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Es war unheimlich still. Man hörte nur Keuchen und ein paar

stöhnende Laute. Der Halbkreis von Rennplatzbesuchern, die mit offenem Munde zusahen, wurde immer größer, aber niemand spürte die Neigung, sich in den Kampf zu stürzen und die Ruhe wiederherzustellen. Einer der Zeitungsverkäufer stand neben mir.

«Worum geht’s denn eigentlich?«fragte ich.

«Das sind die Taxichauffeure«, sagte er.»Es gibt da zwei Gruppen, die miteinander in Streit liegen, die eine aus London, die andere aus Brighton. Wenn sie zusammentreffen, ist jedesmal der Teufel los.«

«Warum denn?«

«Das kann ich Ihnen auch nicht sagen, Mr. York. Aber jedenfalls ist das heute nicht das erste Mal.«

Ich warf wieder einen Blick auf den hin und her wogenden Kampf. Ein paar Männer trugen noch ihre Mützen. Manche wälzten sich mit ihren Gegnern auf dem Boden, andere stemmten sich gegen ihre Taxis. Es waren zwei Reihen Droschken geparkt. Alle Fahrer beteiligten sich an der Schlägerei.

Ihre Fäuste und die Schlagringe taten ihre Wirkung. Zwei von den Männern krümmten sich, offensichtlich in den Magen getroffen. Fast alle hatten blutige Gesichter, zerrissene Jacken, Hosen und Hemden.

Sie kämpften wutentbrannt, ohne sich um die ständig größer werdende Menschenmenge zu kümmern.

«Das gibt ja Tote«, sagte ein Mädchen hinter mir entsetzt. Ich sah auf und bemerkte neben mir einen breitschultrigen, großen Mann mit gebräuntem Gesicht. Er beobachtete die Schlägerei mißbilligend, mit zusammengekniffenen Augen. Ich konnte mich an seinen Namen nicht erinnern, obwohl ich das Gefühl hatte, ihn zu kennen.

Die Leute wurden unruhig und begannen sich nach der Polizei umzusehen. Die Bemerkung des Mädchens war nicht unbegründet. Man mußte durchaus damit rechnen, daß einer dieser Männer die brutale Auseinandersetzung mit dem Leben zu bezahlen hatte.

Durch die Schlägerei war auf dem Parkplatz eine Verkehrsstockung entstanden. Ein Polizist tauchte auf, sah sich die Lage an und verschwand sofort wieder, um Verstärkung zu holen. Er kehrte mit vier Polizisten zu Fuß und einem zu Pferd zurück, alle mit Gummiknüppeln bewaffnet. Sie stürzten sich in die Menge, aber es dauerte ein paar Minuten, bis sie die Ruhe wiederhergestellt hatten.

Immer mehr Polizisten trafen ein. Die Taxifahrer wurden voneinander getrennt und in zwei Gruppen geteilt. Niemand schien gewonnen zu haben. Das Schlachtfeld war mit Mützen und Kleidungsfetzen übersät. Zwei Schuhe, einer schwarz, einer braun, lagen drei Meter voneinander entfernt. Überall sah man Blutspritzer. Die Polizei begann, die Schlagringe einzusammeln.

Langsam gingen die Menschen auseinander. Eine kleine Gruppe von Fahrgästen erkundigte sich bei einem Polizisten, wie lange man auf die Fahrer zu warten habe. Der große, braungebrannte Mann gesellte sich zu ihnen.

Einer der Rennsportjournalisten blieb neben mir stehen und kritzelte eifrig in sein Notizbuch.

«Wer ist denn der große Mann da drüben, John?«fragte ich ihn.

Er sah auf und warf einen Blick hinüber.»Sein Name ist Tudor, soviel ich weiß«, erwiderte er.»Besitzt ein paar Pferde. Irgend so ein Industriekapitän; ich weiß nicht sehr viel über ihn. Er scheint nicht gerade begeistert zu sein, daß er kein Taxi bekommt.«

Tudor machte ein grimmiges Gesicht. Ich war immer noch davon überzeugt, daß ich angesichts dieses Mannes an irgend etwas erinnert wurde, aber es fiel mir nicht ein. Er hatte keinen

Erfolg bei dem Polizisten, der den Kopf schüttelte. Die Taxis blieben leer und fahrerlos.

«Was ist eigentlich los?«fragte ich den Journalisten.

«Bandenkrieg, haben mir meine Spione berichtet«, erwiderte er fröhlich.

Fünf von den Taxifahrern lagen jetzt ausgestreckt auf dem kalten, feuchten Boden. Einer von ihnen stöhnte unaufhörlich.

«Ungefähr zu gleichen Teilen Krankenhaus und Polizeirevier, würde ich sagen«, meinte der Journalist.»Das gibt einen Artikel!«

Der Stöhnende rollte auf die Seite und erbrach sich.

«Ich gehe wieder zurück, um das meiner Redaktion durchzutelefonieren«, erklärte der Zeitungsmann.»Fahren Sie jetzt nach Hause?«

«Ich warte nur noch auf diesen verdammten Joe Nantwich«, sagte ich.»Ich habe ihm versprochen, ihn bis Dorking mitzunehmen, aber seit dem vierten Rennen scheint ihn der Erdboden verschluckt zu haben. Es sähe ihm ähnlich, sich von einem anderen nach Hause mitnehmen zu lassen, ohne mich zu verständigen.«

«Als ich ihn zuletzt sah, stritt er mit Sandy auf der Herrentoilette, aber er zog den kürzeren.«

«Die beiden können sich nicht ausstehen«, sagte ich.

«Wissen Sie warum?«

«Keine Ahnung. Sie vielleicht?«

«Nein«, gab der Journalist zurück. Er verabschiedete sich und ging zum Tribünengebäude zurück.

Zwei Krankenautos fuhren heran, um die verletzten Fahrer einzusammeln. Ein Polizist stieg hinten in jede Ambulanz mit ein, während sich ein anderer vorne neben den Chauffeur setzte. Vollbeladen fuhren die Krankenautos davon.

Die übrigen Taxichauffeure begannen zu frieren, als die Kampfeshitze verflog und sich die Kälte des Februarnachmittags bemerkbar machte. Ein Mann aus der einen Gruppe trat vor, starrte seine Gegner verächtlich an und spuckte dann vor ihnen aus. Sein Hemd hing in Fetzen an ihm herunter; sein Gesicht war verschwollen. Die Muskeln seiner Unterarme hätten einem Hufschmied zur Ehre gereicht; seine Stirn war niedrig. Ein gefährlich aussehender Mann. Ein Polizist berührte ihn am Arm, um ihn in die Gruppe zurückzuweisen. Er fuhr herum und fauchte ihn an. Zwei andere Polizisten kamen näher, und der schwarzhaarige Mann gab mürrisch nach.

Ich hatte eben beschlossen, auf Joe nicht länger zu warten, als er durchs Tor kam und mich begrüßte, ohne sich für seine Verspätung zu entschuldigen. Aber ich war nicht der einzige, dem seine Ankunft auffiel. Mr. Tudor kam auf uns zu.

«Nantwich, haben Sie die Freundlichkeit, mich nach Brighton mitzunehmen?«fragte er, fast im Befehlston.»Wie Sie selber sehen, ist mit den Taxis im Augenblick nicht zu rechnen, ich habe aber in zwanzig Minuten in Brighton eine wichtige Verabredung.«

Joe sah uninteressiert zu den Taxifahrern hinüber.»Was hat’s denn gegeben?«fragte er.

«Das ist doch jetzt völlig unwichtig«, erklärte Tudor ungeduldig.»Wo ist Ihr Wagen?«

Joe sah ihn geistesabwesend an. Sein Gehirn schien nur mit halber Kraft zu funktionieren.»Oh — äh — er ist nicht hier, Sir«, sagte er.»Ich werde selbst mitgenommen.«

«Von Ihnen?«wandte sich Tudor an mich. Ich nickte. Es war typisch für Joe, daß er versäumt hatte, uns bekannt zu machen.

«Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich nach Brighton bringen würden«, erklärte Tudor.»Ich zahle Ihnen den regulären Taxipreis.«

Bei ihm schien es keinen Widerspruch zu geben;

offensichtlich hatte er es sehr eilig. Es wäre schwierig gewesen, ihm diese kleine Gefälligkeit zu verweigern.

«Ich nehme Sie umsonst mit«, erwiderte ich,»aber es wird ziemlich eng werden. Ich habe einen zweisitzigen Sportwagen.«

«Wenn wir nicht alle hineinpassen, kann Nantwich hierbleiben. Sie kommen dann später zurück und holen ihn ab«, verkündete Tudor.

Joe zeigte sich nicht überrascht, aber ich hatte doch den Eindruck, daß Mr. Tudor ein bißchen des Guten zuviel tat.

Wir gingen an den angeschlagenen Taxifahrern vorbei und zwängten uns zu meinem Wagen durch. Tudor stieg ein. Er war so massig, daß es zwecklos schien, Joe noch hineinzwängen zu wollen.

«Ich hole dich später ab, Joe«, sagte ich, einen Anflug von Gereiztheit unterdrückend.»Warte vorne an der Hauptstraße.«

Ich setzte mich ans Steuer, ließ den Wagen langsam über den Parkplatz rollen, erreichte die Hauptstraße und schlug die Richtung nach Brighton ein. Es herrschte zuviel Verkehr, als daß mein Lotus hätte zeigen können, wieviel in seinem Climax-Motor steckte; die Tachonadel kletterte zunächst nicht über fünfundsechzig, und ich hatte Zeit, mich auf meinen eigenartigen Fahrgast zu konzentrieren.