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«Nicht immer«, sagten Dane und ich gemeinsam.

«Es ist mir ein Vergnügen, Sie in einen längeren Lehrgang zu nehmen, Miss Ellery-Penn«, erklärte Dane.

«Ich lerne nur sehr langsam, Mr. Hillman.«

«Um so besser«, lachte Dane.

«Reitest du denn heute nicht, Dane?«fragte ich hoffnungsvoll.

«In den letzten beiden Rennen, Freundchen. Mach dir keine Sorgen, ich kann mich um Miss Ellery-Penn kümmern, während du ihr Pferd reitest.«

«Sie sind auch Jockey, Mr. Hillman?«meinte Kate überrascht.

«Ja«, sagte Dane und ließ es dabei bewenden. Er war der aufsteigende Stern, ganz klar auf dem Weg zur Spitze. Pete Gregory hatte erste Wahl auf ihn, so daß wir sehr oft zusammenkamen. Fremde verwechselten uns beide häufig; wir waren im selben Alter, beide dunkelhaarig, mittelgroß und schlank. Beim Rennen sah man den Unterschied deutlich; er war der bessere Jockey.

«Ich dachte eigentlich, man könnte alle Jockeys an ihrer Liliputgröße erkennen«, sagte Kate,»aber ihr beide seid doch hübsch groß. «Sie mußte zu uns aufsehen, obwohl sie selbst nicht klein war.

Wir lachten. Ich sagte:»Beim Hindernisrennsport sind die Jockeys fast alle von normaler Größe. Man kann sich bei großen Hindernissen leichter festhalten, wenn man lange Beine hat.«

«Bei den Galoppern gibt es auch große Jockeys«, meinte Dane,»aber sie sind natürlich sehr dürr.«

«Meine ganzen Illusionen werden zerstört«, erklärte Kate.

«Dein neues Pferd gefällt mir, Alan«, sagte Dane.»Nächstes Jahr wird es allerhand leisten.«

«Reiten Sie heute auch Ihre eigenen Pferde?«erkundigte sich Kate bei Dane.

«Nein. Ich besitze keine«, gab Dane zurück.»Ich bin Berufsjockey und darf keine eigenen Pferde haben.«

«Berufsjockey?«Kate hob die Brauen. Sie hatte den elegant geschnittenen Maßanzug unter dem Kamelhaarmantel gesehen. Wieder eine Illusion dahin, dachte ich amüsiert.

«Ja. Ich reite, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen«, meinte Dane lächelnd.»Im Gegensatz zu Alan habe ich keinen schwerreichen Vater. Aber ich werde für eine Tätigkeit bezahlt, die mir Spaß macht. Mehr kann man nicht verlangen.«

Kate sah uns aufmerksam an.»Vielleicht begreife ich später einmal, warum ihr eure Hälse riskiert«, sagte sie.

«Gut, sagen Sie uns aber bitte Bescheid«, erwiderte Dane.»Ich verstehe es nämlich selber nicht.«

Wir schlenderten zur Tribüne und verfolgten das dritte Rennen. Das schäbig aussehende Pferd gewann ohne Anstrengung mit zwanzig Längen Vorsprung. Kates Liebling war nach einer Meile weit abgeschlagen und verweigerte am drittletzten Hindernis.

«Kommen Sie nur nicht auf die Idee, daß wir immer wissen, wer gewinnt«, erklärte Dane.»Jockeys sind notorisch schlechte Wetter. Aber der Knochige war ein todsicherer Tip.«

Ein todsicherer Tip. Der alltägliche Ausdruck ließ mich zusammenzucken. Bill Davidsons Gegner hatte sich darauf verlassen, daß >Admiral< mit Sicherheit vorne liegen würde.

Ein todsicherer Tip. Ein tod…

Angesichts der Tatsache, daß ich die Katze im Sack akzeptiert hatte, war Kates Pferd gar nicht einmal so schlecht. Am zweiten Hindernis sprang es ab und bockte mitten in der Luft. Ich wurde aus dem Sattel gehoben und landete mehr durch Glück als durch Geschicklichkeit wieder auf ihm. Das war offensichtlich der Trick, mit dem sich >Heavens Above< seines früheren Jockeys entledigt hatte, dem jetzt mein ganzes Mitgefühl galt. Am dritten Graben versuchte er es noch einmal, aber von da ab machte er keine Schwierigkeiten mehr. Nach dem letzten Stück bekam er sogar die zweite Luft; wir überholten mehrere müde gewordene Gäule und endeten auf dem vierten Platz.

Kate freute sich riesig.»Hoch Onkel Georges Geistesblitz!«sagte sie.»So glücklich war ich noch nie.«

«Ich dachte schon, du müßtest am zweiten aussteigen, Alan«, meinte Pete Gregory, als ich die Sattelgurte löste.

«Ich auch«, erwiderte ich.»Ich hatte mordsmäßiges Glück.«

Pete beobachtete >Heavens Above<. Das Pferd atmete schnell, aber nicht keuchend. Er sagte:»Er ist erstaunlich fit, wenn man alles bedenkt. Ich glaube, wir können ein paar Rennen mit ihm gewinnen, bevor die Saison zu Ende geht.«

«Warum gehen wir nicht alle eine Flasche Sekt trinken, zur Feier des Tages?«fragte Kate. Ihre Augen glänzten. Pete lachte.»Warten Sie mit dem Sekt lieber, bis Sie einen Sieger haben«, meinte er.»Ich hätte zwar gerne mit Ihnen einen etwas bescheideneren Trinkspruch auf die Zukunft ausgebracht, aber im nächsten Rennen läuft ein Pferd von mir. Alan wird mich ohne Zweifel gern vertreten. «Er sah mich von der Seite an.

«Warten Sie auf mich, Kate?«sagte ich.»Ich muß mich noch einmal wiegen lassen, weil >Heavens Above< Vierter geworden ist.«

«Ich warte vor dem Wiegeraum«, versprach Kate.

Ich ließ mich wiegen, übergab meinen Sattel Clem, wusch mich und zog Straßenkleidung an. Kate wartete vor dem Wiegeraum, den Blick auf eine Gruppe von jungen Frauen gerichtet.

«Was machen denn die hier?«fragte Kate.»Sie stehen die ganze Zeit herum und unterhalten sich.«

«Das sind hauptsächlich Ehefrauen von Jockeys«, meinte ich grinsend.»Das Warten vor dem Wiegeraum stellt ihre Hauptbeschäftigung dar.«

«Und wohl auch Freundinnen von Jockeys, nehme ich an«, meinte Kate.

«Ja. Ich habe übrigens jetzt erst festgestellt, wie schön es ist, wenn man erwartet wird.«

Wir gingen ins Restaurant und bestellten Kaffee.

«Onkel George wird entsetzt sein, wenn er hört, daß wir auf >Heavens Above< ganz ohne Alkohol getrunken haben«, erklärte Kate.»Sind Sie gegen scharfe Getränke?«

«Nein, ganz im Gegenteil, aber um drei Uhr nachmittags kann ich noch nicht viel damit anfangen. Wie steht’s bei Ihnen?«

«Ich habe eine Leidenschaft für Sekt zum Frühstück«, entgegnete Kate lächelnd.

Ich fragte sie, ob sie abends mit mir ausgehen würde, aber sie hatte keine Zeit. Tante Deb gebe eine kleine Party, und Onkel George wolle doch unbedingt hören, wie das

Geburtstagsgeschenk abgeschnitten habe.

«Wie wär’s mit morgen?«

Kate zögerte und starrte auf den Tisch.»Ich. äh., ich gehe morgen mit Dane aus.«

«Was! Den soll doch.«, fauchte ich.

Kate kicherte.

«Und am Freitag?«meinte ich.

«Mit Vergnügen«, erwiderte Kate.

Wir gingen auf die Tribüne und sahen zu, wie Dane knapp das fünfte Rennen gewann. Kate feuerte ihn hemmungslos an.

Kapitel 5

Auf dem Parkplatz tobte eine Schlacht. Ich durchschritt den Eingang, um nach dem letzten Rennen den Heimweg anzutreten, und erstarrte. In dem Raum zwischen dem Tor und der ersten Parkreihe kämpften mindestens zwanzig Männer miteinander. Pardon wurde nicht gegeben. Selbst auf den ersten Blick zeigte sich, daß hier keine der üblichen Schlägereien stattfand.

Es war unfaßbar. Raufereien zwischen zwei oder drei Männern ereigneten sich auf Rennbahnen nahezu täglich, aber eine Auseinandersetzung dieses Ausmaßes schien andere Gründe zu haben als Meinungsverschiedenheiten über eine Wette.

Ich sah näher hin. Es gab keinen Zweifel, einige der Männer waren mit Schlagringen bewaffnet. Eine Fahrradkette zuckte durch die Luft. Die beiden mir nächsten Männer lagen beinahe regungslos am Boden, in angestrengter Umklammerung, als vollführten sie irgendein geheimnisvolles Ritual. Die Finger des einen Mannes umkrampften das Handgelenk des anderen, der ein Messer mit einer scharfen, etwa sieben Zentimeter langen Klinge zu gebrauchen versuchte.

Beide Seiten schienen ungefähr gleich stark zu sein, obwohl man sie nicht voneinander zu unterscheiden vermochte. Der Mann mit dem Messer, langsam den kürzeren ziehend, war ein blutjunger Bursche, aber bei den meisten anderen handelte es sich um ältere Jahrgänge. Der einzige betagt aussehende Kämpfer lag auf seinen Knien in der Mitte des Getümmels, die Arme über dem Kopf verschränkt, während es rings um ihn Schläge hagelte.