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Ich zögerte. Es schien mir nicht recht, den Zauber dieses Abends durch krasse Realität zu stören.

«Na los!«drängte sie lächelnd.»Sie können jetzt nicht einfach aufhören. Die Geschichte ist viel zu spannend.«

Also erzählte ich ihr von dem Draht.

Sie war so entsetzt, daß sie plötzlich stehenblieb. Wir befanden uns mitten auf der Tanzfläche und versperrten den anderen Paaren den Weg.»Du lieber Himmel«, sagte sie.»Wie., wie gemein!«

«Ich kann es nicht ertragen, daß so ein Mensch unbestraft davonkommt.«

«Ich auch nicht.«

«Aber soweit es an mir liegt, ist die Sache noch nicht zu Ende, das verspreche ich Ihnen.«

«Gut«, sagte sie ernsthaft. Ich nahm sie wieder in die Arme. Von Bill sprachen wir nicht mehr. Über lange Stunden hinweg schien es mir an diesem Abend, als stünde ich nicht mehr ganz fest auf dem Boden. Kate bemerkte nichts. Sie war liebenswürdig, lustig und völlig unsentimental.

Als ich ihr schließlich in den von einem Chauffeur gesteuerten Wagen half, den Onkel George von Sussex geschickt hatte, spürte ich, wie schmerzhaft Liebe sein kann.

Ich wußte schon, daß ich Kate heiraten wollte. Der Gedanke, daß sie mich vielleicht nicht nehmen würde, war sehr bitter.

Am nächsten Tag hatte ich bei einem Rennen im Kempton Park anzutreten. Vor dem Wiegeraum traf ich Dane. Wir unterhielten uns übers Geläuf, übers Wetter und die Pferde. Dann sagte Dane:»Du hast Kate gestern abend ausgeführt?«

«Ja.«

«Wo seid ihr gewesen?«

«Im River Club«, sagte ich.»Wo hast du sie denn hingeführt?«»Sie hat dir nichts erzählt?«fragte Dane.

«Sie sagte, ich sollte dich fragen.«

«River Club«, meinte Dane.

«Verdammt«, sagte ich. Aber ich mußte lachen.

«Na bitte«, meinte Dane.

«Hat sie dich zu Onkel George eingeladen?«fragte ich argwöhnisch.

«Ich fahre heute nach dem Rennen hin«, erwiderte Dane lächelnd.»Und du?«

«Am nächsten Samstag«, erklärte ich düster.»Weißt du, Dane, sie führt uns ganz schön an der Nase herum.«

«Ich kann’s aushalten«, sagte Dane. Er klopfte mir auf die Schulter.»Mach nicht so ein Gesicht. Vielleicht kommt es gar nicht so weit.«

«Das befürchte ich ja«, seufzte ich. Er lachte und verschwand im Wiegeraum.

Der Nachmittag war uninteressant. Ich ritt meine große, schwarze Stute, und Dane schlug mich um zwei Längen. Nachher gingen wir miteinander zum Parkplatz.

«Wie hält sich eigentlich Mrs. Davidson?«fragte Dane.

«Recht gut, wenn man in Betracht zieht, daß für sie eine Welt zusammengebrochen ist.«

«Da hat sich einmal bewahrheitet, was die Ehefrauen von Jockeys immer befürchten.«

«Ja.«

«Man muß es sich wirklich überlegen, bevor man von einem Mädchen verlangt, ständig diese Angst auf sich zu nehmen«, sagte Dane nachdenklich.

«Kate?«fragte ich. Er sah mich scharf an und grinste.

«Ich denke schon. Macht es dir etwas aus?«

«Ja«, erwiderte ich.»Sehr viel sogar.«

Wir kamen zu seinem Wagen, und er legte Hut und Rennbrille neben sich auf den Sitz. Sein Koffer stand auf der hinteren Sitzbank.

«Bis dann«, sagte er.»Ich halte dich auf dem laufenden.«

Ich wartete, bis er abgefahren war, und winkte ihm nach. Es kam selten vor, daß ich jemand beneidete, aber in diesem Augenblick wäre ich sehr gerne an Danes Stelle gewesen.

Ich setzte mich in den Lotus und trat den Heimweg an.

Es war auf der Straße durch den Forst von Maidenhead, als ich den Pferdetransportwagen sah. Er parkte an einer Ausweichstelle; auf dem Boden waren Werkzeuge verstreut, die Kühlerhaube war geöffnet. Davor führte ein Mann ein Pferd auf und ab.

Der Fahrer stand am Wagen und kratzte sich am Kopf. Als er mich kommen sah, winkte er heftig. Ich hielt neben ihm. Er trat ans Fenster, ein Mann mittleren Alters, unauffällig. Er trug eine Lederjacke.

«Verstehen Sie etwas von Motoren, Sir?«fragte er.

«Nicht soviel wie Sie, denke ich«, meinte ich lächelnd. Seine Hände waren ölverschmiert. Wenn der Fahrer eines Pferdetransportwagens den Fehler nicht zu finden vermochte, würde es anderen Leuten noch schwerer fallen.»Ich kann Sie aber nach Maidenhead fahren, wenn Sie wollen. Dort finden Sie sicher einen Mechaniker.«

«Das ist sehr freundlich von Ihnen«, erwiderte er höflich.»Herzlichen Dank. Aber — äh — da ist eine kleine Schwierigkeit. «Er warf einen Blick in meinen Wagen und sah das Fernglas auf dem Sitz neben mir. Sein Gesicht hellte sich auf.»Sie verstehen nicht zufällig etwas von Pferden, Sir?«

«Doch, ein bißchen«, entgegnete ich.

«Sehen Sie, es ist so, Sir. Ich habe da zwei Pferde, die ich zum Londoner Hafen bringen muß. Sie werden exportiert. Bei dem da ist ja alles in Ordnung«, er deutete auf das Pferd, dem sein Begleiter Bewegung verschaffte.»Aber mit dem anderen stimmt etwas nicht. Es schwitzt schon seit einer Stunde sehr stark und versucht dauernd, sich in den Bauch zu beißen. Es will sich immer hinlegen. Der Bursche ist bei dem Pferd im Wagen, und er macht sich wirklich Sorgen, das kann ich Ihnen sagen.«

«Es könnte sich um eine Kolik handeln«, meinte ich.»In diesem Fall müßte man es auch herumführen. Nur so kann man ihm Linderung verschaffen.«

Der Fahrer machte ein besorgtes Gesicht.»Es ist ja wirklich viel verlangt, Sir«, meinte er zögernd,»aber würden Sie sich das Pferd einmal ansehen? Ich verstehe etwas von Motoren, aber nicht von Pferden. Und diese Stallburschen sind ja auch nicht allzu hell im Kopf. Ich möchte vom Chef keinen Anpfiff kriegen.«

«Na schön«, meinte ich.»Ich sehe es mir mal an. Aber ich bin kein Tierarzt, wissen Sie.«

Er lächelte erleichtert.»Vielen Dank, Sir. Jedenfalls werden Sie wissen, ob wir einen Tierarzt brauchen oder nicht.«

Ich parkte meinen Wagen hinter dem Transportfahrzeug. Die rückwärtige Tür des Transportwagens öffnete sich, und jemand streckte die Hand heraus, um mir hinaufzuhelfen. Vermutlich der Stallbursche. Er packte mich beim Handgelenk. Er ließ nicht los.

Im Innern erwarteten mich drei Männer. Und kein Pferd, krank oder gesund. Zehn Sekunden später stand ich mit dem Rücken zur Schmalseite einer der Trennwände.

Der Transportwagen war in drei Boxen aufgeteilt, eine davon zog sich über die ganze Breite des Aufbaus. Dort hielten sich gewöhnlich die Stallburschen auf.

Zwei von den Männern hielten meine Arme fest. Sie standen etwas hinter mir, zu beiden Seiten der Trennwand und hatten mich fest im Griff. Der Pfosten war mit einem Mattenbelag gepolstert, der Verletzungen der Pferde verhindern soll. Das Stroh kitzelte mich am Hals.

Der Fahrer stieg hinten ein und schloß die Tür. In seinem immer noch unterwürfigen Benehmen schwang Triumph mit. Er hatte ein Anrecht darauf. Seine Falle war gut konstruiert.

«Tut mir sehr leid, Sir«, sagte er höflich.

«Wenn Sie Geld wollen«, meinte ich,»haben Sie Pech gehabt. Ich wette nie große Beträge und hatte heute auch keinen guten Tag. Für bescheidene acht Pfund haben Sie sich mächtig angestrengt.«

«Wir wollen Ihr Geld nicht, Sir«, sagte er,»obwohl wir’s kassieren werden, nachdem Sie es uns so liebenswürdig angeboten haben. «Mit freundlichem Lächeln nahm er mir die Brieftasche aus der Jacke.

Ich trat ihm hart gegen das Schienbein, war aber wegen der Trennwand behindert. Die beiden Männer rissen mir die Arme nach hinten.

«Das würde ich an Ihrer Stelle lieber nicht tun, Sir«, erklärte der freundliche Fahrer und rieb sich das Bein. Er öffnete meine Brieftasche, nahm das Geld heraus, faltete es säuberlich zusammen und verstaute es in seiner Lederjacke. Er studierte den übrigen Inhalt der Brieftasche, trat dann auf mich zu und steckte sie wieder in die Jacke zurück. Er lächelte schwach.

Ich hielt mich still.

«Das ist schon besser«, meinte er anerkennend.

«Was soll denn das eigentlich?«fragte ich. Ich dachte vage, daß sie vielleicht vorhatten, von meinem Vater Lösegeld zu verlangen. So in der Art >Überweisen Sie zehntausend Pfund, sonst wird Ihnen Ihr Sohn stückweise zurückgeschickte Das hätte zu bedeuten, daß sie genau wußten, wer ich war.