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Ich seufzte.»Ich glaube es auch nicht.«

«Was kommt jetzt?«

«Wenn ich herausfinden könnte, wem die Taxis mit den gelben Wappen gehören.«

«Wir rufen einfach an und fragen«, sagte Kate und erhob sich. Wir gingen zur Telefonzelle und suchten die Nummer heraus.

«Ich mach das«, erklärte sie.»Ich werde sagen, daß ich eine Beschwerde vorzubringen hätte und dem Inhaber selbst schreiben möchte.«

Sie wählte die Nummer der Taxizentrale und gab eine herrliche Vorstellung; sie verlangte die Namen und Adressen der Eigentümer, Geschäftsführer und Anwälte. Schließlich legte sie den Hörer auf und sah mich mißmutig an.

«Man wollte mir nichts sagen«, beklagte sie sich.»Der Mann war ja wirklich geduldig. Er ließ sich nicht einmal aus der Ruhe bringen, als ich unhöflich wurde, aber er sagte nur immer wieder: >Bitte schreiben Sie uns in allen Einzelheiten, und wir werden Ihre Beschwerde untersuchen. < Er sagte, es sei bei der Firma nicht üblich, die Namen der Eigentümer bekanntzugeben, und er besitze jedenfalls keine Ermächtigung dazu. Er gab nicht einen Zentimeter nach.«

«Schon gut. Sie haben es jedenfalls prima gemacht. Ich dachte mir schon, daß wir nichts erfahren werden. Aber das bringt mich auf eine Idee. «Ich rief das Polizeirevier in Maidenhead an und fragte nach Inspektor Lodge. Er sei nicht im Dienst, hieß es. Ob ich eine Nachricht zu hinterlassen wünsche.

«Hier ist Alan York«, sagte ich.»Würden Sie bitte Inspektor Lodge fragen, ob er feststellen kann, wem die Marconicar-Funktaxis in Brighton gehören. Er weiß schon, worum es sich handelt. «Die Stimme aus Maidenhead erklärte, daß man Inspektor Lodge am nächsten Morgen verständigen würde, aber man könne nichts versprechen. Ich bedankte mich und hängte ein.

Kate stand in der Telefonzelle ganz nahe bei mir. Ich küßte sie sanft. Ihre Lippen waren weich. Sie legte die Hände auf meine Schultern, sah mir in die Augen und lächelte. Ich küßte sie wieder.

Ein Mann öffnete die Tür zur Zelle. Er lachte, als er uns sah.»Entschuldigen Sie., ich möchte telefonieren.«

Verwirrt verließen wir die Kabine.

Ich sah auf die Uhr. Es war beinahe halb sieben Uhr.

«Wann erwartet uns Tante Deb zurück?«fragte ich.

«Abendessen um acht Uhr. Bis dahin haben wir Zeit«, sagte Kate.»Schauen wir uns noch ein bißchen die Schaufenster an.«

Wir gingen langsam durch die Seitenstraßen Brightens, blieben vor jeder hellerleuchteten Auslage stehen und bewunderten sie. Und in einigen verschwiegenen Ecken setzten wir das fort, wobei wir in der Telefonkabine unterbrochen worden waren.

Kates Küsse waren süß und jungfräulich. Sie zeigte sich unerfahren, und obwohl sie ab und zu in meinen Armen zitterte, spürte ich keine Leidenschaft. Als wir uns in einer der Straßen gerade überlegten, ob wir umkehren sollten, wurde hinter uns Licht eingeschaltet. Wir sahen uns um. Der Besitzer der >Blue Duck< öffnete eben sein Lokal. Es sah sehr gemütlich aus.

«Wie wär’s mit einem kleinen Schluck, bevor wir heimfahren?«schlug ich vor.

«Einverstanden«, sagte Kate. Und auf diese zufällige Art taten wir den entscheidendsten Schritt an diesem Nachmittag.

Wir betraten die >Blue Duck<

Kapitel 9

Der Schanktisch war mit einer schimmernden Kupferplatte abgedeckt. Die Zapfgriffe blinkten, und die Gläser blitzten. Es war ein sauberer, angenehmer kleiner Raum mit gemütlicher Beleuchtung und Ölgemälden von Fischerdörfern an den Wänden.

Kate und ich lehnten am Schanktisch und sprachen mit dem Gastwirt über Sherries. Er war ein hochaufgerichteter Mann um die Fünfzig mit einem martialischen Schnurrbart. Ich hielt ihn für einen pensionierten Hauptfeldwebel. Aber er verstand sein Geschäft, und der Sherry, den er uns empfahl, schmeckte ausgezeichnet. Wir waren seine ersten Gäste und unterhielten uns ein bißchen mit ihm. Er hatte die freundliche Art aller guten Gastwirte, aber dahinter bemerkte ich eine gewisse Vorsichtigkeit, als sei er auf alles gefaßt. Ich kümmerte mich jedoch nicht darum, weil ich fälschlicherweise dachte, seine Sorgen hätten mit mir nichts zu tun.

Ein anderes Paar betrat das Gastzimmer; Kate und ich wandten uns ab, um unsere Gläser zu einem der kleinen Tische zu tragen. Kate glitt dabei aus, ihr Glas prallte gegen den Schanktisch und zerbrach. Sie geriet mit der Hand an einen der größeren Splitter, und die klaffende Schnittwunde begann heftig zu bluten.

Der Gastwirt rief seine Frau, eine schmale, kleine Person mit gebleichtem Haar. Sie sah, wie Kate blutete, und rief besorgt:»Kommen Sie ’rein und halten Sie die Hand unters kalte Wasser. Dann hört es auf zu bluten. Vorsichtig, damit nichts auf Ihren schönen Mantel tropft.«

Sie öffnete eine Schwingtür, um uns durchzulassen, und

führte uns in ihre Küche, die ebenso peinlich sauber war wie der Schanktisch. Auf einer Anrichte lag in Scheiben geschnittenes Brot, Butter, kaltes Fleisch; daneben standen Gläser mit Salaten und Mixed Pickles. Wir hatten die Frau des Gastwirtes bei der Garnierung von belegten Broten für die abendlichen Gäste gestört. Sie ging zum Ausguß, ließ das Wasser laufen und winkte Kate, die Hand darunterzuhalten. Ich blieb an der Küchentür stehen und sah mich um.

«Es tut mir leid, daß ich Ihnen so viel Umstände mache«, meinte Kate, als das Blut in das Becken tropfte.»Die Wunde ist gar nicht so groß, aber es blutet doch sehr stark.«

«Sie machen uns gar keine Umstände«, sagte die Frau des Gastwirts.»Sie bekommen gleich einen Verband. «Sie lächelte Kate zu und begann in einer Schrankschublade zu suchen.

Ich löste mich von der Tür, um mir den Schaden näher anzusehen. Augenblicklich hörte ich ein drohendes Knurren, und aus einer Kiste neben dem Kühlschrank tauchte ein schwarzer Schäferhund auf. Seine gelben Augen waren auf mich gerichtet, und er fletschte gräßlich die Zähne. Um den Hals trug er ein Lederband, aber er war nicht angekettet. Wieder ließ er ein böses Knurren hören.

Ich blieb mitten in der Küche stehen, ohne mich zu rühren.

Die Frau des Gastwirts nahm einen schwarzen Stock, der neben dem Schrank stand, und ging zu dem Hund hinüber. Sie kam mir aufgeregt vor.

«Platz, Prince. Platz. «Sie deutete mit dem Stock auf die Kiste. Der Hund zögerte kurz und stieg dann wieder hinein, ohne mich aber aus den Augen zu lassen. Ich bewegte mich immer noch nicht.

«Entschuldigen Sie vielmals, Sir. Er mag fremde Herren nicht. Er ist ein sehr scharfer Wachhund, wissen Sie. Aber jetzt tut er Ihnen bestimmt nichts, solange ich hier bin. «Sie lehnte den Stock an die Wand und ging mit Watte, Alkohol und einem

Verbandspäckchen zu Kate. Ich machte einen Schritt auf Kate zu.

Der Hund knurrte leise, blieb aber in seiner Kiste. Ich erreichte endlich das Spülbecken. Die Blutung hatte beinahe aufgehört, die Frau des Gastwirts säuberte die Wunde mit in Alkohol getränkter Watte und machte dann einen kleinen Verband. Mein Blick wanderte vom Schäferhund zu dem massiven Stock, und ich dachte an die versteckte Nervosität des Wirtes. Aus all dem ließ sich nur eine Schlußfolgerung ziehen.

Schutz.

Schutz wovor? Schutz vor Erpressung. Jemand hatte unseren Wirt zwingen wollen, sich unter den >Schutz< einer Gangsterorganisation zu begeben. Entweder du bezahlst, oder wir schlagen dir deine Wirtschaft zusammen. oder dich. oder deine Frau. Aber dieser Gastwirt, ob er nun früher Hauptfeldwebel gewesen war oder nicht, schien sich damit nicht abfinden zu wollen. Die Kassierer der Organisation standen einem auf den Mann dressierten Wachhund gegenüber. Wahrscheinlich waren sie es, die Schutz brauchten.

Der Wirt steckte den Kopf zur Tür herein.

«Alles in Ordnung?«fragte er.

«Ja, recht vielen Dank«, erwiderte Kate.

«Ich habe Ihren Hund bewundert«, meinte ich.

Der Wirt trat einen Schritt in die Küche. Prince ließ zum erstenmal den Blick von mir und sah seinen Herrn an.