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«Na, das hoffe ich. «Ich wartete, während er einen Kunden bediente, dann sagte ich:»Erinnern Sie sich an die Schlägerei der Taxichauffeure in Plumpton?«

«So etwas vergißt sich nicht so leicht«, meinte er strahlend.

«Sie haben mir erzählt, daß eine Gruppe von London und die andere von Brighton kam.«

«Ja, das stimmt.«

«Und welche war denn welche?«fragte ich. Er sah mich verständnislos an.

«Welche Gruppe kam aus London und welche aus Brighton?«

«Ach so. «Er verkaufte eine Zeitung an zwei ältere Damen in Tweedkostümen und dicken Wollstrümpfen. Dann drehte er sich wieder um.»Hm. ich sehe die Kerle ziemlich oft, wissen Sie, aber sie sind sehr unfreundlich. Man kann nicht mit ihnen reden. Das ist ganz anders als bei den Privatchauffeuren. Ich könnte die Leute aus Brighton schon herausfinden, wenn ich sie sähe. «Er brach ab, brüllte mit Stentorstimme» Sonderausgabe«, worauf er wieder drei Zeitungen verkaufte. Ich wartete geduldig.

«Wie erkennen Sie diese Leute?«fragte ich.

«An den Gesichtern natürlich. «Er hielt die Frage für albern.

«Ja, aber welche Gesichter? Können Sie sie beschreiben?«

«Ach so, ich verstehe. Da gibt es alle möglichen Sorten.«

«Können Sie nicht wenigstens eines beschreiben?«

Er dachte scharf nach und zerrte an seinem Schnurrbart.»Nun, da gibt es einen Kerl mit Schlitzaugen, der recht unangenehm wirkt. In seinem Taxi möchte ich lieber nicht

fahren. Er hat eine sehr niedrige Stirn. Die Haare wachsen ihm beinahe bis zu den Augenbrauen hinunter. Wozu brauchen Sie ihn eigentlich?«

«Ich brauche ihn nicht«, sagte ich.»Ich möchte nur wissen, wo er herkommt.«

«Aus Brighton, genau. «Er strahlte mich an.»Manchmal ist mir auch ein anderer aufgefallen. Ein junger Bursche mit langen Koteletten. Er säubert sich dauernd mit einem Messer die Fingernägel.«

«Recht vielen Dank«, sagte ich. Ich gab ihm eine Pfundnote. Er grinste breit und steckte sie in eine Innentasche.

«Viel Glück, Sir«, sagte er. Ich ging in den Wiegeraum und dachte darüber nach, daß meine Freunde mit dem Pferdetransportwagen aus Brighton stammten. Ihr Auftraggeber konnte ja nicht wissen, daß ich sie schon einmal gesehen hatte.

Ich war so in Gedanken versunken gewesen, daß ich jetzt erst Pete Gregorys Stimme hörte.»… hatten unterwegs eine Reifenpanne, aber sie sind sicher angekommen, das ist die Hauptsache. Hörst du eigentlich zu, Alan?«

«Ja, Pete. Entschuldige. Ich habe nachgedacht.«

«Freut mich, daß du das kannst«, meinte Pete und lachte schallend. So ausgekocht und geschickt er sonst war, sein Sinn für Humor blieb der eines Schuljungen. Aber man gewöhnte sich daran.

«Wie geht es >Palindrome<?«fragte ich. Mein bestes Pferd.

«Sehr gut. Ich habe dir doch gerade erzählt, daß sie eine Reifenpanne. «Er brach ab.»Na ja., willst du mit zum Stall gehen und ihn dir ansehen?«

«Ja, gerne«, sagte ich.

Wir gingen zu den Stallungen. Wegen der strengen Vorschriften mußte mich Pete begleiten. Nicht einmal die Besitzer durften ohne den Trainer zu ihren Pferden, und die

Stallburschen mußten an den Eingängen Ausweise vorzeigen. Das Ganze diente dazu, Doping-Versuche zu unterbinden.

Ich tätschelte mein Pferd, einen herrlichen, acht Jahre alten Braunen mit schwarzen Flecken, und gab ihm ein Stück Zucker. Pete schnalzte mißbilligend mit der Zunge und meinte:»Nicht vor dem Rennen«, wie ein Kindermädchen, das entdeckt hat, daß man seinem Schützling vor dem Essen Süßigkeiten zusteckt. Ich grinste.

«Zucker schafft Energie«, sagte ich, gab >Palindrome< noch ein Stück und streichelte ihn.»Er sieht gut aus.«

«Er müßte gewinnen, wenn du genau aufpaßt«, sagte Pete.»Du darfst diesen Iren nicht aus den Augen lassen. Wenn ihr an den Wassergraben kommt, wird er plötzlich davonschießen, damit er den Hügel mit einem Vorsprung von sechs Längen erreicht. Das probiert er jedesmal. Er läßt sich dann von den anderen den Hügel hinaufhetzen, bis sie keine Kraft mehr fürs Finish haben. Entweder spurtest du mit ihm und gehst mit seinem Tempo den Hügel an, oder, wenn er ausreißt, dann nimmst du den Hügel ohne besonders großes Tempo und gibst Fahrt zu, wenn du auf der anderen Seite wieder herunterkommst. Klar?«

«Wie Glas«, sagte ich. Was immer man auch von Petes Witzen halten mochte, seine Beratung über die Taktik beim Rennen war unschätzbar, und ich verdankte ihm viel.

Ich tätschelte >Palindrome< noch einmal, und wir traten auf den Vorplatz hinaus. Dank der strengen Vorschriften war das die ruhigste und einsamste Stelle der ganzen Rennbahn.

«Pete, weißt du, ob Bill in Schwierigkeiten war?«fragte ich plötzlich.

Er schloß die Tür zu >Palindromes< Abteil, drehte sich um und starrte mich an.

Nach einer Weile sagte er:»Das ist ein großes Wort, Schwierigkeiten. Es hat etwas gegeben.«

«Was denn?«fragte ich, als er wieder verstummte.

Er gab mir keine Antwort und fragte statt dessen:»Wie kommst du auf die Idee, daß er in. Schwierigkeiten gewesen sein könnte?«

Ich erzählte ihm von dem Draht. Er hörte ruhig zu.

«Warum haben wir bisher nichts davon erfahren?«

«Ich verständigte Sir Creswell Stampe und die Polizei, schon vor einer Woche«, erwiderte ich,»aber da der Draht fehlt, lassen sie die Sache auf sich beruhen.«

«Aber du willst das nicht tun?«meinte Pete.»Das ist ganz begreiflich. Ich kann dir leider nicht viel helfen. Ich weiß nur das eine. Bill erzählte mir, daß er einen Anruf erhalten hätte, den er sehr lächerlich fände. Aber ich hörte ihm nicht aufmerksam zu — dachte über meine Pferde nach, du weißt ja, wie es ist. Irgendwie war von einem Sturz >Admirals< die Rede. Er hielt das Ganze für einen Witz, und ich war nicht so interessiert, daß ich mich näher erkundigt hätte. Als Bill ums Leben kam, fragte ich mich, ob nicht doch etwas faul gewesen wäre, aber ich erkundigte mich bei dir, und du sagtest, dir sei nichts aufgefallen.«

«Ja, es tut mir leid«, sagte ich.»Wann hat Bill eigentlich von dem Anruf erzählt?«

«Als ich das letztemal mit ihm sprach«, sagte Pete.»Am Freitagmorgen, kurz bevor ich nach Irland flog. Ich rief ihn an, um ihm mitzuteilen, daß für >Admirals< Start am nächsten Tag in Maidenhead alles vorbereitet sei.«

Wir gingen zum Wiegeraum zurück. Einem plötzlichen Einfall folgend fragte ich:»Pete, benützt du eigentlich die Brighton-Taxis?«

«Nicht sehr oft«, erwiderte er.»Warum?«

«Es gibt da ein paar Taxichauffeure, mit denen ich mich gerne einmal unterhalten hätte«, murmelte ich.

«In Brighton existieren meines Wissens mehrere Taxiunternehmen«, sagte er.»Wenn du einen ganz bestimmten Chauffeur finden willst, warum versuchst du es denn nicht am Bahnhof? Von dort aus habe ich immer ein Taxi genommen. Sie warten dort in Scharen auf die Züge aus London. «Seine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt, als ein irisches Pferd vorbeigeführt wurde.

«Das ist >Connemara Pal<«, sagte Pete neidisch.»Ich bin mit einem von den Stallbesitzern im August vorigen Jahres hinübergefahren, um ihn zu kaufen, aber sie verlangten achttausend. Er war in einer halbverfallenen Hütte hinter einem Schweinestall untergebracht, und deswegen wollte der Käufer diesen Betrag nicht bezahlen. Und schau ihn dir jetzt an. Er hat das Hauptrennen in Leopardstown gewonnen, noch dazu mit zwanzig Längen Vorsprung und ohne sich anzustrengen.«

Im Wiegeraum suchte ich Clem, der sehr viel zu tun hatte, überprüfte mit ihm meine Ausrüstung und ließ feststellen, wieviel Gewicht ich auf >Palindrome< zu bringen hatte.

Kate hatte mir gesagt, daß sie nicht nach Cheltenham kommen würde, deshalb wollte ich zumindest etwas über sie hören.

Dane hatte seinen Umkleideplatz im kleineren der beiden Räume, und er saß nur einen Platz vom Ofen entfernt, ein sicheres Zeichen für sein Ansehen in der Welt der Jockeys. Anfänger müssen in der Nähe der Türen die Zugluft ertragen.