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Jal’asee warf einen Blick auf die Antworten und zog eine Karte aus dem Stapel.

»Hmm, Bordell, Bordell, Bordell ... Aha, hier! >Dann wüsste ich wenigstens, dass es irgendwie benutzt wird.<«

»Bist du schon fertig?«, fragte Anborn Gwydion Navarne und warf gleichzeitig Blickpfeile auf den Meeresmagier.

»Nur noch einen Augenblick, Marschall«, sagte der neue Herzog, beugte sich zu Rhapsody hinunter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Ich muss noch Gerald Owen und Melly Lebewohl sagen, dann bin ich abreisebereit.«

»Beeil dich«, meinte Anborn mürrisch. Gwydion nickte und ging.

Der Marschall gab seinen Trägern ein Zeichen. »Zieht euch an den Rand des Raumes zurück. Ich möchte mit der cymrischen Herrin unter vier Augen sprechen.« Die Diener verneigten sich und gingen weg. »Und Ihr, Jal’asee, könnt meinem scheußlichen Bruder sagen, er soll mir beim nächsten Mal nicht etwas schenken, das ihn platt drücken könnte, wenn er mich besuchen kommt.«

»Ich werde diese Botschaft überbringen«, sagte der Meeresmagier trocken.

»Gut. Geht jetzt.«

Rhapsody und der serenische Botschafter tauschten einen mitfühlenden Blick aus. Jal’asee verneigte sich knapp und zog sich aus dem Zimmer zurück.

»Eigentlich ist es schade, dass du Soldat geworden bist«, sagte Rhapsody. In ihrer Stimme mischten sich Belustigung und Bitterkeit. »Du hättest einen ausgezeichneten Diplomaten abgegeben.«

»Der beste Diplomat ist derjenige, der deutlich ausspricht, was seine Ziele und Beweggründe sind, und der seinen Standpunkt klar macht. Ich glaube, niemand kann mir ernsthaft vorwerfen, ich wäre wankelmütig in meinen Ansichten oder würde meine Aussagen absichtlich verdunkeln.«

»In diesem Punkt kann ich dir gewiss nicht widersprechen.«

In Anborns azurfarbenen Augen blitzte es. »Planst du immer noch deine schlecht durchdachte Reise zu Elynsynos’ Nest?«

»Ja«, antwortete Rhapsody verblüfft. »Warum sollte ich meinen Vorsatz geändert haben?«

Anborn zuckte die Achseln. »Es gibt keinen Grund, warum du plötzlich gesunden Menschenverstand entwickelt haben solltest; du hattest ihn schließlich bisher noch nie. Ich hatte bloß wider besseres Wissen darauf gehofft.«

»Was hast du gegen meine Pläne?«, erwiderte Rhapsody.

»Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum du in einer Höhle bei einer faden Bestie sitzen willst, die dich in Flammen setzen könnte, falls sie plötzlich eine Erkältung bekommt. Ist die Gesellschaft meines verfluchten Neffen etwa noch langweiliger, als ich dachte?«

»Du hast Elynsynos noch nie gesehen«, sagte Rhapsody scharf. Zorn brodelte in ihr. »Ich mag es nicht, wenn du oder Ashe so über sie sprecht.«

Der General kicherte. »Elynsynos ist meine Großmutter.«

»Dann solltest du dir vielleicht die Zeit nehmen, sie kennen zu lernen. Sie ist beeindruckend.«

Anborn zuckte die Schultern. »Vielleicht. Vielleicht besuche ich sie eines Tages, wenn ich nichts Besseres zu tun habe. Mir scheint, dass mir meine Zeit kostbarer ist als dir die deine«, sagte er mit einem scherzhaften Ton in der Stimme, doch mit ernsten Blick. »Bleib hier, Rhapsody, wo Gwydion sich um dich kümmern kann. Diese Schwangerschaft ist unklug.

Mach sie nicht noch gefährlicher, indem du dich in einer Drachenhöhle versteckst, wo niemand dich finden und dir helfen kann, wenn du in Not bist. In Haguefort hast du wenigstens Zugang zu den besten Heilern von Roland.«

Rhapsody schüttelte den Kopf. »Meines Wissens hat keiner dieser Heiler je das Kind einer lirinischen Mutter und eines Drachenvaters zur Welt gebracht«, sagte sie leichtherzig. »Das ist eine besondere Erfahrung. Es gibt nur wenige auf der Welt, die etwas über eine solche Schwangerschaft wissen, und Elynsynos ist eine davon. Sie hat Manwyn, Rhonwyn und deine Mutter geboren, als sie noch menschliche Gestalt hatte, und konnte nicht in ihre Drachengestalt wechseln, bis die Kinder auf der Welt waren. Daher weiß sie, wie es ist, Kinds von verschiedenem Geblüt im Bauch zu tragen und sie zu gebären. Ich hoffe, viel von ihr zu lernen und dadurch eine bessere Niederkunft zu haben.«

»Was kann sie dir schon beibringen? Sie ist eine Schlangenbestie aus einer uralten Rasse, eine Eierlegerin, die die Gestalt einer Seren angenommen, sich mit einem männlichen Seren eingelassen und Drillinge in einem Körper ausgetragen hat, der ihr selbst fremd war. Deine Lage ist eine völlig andere.«

»Ja, das stimmt«, gab Rhapsody zu. »Aber soweit ich weiß, gibt es nur eine einzige andere Person, deren Lage sich eher mit meiner vergleichen lässt, weil sie eine menschliche Gestalt hatte: deine Mutter.« Sie seufzte tief.

»Ich wünschte, die Dinge hätten sich anders entwickelt, und ich wäre in der Lage gewesen, von meiner Schwiegergroßmutter zu lernen. Ich wünschte, sie hätte ihren Enkel sehen können. Wenn ich nicht ihren Zorn erregt hätte ...« Sie verstummte mitten im Satz.

Anborns Gesicht war bleich geworden, und seine azurfarbenen Augen schimmerten eindringlich und wild.

»Sag so etwas nie wieder«, keuchte er mit rauer Stimme. »Du bist eine Benennerin. Möge der All-Gott es verhindern, dass dein Wunsch je in Erfüllung geht, weil du dumm genug warst, deine Macht zu missbrauchen.«

Rhapsody starrte den Marschall verblüfft an. Er war aufgebrachter, als sie es je bei ihm bemerkt hatte. Selbst in der Hitze der Schlacht hatte sie ihn nicht so erregt gesehen.

»Anborn ...«

Seine Hand schoss hervor und bedeckte grob ihren Mund. »Still. Kein einziges Wort mehr.« Er schaute zuerst hinter sich, dann nach oben, als ob er auf etwas im Wind lausche. »Du weißt nicht, was du sagst.« Seine Stimme wurde so leise, dass sie kaum mehr als ein Flüstern war. »Wenn es etwas in deinem Leben gibt, für das du dankbar sein solltest, dann ist es die Tatsache, dass diese Ausgeburt der Hölle tot, in ihrem Aschengrab verrottet und weder dein Kind sehen noch wissen wird, dass du überhaupt eins hast. Sie war das letzte Wesen auf dieser Welt, von dem du mütterlichen Rat hättest empfangen können, glaube mir das.«

Seine Hand zitterte, während sie über ihren Lippen lag.

In Rhapsodys smaragdgrünen Augen blitzte es überrascht auf. Dann wurde ihr Ausdruck ruhiger. Sie legte ihre Hand über seine und drückte sie gegen ihre Lippen, dann zog sie sie sanft aus ihrem Gesicht.

»In Ordnung, Anborn«, sagte sie ruhig. »Ich glaube dir.«

Sie schaute ihn an und versuchte den Grund für seine Besorgnis zu erkennen. Sie wusste, dass Anborn im cymrischen Krieg die Heere seines Vaters gegen die seiner Mutter geführt hatte, was ihm zweifellos die Gelegenheit verschafft hatte, Anwyns Grausamkeiten aus der Nähe zu betrachten. Doch der Krieg lag schon mehr als vierhundert Jahre zurück; der General schien mit den anderen alten Widersachern seinen Frieden geschlossen und alle alten Feindschaften begraben zu haben. Die Heftigkeit seiner Reaktion verwirrte sie.

Auch nachdem sie sich eine Weile angestarrt hatten, war Rhapsody noch nichts Greifbares aufgefallen. Sie lächelte ihn an und hoffte so, seine dunkle Stimmung zu zerstreuen. Die Wildheit in den Augen des Generals schien sich aufzulösen, und er schaute sie mit frischem, klar gewordenem Blick an.

»Ich sollte aufbrechen«, sagte er schließlich, griff nach den Krücken neben seinem Stuhl und legte sie sich in den Schoß. »Bestimmt wartet der junge Gwydion schon und zerrt an den Zügeln.« Er schaute Rhapsody eine Zeit lang an und beugte sich vor.

»Es gibt noch etwas, das ich dir sagen möchte«, meinte er mit fester, aber ruhiger Stimme. »Nur für den Fall, dass ich nicht zurückkehren sollte.«

Rhapsody wurde blass. »Denk nicht einmal daran und sprich es bloß nicht aus«, sagte sie.