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«Könnten wir ihn uns einmal ansehen?«

«Ja«, sagte er.»Einen Augenblick. «Er ging ins Haus, und wir hörten, wie er mit einer Frau sprach. Dann kam er ohne Zeitung zurück.

«Er steht hier«, sagte er und ging voraus. Der Transportwagen stand im Freien, nur von dem in der Scheune aufge schütteten Heu geschützt. APX 708. Mein alter Bekannter.

Dann erklärte ich Lawson, daß ich den Wagen nicht mieten wollte, sondern nur gern gewußt hätte, wer ihn vor einer Woche gemietet hatte. Weil ihm diese Frage merkwürdig vorkam, und er uns abzuschieben versuchte, erklärte ich ihm auch, warum mich das interessierte.

«Das kann nicht mein Wagen gewesen sein«, sagte er sofort.

«Er war es aber.«

«Ich habe ihn vor acht Tagen an keinen Menschen vermietet. Er stand den ganzen Tag hier.«

«Er ist in Maidenhead gewesen«, erklärte ich hartnäckig.

Er starrte mich beinahe eine Minute lang an. Dann meinte er:»Wenn Sie recht haben, hat ihn jemand genommen, ohne daß ich davon wußte. Ich war mit meiner Familie übers Wochenende in London.«

«Wie viele Leute wußten, daß Sie fort waren?«fragte ich.

Er lachte.»Ungefähr zwölf Millionen, denke ich. Wir nahmen am Freitagabend an einer der Familien-Quiz-Sendungen im Fernsehen teil. Meine Frau, mein ältester Sohn, meine Tochter und ich. Der Jüngste durfte nicht mitmachen, weil er erst zehn ist. Er war furchtbar wütend. Meine Frau sagte während der Sendung, daß wir am Samstag den Zoo und am Sonntag den Tower besuchen würden und vor Montag nicht zu Hause sein könnten.«

Ich seufzte.»Und seit wann wußten Sie, daß Sie an der QuizSendung teilnehmen würden?«

«Schon ein paar Wochen vorher. Es stand auch in den Zeitungen. Ich hatte mich eigentlich ein bißchen darüber geärgert. Es ist ja nicht gut, wenn jeder Landstreicher weiß, daß man nicht zu Hause ist. Natürlich waren meine Knechte hier, aber das ist nicht dasselbe.«

«Könnten Sie sie fragen, ob sie gesehen haben, wie jemand Ihren Wagen nahm?«

«Das könnte ich schon. Es ist ja bald Melkzeit. Aber ich glaube, daß Sie das Kennzeichen falsch abgelesen haben.«

«Haben Sie einen braunen Vollblüter mit einem weißen Flecken auf der Stirn, einem Hängeohr und dichtem Schweif?«

Seine Skepsis verschwand sofort.»Ja, den hab ich. Er steht drüben im Stall.«

Wir sahen ihn uns an. Es war das Pferd, das Bert auf und ab geführt hatte.

«Ihre Leute müssen ihn aber doch vermißt haben, als sie ihn am Abend füttern wollten?«fragte ich.

«Mein Bruder, der in der Nähe wohnt, borgt ihn sich aus, wenn er ihn braucht. Die Leute nahmen eben an, der wäre bei ihm. Ich werde sie fragen.«

«Würden Sie sich auch erkundigen, ob sie im Wagen eine Krawatte gefunden haben?«sagte ich.»Ich würde zehn Schilling geben, wenn ich sie wiederbekommen würde.«

«Ich frage sie«, versprach Lawson.»Kommen Sie doch einstweilen ins Haus.«

Er führte uns durch die Hintertür einen gepflasterten Gang entlang in ein gemütliches Wohnzimmer und verschwand. Von irgendwoher hörte man die Stimmen seiner Familie und das Klappern von Geschirr.

Nach einiger Zeit kam Lawson zurück.»Es tut mir sehr leid«, sagte er.»Meine Leute dachten, das Pferd sei bei meinem Bruder; keinem ist aufgefallen, daß der Wagen fort war. Auch Ihre Krawatte hat man nicht gefunden.«

Ich bedankte mich herzlich bei ihm, und er sagte, ich solle ihm mitteilen, wer seinen Wagen genommen habe, wenn sich das feststellen ließe.

Kate und ich fuhren zum Meer. Ab Worthing rollten wir die Küstenstraße in östlicher Richtung entlang. Der Salzgeruch war erfrischend. Wir kamen an den neuen Siedlungen von Worthing vorbei, an den Hafenanlagen und Elektrizitätswerken von Shoreham, Southwick und Portslade und erreichten schließlich die lange Promenade in Brighton. Kate steuerte den Wagen auf einen Platz in der Stadt und hielt.

«Gehen wir zum Meer hinunter«, sagte sie.

Wir überquerten die Straße, stiegen ein paar Stufen hinab und schritten über den Kies zum Sandstrand. Kate zog ihre Schuhe aus und schüttelte die kleinen Steine heraus. Die Sonne schien warm; es war Ebbe. Wir wanderten etwa eine Meile am Strand entlang, dann kehrten wir um. Es war ein herrlicher Nachmittag.

Als wir Hand in Hand die Straße zu Kates Wagen hinaufgingen, sah ich zum erstenmal, daß sie ihn nur etwa hundert Meter vom Pavillon-Plaza-Hotel geparkt hatte, wohin ich vor zehn Tagen mit Clifford Tudor gefahren war.

Man braucht den Teufel nur an die Wand zu malen, dachte ich. Da war er schon. Der massive Mann stand auf der Eingangstreppe und sprach mit dem livrierten Portier.

Kurz bevor wir Kates Wagen erreichten, fuhr ein Taxi an uns vorbei und hielt vor dem Pavillon Plaza. Es war ein schwarzes Taxi mit gelbem Wappen an der Tür, und diesmal konnte ich den Namen lesen: >Marconicars<. Ich sah mir den Fahrer an. Er hatte eine lange Nase und ein fliehendes Kinn; er war mir nie begegnet.

Clifford Tudor sagte noch etwas zu dem Portier, marschierte dann die Treppe hinunter und stieg in das Taxi, ohne dem Chauffeur überhaupt mitzuteilen, wohin er fahren wollte. Das Taxi brauste davon.

«Wohin sahen Sie eigentlich?«sagte Kate.

«Es ist nichts Besonderes«, antwortete ich.»Ich erzähle es Ihnen, wenn Sie mit mir im Pavillon Plaza-Hotel Tee trinken wollen.«

«Da ist es stocklangweilig«, sagte sie.»Tante Deb wäre damit einverstanden.«

«Ich muß wieder ein bißchen Detektiv spielen«, erklärte ich.

«Also gut. Haben Sie Ihr Vergrößerungsglas zur Hand?«

Wir betraten das Hotel. Kate entschuldigte sich für einen Augenblick, um ihre Frisur zu ordnen. Ich fragte das junge Mädchen an der Rezeption, ob sie wisse, wo ich Clifford Tudor finden könne.

Sie strahlte mich an, und ich grinste ermutigend.

«Sie haben ihn leider eben verfehlt«, erwiderte sie.»Er ist in seine Wohnung zurückgefahren.«

«Kommt er oft hierher?«fragte ich.

Sie sah mich überrascht an.»Ich dachte, Sie wüßten Bescheid. Er sitzt im Aufsichtsrat und ist einer der größten Aktionäre. Das Ganze hier gehört ihm fast alleine, und er hat mehr zu reden als der Geschäftsführer, wie es zu leiten ist.«

«Hat er einen Wagen?«fragte ich.

Die Frage war ziemlich seltsam, aber das Mädchen schnatterte unbeirrt weiter.»Ja, er hat einen riesengroßen Wagen mit viel Chrom. Große Klasse. Aber er benützt ihn natürlich nicht. Meistens fährt er mit den Taxis. Gerade vor ein paar Minuten habe ich eines von diesen Funktaxis für ihn gerufen. Sie sind wirklich sehr brauchbar. Man ruft nur die Zentrale an, und von dort wird die Nachricht an das in nächster Nähe befindliche Taxi weitergegeben. Alle unsere Gäste bedienen sich.«

«Mavis!«

Das geschwätzige Mädchen verstummte und sah sich schuldbewußt um. Eine ernste, junge Frau war aufgetaucht.

«Danke für die Vertretung, Mavis. Du kannst jetzt gehen«, sagte sie. Mavis lächelte mir zu und verschwand.

«Kann ich Ihnen behilflich sein, Sir?«Sie war sehr höflich, aber offensichtlich nicht zum Klatschen aufgelegt.

«Äh — können wir Tee haben?«fragte ich.

Sie sah auf die Uhr.»Es ist schon ein bißchen spät, aber Sie können sich ins Foyer setzen, wo Sie der Ober bedienen wird.«

Kate betrachtete kurze Zeit später die Brötchen mit Fischpaste und machte ein saures Gesicht.»Das gehört wohl zu den Gefahren im Leben eines Detektivs?«meinte sie.»Was haben Sie eigentlich herausgefunden?«

Ich sagte, ich sei mir nicht ganz sicher, aber ich interessiere mich für alles, was mit den Taxis oder Bills Tod auch nur

entfernt in Verbindung stünde. Und das sei bei Clifford Tudor nun einmal der Fall.

«Bestimmt nichts dran«, sagte Kate kurz und bündig.