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»Klingt schrecklich.«

»Das sind sie auch, glaubt mir. Ich muss mich jedes Jahr mit ihnen herumschlagen. Sie marodieren entlang der Grenze zu Bethe Corbair, wo wir sie dann aufgreifen. Bald ist es wieder so weit, dass wir mit dem Heer ausrücken und sie zurückwerfen müssen.«

Prudence zog ihre Beine an und legte beide Fußsohlen an seine Brust. Mit sanftem Druck stieß sie ihn vom Fußende des Betts auf den Boden. »Wenn ihr jedes Jahr gegen sie vorgeht, und das seit zehn Jahren oder so ...«

»Es sind fast zwanzig. Mein Vater hat schon damit angefangen.«

» ... also zwanzig. Wenn das schon so lange der Fall ist, was grämst du dich dann jetzt?«

Tristan packte sie bei den Fußgelenken, zog sie lachend auf dem Rücken an die Bettkante, beugte sich über die gespreizten Beine und umschmeichelte mit den Händen ihre Hüften, die mit den Jahren sehr viel üppiger geworden waren.

»Sie haben anscheinend einen neuen Kriegsherrn. Was das für uns bedeutet, ist mir noch nicht klar. Jedenfalls hat er mir einen Gesandten geschickt, eine Frau, die mir auf unsäglich dreiste Weise diktieren wollte, von der Tradition unserer Frühjahrssäuberung abzulassen.«

»Dabei handelt es sich wohl um den alljährlichen Einsatz gegen die Marodeure an der Grenze, wenn ich richtig verstehe.«

»Ja.« Tristans Hände glitten über ihren Bauch und die Taille und kamen dann auf ihren Brüsten zu liegen, zwischen denen ein goldenes Medaillon lag. Er schloss die Augen und stellte sie sich kleiner und fester vor, die Taille schlanker. Die Vorstellung brachte ihn zusätzlich in Wallung; er schmiegte sich seitlich an sie und liebkoste die schlaff gewordenen Brüste.

Prudence wölbte sich seiner Hand entgegen und fuhr streichelnd mit dem Fuß über seine Wade. »Ich verstehe das Problem noch nicht ganz. Warum ziehen sie sich nicht einfach von der Grenze zurück? Dann haben sie von unseren Soldaten auch keinen Ärger zu erwarten, stimmt’s?«

»Genau.«

»Und das hast du auch so der Gesandten gesagt?«

»Ja ... nun, ich habe sie zu ihrem Kriegsherrn zurückgeschickt mit der Nachricht, dass ich seine Forderung entschieden zurückweise.« Tristans Handflächen wurden feucht beim Gedanken an Rhapsodys Schönheit, an ihr goldenes Haar, die glatte, rosige Haut, an die grünen Augen, die vor lauter Wut scheinbar dunkler wurden.

Prudence ergriff eine seiner Hände und führte sie zwischen ihre Beine. »Und weshalb bist du nun so traurig, Tristan?«

Trotz der schlichten Hose, die die Gesandte trug, waren ihm die überirdisch schönen Beine ins Auge gestochen. Er erinnerte sich daran, wie sie die Beine übereinander geschlagen hatte, und sein Atem wurde flacher. Tristan spürte, wie seine Haut zu brennen anfing, wie die Hände ins Zittern gerieten, und er schämte sich für die Wunschvorstellung, dass die andere an Prudences Stelle bei ihm läge.

»Weil ich diesem Kriegsherrn nicht traue. Ich... ich glaube, er plant einen Angriff auf uns, jetzt... jetzt, da die Bolg angeblich vereint sind.«

Prudence richtete sich auf, presste die vor Schweiß glänzende Brust an die seine und schlang die Arme um ihn. Sie bewegte sich genau so, wie er es gern hatte, wie es zwischen ihnen seit Jahren der Vertrautheit eingespielt war. Aber aus irgendeinem Grunde war heute Nacht alles anders. Unter der gewohnten Oberfläche machte sich ein stärkeres, dunkleres Drängen bemerkbar.

Tristan griff in ihr Haar, was er sonst nur selten tat, wenn sie sich liebten. Er durchwühlte es, umwickelte die Finger mit ihren Locken.

Wie flüssiges Sonnenlicht, dachte er. Mit einer einfachen Schleife aus schwarzem Samt zusammengefasst. Allein seine Wut über ihre Worte hatten ihn davon abgehalten, über sie herzufallen und sie an den goldenen Locken mit sich zu Boden zu zerren.

»Und was gedenkst du nun zu tun, Tristan?«

Der Hohe Herrscher konnte nicht länger an sich halten. Er packte Prudence bei den Hüften, wälzte sich unter sie und ließ sie rittlings auf sich Platz nehmen. In der Hitze, die ihn umfing, spürte er das Feuer, das er in Rhapsodys Augen gesehen hatte und von dem ihm sonst nur in seinen leidenschaftlichsten Träumen eine Ahnung vermittelt war.

»Ich werde sie vernichten«, raunte er. »Ich werde ... alle Soldaten zusammentrommeln... und sie gegen diese Bestien... aufmarschieren lassen, dass keiner ... dieser elenden Bastarde übrig bleibt.« Inbrünstig, ungestüm presste er ihr seinen Mund auf die Lippen und benahm ihr den Atem.

Als er sich wilder und wilder gegen sie stemmte, löste sich Prudence von seinen Lippen, verkrallte beide Hände in seinen schweißnassen Haaren und hauchte ihm ins Ohr.

»Tristan?«

Er vermochte kaum einen Laut von sich zu geben. »Hhmmmmmm... ja?«

»Wie ist der Name dieser Frau?«

»Pru...«, keuchte er.

»Ihr Name, Tristan.«

»Rhapsody«, keuchte er in dem Moment, als das Feuer in ihm explodierte. »Rhapsody«, wiederholte er flüsternd und sank, erschlafft und beschämt, auf Prudence nieder.

Reglos lag er auf ihr, bis er allmählich wieder zu Sinnen kam und ihr Körper unter ihm kühler wurde. Als er es nicht länger vermeiden konnte, ihr in die Augen zu schauen, richtete er sich auf und suchte ihren Blick.

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war nicht der, den er erwartet hatte. Er war darauf gefasst gewesen, auf Ablehnung zu stoßen, sie in Verlegenheit zu sehen oder verletzt. Stattdessen zeigte sie sich gelassen und verständnisvoll.

»Verzeih mir, Prudy«, sagte er errötend.

Prudence drückte ihm einen Kuss auf die Wange und schlüpfte unter ihm zur Seite. »Du musst dich nicht entschuldigen, Liebster«, sagte sie, hob ihren Morgenmantel vom Boden auf und zog ihn an.

»Du bist mir nicht böse?«

»Warum sollte ich?«

Tristan fuhr sich mit der Hand durchs verschwitzte Haar. »Du wusstest Bescheid? Wie ist das möglich?«

Prudence trat vor das übergroße Fenster, zog den Vorhang beiseite und blickte hinaus in den weiten Himmel. Nach einer Weile drehte sie sich mit ernster Miene zu ihm um.

»Wir kennen uns schon so lange, Tristan. Erinnere dich: Ich wär’s, das kleine freche Kind der Küchenmagd, das sich mit dir vor deinem Vater in der Vorratskammer versteckt hat. Du langst mir mit deiner Hand schon fast seit vierzig Jahren unter den Rock. Ich weiß, ob du mich im Sinn hast oder jemand anderen. Ich weiß, du liebst mich, und du weißt, dass ich dich liebe, immer lieben werde. Ich verlange nicht von dir, dass du mich begehrst; es reicht mir, von dir geliebt zu werden. Es ist mir im Übrigen gar nicht recht, wenn du aus Mitleid mit mir ins Bett gehst, wie die letzten Male ...«

»Das stimmt nicht«, fiel er ihr empört ins Wort.

»Ach, mach dir doch nichts vor. Ich weiß genau, dass du an eine andere Frau gedacht hast. Du bist seit kurzem selbst im Schlaf dermaßen heftig erregt wie seit über zehn Jahren nicht, wenn du mich im Sinn hattest. Es freut mich aufrichtig, dass du nicht von Madeleine geträumt hast. Ich dachte schon, du hättest dich womöglich in sie vernarrt. Sie ist eine Hexe, nebenbei bemerkt.« Prudence brachte mit ihrem Lachen auch Tristan zum Schmunzeln.

Sie trat vom Fenster weg und vor den Frisiertisch, wo sie vor seinen Augen den Morgenmantel ablegte und ihr Kleid anzog. Nachdem sie flüchtig mit einem goldenen Kamm durch die zerzausten Locken gefahren war, wandte sie sich ihm wieder zu.

»Lass dir noch eins sagen, Tristan: So sehr du auch nach ihr verlangen magst, verlier nicht den Kopf wegen dieser Frau und hüte deine Hand, die Rolands Zepter führt. Ich spüre, dass du aus Lust oder Wut, jedenfalls aus einer Laune heraus erwägst, die Gewalt eskalieren zu lassen. Tu es nicht, Tristan. Kriege, die einer Frau wegen angezettelt werden, führen auf geradem Weg ins Verderben.«

Tristan zeigte sich verwundert. »Mir scheint, ich höre nicht recht«, erwiderte er trotzig. »Wenn ich Rolands Soldaten ins Feld schicke, geht es mir einzig und allein um den Schutz der Provinzen und ihrer Bewohner. Ich kann nicht glauben, dass du mir zutraust, ich würde Krieg führen, um einer Frau zu imponieren.«