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«Prima«, sagte ich automatisch, aber dann erinnerte ich mich plötzlich daran, daß >Admiral< in Maidenhead ebenfalls ein todsicherer Tip gewesen war.

Dane fragte mich, ob ich mich bei Kate wohlgefühlt hätte, und nahm meine begeisterte Antwort nicht gerade freudig auf.

«Der Teufel soll dich holen, Freundchen, wenn du mich bei Kate ausgestochen hast«, meinte er mit gespieltem Grimm, aber ich hatte das unangenehme Gefühl, daß es ihm ernst war. Nachdenklich ging ich in den Umkleideraum.

Sandy stand am Fenster und starrte in den Regen hinaus.

«Wir brauchen Scheibenwischer für unsere Brillen«, bemerkte er gutgelaunt.»Schlammbad gefällig?«

«Wie wär’s denn am Sonntag in der Sauna?«fragte ich lächelnd.

«Ach, davon hast du auch schon gehört?«

«Ich glaube, das weiß schon jeder«, erwiderte ich.

«Gut. Das geschieht dem ekelhaften Kerl ganz recht«, sagte Sandy grinsend.

«Woher hast du gewußt, wo du ihn finden konntest?«

«Ich habe seine Mutter gefragt. «Sandy brach mitten im Satz ab, und seine Augen weiteten sich.

«Ja«, sagte ich.»Du hast ihm diese Drohbriefe geschickt.«

«Was bringt dich denn auf diese Idee?«meinte Sandy gutmütig.

«Du machst gern blöde Witze, und außerdem ist dir Joe unsympathisch«, sagte ich.»Der erste Brief wurde ihm in die Jacke gesteckt, als sie in Plumpton im Umkleideraum hing; es mußte also ein Jockey, ein Stallbursche oder ein Mitglied der Rennleitung gewesen sein. Buchmacher, Trainer, Pferdebesitzer oder Personen aus dem Publikum kamen nicht in Frage. Ich kam auf die Idee, daß die Person, die den Zettel in Joes Tasche gesteckt hatte, nicht mit derjenigen identisch war, die ihn dafür bezahlte, daß er Pferde stehenließ. Diese Person hat sich nämlich seltsamerweise nicht gerächt. Aber ich fragte mich, wer sonst noch ein Interesse daran haben könnte, Joe zu quälen, und da kam ich auf dich. Du wußtest schon vor dem Rennen, daß Joe auf >Bolingbroke< nicht gewinnen sollte. Als er dann doch gewann, sagtest du ihm, daß du eine Menge Geld verloren hättest und dich rächen würdest. Und das hast du ja wohl auch getan. Du bist ihm sogar nachgegangen, um dich an seinen Qualen zu weiden.«

«Rache ist süß, du weißt ja. Ich begreife nur nicht, woher du das alles erfahren hast.«

«Joe hat mir das meiste davon erzählt«, sagte ich.

«Das ist ein Schwätzer. Sein vorlautes Gerede wird ihn eines Tages noch in die größten Schwierigkeiten bringen.«

«Ganz bestimmt.«

«Hast du ihm erzählt, daß die Briefe von mir stammen?«fragte Sandy, zum erstenmal besorgt.

«Nein. Das gäbe nur noch mehr Ärger.«

«Dann habe ich dir wenigstens dafür zu danken.«

«Und für diesen kleinen Dienst könntest du mir sagen, woher du wußtest, daß Bolingbroke nicht gewinnen sollte?«

Er grinste breit, wiegte sich auf den Absätzen hin und her, aber er schwieg.

«Mach schon«, sagte ich.»Das ist doch wirklich nicht viel verlangt, vielleicht hilft mir das in der anderen Sache weiter.«

Sandy schüttelte den Kopf.»Das nützt dir gar nichts«, meinte er.»Joe hat es mir selbst erzählt.«

«Was?«

«Er hat es mir selbst erzählt. Im Waschraum, als wir uns vor dem Rennen umzogen. Du weißt doch, daß er immer angeben muß. Ich war eben gerade in der Nähe, und außerdem wußte er, daß ich früher einmal gelegentlich selbst Pferde hatte stehenlassen.«

«Er meinte, wenn ich einmal richtig lernen wollte, wie man ein Pferd abwürgt, dann sollte ich ihn auf >Bolingbroke< beobachten. Na ja, ich ließ mir das nicht zweimal sagen. Ich setzte fünfzig Pfund auf >Leica<, die ja gewinnen mußte, wenn sich >Bolingbroke< nicht anstrengte. Und schau dir an, was passierte. Der Trottel verlor die Nerven und schlug >Leica< um zwei Längen. Ich hätte ihn erwürgen können. Fünfzig Pfund sind für mich ein Vermögen.«

«Warum hast du dann zehn Tage gewartet, bevor du ihm den ersten Brief gabst?«

«Es fiel mir nicht früher ein«, erwiderte er offen.»Aber er hat doch seine Quittung bekommen, nicht wahr? In Cheltenham wäre er beinahe seine Lizenz losgeworden, und übers Wochenende schwitzte er drei Tage lang wie ein Irrer. «Sandy strahlte.»Du hättest ihn in der Sauna sehen sollen. Er war buchstäblich am Ende. Er heulte mir etwas vor und flehte mich an, ich solle ihn verteidigen. Ausgerechnet ich! Ich konnte das Lachen kaum zurückhalten.«

«Und in Plumpton hast du ihn auch noch vom Pferd gekippt«, meinte ich.

«Das ist gar nicht wahr«, gab Sandy entrüstet zurück.»Hat er dir das erzählt? Der Kerl lügt ja wie gedruckt. Er ist einfach heruntergefallen, ich hab’s doch gesehen. Gute Lust, und ich mache ihm noch einmal Angst. «Seine braunen Augen funkelten. Aber er beruhigte sich rasch wieder.»Na ja. mir fällt schon wieder mal etwas ein. Es eilt ja nicht. Ich mach ihm das Leben schon zur Qual — Würmer in die Stiefel und so weiter. Harmlos«, und Sandy begann zu lachen. Dann sagte er:»Nachdem du als Privatdetektiv schon so erfolgreich bist, wie geht es denn mit der anderen Sache vorwärts?«

«Nur langsam«, erwiderte ich.»Aber ich weiß eine Menge mehr als letzte Woche, drum gebe ich die Hoffnung noch nicht

auf. Du hast nichts Brauchbares gehört?«Er schüttelte den Kopf.

«Keinen Ton. Du gibst es also nicht auf?«

«Nein.«

«Na, dann recht viel Glück«, grinste Sandy.

Ein Mann von der Rennleitung steckte den Kopf zur Tür herein.»Jockeys an den Start, bitte«, sagte er. Es war Zeit fürs erste Rennen.

Sandy setzte seinen Helm auf und knotete die Bänder fest. Dann nahm er die beiden falschen vorderen Schneidezähne heraus, wickelte sie in ein Taschentuch und steckte sie in die Manteltasche. Wie die meisten Jockeys ritt er nie mit falschen Zähnen, aus Angst, sie zu verlieren oder bei einem Sturz gar zu verschlucken. Er grinste mich noch einmal an, hob salutierend die Hand und sauste in den Regen hinaus.

Eine Stunde später, als ich hinausging, um >Palindrome< zu reiten, regnete es immer noch. Pete erwartete mich am Sattelplatz.

«Ist das nicht ein scheußlicher Tag«, meinte er.»Ich bin bloß froh, daß ich ihn nicht mehr reiten muß. Hoffentlich kannst du gut schwimmen.«

«Wieso?«fragte ich verständnislos.

«Dann weißt du wenigstens, wie man die Augen unter Wasser offenhält. «Ich glaubte zuerst an einen Witz, aber er meinte es ernst. Er deutete auf die Schutzbrille, die ich um den Hals hängen hatte.»Die brauchst du jetzt nicht. Die Hufe schleudern soviel Dreck hoch, daß du schon nach den ersten hundert Metern nichts mehr sehen könntest.«

«Dann laß ich sie unten.«

«Nimm sie ab. Sie hindert dich nur«, meinte er.

Ich nahm sie also ab, und als ich den Kopf wandte, um das elastische Gummiband über den Helm zu ziehen, bemerkte ich einen Mann, der am Sattelplatz entlangging. Infolge des Regens waren nur wenige Leute hier, so daß ich ihn genau sehen konnte.

Es war Bert, der auf der Straße nach Maidenhead das Pferd hin und her geführt hatte. Einer von den Marconicar-Fahrern.

Er sah nicht zu mir herüber, aber sein Anblick war mir so unangenehm wie ein elektrischer Schock. Was hatte er hier zu suchen?

Es konnte sein, daß er die hundertvierzig Meilen zurückgelegt hatte, nur, um sich bei Regen Pferderennen anzusehen. Es konnte aber auch nicht sein.

Ich starrte >Palindrome< an, der langsam um den Sattelplatz herumgeführt wurde.

Ein todsicherer Tip.

Ich schauderte. >Palindrome<, der todsichere Tip. Irgendwo auf der Rennbahn erwartete mich ein gespannter Draht. Ich war davon überzeugt, ohne es logisch begründen zu können.

Ein Zurück gab es aber nicht mehr. >Palindrome< war hoher Favorit und offensichtlich bei bester Gesundheit; er lahmte nicht, hatte keine geplatzten Blutgefäße, nichts, was in letzter Minute ein Zurücktreten erlaubt hätte. Und wenn ich nicht reiten konnte, mußte eben ein anderer Jockey einspringen. Ich konnte nicht einen Fremden hinausschicken.