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Rhapsody senkte den Blick, als schämte sie sich. »Es tut mir Leid, Oelendra«, sagte sie sanft.

»Ich kann nichts dafür. Ich weiß, was ich tun muss, aber es schmerzt mich so sehr, dass ich befürchte, es bringt mich um. Es wird entweder Anborn oder Achmed sein. Sie sind die einzigen Gatten, die stark genug sind, die anderen im Zaum zu halten. Ich will Achmed aber keinen Zutritt zu Tyrian geben, es sei denn, als Verbündeter. Ich liebe ihn, aber ich mache mir keine Illusionen darüber, was er tun würde. Bitte hilf mir bei dem, was ich tun muss, Oelendra. Ich kann es nicht ertragen, jemanden für meine Verteidigung sterben zu sehen. Bitte, Oelendra. Ich brauche deine Stärke. Hilf mir, wenn du mich liebst.«

Oelendra nahm ihre Königin in die Arme und hielt sie fest, während sie weinte. »Wir alle brauchen Schultern, an denen wir uns ausweinen können, Liebes. Du bist an meiner jederzeit willkommen. Aber du brauchst meine Stärke nicht. Du musst nur das befolgen, was ich dir schon gesagt habe, und auf die Stimme deines Herzens achten.«

»Nein, das kann ich nicht, Oelendra«, schluchzte Rhapsody. »Mein Herz ist eigensüchtig, und diesmal bekommt es nicht das, was es will, denn das gehört jetzt jemand anderem. Also muss ich auf meinen Bauch hören. Er sagt mir, dass meine Seele stirbt, wenn für meine Ehre, die sowieso ein lächerliches Zerrbild ist, Blut vergossen wird.« Ihre Tränen trockneten und sie bemühte sich, wieder ruhig zu werden. »Hilf mir, Oelendra. Wenn mich jemand versteht, dann bist du es. Du hast dieses Leben hier die ganze Zeit über gelebt, wo du doch bei deinen Lieben hättest sein können, nur weil dich dein Pflichtgefühl gegenüber diesem Volk dazu bestimmt hat. Wie kannst du mich darum bitten, so etwas nicht zu tun?

Falls du etwas über Anborn weißt, das ihn gefährlich macht, sag es mir bitte. Dann werde ich mit Achmed reden. Vielleicht kommen wir zu einer eng begrenzten Übereinkunft. Aber tu mir das da bitte nicht an.« Sie deutete in die Richtung des Lärms, der sogar in Oelendras Haus zu hören war. Vier Tage nach dem Beginn wurden immer noch die Anträge von den müden Sekretären aufgenommen.

Oelendra hörte zum ersten Mal hin und wandte den Kopf ebenfalls in die Richtung des Tumults jenseits des Fensters. Das Gelächter und die Streitereien hatten in den letzten vier Tagen abgenommen, doch das schrille Pfeifen und fröhliche Lärmen, das Zanken und die hässlichen Drohungen und zahllosen Sprachen und Dialekte waren noch deutlich unterscheidbar. Es war der Lärm einer Hetzjagd, nicht unähnlich dem Aufruhr vor den Gladiator-Arenen in Sorbold und den fernöstlichen Provinzen. Allmählich begriff Oelendra. Sie drehte sich wieder zu Rhapsody um, deren Gesicht den ruhigen und zugleich panischen Ausdruck eines Fuchses unmittelbar vor der Jagd trug.

Oelendra verspürte Mitleid mit ihrer Freundin und Herrscherin. Wie schrecklich muss es sein, solch unvergleichliche Schönheit zu besitzen, die einem aber nichts als Verzweiflung bringt, dachte sie traurig. Sie fuhr mit den Fingern sanft an den goldenen Locken entlang, packte Rhapsody bei den Schultern und sah ihr tief in die Augen.

»Natürlich werde ich dir helfen«, sagte sie und lächelte, um der zitternden Königin Mut zu machen. »Du kannst dich immer auf mich verlassen. So lange ich lebe, werde ich dir helfen. Nicht nur weil du meine Königin bist, sondern auch für alles andere, was du für mich bist. Wenn du jemals bezweifelst, dass du es wert bist, die Herrscherin dieses Volkes zu sein, dann erinnere dich an die Wahl, die du heute treffen wolltest. Es bedeutet vollendete Führungsqualitäten, wenn man bereit ist, für die Untertanen das zu opfern, was einem das Liebste ist. Die Lirin könnten sich nicht in besseren Händen befinden. Ich will alles tun, was in meiner Macht steht, um das hier zu beenden, und ich werde dir bei allen schwierigen Entscheidungen helfen. Du bist nicht allein. Aber zunächst musst du mir ein wenig Zeit lassen. Ich muss einiges tun und mit ein paar Leuten reden. Vertraust du mir?«

»Ja, vollkommen. Aber...«

»Gut, dann hör mir zu. Versprich mir, dass du keine Entscheidung triffst, bis ich zurück bin.«

»Und was ist, wenn Ansprüche an mich gestellt werden oder ich eine kriegerische Herausforderung erhalte?«

»Das wird nicht der Fall sein; ich bin nicht lange fort. Rial soll Sendschreiben an alle vertretenen Orte schicken und ihnen mitteilen, dass du über die vielen attraktiven Angebote nachdenkst und dich zurückziehen wirst, um dir über den Wert eines jeden Freiers klar zu werden.«

»Dann werde ich genau das tun. Ich will nicht lügen.«

»Gut. Vielleicht lernst du dabei einiges Interessante über deine Verbündeten und Feinde. Stürz dich nicht blindlings in die Arme von Achmed oder Anborn, bis du die Gelegenheit hattest, genau das zu tun, um was du die Freier bitten wirst. Ich werde dir helfen, aber du musst mir die Zeit dazu geben.«

»In Ordnung, das werde ich tun. Lass dir so viel Zeit, wie du brauchst. Bevor ich mich um diese Dinge kümmern kann, muss ich den F’dor töten. Achmed und Grunthor werden bald herkommen und den Einsatz planen; dann werden wir ihn jagen. Aber ich will dich trotzdem fragen, welche Bedenken du wegen Anborn hast. Mir scheint er ein guter Mann zu sein.«

»Es gibt eine ganze Menge Gründe, Liebes. Die Lirin hassen Anborn. Er hat im Krieg sehr erfolgreich gegen sie gekämpft und war ein brillanter General. Seine Angriffe gegen die tyrianischen Stellungen waren verheerend.«

»Das ist Vergangenheit, Oelendra. Ich hatte geglaubt, du willst mir helfen, die Wunden zu heilen und die Völker miteinander zu versöhnen. Wenn die Lirin ihn nicht als meinen Ehemann akzeptieren können, werde ich zurücktreten.«

»Bedenke, was du sagst, Rhapsody. Du kannst im Augenblick nicht klar denken. Auch wenn du Anborn weder haben willst noch liebst, planst du, ihn zu heiraten, weil du die lirinsche Königin bist und als solche einen Gatten brauchst, damit du die Bedrohungen durch deine Nachbarn abwehren kannst. Und jetzt sagst du, dass du abdanken möchtest, wenn die Lirin deine Wahl missbilligen. Was willst du tun, wenn das der Fall ist? Anborn trotzdem heiraten? Dann hast du einen Ehemann, den du nicht liebst, und nicht einmal mehr einen Grund für eine Heirat. Das ergibt doch keinen Sinn.

Du hast mich gefragt, was an einer Ehe mit Anborn falsch wäre. Falsch daran ist vor allem, dass du ihn kaum kennst. Du handelst aus freien Stücken. Du glaubst, weil du ihn nur ein wenig kennst, ist er dir gleichgültiger als Gwydion. Auch das ist falsch gedacht. Vielleicht willst du einige Dinge nicht sehen, aber sie sind trotzdem da.

Außerdem darfst du nicht vergessen, dass Llauron die Seite seiner Mutter und Anborn die seines Vaters ergriffen hat. Er war Gwylliams Kämpfer und sein Mörder. Er ähnelt Achmed mehr, als du erkennen willst, Rhapsody. Und er hat einen gesetzmäßigen Anspruch darauf, Herrscher der Cymrer zu sein, genau wie Gwydion, wenigstens bei der Zweiten und Dritten Flotte. Wenn du ihn heiratest, stellt du damit möglicherweise sicher, dass er niemals den Thron besteigen wird. Vielleicht kommt es sogar zu einem neuen Krieg. Denk sorgfältig darüber nach, meine Liebe. Und jetzt will ich mich ein wenig umhören. Es wird nicht lange dauern.«

Oelendra ging zum Waffenregal, gürtete sich ein Schwert um und nahm den seltsam gekrümmten weißen Bogen. Sie warf Rhapsody eine Kusshand zu, während sie den grauen Mantel mit dem hohen Kragen vom Haken nahm und die Tür zum Garten öffnete.

»Bitte schließ hinter dir ab, wenn du gehst.« Sie zog die Tür hinter sich zu.

Rhapsody ging hinüber zum Kamin, bückte sich und stocherte in den Kohlen herum. Einen Augenblick später öffnete Oelendra die Tür wieder und betrat das Haus mit einer Schriftrolle in der Hand.

»Also, Oelendra, du hältst wirklich Wort. Du warst überhaupt nicht lange fort.« Rhapsodys Lächeln verschwand, als sie in Oelendras Gesicht schaute. »Was ist los?«