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Sie öffnete sich, und eine Krankenschwester kam herein. Sie sah mich freudig überrascht an und lächelte. Sie hatte schöne Zähne.

«Na endlich«, sagte sie.»Da wären wir ja wieder. Wie fühlen Sie sich denn?«

«Gut«, krächzte ich. Es stimmte nicht.

«Ganz bestimmt?«fragte sie und fühlte meinen Puls.

«Nein«, erwiderte ich wahrheitsgemäß.

«Ich sag schnell Dr. Mitcham, daß Sie wach sind, er wird wohl gleich kommen. Geht es noch ein paar Minuten?«Sie schrieb etwas auf eine Tafel, die auf dem Tisch lag, lächelte mir freundlich zu und rauschte hinaus. Ich war also im Krankenhaus. Aber ich hatte noch immer keine Ahnung, was geschehen war.

Als Dr. Mitcham kam, wollte er das Geheimnis nur halb aufklären.

«Warum bin ich hier?«ächzte ich.

«Sie sind von einem Pferd gestürzt«, erwiderte er.

«Wer bin ich?«

Er sah mich nachdenklich an und klopfte mit dem Ende seines Bleistiftes gegen seine Zähne. Er war ein schlanker junger Mann mit dünnem, blondem Haar und klugen blauen Augen.

«Es wäre mir lieber, wenn Sie sich selber daran erinnern könnten. Ich bin davon überzeugt, daß das bald der Fall sein wird. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Zerbrechen Sie sich über nichts den Kopf. Entspannen Sie sich, dann wird Ihr Erinnerungsvermögen schon zurückkehren. Nicht mit einem Schlag, verstehen Sie, aber Sie werden sich schön langsam wieder an alles erinnern, bis auf den Sturz wahrscheinlich.«

«Was fehlt mir denn überhaupt?«fragte ich.

«Der Gedächtnisverlust ist auf eine Gehirnerschütterung zurückzuführen. Außerdem«, er maß mich von Kopf bis Fuß,»haben Sie ein gebrochenes Schlüsselbein, vier angebrochene Rippen und zahlreiche Prellungen.«

«Gott sei Dank nichts Ernstes«, krächzte ich.

Er sah mich entgeistert an und begann dann zu lachen.»Nein, nichts Ernstes. Ihr seid doch alle gleich. Einfach verrückt.«

«Was meinen Sie mit >ihr<«, fragte ich.

«Schon gut, Sie werden sich bald erinnern«, sagte er.»Schlafen Sie jetzt eine Weile, wenn Sie können, und sobald Sie wieder wach sind, wird Ihnen vieles klar sein.«

Ich befolgte seinen Rat, schloß die Augen und schlief ein. Ich träumte, daß ich irgendwo hoch oben war, auf den Boden hinabsah, mich immer weiter vorbeugte, bis ich stürzte.

«Ich bin von einem Baum heruntergefallen«, sagte ich.

Ich hörte einen Ausruf und öffnete die Augen. Am Fuß meines Bettes stand Dr. Mitcham.

«Von welchem Baum?«fragte er.

«Es war im Wald«, meinte ich.»Ich schlug mit dem Kopf auf, und als ich erwachte, kniete mein Vater neben mir.«

Wieder rief jemand etwas neben mir. Ich rollte den Kopf zur Seite. Dort saß er, braungebrannt, gesund, gutaussehend, trotz seiner sechsundvierzig Jahre noch ein junger Mann.

«Hallo«, sagte ich.

«Wissen Sie, wer das ist?«fragte Dr. Mitcham.

«Mein Vater.«

«Und wie heißen Sie?«

«Alan York«, sagte ich sofort, und mit einem Schlag kehrte mein Gedächtnis zurück. Ich konnte mich an alles erinnern, was bis zu dem Morgen, als ich zu den Rennen nach Bristol fuhr, geschehen war.

«Wie bist du denn hierhergekommen?«fragte ich meinen Vater.

«Geflogen. Mrs. Davidson rief mich an und erzählte mir, daß du gestürzt bist und im Krankenhaus liegst. Ich hielt es für besser, persönlich nach dem Rechten zu sehen.«

«Wie lange.«, begann ich zögernd.

«Wie lange Sie bewußtlos waren?«meinte Dr. Mitcham.»Jetzt haben wir Sonntag vormittag. Zweieinhalb Tage also. Nicht übel, wenn man sich überlegt, wie es Sie erwischt hat. Ich habe Ihren Sturzhelm aufgehoben, damit Sie ihn sich ansehen können. «Er öffnete einen Schrank und nahm den Helm heraus, der mir unzweifelhaft das Leben gerettet hatte. Er war beinahe in zwei Stücke zerteilt worden.

«Ich brauche einen neuen«, sagte ich.

«Verrückt. Ihr seid alle völlig verrückt«, erklärte Dr. Mitcham. Diesmal wußte ich, was er meinte.

«Morgen stehe ich auf«, sagte ich.»Ich habe mich schon ein paarmal verletzt, und auch mein Schlüsselbein war schon gebrochen. Es dauert nicht lange.«

«Sie stehen morgen keinesfalls auf«, mahnte Dr. Mitcham.»Sie bleiben mindestens noch eine Woche im Bett, damit die Gehirnerschütterung abklingt.«

«Ich kann nicht eine Woche im Bett bleiben«, protestierte ich.»Wenn ich erst so spät aufstehe, habe ich überhaupt keine Kraft mehr, und ich muß doch >Admiral< in Liverpool reiten.«

«Wann wäre das?«fragte Dr. Mitcham argwöhnisch.

«Am 24. März.«

Es blieb kurze Zeit still, während sie nachrechneten.

«Das ist ja schon am Donnerstag in acht Tagen«, meinte mein Vater.

«Das können Sie sich gleich aus dem Kopf schlagen«, sagte Dr. Mitcham streng.

«Versprich es mir«, sagte mein Vater.

Ich öffnete die Augen und sah ihn an. Als ich die Besorgnis in seinem Gesicht bemerkte, erkannte ich zum erstenmal in meinem Leben, wieviel ich ihm bedeutete.

«Ich verspreche es«, sagte ich.»Ich reite diesen Monat nicht in Liverpool. Aber später mache ich weiter.«

«Gut, einverstanden. «Er lächelte erleichtert und stand auf.»Ich komme am Nachmittag wieder.«

«Wo wohnst du denn? Wo sind wir jetzt?«fragte ich.

«Das ist das Stadtkrankenhaus Bristol, und ich wohne bei

«Hat es mich beim Rennen in Bristol erwischt? Mit >Palindrome<?«erkundigte ich mich.

Mein Vater nickte.

«Wie geht es ihm? Ist er verletzt?«

«Nein«, sagte er.»Er steht wieder bei Gregory im Stall. Niemand beobachtete, wie oder warum er stürzte, weil es so stark regnete. Gregory sagte, du hättest eine Vorahnung gehabt, daß du stürzen könntest, und er bat mich, dir auszurichten, daß er getan hätte, was du von ihm verlangt hast.«

«Ich kann mich an nichts erinnern, und ich weiß auch nicht, was ich von ihm wollte«, seufzte ich.»Das ist ausgesprochen unangenehm.«

Dr. Mitcham und mein Vater gingen. Ich zerbrach mir den Kopf über meine Gedächtnislücke. Der Rest des Tages verging langsam und mühselig. Ich war schon öfter von Pferden getreten worden, aber nie an so vielen Stellen zugleich.

Am späten Abend wurde mein Kopfschmerz ärger, und ich träumte von gräßlichen Dingen. Schweißüberströmt erwachte ich immer wieder, bewegte Zehen und Finger, aus Angst, sie könnten fehlen. Aber kaum sank ich erleichtert in Schlaf, als der Alptraum wiederkehrte.

Auf diese Weise verbrachte ich eine so schlechte Nacht, daß ich Dr. Mitcham am nächsten Morgen bat, mir zu beweisen, daß meine Hände und Füße noch vorhanden waren. Wortlos schlug er die Bettdecke zurück, packte fest meine Füße und hob sie hoch, damit ich sie sehen konnte. Ich starrte meine Hände an und verschränkte die Fingerspitzen. Kaum verstand ich selber, daß ich mich grundlos so geängstigt hatte.

«Sie brauchen gar nicht verlegen zu sein«, meinte Mitcham.»Wenn man so lange bewußtlos war, funktioniert das Gehirn eben nicht gleich richtig. Ich versichere Ihnen, daß wir Ihnen

nichts verschwiegen haben. Sie hatten weder innere Verletzungen noch mußten wir irgend etwas amputieren. In drei Wochen sind Sie wieder so gut wie neu. Nur mit einer Narbe im Gesicht müssen Sie sich abfinden. Wir haben eine Platzwunde über Ihrem linken Backenknochen nähen müssen.«

Da ich schon vorher nicht gerade eine Schönheit gewesen war, störte mich diese Neuigkeit nicht weiter. Ich dankte ihm für seine Geduld, und er deckte mich wieder zu. Plötzlich lächelte er vertrackt und sagte:»Gestern haben Sie mir erzählt, daß Ihnen nichts Ernstes fehlte, und daß Sie heute aufstehen würden, wenn ich mich recht entsinne.«-»Der Teufel soll Sie holen«, sagte ich schwach.»Dann stehe ich eben morgen auf.«

Schließlich wurde es Donnerstag, bevor ich auf die Füße kam, und am Samstagmorgen trat ich den Heimweg in mäßigerer Verfassung an, als ich zugeben wollte, aber ich war trotzdem guter Stimmung. Mein Vater, der erst zu Beginn der nächsten Woche abreisen wollte, holte mich ab.