdorren lassen. Unter Euren eigenen Untertanen gibt es viel groteskere Geschöpfe, Karsrick. Ihr habt uns eindeutig nicht nötig, um Eure Gruseldarbietungen zu bereichern.«