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»Wir müssen hinterher. Wieviel Vorsprung haben sie etwa, Menma?«

»Eine gute halbe Stunde, nicht mehr.«

»Dann könnten wir sie einholen. Das ist das erstemal seit vielen Jahren, daß sie in unser Gebiet eingefallen sind. Warum gerade jetzt?«

Eadulf stieg auf sein Pferd und wollte sich Acco-brans Männern anschließen.

»Du nicht, Bruder«, entschied der Tanist. »Ich möchte nicht riskieren, daß du umgebracht oder als Geisel genommen wirst. Es ist schon schlimm genug, daß man die Schwester von König Colgü entführt hat. Dafür werden sie bezahlen!«

»Aber Fidelma ...«, widersetzte sich Eadulf.

»Ich möchte, daß du zur Festung zurückkehrst und Becc mitteilst, was geschehen ist«, fuhr ihn Accobran an. »Unser Volk muß sich auf einen eventuellen größeren Angriff vorbereiten. Ich halte es für möglich, daß die Ui Fidgente ohne Vorwarnung einen Krieg anzetteln. Sollte es sich aber nur um eine kleine Gruppe von Plünderern handeln, dann haben wir die Chance, sie einzuholen und die Frauen zu retten. Falls nicht, braucht unser Volk Zeit für Gegenmaßnahmen. Reite zurück und informiere Becc!«

Eadulf saß voller Zweifel auf seinem Pferd, doch Accobran übersah ihn einfach und winkte Menma und den anderen zu, den Spuren zu folgen, die nach Nordwesten führten.

Eadulf wurde klar, daß der Tanist recht hatte. Inzwischen war es Nacht geworden. Jemand mußte den Fürsten der Cinel na Äeda vor einem möglichen Einfall der Ui Fidgente warnen. Die Verfolgung der fremden Reiter sollte er wirklich lieber Accobrans Kriegern überlassen.

Er wendete sein Pferd und galoppierte auf den dunklen Hügel von Rath Raithlen zu.

Was war inzwischen geschehen? Fidelma hatte ein wenig geschlafen und sich erholt. Die Kopfschmerzen waren verschwunden, ihr war warm und behaglich zumute.

Da griff eine Hand nach ihrem Armgelenk. Erschrocken fuhr sie hoch. Sie starrte in Suanachs bleiches Gesicht.

»Was ist los?« In den Augen von Menmas Frau stand Angst.

»Ich war an der Quelle Wasser holen. Da sah ich plötzlich mehrere Reiter auf unsere Hütte zukommen. Sie trugen die Standarte der Ui Fidgente. Diese Leute hegen nie gute Absichten gegenüber unserem Volk.«

Sofort sprang Fidelma aus dem Bett und warf sich ihr Gewand über.

»Wir müssen uns verstecken«, flüsterte sie.

»Du hast recht. Wenn du ihnen in die Hände fallen solltest, Lady .«

Da hörten sie, wie die Pferde bereits vor der Blockhütte haltmachten. Eine Stimme rief barsch die Bewohner heraus.

»Zu spät!« sagte Suanach. »Ich muß hinaus und sie fragen, was sie wollen. Du mußt dich verstecken.«

Sie kniete sich hin und schlug den Teppich zur Seite. Eine hölzerne Falltür kam zum Vorschein. Sie öffnete die Falltür und zeigte hinunter.

»Das ist unser uaimh talün - der Keller, in dem wir Nahrungsmittel lagern. Ein sicheres Versteck.«

Sie hörten, wie mit lautem Krach die Haustür aufgestoßen wurde.

Fidelma verlor keine Zeit damit, Suanach zu überreden, mit ihr hinunterzusteigen. Sie ließ sich in den Keller hinab und war sofort von Dunkelheit umgeben, nachdem die Frau des Jägers die Tür wieder geschlossen und den Teppich darübergelegt hatte.

»Ich komme!« Fidelma hörte, wie Suanach den Eindringlingen das zurief. Sie vernahm ihre Fußtritte auf dem Boden, dann erst wagte sie sich tiefer in den Keller, nur für den Fall, daß jemand die Falltür fand und öffnete.

Der Keller erwies sich als ein Gang, in dem man sich nur kriechend vorwärts bewegen konnte. Er schien unendlich lang zu sein, doch dann fiel ihr ein, daß Raum und Zeit nicht mehr von Belang waren, wenn man sich in völliger Dunkelheit befand. Der Gang war mit Steinen ausgekleidet. Sie spürte deren harte, glatte Oberfläche. Außerdem war es hier trok-ken. Vorsichtig schob sie sich weiter, bis ihr ein aromatischer Duft in die Nase stieg. Hier mußte Suanach wohl ihre Kräuter aufbewahren und auch andere rätselhafte Nahrungsmittel in Flaschen und Kisten.

Sie lehnte sich gegen eine Kiste und entspannte sich ein bißchen. Sie fragte sich, ob Suanach recht hatte. Die Ui Fidgente würden so weit im Süden des Landes wohl kaum einen Überfall wagen? Doch Fidelma kannte ihre Brutalität und Raubgier. Abschätzig rümpfte sie die Nase. Da nahm sie einen stechenden Geruch wahr.

Rauch!

Sie wurde von panischer Angst gepackt. Rauch drang in den Gang ein. Das bedeutete, daß die Hütte in Flammen stand. Die Angreifer hatten sie also angesteckt. Sie spürte, wie der Qualm immer dichter wurde, denn das Atmen fiel ihr schwer. Und es gab keine Möglichkeit zu entkommen.

Sie tastete den Gang ab. Irgend etwas huschte piepsend an ihr vorbei, wieder und wieder. Mäuse! Die Mäuse flohen aus dem brennenden Haus. Erneut überkam sie Angst. Dann fiel ihr auf, daß die Mäuse alle in eine Richtung liefen, genau entgegengesetzt zur Falltür. Sie nahm sich zusammen und folgte weiter dem Gang.

Da entdeckte sie in der Decke über sich eine winzig dünne Ritze, durch die es ein wenig hell schimmerte. Noch eine Falltür? Manche Keller waren mit zwei Eingängen versehen. Sollte Menma noch eine gebaut haben, die sich außerhalb der Hütte befand? Wäre diese Falltür dann weit genug entfernt, damit die Angreifer sie nicht bemerkten? Nun, es blieb ihr nur, das herauszufinden. Der Rauch wurde immer dichter, und sie hatte den Eindruck, daß es auch zunehmend wärmer wurde. In der Angst wuchsen ihr ungeahnte Kräfte. Sie kletterte über ein paar Kisten, die den Weg zu dem schmalen Lichtstreifen verstellten.

Sie stieß gegen die dunkle Decke über sich. Holz! Wirklich eine Falltür. War sie von außen zugesperrt? Sie drückte ihren Rücken dagegen. Immer wieder. Doch nichts bewegte sich. Aber dann . Gab die Tür ein wenig nach? Wieder stemmte sie ihren Rücken dagegen und spürte, wie etwas aufschnappte. Sie schob die Falltür hoch und blickte hinaus.

Flink wie eine Katze kletterte sie hinauf und sah sich, flach liegend, nach allen Seiten um. Sie befand sich dicht hinter der Hütte, aus der Rauch und Flammen aufstiegen. Glücklicherweise hielten sich die Angreifer alle vor der Hütte auf. Sie konnte ihre Rufe, ihr Gelächter und das Wiehern ihrer Pferde hören. Sie hoffte nur, daß Suanach nichts geschehen war. Doch nun mußte sie einen Unterschlupf finden, falls die Fremden hinter der Hütte auftauchen sollten. Sie schloß die Falltür und schaute sich nach einem Fluchtweg um.

Gleich hinter der Hütte begann der Wald. Sie stand auf und rannte geduckt auf die schützenden Bäume zu. Schon war sie im Unterholz, wo sie sich unter einem Busch an den Boden drückte. Sie verschnaufte ein wenig und kroch dann zu einer günstigen Stelle, von der aus sie die Hütte im Blick hatte. Die stand völlig in Flammen, der Rauch stieg in einer hohen, spiralförmigen Wolke in den Himmel auf. Sie hoffte, daß man sie in der Festung bemerken würde und bald Hilfe schickte.

Fidelma war gerade rechtzeitig geflohen, denn nun ritten zwei Männer um die Hütte herum, als wollten sie die Gegend absuchen.

»Nichts zu sehen von ihrem Mann. Sie hat wohl die Wahrheit gesagt, er ist im Wald unterwegs«, stellte einer der Männer in lautem, heiserem Ton fest.

Sein Kumpan hatte eine schrille Stimme und wies auf die Hütte.

»Der Rauch wird bald unsere Feinde herlocken. Wir sollten zu den anderen zurück, ehe wir entdeckt werden.«

»Ohne unseren Plan ausgeführt zu haben?«

»Was sollen wir dem Anführer berichten?« fragte der zweite Mann.

»Conri müssen wir nichts davon sagen.«

»Wollen wir hoffen, daß du recht hast und dieser Menma wirklich nach seiner Frau sucht«, meinte der andere.

»Er wird anbeißen, wird die Spur seiner Frau aufnehmen und uns dabei in die Falle gehen.«

»Eigentlich hätten wir nur hier auf ihn lauern müssen. Ich verstehe immer noch nicht, warum Menma so wichtig ist. Unter den Cinel na Äeda gibt es gewiß auch andere, die uns weiterhelfen könnten.«