Выбрать главу

Ich nahm das zweite Kärtchen und las:»>Sackbut<. 10. Oktober. Fünf Pfund bei sechs zu eins gesetzt. «Ich schlug diesen Tag im Almanach auf.»>Sackbut< war in Newbury unplaciert, und Joe Nantwich ritt ihn. Die beste Quote der anderen Buchmacher war fünf zu eins, die Anfangsquote sieben zu zwei.«

Ich nahm die dritte Karte vom Tisch.»>Malabar<. 2. Dezember. Acht Pfund bei fünfzehn zu acht gesetzt. «Ich blätterte nach.

«>Malabar< wurde in Burmingham Vierter. Joe Nantwich ritt ihn. Die Startquote belief sich auf sechs zu vier.«

Lodge und mein Vater verglichen die Angaben im Buch mit dem Wettschein.

«Ich habe mir auch alle anderen Scheine angesehen«, sagte ich.»Selbstverständlich verloren alle Pferde, sonst hätte Bill ja die Scheine nicht mehr besessen. Aber nur bei einem davon bekam er eine unerwartet gute Quote. Joe ritt das Pferd nicht, und ich halte dieses Beispiel auch nicht für bedeutsam, weil es sich um einen Außenseiter mit einer Quote von hundert zu sechs handelte.«

«Reichlich kompliziert, dieses Wettsystem«, beschwerte sich Lodge.

«Haben Sie noch nie von dem fanatischen Spieler gehört, der seinem kleinen Sohn das Zählen beibrachte? Eins, sechs-zu-vier, zwei.«

Lodge lachte.»Ich muß diese Zahlen auf den Perth-Wettscheinen neben die Angaben im Almanach schreiben, um das Ganze richtig zu begreifen«, meinte er, holte seinen Füllfederhalter heraus und machte sich an die Arbeit.

Mein Vater setzte sich neben ihn und sah ihm zu. Ich ging zur Fensterbank und wartete.

Nach geraumer Zeit sagte Lodge:»Ich kann verstehen, warum Sie Ihrem Vater auch in dieser Beziehung fehlen.«

Ich lächelte.

«Was mich betrifft, so brauchst du uns jetzt nur noch zu sagen, wer das Ganze organisiert«, sagte mein Vater.

«Das kann ich leider nicht, Pa«, erwiderte ich.

«Kann es jemand sein, den Sie von der Rennbahn her kennen?«fragte Lodge.»Der Betreffende muß doch mit dem Rennsport zu tun haben. Wie steht es mit Perth, dem Buchmacher?«

«Möglich. Ich kenne ihn nicht. Selbstverständlich heißt er in Wirklichkeit gar nicht Perth. Der Name ist mit der Firma verkauft worden. Wenn ich wieder starte, werde ich bei ihm wetten, dann sehe ich schon weiter«, sagte ich.

«Das kommt überhaupt nicht in Frage«, erklärte mein Vater nachdrücklich.

«Und ein Jockey oder ein Trainer oder ein Rennstallbesitzer?«erkundigte sich Lodge.

«Da müssen Sie schon noch die Rennleitung und das Sportkomitee dazunehmen«, erwiderte ich ironisch.»Diese Leute erfuhren als erste, daß ich den Draht entdeckt hatte. Der Mann, hinter dem wir her sind, wußte schon sehr bald, daß ich neugierig war. Und dabei hatte ich noch nicht mit vielen Personen gesprochen.«

«Leute, die Sie kennen.«, meinte Lodge nachdenklich.»Gregory?«

«Nein«, sagte ich.

«Warum nicht? Er wohnt in der Nähe von Brighton, also könnte er derjenige sein, der täglich bei den Marconicars anruft.«

«Er wäre nie das Risiko eingegangen, Bill oder >Admiral< eine Verletzung zuzufügen«, entgegnete ich.

«Ich weiß genau, daß Pete nichts damit zu tun hat«, sagte ich hartnäckig.

«Blinder Glaube oder Beweise?«stieß Lodge nach.

«Einfach Zutrauen«, gab ich zurück.

«Jockeys?«meinte Lodge.

«Mir scheint keiner der richtige Typ zu sein«, antwortete ich,»und Sie übersehen wohl auch die Tatsache, daß Pferderennen auf dem Programm erst an zweiter Stelle standen und man sich wahrscheinlich nur deshalb damit befaßte, weil eben zufällig eine wenig einträgliche Buchmacherfirma im Stockwerk über den Marconicars bereits existierte. Ich meine, das alleine mag den Chef der Marconicars bewegen haben, sich mit Rennbetrügereien abzugeben.«

«Vielleicht haben Sie recht«, gestand mir Lodge zu.

«Es wäre doch möglich, daß der Mann, dem die Marconicars ursprünglich gehörten, auf ungesetzliche Unternehmungen hinauswollte und also einen Verkauf fingierte, um seine Spuren zu verwischen«, meinte mein Vater.

«Sie tippen also auf Clifford Tudor?«fragte Lodge interessiert. Mein Vater nickte, und Lodge sagte zu mir:»Was ist Ihre Meinung dazu?«

«Tudor taucht überall auf«, sagte ich.»Er kannte Bill, und Bill hatte sich seine Adresse notiert. «Ich steckte meine Hand in die Jackettasche. Der Umschlag war noch da. Ich zog ihn heraus und starrte ihn an.»Tudor erzählte mir, daß er Bill gebeten hätte, eines seiner Pferde zu reiten.«

«Wann war das?«fragte Lodge.

«Ich nahm ihn vier Tage nach Bills Tod von Plumpton nach Brighton mit.«

«Sonst noch etwas?«fragte Lodge.

«Tudors Pferde wurden bis vor kurzer Zeit von Joe Nantwich

geritten. Joe gewann einmal auf Tudors Pferd >Bolingbroke<, als man ihn angewiesen hatte, zu verlieren. Aber in Cheltenham würgte er eines von Tudors Pferden ab, und Tudor war sehr aufgebracht.«

«Schauspielerei«, sagte mein Vater.

«Ich glaube nicht, daß Tudor der Mann ist, den wir suchen«, erwiderte ich.

«Warum nicht?«fragte Lodge.»Er hat Talent für Organisation, er wohnt in Brighton, ihm gehörte einmal die Taxifirma, Joe Nantwich reitet für ihn, und außerdem kannte er Major Davidson. Bis jetzt scheint doch alles auf ihn zu deuten.«

«Nein«, sagte ich müde.»Mir scheint die beste Spur doch bei den Taxis zu liegen. Wenn ich nicht erkannt hätte, daß die Männer im Pferdetransportwagen Taxichauffeure waren, könnte ich mir heute noch keinen Vers drauf machen. Wer immer sie mir auf den Hals gehetzt hat, kann nicht geahnt haben, daß sie mir bekannt waren, sonst hätte er das nicht riskiert. Aber wenn es eine Person gibt, die weiß, daß ich sie erkennen würde, dann ist es Clifford Tudor. Er stand in meiner Nähe, als die Taxichauffeure sich eine Schlägerei lieferten, und er wußte, daß ich Zeit gehabt hatte, sie mir genau anzusehen.«

«Ich streiche ihn deshalb noch nicht ab«, erklärte Lodge, sammelte seine Papiere ein und verstaute sie in seiner Mappe.»Verbrecher machen oft die dümmsten Fehler.«

«Wenn wir jemals Ihren Claude Thiveridge finden, wird es ganz bestimmt jemand sein, den ich gar nicht kenne. Ein völlig Fremder. Das ist viel wahrscheinlicher.«

Ich wollte es gerne glauben. Ich mochte mich nicht einer anderen Möglichkeit stellen, vor der ich bisher zurückgeschreckt war und die ich nicht einmal Lodge unterbreiten wollte.

Wer, außer Tudor, wußte vor dem Abenteuer mit dem Transportwagen, daß ich Bills Tod aufklären wollte? Kate. Und wem hatte sie es weitererzählt?

Scilla kam ins Wohnzimmer. Sie trug eine Kupferschale, die mit Forsythien und Narzissen gefüllt war. Sie stellte sie auf den kleinen Tisch neben mir, warf mir einen Blick zu und wandte sich dann an die anderen.»Alan sieht sehr müde aus«, sagte sie.»Was habt ihr mit ihm gemacht?«

«Wir haben uns nur unterhalten«, meinte ich lächelnd.

«Du wirst gleich wieder im Krankenhaus liegen, wenn du nicht vorsichtig bist«, mahnte sie und bot dann Lodge und meinem Vater Kaffee an. Ich war froh um diese Störung, weil ich mit den beiden nicht diskutieren wollte, was jetzt zu unternehmen war, um Mr. Claude Thiveridge ein Bein zu stellen.

Ich mußte näher an Thiveridge herankommen. Er würde wieder zuschlagen und mir dadurch den Weg zu ihm erhellen, wie das Aufblitzen des Mündungsfeuers im Dunkeln das Versteck eines Heckenschützen verrät.

Kapitel 14

Joe Nantwich stieß vor mir auf den Heckenschützen.

Acht Tage nach Lodges Besuch fuhr ich nach West-Sussex zu den Rennen, nachdem ich den Vormittag im Büro zugebracht hatte. Die blauen Flecken waren verschwunden; Rippen und Schlüsselbein zeigten sich verheilt, und sogar die Kopfschmerzen hatten nachgelassen. Fröhlich vor mich hin pfeifend, betrat ich den Umkleideraum und wies Clem meinen nagelneuen Sturzhelm vor, den ich mir am selben Morgen bei Bates in der Jermyn Street für drei Guineas gekauft hatte.