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»Hervorragend«, sagte er.

»Und mit seiner glänzenden Oberfläche ist es auch schön anzusehen. Nun, das war, was ich zu berichten hatte. Hast du mit dem Schlüssel das innere Gelass öffnen können?«

Achmed leerte seinen Becher. »Nein«, sagte er, kurz angebunden.

Rhapsody schmunzelte. »Siehst du, das hat man davon, wenn man unerlaubter Weise in meinen Schubläden herumstöbert.«

»Es ist spät geworden«, sagte Achmed mit einem Seitenblick auf Jo.

»Schon verstanden. Gute Nacht allerseits.« Das Mädchen stand auf und ging nach draußen. Die Sängerin schaute ihr nach.

»Was soll das?«, wunderte sich Rhapsody.

»Sie wird müde sein«, antwortete Achmed. Er trat vor den stinkenden Wandbehang, langte dahinter und holte eine kleine, schmuckvolle Kassette sowie ein in Leder gebundenes und mit Samt umwickeltes Manuskript zum Vorschein.

Rhapsody vorzog das Gesicht. »Igitt, ist dir kein besseres Versteck eingefallen?«

Achmed kam an den Tisch zurück. »Ausgerechnet du fragst das, die du den Schlüssel zu Gwylliams Schätzen im Nachttopf aufbewahrt hast.«

Sie holte Luft, um zu protestieren, besann sich aber eines anderen und sagte nur: »Ich dachte, der Schlüssel hätte nicht gepasst.«

»Ich wollte nicht im Beisein von Jo darüber reden.«

»Das hat sie sehr wohl registriert.« Rhapsody schluckte. »Ich kann nicht glauben, dass du ihr so wenig vertraust. Warum kannst du sie nicht leiden?«

»Ich mag sie sehr gern«, antwortete der Firbolg-König. »Aber du hast Recht, ich traue ihr nicht über den Weg. Ich vertraue den wenigsten, genauer gesagt nur zweien.«

»Gehen Gernhaben und Vertrauen nicht Hand in Hand?«

»Nein.« Achmed packte das Buch aus. »Darüber können wir uns gleich unterhalten. Ich glaube, dass dich das hier interessieren wird.« Er schlug das alte Buch auf und schob es vorsichtig über die Tischplatte zu ihr hin.

»Was ist das?«, fragte Rhapsody und blickte auf die aufgeschlagenen Seiten, die trotz sorgfältiger Aufbewahrung im Lauf der Zeit ganz ausgetrocknet, spröde und rissig geworden waren.

»Das ist eins der Dokumente, die Gwylliam geradezu heilig waren«, antwortete Achmed und lächelte leicht. »Du solltest sehen, was in der Geheimkammer sonst noch alles an Büchern und Manuskripten zu finden ist. Auch Pläne für weitere Bauvorhaben und Karten von Teilen von Canrif, die wir noch gar nicht entdeckt haben. Bücher, von Serendair mitgebracht, die gesamte Geschichte der Cymrer. Das hier scheint ein Familienregister zu sein, der königliche Stammbaum, komplett mit allen Namen, Geburts- und Todesdaten. Geschrieben übrigens in derselben Sprache, in der auch der Vertrag abgefasst worden ist.«

Rhapsody musterte die Handschrift. »Das ist wirklich Alt-Serenne, und zwar in der ursprünglichen Schreibweise, also nicht nur nachgemacht wie in dem Vertrag.«

»Wirst du daraus schlau?«

Vorsichtig blätterte sie durch die Seiten, die zwischen ihren Fingern zu zerfallen drohten. Sie las vertraute Namen der königlichen Familie, zum Beispiel den von Trinian, der vier Generationen vor Gwylliam, nämlich zu der Zeit, da sie Serendair verlassen hatte, Kronprinz gewesen war. Sie hatte die nächste Seite aufgeblättert und war den Spuren der verblassten Tinte weiter gefolgt, als ihr Gesicht mit einem Male schreckensbleich wurde.

»Was ist los?«, fragte Achmed, der auf ihre Miene aufmerksam wurde, weil das Feuer im Kamin plötzlich wie in Panik aufloderte und ihr Gesicht erhellte.

»Sieh nur, wo die Linie endet«, sagte sie und zeigte auf den letzten Eintrag. »Gwylliam und Anwyn hatten zwei Söhne. Der ältere und Erbe ist hier mit dem Namen Edwyn Griffyth vermerkt.«

»Und der jüngere?«

Sie blickte zu ihm auf, und ihre smaragdgrünen Augen funkelten im Widerschein der Flammen.

»Llauron.«

»Vielleicht sind es zwei unterschiedliche Personen, die nur denselben Namen tragen«, meinte Achmed, an Rhapsody gewandt, die an ihrem Kelch nippte und ins Feuer starrte. »Wie wahrscheinlich ist es, dass einer der beiden Söhne den Krieg überlebt hat, dem der angeblich unsterbliche Vater zum Opfer fiel?«

»Wer weiß?«, antwortete Rhapsody leise. »Ich vermute, es ist der Llauron, den wir kennen.«

»Was führt dich zu der Annahme?«

»Nicht viel. Aber er hat in seinem Gewächshaus eine faszinierende Einrichtung, die selbst im Winter dafür sorgt, dass es darin regnet wie im Sommer. Und er erzählte, dass sein Vater sie für seine Mutter gebaut habe.«

»Aber das widerspräche doch deiner Vermutung. Gwylliam hat Anwyn gehasst.«

Rhapsody warf wieder einen Blick in das Buch. »Nicht immer. Und tu nicht so; du glaubst doch auch, dass es derselbe Llauron ist.«

»Stimmt. Unabhängig davon, was man sonst noch alles über Gwylliam sagen könnte, fest steht: Er war ein Visionär und Erfinder. Davon zeugt Ylorc an allen Ecken und Enden.«

»Und Llauron ist sehr daran interessiert, dass sich die Cymrer wieder vereinen. Es hat zwar gesagt, dass er eine solche Wiedervereinigung um des lieben Friedens willen wünsche, aber jetzt frage ich mich, ob er nicht womöglich einfach nur auf Macht aus ist.«

Der Kriegsherr setzte sich auf den Rand des Tisches. »Er steht als religiöser Führer einer halben Million Gläubigen voran und lebt wie ein gut bezahlter Gärtner. Warum sollte er an die Macht drängen? Die hätte er als rechtmäßiger Erbe doch längst an sich reißen können.«

»Keine Ahnung.« Sie blätterte durch das Buch, fand aber keine weiteren Einträge. »Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieser freundliche Mann niederträchtige Absichten hegt. Als man mich zu ihm brachte, war ich ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, doch hat er sich mir gegenüber immer nur gütig und großzügig gezeigt. Er erinnert mich an meinen Großvater. Und jetzt stellt sich heraus, dass er der Sohn des weltgrößten Mist-Stücks ist und obendrein noch Drachenblut in seinen Adern hat. Tja, das erklärt wohl, warum er so vieles über mich wusste, ohne danach gefragt zu haben. Der Spürsinn von Drachen ist ja sprichwörtlich. Ich frage mich, was er sonst noch alles über uns weiß.«

Seufzend klappte Achmed das vor ihr liegende Buch zu. »Das knüpft übrigens sehr gut an unser Gespräch über Jo an. Du weißt ja inzwischen, dass Grunthor und ich in der alten Welt Kontakt zu dämonischen Wesen hatten.«

Rhapsody kullerte mit den Augen. »Ja.«

»Benimm dich, dein König spricht zu dir. Und ich meine es ernst. Es gibt etliche Dämonen – dazu zählen nicht nur die alten, über die wir sprechen –, die Personen an sich binden können, ohne dass diese etwas davon merken. Deshalb könnte jeder, dem wir hier begegnen, in Kontakt mit einem solchen bösen Wesen stehen und ihm dienen, wissentlich oder nicht. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.« Er starrte ihr so intensiv in die Augen, dass sie unwillkürlich den Blick senkte.

»Und du hast Jo im Verdacht, einem Dämon zu dienen?«

Achmed seufzte. »Nein, nicht direkt. Aber ich kann es auch nicht ausschließen. Rhapsody, du bist allzu vertrauensselig, und das ist gerade in unserer Situation bedenklich. Du adoptierst die halbe Welt, in der Hoffnung, das Zurückzugewinnen, was du verloren hast.«

Sie sah ihn wieder an und lächelte, obwohl ihr Kinn bebte. »Mag sein. Aber immerhin hat mir die Adoption eines Bruders das Leben gerettet.«

Jetzt schaute Achmed zur Seite, um ihr sein Schmunzeln zu verbergen. »Ich weiß. Nur, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Glücksfälle wiederholen? Versteh mich recht, ich habe nichts gegen Jo. Auch Grunthor scheint sie gern zu haben. Trotzdem, es wäre besser, wenn wir uns mit Vertraulichkeiten zurückhielten.«

»Besser oder sicherer?«

»Das ist dasselbe.«

»Nicht für mich«, widersprach sie energisch. »Unter solchen Umständen würde ich nicht leben wollen.«