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Es besteht aber dennoch die Möglichkeit, dass die F’dor noch leben, zumindest ein kleiner Teil von ihnen. Diese seltsamen Überfälle, die hier allenthalben stattfinden, lassen Schlimmes befürchten, denn überall wo unerklärliches Chaos herrscht, könnten F’dor auf der Lauer liegen. Nicht, dass sie Exklusivrechte auf Krieg und Terror hätten. Auch die Menschen machen seit eh und je reichlich Gebrauch davon. Wie auch immer, wir müssen damit rechnen, dass ein F’dor-Geist entflohen und hierher geflohen sein könnte. Es muss nicht unbedingt der sein, den ich kannte; auch jeder andere wäre in der Lage, den Wyrm zu wecken – vorausgesetzt, dieses Ungeheuer ist noch am Leben. Dass es im Inneren der Erde steckt, weiß jedenfalls jeder F’dor, und es liegt in ihrer Natur, dessen Befreiung zumindest zu versuchen. Darum muss ich wissen, ob der F’dor, dessen Sklave ich war, überlebt hat oder ob womöglich irgendwelche anderen seiner Art unter uns sind.«

»Also, das herauszufinden dürfte nicht allzu schwierig sein«, sagte Rhapsody und rieb sich die Oberarme mit den Händen, um die Kälte daraus zu vertreiben. »Ihr Tempel ist gleich hier in Bethania. Da feiern sie ihre Gottesdienste, in aller Öffentlichkeit.«

Achmed lachte. »Ich glaube, das siehst du falsch. Denk doch mal nach. Wenn die Legenden wahr sind, haben die F’dor den Großen Krieg von Serendair verloren. Und es sind aller Erfahrung nach nie die Geschichten der Verlierer, die man immer und immer wieder nacherzählt, bis sie zur Legende werden. Die Nachkommen der Sieger kannten von der Wahrheit jedoch wahrscheinlich nur kleine Ausschnitte und waren wie alle Cymrer der Selbsttäuschung erlegen. Sie wollten den Elementen huldigen, den fünf Kindern ihres Schöpfers. Von der gesamten Geschichte aber hatten sie nur den Schimmer einer Ahnung.«

»Ist es denn nicht möglich, dass sie, verkommen wie sie sind, das Böse anbeten und es ernst damit meinen?«

»Möglich ist alles, aber nehmen wir doch für einen Augenblick mal an, dass diese Brüder in der Basilika unschuldige Narren sind. Wie mir scheint, sind sie dermaßen dämlich, dass sie gar nicht wirklich böse sein können. Außerdem würden sich echte F’dor nie offen zu erkennen geben. Ihre Stärke liegt darin, dass sie sich im Verborgenen halten.

Die Frage lautet also: Wie sind die Cymrer zu dieser falschen Geschichte gekommen? Vielleicht haben sie irgendwo eine Abbildung dieses Symbols gesehen. Tsoltan hat ein Amulett mit einem ganz ähnlichen Zeichen getragen, wobei aber anstelle der roten Spirale ein Auge zu erkennen war. Vielleicht hatten die Cymrer, als sie ihre Kathedralen bauten und sich auf ihre Wurzeln zu besinnen versuchten, schon vergessen, was es mit dem Feuersymbol in Wirklichkeit auf sich hat. Möglich auch, dass sie von seiner Bedeutung nie etwas wussten. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich dich gefragt, wie viel Zeit zwischen unserem Aufbruch und dem Exodus der Cymrer vergangen sein mag. Aber das tut jetzt nichts mehr zur Sache. Tatsache ist, dass die Einwohner von Bethania in hohem Maße vom F’dor bedroht sind, wenn es ihn denn noch gibt. Dadurch nämlich, dass sie in ehrfürchtiger Andacht einer Feuerquelle huldigen, die aus dem Herzen der Erde gespeist wird, und den F’dor als eine wohlwollende Kraft anbeten. Im Grunde haben sie ihm dieses Land längst ausgeliefert. Sie haben ihn sozusagen eingeladen.«

Es war nicht nur die Winterkälte, die Rhapsody bis ins Mark hinein frieren ließ. »Was also sollen wir tun? Wie können wir finden, was sich nicht finden lassen will, zumal an einem Ort, den wir nicht kennen? Und das, nachdem wir über tausend Jahre unserer eigenen Zeit entrückt sind.«

»Wir fangen in Canrif mit der Suche an«, sagte Achmed. »Wenn er denn mit den Cymrern gekommen ist, wird der F’dor ihnen auch weiter gefolgt sein. Wenn dem aber nicht so gewesen sein sollte, wird unsere Reise auch nicht umsonst gewesen sein, denn in Canrif leben jetzt die Firbolg, und auf die bin ich schon ganz neugierig.«

»Sei ehrlich, diese Route stand für dich doch schon fest, als du Llaurons Geschichte hörtest.«

»Ja. Und die Angelegenheit ist noch wichtiger geworden, nachdem wir dem Rakshas begegnet sind und du mir von dieser Vision nahe dem Altar im Garten berichtet hast. Die war zwar gewiss dämonisch, scheint aber dennoch nicht das Werk des F’dor gewesen zu sein. Dazu will ich übrigens etwas grundsätzlich sagen, Rhapsody: Wenn die Religion dieses Landes mit ihren eigenen Dämonen über Kreuz liegt, sollten wir uns da raushalten. Ich vermute, dass das Blut dieser Kinder den Rakshas ernährt und am Leben hält. Stephen will ihm eine Falle stellen. Wenn er und seine Vettern es nicht schaffen, ihn zur Strecke zu bringen, haben wir ohnehin keine Chance. Das ist ein Problem dieser Welt. Wir müssen Antworten auf unsere Probleme finden, und deshalb gehen wir nach Canrif.«

Rhapsody seufzte. »Wenn’s denn sein muss. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als zumindest den Versuch zu unternehmen und herauszufinden, ob dieses Etwas mit den Flotten hergekommen ist und Schuld hat an all den schrecklichen Dingen, die hier geschehen. Darf ich dir noch eine Frage stellen?«

Achmed stand auf und reckte sich. »Natürlich.«

»Was wirst du tun, wenn sich deine Befürchtungen als berechtigt erweisen?«

Er blickte zu den Zweigen auf, die über ihnen schwebten und wie weiße Knochenarme ins Dunkle langten. »Wer weiß, was ich dann überhaupt tun kann«, sagte er schließlich und in Gedanken versunken, wie es schien. »Nach unserem Gang durchs Feuer ist vieles ganz anders geworden. Mir sind ganz neue Kräfte und Fähigkeiten gegeben, aber manches ist verloren gegangen, worauf ich mich früher habe verlassen können. Ich weiß auch nicht, mit welchen Waffen der Feind zu bekämpfen ist.«

»Damit ist meine Frage nur zum Teil beantwortet«, sagte Rhapsody. »Vielleicht sollte ich fragen: Was wünschst du zu tun? Und: Wie stehst du eigentlich zu diesem Ort und seinen Bewohnern? Bist du wirklich so distanziert, wie es den Anschein hat?«

Er starrte sie an, musste dann aber lächeln. »Auch das ist mir nicht ganz klar. Komm, gehen wir zurück. Ich schätze, Grunthor hält Jo im Schwitzkasten, um sie am Lauschen zu hindern.« Er ergriff ihre Hand und half ihr beim Aufstehen.

»Übrigens ist mir im Zusammenhang mit dem, was wir besprochen haben, etwas eingefallen«, sagte Rhapsody und zog die Kapuze über den Kopf. »Erinnerst du dich an die Prophezeiung der Drei? Kind des Blutes, Kind der Erde, Kind des Himmels?«

»Sicher doch.«

»Llauron zufolge wären das Anwyn und ihre hellsichtigen Schwestern. Aber könnten damit nicht vielleicht die drei Ur-Völker gemeint sein, die sich zusammengetan haben – die Kith, die Mythlin und die Ur-Seren?« Achmed krauste die Stirn. »Glaubst du wirklich?« »Ich frage mich nur, ob das eine Möglichkeit sein könnte.« Schmunzelnd zeigte Achmed auf die Harfe. »Sorg dafür, dass das Ding endlich Ruhe gibt. Es geht mir auf die Nerven.«

Die Kinder des Himmels müssen Luft zwischen den Ohren haben, dachte er. Liringlas. Dein eigenes Volk, und du erkennst dich nicht einmal selbst. Oder Grunthor und mich. »Du bist wirklich ein echter Cymrer, Rhapsody; in punkto Selbsttäuschung bist du kaum zu schlagen.«

»Was soll das denn jetzt heißen?«

Die ungleichen Augen blitzten auf. »Nichts. Oder nur so vieclass="underline" Ich lasse mich von Prophezeiungen nicht einwickeln, geschweige denn irreführen. Der Glaube daran ist häufig bloß das Ergebnis gescheiterter Versuche, bestimmte Hinweise und Zeichen zu deuten, die nicht klar zu bestimmen sind. Und überhaupt, was hat dir deine Hellsicht bislang eigentlich gebracht? Du hast vom Tod der Insel geträumt. Konntest du ihn verhindern?«

Er öffnete eine Schneise im Dickicht und setzte sich in Richtung Lager in Bewegung. Rhapsody schaute ihm eine Weile nach und folgte schließlich.

Der Morgen kam wie eine Befreiung aus dem Bann der Nacht. Die drei sattelten die Pferde und bereiteten sich auf ihre Reise nach Bethe Corbair vor, der letzten Bastion der Menschen vor der Grenze zu den Bolgländern.