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«Aubrey Hastings und Geoffrey Bennett waren doch auch Jockeys und trotzdem akzeptabel, als Sie — äh — jünger waren?«

Sie hob überrascht die Brauen.»Aber das sind Gentlemen gewesen«, meinte sie.

Ich sah zu Kate hinüber. Sie preßte den Handrücken auf die Lippen, aber ihre Augen lachten.

«Ja«, sagte ich mit ernster Miene.»Das macht natürlich einen Unterschied.«

«Sie werden also vielleicht begreifen«, fuhr sie fort und sah mich ein wenig freundlicher an,»daß ich die neuen Interessen meiner Nichte nicht so ohne weiteres billige. Es ist etwas anderes, ob ich ein Rennpferd besitze, oder ob ich mich mit den Jockeys anfreunde, die für mich reiten. Ich bin meiner Nichte sehr zugetan. Ich möchte nicht, daß sie einen übereilten. Schritt tut. Sie ist vielleicht noch zu jung und hat ein zu abgeschlossenes Leben geführt, als daß sie begreifen könnte, was annehmbar ist und was nicht. Aber Sie begreifen das wohl, Mr. York?«

Kate wurde rot.»Tante Deb!«rief sie anklagend. Sie hatte wohl auch nicht damit gerechnet, daß es so schlimm werden würde.

«Ich verstehe Sie sehr gut, Mrs. Penn«, sagte ich höflich.

«Gut«, meinte sie.»In diesem Fall hoffe ich, daß Sie sich bei uns wohl fühlen. Darf ich Ihnen noch Tee geben?«Nachdem sie mir meinen Platz angewiesen hatte und der Meinung war, ich sei bereit, die erheblichen Standesunterschiede anzuerkennen, zeigte sie sich als gute Gastgeberin. Sie hatte die ruhige Autorität eines Menschen, dessen Wünsche von Kindesbeinen an Gesetz sind. Sie begann freundlich über das Wetter und ihren Garten zu sprechen, und daß der Sonnenschein die Narzissen hervorlocke.

Dann öffnete sich die Tür, und ein Mann kam herein. Ich stand auf.

Kate sagte:»Onkel George, das ist Alan York.«

Er wirkte zehn Jahre jünger als seine Frau. Er hatte dichtes, gutgepflegtes graues Haar und eine rosige Gesichtsfarbe, als käme er eben aus dem Bad; als ich ihm die Hand schüttelte, fühlte sie sich weich und feucht an.

Tante Deb sagte ohne mißbilligenden Unterton:»George, Mr. York ist einer von Kates Jockeyfreunden.«

Er nickte.»Ja, Kate erzählte mir, daß Sie kommen würden. Freut mich.«

Er sah zu, als ihm Tante Deb Tee eingoß, nahm die Tasse entgegen und lächelte seiner Frau zu.

Er war für seine Größe zu dick, aber er gehörte nicht zu denen, die ihr Übergewicht am Bauch vor sich hertragen. Bei ihm war alles gut verteilt, als sei er gepolstert. Daraus ergab sich eine fröhliche Rundlichkeit. Er hatte die gutmütige Miene, wie man sie oft bei dicken Leuten findet. Trotzdem kamen mir seine Augen kalt und forschend vor.

Er stellte die Tasse ab und lächelte, und sofort verwischte sich dieser Eindruck.

«Ich bin sehr interessiert daran, Sie kennenzulernen, Mr. York«, sagte er, setzte sich und bedeutete mir, dasselbe zu tun.

Er studierte mich von Kopf bis Fuß, während er mich um meine Meinung über >Heavens Above< bat. Wir besprachen die Eigenschaften des Pferdes mit Kate; das hieß also, daß ich die meiste Zeit zu reden hatte, weil Kate nicht viel mehr wußte als in Plumpton und Onkel George vom Pferdesport soviel wie nichts verstand.

«Warum haben Sie eigentlich Ihrer Nichte ein Rennpferd geschenkt?«fragte ich.

Onkel George machte den Mund auf und wieder zu. Er blinzelte. Dann sagte er:»Ich war der Meinung, sie sollte mit mehr Menschen zusammentreffen. Sie hat hier bei uns keine jungen Leute um sich, und ich glaube, daß wir sie ein bißchen zu sehr von der Welt abgeschlossen hatten.«

Tante Deb, die dem Gespräch über Pferde gelangweilt zugehört hatte, mischte sich wieder in die Konversation.

«Unsinn«, sagte sie knapp.»Sie ist genauso aufgezogen worden wie ich, also richtig. Heutzutage läßt man den Mädchen viel zuviel Freiheit, mit dem Ergebnis, daß sie den Kopf verlieren, mit Heiratsschwindlern oder anderen Gaunern davonlaufen. Junge Mädchen brauchen eine feste Hand, wenn sie sich wie Ladies benehmen und passende, dauerhafte Ehen schließen sollen.«

Sie hatte wenigstens so viel Anstand, mich dabei nicht anzusehen. Statt dessen beugte sie sich vor und streichelte ihren Dackel.

Onkel George wechselte beinahe ein wenig zu auffällig das Thema und fragte mich, wo ich zu Hause sei.

«In Südrhodesien«, entgegnete ich.

«Tatsächlich?«meinte Tante Deb.»Wie interessant. Haben Ihre Eltern vor, sich dort für dauernd niederzulassen?«

«Sie sind beide dort geboren«, gab ich zurück.

«Und werden sie nach England kommen, um Sie zu besuchen?«fragte Onkel George.

«Meine Mutter starb, als ich zehn Jahre alt war. Vielleicht kommt mein Vater einmal, wenn er nicht zuviel zu tun hat.«

«Was tut er denn?«fragte Onkel George interessiert.

«Er ist Kaufmann«, sagte ich ausweichend. >Kaufmann<, darin war alles enthalten, vom kleinen Händler bis zu dem, was mein Vater wirklich war, der Besitzer eines der größten Unternehmen in ganz Rhodesien. Sowohl Onkel George als auch Tante Deb machten ein unbefriedigtes Gesicht, aber ich ließ mich nicht weiter aus. Es hätte Tante Deb verärgert und peinlich berührt, wenn nach ihrer kleinen Rede über Jockeys meine Aussichten und mein Stammbaum zur Sprache gekommen wären, und außerdem brachte ich es schon um Danes willen nicht fertig. Er hatte Tante Debs Snobismus ohne die mir zur Verfügung stehenden Abwehrmittel gegenübergestanden, und ich hielt mich keineswegs für besser.

Statt dessen machte ich eine bewundernde Bemerkung über die Blumendrucke an den holzgetäfelten Wänden, worüber sich Tante Deb freute, was mir aber von Onkel George einen ironischen Blick eintrug.

«Unsere Ahnen haben wir im Speisezimmer«, meinte er.

Kate stand auf.»Ich zeige Alan, wo er schläft«, sagte sie.

«Sind Sie mit dem Wagen gekommen?«fragte Onkel George. Ich nickte.»Dann lasse Mr. Yorks Wagen von Culbertson in die Garage bringen«, wandte er sich an Kate.

«Ja, Onkel George«, erwiderte Kate lächelnd.

Als wir durch die Halle gingen, um meinen Koffer aus dem Wagen zu holen, sagte Kate:»Onkel Georges Chauffeur heißt gar nicht Culbertson, sondern Higgins oder so ähnlich. Onkel George begann ihn Culbertson zu nennen, weil er Bridge spielt, und das haben wir uns dann alle angewöhnt. Nur ein Mann wie Onkel George kann einen Chauffeur haben, der Bridge spielt«, lachte sie.

«Spielt denn Onkel George Bridge?«

«Nein, er spielt weder Karten noch sonst irgend etwas. Er meint, es gibt da zu viele Regeln. Er lernt sie nicht gern und will sich vor allem nicht an sie halten.«

Ich holte meinen Koffer aus dem Wagen, und wir gingen ins Haus zurück.

«Warum haben Sie Tante Deb nicht gesagt, daß Sie Amateur und sehr reich sind?«

«Warum haben Sie’s denn nicht gesagt?«fragte ich.»Bevor ich kam.«

«Ich. Ich. äh., weil. «stotterte sie. Es fiel ihr schwer, die Wahrheit zu sagen, deswegen tat ich es für sie.

«Wegen Dane?«Sie sah mich verlegen an.

«Das ist mir ganz recht«, meinte ich leichthin.»Und ich mag Sie deshalb noch lieber. «Ich küßte sie auf die Wange. Sie lachte und lief erleichtert die Treppe hinauf.

Nach dem Mittagessen am Sonntag erhielt ich die Erlaubnis, Kate ein wenig spazierenzufahren.

Am frühen Morgen war Tante Deb mit Kate und mir in der Kirche gewesen. Culbertson fuhr uns in einem gutpolierten Daimler hm. Tante Debs Anweisung zufolge saß ich neben ihm, während sie und Kate im Fond Platz nahmen.

Während wir vor dem Haus standen und auf Tante Deb warteten, erzählte mir Kate, daß Onkel George nie zur Kirche gehe.

«Er verbringt die meiste Zeit in seinem Arbeitszimmer. Das ist der kleine Raum neben dem Frühstückszimmer«, sagte sie.»Er telefoniert stundenlang mit seinen Bekannten, und er schreibt eine Abhandlung oder etwas Ähnliches über Indianer, glaube ich, nur zum Essen kommt er heraus.«