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Mit diesem unangenehmen Gedanken beschäftigt, erreichte ich eine Nebenstraße. Ich ritt auf ihr entlang und suchte nach einer Öffnung in der wildwuchernden Hecke auf der anderen Seite, als ein Auto um die Kurve kam und bergauf mir entgegenraste. Ohne >Admiral< Zeit zum Überlegen zu geben, drehte ich ihn zur Hecke und stieß ihm die Fersen in die Rippen.

Die Hecke war zu hoch für ihn, und der Sprung kam zu unerwartet, aber er gab sein Bestes. Er sprang mitten hinein in das Durcheinander aus durchhängenden Drähten und Buchenästen, stapfte schwerfällig hindurch und erreichte den etwas höher gelegenen Grund des nächsten Feldes. Es war gepflügt und mit Mangold bepflanzt. Wir kamen nur langsam vorwärts, aber ich trieb ihn immer wieder an, weil hinter mir das Quietschen von Bremsen ertönte. Ein Blick über die Schulter zeigte mir, daß der Fahrer sich durch das von >Admiral< geschaffene Loch zwängte, aber keinen Versuch machte, mich zu verfolgen. Erleichtert sah ich, daß es nicht der Mann mit der Waffe war.

Immerhin hatte er ja sein Funkgerät. Binnen einer Minute wußte man in allen Marconicars, wo ich mich befand.

Ich brachte noch ein Feld zwischen mich und das Taxi, bevor ich abstieg, um nachzusehen, ob sich >Admiral< verletzt hatte. Zu meiner Erleichterung fand ich nur ein paar Kratzer und eine Rißwunde am Kniegelenk, aus der es leicht blutete.

Ich tätschelte ihm den Hals und sprang wieder auf seinen

Rücken. In der Decke war jetzt ein gewaltiger Riß, aber ich beschloß, sie nicht abzunehmen, weil ich mit den Füßen doch mehr Halt hatte.

Drei oder vier Grundstücke später begann mit Farn bewachsener Boden, und vor mir lagen die großen Einfriedungen des Forstamtes.

Die Bäume, überwiegend Nadelholz, waren in großen, säuberlich abgeteilten Flächen gepflanzt, zwischen denen breite Wege verliefen, die sowohl den Forstbeamten als Straßen dienten als auch bei Waldbränden als Breschen. Sie waren in Abständen von etwa je einer halben Meile angelegt.

Ich wollte nach Südosten reiten, stellte aber nach einem Blick auf die Sonne fest, daß die Waldwege fast genau nordsüdlich und ostwestlich verliefen. Das würde mich viel Zeit kosten. Ich lenkte >Admiral< nach Osten, schlug bei der nächsten Kreuzung die südliche Richtung ein, nahm dann die nächste Abzweigung links nach Osten und so weiter, im Krebsgang durch den Wald.

Die Baumpflanzungen waren verschieden alt und verschieden groß, und als ich wieder die südliche Richtung einschlug, fand ich zu meiner Linken Bäume, die nur sechzig Zentimeter hoch waren. Das regte mich nicht weiter auf, bis ich etwa hundert Meter links von mir einen Omnibus sah, der anscheinend mitten durch die Pflanzung fuhr.

Ich brachte >Admiral< zum Stehen. Wenn man genau hinsah, erkannte man die Pfosten und den hohen Drahtzaun, der die kleinen Bäume von der Straße abgrenzte. Wenn ich mich bei der nächsten Lichtung nach Osten wandte, würde ich genau auf die Straße stoßen.

Jenseits der Straße sah es so aus wie hier: regelmäßige Reihen von Nadelbäumen, planmäßig angepflanzt.

Ich wußte, daß ich irgendwo irgendeine Straße überqueren mußte. Wenn ich in den Teil des Waldes zurückkehrte, den ich jetzt durchritten hatte, mußte ich die ganze Nacht dort bleiben.

Trotzdem wäre mir etwas mehr Deckung lieb gewesen, dachte ich, als ich den südlichen Weg entlangritt und in die nach Osten verlaufende Lichtung einbog.

Die Drahtgatter zur Straße hin standen offen, aber ich hielt an und betrachtete zuerst die andere Seite der Straße. Nicht alle Pflanzungen waren von hohem Gitterdraht umgeben, und auf der anderen Seite bestand der Zaun aus Betonpfosten, durch die drei einfache Drähte liefen.

Aus den vorbeifahrenden Wagen starrten mich die Leute neugierig an. Aber nirgends tauchte ein Marconicar auf, und eine Lücke im Verkehr ausnützend, trieb ich >Admiral< auf den Drahtzaun zu. Seine Hufe klapperten laut auf der Teerdecke, dröhnten auf dem Bankett, und dann erhob er sich in die Luft wie ein Vogel. Vor uns tat sich kein Weg auf; es gab nur ziemlich vereinzelt stehende hohe Fichten, und als >Admiral< aufgekommen war, zugehe ich ihn zu sanftem Trab, bevor wir zwischen den Bäumen weiterritten.

Als wir einen Weg erreichten, überprüfte ich anhand meiner Uhr und der Sonne, daß er von Osten nach Westen verlief, was zutraf, und galoppierte auf ihm dahin. Der Boden war trocken und federnd; >Admiral< schien nicht müde zu werden.

Wir bogen wieder zweimal ab, und der Himmel begann sich zu bewölken. Ich mußte vorsichtig sein. Wenn die Sonne nicht scheint, kann man eine Armbanduhr nicht als Kompaß benützen.

Gerade vor mir, etwas zu meiner Rechten, erhob sich ein kleiner, grasbewachsener Hügel. Ich hatte die größeren Bäume hinter mir gelassen und ritt in leichtem Galopp durch Jungwald; die Fichten waren kaum höher als ich und >Admiral< zusammen, und ich konnte den Hügel ganz deutlich sehen. Ein Mann, der sich aus dieser Entfernung nur als Silhouette zeigte, stand auf dem Hügel und winkte mit den Armen.

Ich brachte ihn mit mir überhaupt nicht in Verbindung, weil ich glaubte, meinen Verfolgern entkommen zu sein.

Aus einem Weg zu meiner Rechten, den ich noch nicht erreicht hatte, rollte ein großer, schwarzer Wagen heraus und blockierte meinen Pfad. Es war der Wolseley.

Die jungen Fichten zu beiden Seiten standen so dicht, daß man nicht hindurch konnte. Ich warf einen Blick über die Schulter zurück. Ein gedrungener, schwarzer Marconicar holperte hinter mir her.

Ich war dem Wolseley so nahe, daß ich einen der Männer mit hämischem Grinsen aus dem Fenster blicken sah, und ich beschloß, nicht aufzugeben, selbst wenn wir uns den Hals brechen würden, >Admiral< und ich.

Es gab kaum ein Stocken zwischen der Ankunft des Wolseley und meinem Entschluß. Ich preßte >Admiral< die Beine in die Seiten.

Ich durfte nicht damit rechnen, daß er es schaffte. Für jedes Pferd gibt es eine Grenze. >Admiral< hatte schon einen schweren Tag hinter sich. Sicher war er der beste Hindernisspringer in England, aber., die Gedanken zuckten in Sekundenbruchteilen durch mein Gehirn. Dann konzentrierte ich mich verzweifelt auf den Sprung.

> Admiral < zögerte kaum. Er machte einen kurzen und einen langen Schritt, setzte an und sprang ab. Unberührt von den sich öffnenden Türen und den Drohrufen der Männer, die aus dem Wolseley stiegen, setzte er über den Wagen hinweg. Er verkratzte nicht einmal den Lack.

Beim Aufsprung fiel ich um ein Haar hinunter. >Admiral< stolperte, und ich rutschte von der Decke; nur mit Mühe konnte ich mich an seiner Mähne festhalten. Die Zügel schleiften auf dem Boden, und ich mußte befürchten, daß sich seine Füße darin verfangen würden. Zentimeter um Zentimeter stemmte ich mich wieder nach oben. Ich beugte mich nach vorn, holte die Zügel herauf, und schaffte es schließlich, >Admiral< zu einer etwas langsameren Gangart zu bewegen. Als ich mich wieder gefangen hatte, sah ich mich um, aber der Wolseley war so weit zurück, daß ich nicht entscheiden konnte, ob er mir folgte oder nicht.

Ich erkannte, daß ich die Marconicars unterschätzt hatte, und nur dank >Admirals< Mut noch frei war. Sie operierten mit dem Vorteil, die Gegend hier gut zu kennen, und hatten den Hügel als Beobachtungsstand benützt.

Wahrscheinlich hatten sie herausgefunden, daß ich zu Petes Gestüt wollte.

Wenn ich weiterritt, würden sie sicher wieder vor mir auftauchen. Ich hatte den Hügel hinter mir gelassen und wandte mich bei der nächsten Lichtung nach rechts, weil in einiger Entfernung wieder höhere Bäume wuchsen. >Admiral< war unermüdlich, aber ewig konnte er das auch nicht durchhalten. Ich mußte so schnell wie möglich ein Versteck erreichen. Ich versprach >Admiral<, ihm ein bißchen Ruhe zu gönnen, sobald wir die hohen Bäume erreicht hatten.