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«Angenommen, der Fahrer bringt Mr. Tudor irgendwohin und teilt es Marigold nicht mit?«fragte ich leichthin.

«So dumm ist keiner. Die Fahrer bekommen bei Stammkunden Prozente anstelle eines Trinkgeldes, verstehen Sie? Wir schlagen bei den Rechnungen zehn Prozent auf, damit die Stammkunden nicht alle fünf Minuten Trinkgelder geben müssen.«

«Eine gute Idee«, meinte ich.»Habt ihr viele Stammkunden?«

«Dutzende. Aber Mr. Tudor ist sicher unser bester Kunde.«

«Und wie viele Taxis fahren für die Firma?«

«Einunddreißig. Ein paar davon stehen natürlich immer in einer Werkstätte, und im Winter läuft manchmal nur die Hälfte davon. Die Konkurrenz ist sehr groß.«

«Wem gehören eigentlich die Marconicars?«fragte ich.

Sie wußten es nicht, und es war ihnen auch gleichgültig.

«Mr. Fielder nicht?«

«Aber nein«, sagte Marigold.»Das glaube ich wirklich nicht. Soviel ich weiß, gibt es einen Vorstandsvorsitzenden, aber wir haben ihn nie gesehen. Mr. Fielder kann nicht so hoch oben stehen, weil er mich an den Abenden und übers Wochenende manchmal vertritt. Obwohl mich natürlich ein anderes Mädchen ablöst, wenn ich dienstfrei habe.«

Sie schienen plötzlich alle zu begreifen, daß das Ganze nichts mit der Hochzeit meiner Schwester zu tun hatte. Ich verdrückte mich.

Draußen auf der Straße fragte ich mich, was ich jetzt tun sollte. Gegenüber sah ich ein Cafe, und es war sowieso Zeit zum Mittagessen. Ich betrat das Lokal, in dem es nach Kohl roch, und fand noch einen Tisch am Fenster. Durch die Stores des >Olde Oake Cafe< hatte ich klare Sicht auf die Büros des Taxiunternehmens, falls mir das etwas nützte.

Ein stämmiges Mädchen mit strähnigem Haar gab mir eine maschinengeschriebene Speisekarte. Ich studierte sie bedrückt. Tomatensuppe, Kabeljau gebacken, Bratwürste in Blätterteig, Steak und Nierenpastete, und als Nachtisch Pudding oder Eiercreme. Auf die Gewichtssorgen von Amateurjockeys wurde keine Rücksicht genommen. Ich bestellte Kaffee. Das Mädchen erklärte, ich könne zu Mittag nicht allein Kaffee haben, weil man die Tische brauche. Ich erbot mich, für das ganze Menü zu bezahlen, wenn ich dafür den Kaffee alleine trinken dürfe, und damit war sie einverstanden, obwohl sie mich offensichtlich für einen Sonderling hielt.

Der Kaffee war erstaunlich stark und wohlschmeckend. Ich hatte wohl den ersten Aufguß bekommen, dachte ich, und beobachtete den Eingang zu >Marconicars<.

Im Stockwerk darüber blinkte eine große rote Neonreklame, die im Tageslicht recht blaß wirkte. Quer über das schmale Gebäude verlief der Name >L. C. Perth<. Auf dem oberen Teil des großen Fensters der Taxifirma stand, mit gelben Buchstaben auf schwarzem Grund, >Marconicars<, und das oberste Stockwerk war mit einem großen, blauen Schild verziert, das die Aufschrift Jenkins, Großhandel in Hüten< trug.

Eine ältere Dame, die an meinem Tisch Platz nahm, erklärte mir ohne Umschweife, daß diese Verunstaltung alter RegencyGebäude wirklich überhand nehme und man bisher vergeblich versucht habe, die Anbringung von Neonreklamen zu verbieten, aber die Firma Perth besitze offensichtlich keine verantwortlichen Leute, und die Büroangestellten nähmen die Neonbuchstaben nicht ab, weil sie ihnen nicht gehörten, aber sie seien auch nicht bereit, anzugeben, wer nun der Besitzer sei.

Die beiden Stenotypistinnen, und kurz darauf auch Marigold, verließen das Haus. Vier Männer folgten ihr. Niemand kam.

Ich trank meinen Kaffee, verabschiedete mich von meiner Tischgenossin und gab es auf. Ich fuhr mit dem Zug zurück, setzte mich wieder in den Wagen und verfügte mich nach London. Ich arbeitete den ganzen Nachmittag im Büro, fuhr nach Hause und ging in dem Bewußtsein, in Brighton nutzlos einen Vormittag verbracht zu haben, zu Bett. Aber am Donnerstagmorgen, als ich erwachte, fiel mir ein Name ein, und ich wußte auch, wo ich ihm schon einmal begegnet war. Im Morgenmantel ging ich hinunter und nahm aus Bills Schreibtisch die für Henry aufgehobenen Wettscheine. Ich fand das Gesuchte. Drei Wettscheine trugen den Namen L. C. Perth.

Ich drehte sie um. Auf die Rückseite hatte Bill den Namen eines Pferdes, die Höhe des Einsatzes und das Datum notiert. Ich nahm alle Wettscheine mit auf mein Zimmer und schlug die einzelnen Rennen nach. Ich erinnerte mich an aufgeschnappte Gesprächsfetzen. Und mir wurde allerhand klar. Aber nicht genug, nicht genug.

Kapitel 11

In Bristol regnete es unaufhörlich. Die Feuchtigkeit zusammen mit der Kälte nahm mir jeden Spaß am Rennen.

Kate schickte eine Nachricht, daß sie des Wetters wegen nicht käme, was gar nicht zu ihr paßte, und ich fragte mich, wie es Tante Deb wohl gelungen war, sie zu Hause zu halten.

Im Wiegeraum unterhielt man sich vorwiegend über Joe Nantwich. Die Rennsportkommission hatte sein Verhalten beim letzten Rennen am Tag des Hürdenchampionats untersucht und ihm für die Zukunft eine strenge Verwarnung erteilt. Man war allgemein der Ansicht, daß Joe mit sehr viel Glück noch einmal davongekommen sei.

Joe selbst stolzierte so aufgeblasen umher wie je. Aus einiger Entfernung zeigte sein rundes, rosiges Gesicht keine Spur der Angst oder Trunkenheit. Man erzählte mir aber, daß er Freitag, Samstag und fast den ganzen Sonntag in der Sauna verbracht hatte, halbtot vor Angst. Er hatte sich sinnlos betrunken und den Alkohol wieder herausgeschwitzt, wobei er dem Badepersonal unter Tränen versicherte, daß ihm hier nichts passieren könne.

Es war Sandy, der diese Geschichte erzählte. Zufällig sei er am Sonntagmorgen in die Sauna gegangen, um für das Rennen am Montag ein paar Pfund abzunehmen. Ich stieß auf Joe, als er gerade die Bekanntmachung an der Anschlagtafel las. Er pfiff vor sich hin.

«Na, Joe«, sagte ich,»was macht dich denn so fröhlich?«

«Alles. «Er grinste. Aus der Nähe bemerkte ich die schmalen Falten um die Mundwinkel und die ein wenig blutunterlaufenen Augen, aber sonst konnte man ihm nichts ansehen.»Man hat mir die Lizenz nicht entzogen. Und ich wurde dafür bezahlt, daß

ich dieses Rennen verloren habe.«

«Was?«rief ich entgeistert.

«Ich bin bezahlt worden. Du weißt, ich habe es dir erzählt. Das Päckchen mit Geld. Es kam heute früh. Hundert Pfund. «Ich starrte ihn an.»Nun, ich habe doch auch getan, was verlangt war, nicht wahr?«meinte er beleidigt.

«Das kann man wohl sagen«, meinte ich.

«Und dann diese Drohbriefe. Ich habe die Kerle schön an der Nase herumgeführt. Ich bin übers ganze Wochenende im Bad geblieben, und dort konnten sie mir nichts tun. Ich bin gut davongekommen«, sagte Joe triumphierend, als sei

aufgeschoben «schon >aufgehoben<.

«Es freut mich, daß du dieser Meinung bist«, sagte ich sanft.»Joe, beantworte mir eine Frage. Wie klingt denn die Stimme des Mannes, der dir telefonisch mitteilt, mit welchem Pferd du nicht gewinnen sollst?«

«Man könnte nie erraten, wer es ist. Die Stimme ist ziemlich leise. Manchmal beinahe flüsternd, als hätte der Mann Angst davor, gehört zu werden. Aber was macht das schon?«meinte Joe.»Solange er den Zaster liefert, kann er meinetwegen quaken wie ein Frosch.«

«Meinst du damit, daß du wieder ein Pferd abwürgst, wenn er es verlangt?«fragte ich.

«Vielleicht. Vielleicht auch nicht«, sagte Joe in der späten Erkenntnis, etwas zu offen gewesen zu sein. Er sah mich von der Seite an und verschwand im Umkleideraum.

Pete und Dane diskutierten in der Nähe über Renntaktik, und ich ging hinüber zu ihnen. Pete verfluchte das Wetter, meinte aber, daß >Palindrome< doch etwas leisten müßte.

«Auf halbem Weg setzt du dich an die Spitze, dann kann dir nichts mehr passieren. Die anderen taugen nicht viel. Soviel ich sehen kann, bist du ein todsicherer Tip.«