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Umkleideraum gehen. Dane befolgte diesen Rat, aber ich leerte mein Glas und ging ins Freie.

Pete wollte auch nach Hause, aber seine Freunde wollten ihn noch in irgendein Lokal verschleppen. Ich befreite ihn von seinen Bewunderern, und wir gingen gemeinsam zum Ausgang.

«Mensch, das war ein Tag!«sagte Pete, wischte sich mit einem weißen Taschentuch die Stirn und warf seinen Zigarrenstummel weg.

«Ein herrlicher Tag«, stimmte ich zu und sah ihn forschend an.

«Du brauchst gar kein besorgtes Gesicht zu machen, Alan. Ich bin ganz nüchtern und fahre jetzt nach Hause.«

«Gut. Dann wird es dir ja nicht schwerfallen, mir eine kleine Frage zu beantworten?«

«Schieß los.«

«In welchem Transportwagen ist >Palindrome< nach Cheltenham gekommen?«fragte ich.

«Was? Ich habe einen gemietet. Fünf Pferde von mir sind heute gelaufen; drei wurden in meinem eigenen Wagen transportiert. Für >Palindrome< und den Dreijährigen mußte ich ein Fahrzeug mieten.«

«Und wo hast du es gemietet?«

«Was hast du denn?«fragte Pete.»Ich weiß, daß der Wagen alt ist und unterwegs eine Reifenpanne hatte, aber das hat >Palindrome< nichts geschadet, sonst hätte er nicht gewonnen.«

«Nein, darauf kommt es mir nicht an«, sagte ich.»Ich möchte nur wissen, woher der Wagen stammt.«

«Es lohnt sich nicht, ihn zu kaufen. Viel zu alt.«

«Pete, ich will ihn nicht kaufen. Du sollst mir nur sagen, woher er kam.«

«Von der Firma, bei der ich gewöhnlich miete, Littlepeth in

Steyning. «Er runzelte die Stirn.»Warte mal. Zuerst hieß es, daß alle Wagen bestellt seien, dann erklärten sie mir, daß ich einen Transporter bekommen könnte, wenn mir das Alter nichts ausmache.«

«Wer hat ihn gesteuert?«

«Einer ihrer Chauffeure. Er fluchte ein bißchen, weil er dieses alte Ding übernehmen mußte.«

«Kennst du ihn näher?«

«Das kann man nicht gerade sagen. Er fährt oft die gemieteten Wagen, das ist alles. Gemeckert wird bei dem immer. Worum geht es eigentlich?«

«Es kann mit Bills Tod zu tun haben«, sagte ich,»aber ich bin mir nicht sicher. Kannst du herausfinden, woher der Wagen wirklich kommt? Erkundigst du dich bei der Firma? Laß mich aber aus dem Spiel.«

«Ist es wichtig?«fragte Pete.

«Ja, sehr.«

«Ich rufe morgen früh an.«

Als wir uns am nächsten Tag trafen, sagte Pete:»Ich habe mich nach dem Wagen erkundigt. Er gehört einem Farmer in der Nähe von Steyning. Ich habe Name und Adresse hier. «Er zog einen Zettel aus der Brusttasche und gab ihn mir.»Das wolltest du doch wissen?«

«Ja, vielen Dank«, sagte ich und steckte den Zettel ein.

Am Ende des Festivals hatte ich die Geschichte von dem Draht mindestens zehn weiteren Leuten erzählt, und sie verbreitete sich rasch.

Ich erzählte sie dem dicken Lew Panake, dem gutgekleideten Buchmacher, bei dem ich ab und zu wettete. Er versprach mir, sich bei den >Jungs< zu erkundigen und mir Bescheid zu geben.

Ich erzählte sie Calvin Bone, einem professionellen Wetter, der immer wußte, wenn irgend etwas faul war.

Ich erzählte sie einem ausgekochten kleinen Schlepper, der sich seinen Unterhalt damit verdiente, Informationen an alle weiterzugeben, die dafür bezahlten.

Ich erzählte sie dem Zeitungsverkäufer, der an seinem Schnurrbart zerrte und einen Kunden ignorierte.

Ich erzählte sie einem Sportjournalisten, dem noch kein Skandal entgangen war.

Ich erzählte sie einem Kameraden von Bill aus der Militärzeit; ich erzählte sie im Wiegeraum; ich erzählte sie Pete Gregorys erstem Pfleger.

Ich säte also Wind, und es brachte mir zunächst gar nichts ein. Der Sturm würde schon von selbst kommen.

Kapitel 8

Als ich am Samstagmorgen zusammen mit Scilla, den Kindern und Joan am großen Küchentisch frühstückte, läutete das Telefon.

Scilla ging an den Apparat, kam aber kurz darauf wieder.»Es ist für dich, Alan. Der Anrufer hat aber seinen Namen nicht genannt.«

Ich ging ins Wohnzimmer und nahm den Hörer. Die Märzsonne schien durch die Fenster auf eine große Schale mit roten und gelben Krokussen, die auf dem Telefontischchen stand. Ich sagte:»Hier Alan York.«

«Mr. York, ich habe Ihnen vor einer Woche eine Warnung zukommen lassen. Sie hielten es für richtig, sich nicht darum zu kümmern.«

Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufrichteten. Meine Kopfhaut juckte. Es war eine sanfte Stimme mit heiserem, flüsterndem Klang, nicht wütend oder scharf, beinahe freundlich.

Ich schwieg. Die Stimme sagte:»Mr. York? Sind Sie noch da?«

«Ja.«

«Mr. York, ich bin kein gewalttätiger Mann. Ich habe sogar eine Abneigung gegen Gewalt. Ich gebe mir ganz besondere Mühe, sie zu vermeiden, Mr. York. Aber manchmal wird sie mir aufgedrängt, manchmal ist das der einzige Weg, zu Ergebnissen zu kommen. Sie verstehen mich doch, Mr. York?«

«Ja«, sagte ich.

«Wenn ich ein gewalttätiger Mann wäre, Mr. York, hätte ich mir vorige Woche eine unangenehmere Warnung für Sie ausgedacht.

Und ich gebe Ihnen noch einmal eine Chance, damit Sie sehen, wie schwer es mir fällt, Ihnen etwas anzutun. Kümmern Sie sich einfach um Ihre eigenen Angelegenheiten, und hören Sie auf, Fragen zu stellen, dann wird Ihnen nichts passieren. «Nach einer Pause fuhr die sanfte Stimme mit drohendem Unterton fort:»Wenn ich natürlich feststellen muß, daß es ohne Gewalt nicht mehr geht, finde ich immer andere Leute, die sie für mich anwenden. Nur, damit ich nicht zusehen muß. Nur, damit es für mich nicht zu schmerzlich ist. Sie begreifen doch hoffentlich, Mr. York?«

«Ja«, sagte ich wieder. Ich dachte an Sonny, an sein gemeines Grinsen, an sein Messer.

«Gut, das wäre alles. Ich hoffe wirklich, daß Sie vernünftig sind. Guten Morgen, Mr. York. «Es knackte in der Leitung, als er die Verbindung unterbrach.

Ich drückte ein paarmal kurz auf die Gabel, bis sich die Vermittlung meldete. Ich fragte die Telefonistin, ob sie mir sagen könnte, woher der Anruf gekommen sei.

«Einen Augenblick bitte«, sagte sie näselnd. Nach einer Weile meldete sie sich wieder.»Er ist über London geleitet worden«, erklärte sie,»aber weiter kann ich ihn nicht verfolgen. Tut mir sehr leid.«

«Macht nichts. Recht vielen Dank«, sagte ich.

«Gern geschehen.«

Ich legte auf und kehrte an den Frühstückstisch zurück.

«Wer war denn das?«fragte Henry, der seinen Toast dick mit Marmelade beschmierte.

«Ein Mann mit Hund«, sagte ich.

«Oder mit anderen Worten«, meinte Polly,»>wer viel fragt, geht viel im.«

Henry schnitt eine Grimasse und biß in seinen Toast. Die Marmelade lief ihm zu einem Mundwinkel heraus. Er schleckte sie auf.

«Henry will immer wissen, wer am Apparat ist«, meinte William.

«Ja, Liebling«, sagte Scilla geistesabwesend und wischte Eidotter von seinem Pullover.»Du mußt dich über deinen Teller beugen, wenn du ißt, William. «Sie gab ihm einen Kuß auf den blonden Schopf.

Ich ließ mir von Joan noch Kaffee eingießen.

«Führst du uns zum Tee in Cheltenham aus, Alan? Können wir wieder so Sahnedinger wie beim letztenmal haben und Eiscreme-Soda mit Strohhalmen und für den Heimweg Erdnüsse?«

«O ja«, stimmte William strahlend ein.

«Ich wäre gerne dabei«, sagte ich,»aber heute geht es nicht. Vielleicht einmal nächste Woche.«

Ich wollte endlich den langerwarteten Besuch bei Kate machen, dort zweimal übernachten, und am Montag wollte ich einen Tag im Büro verbringen.

Als ich die enttäuschten Gesichter der Kinder sah, meinte ich:»Ich bin bei Bekannten eingeladen. Vor Montagabend komme ich nicht zurück.«

«Mensch, wird das langweilig«, sagte Henry.

Mein Lotus schluckte die Meilen zwischen Sussex und den Cotswolds mit dem gleichmäßigen Schnurren einer zufriedenen Katze. Ich legte die fünfzig Meilen von Cirincester bis Newbury in dreiundfünfzig Minuten zurück, nicht weil ich es so eilig hatte, sondern aus Vergnügen an der Geschwindigkeit, für die der Wagen nun einmal gebaut war. Und außerdem fuhr ich ja zu Kate. Endlich.