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»Es wird so lange dauern, wie wir es wollen«, entgegnete David. »Wir müssen niemals von hier weg, wenn wir nicht wollen. Vermißt du irgend etwas von Golgatha?«

»Höchstens die Arena«, sagte Kit. »Das Toben der Menge, der Geruch von frischem Blut auf dem Sand. Das Krachen von Stahl auf Stahl und die Freude im Herzen, wenn deine Feinde von deiner eigenen Hand sterben. Die Verlockung, seine Fähigkeiten auf die einzige Weise auf die Probe zu stellen, die wirklich zählt: im Kampf auf Leben und Tod.«

»Sie mochten uns nie«, entgegnete David. »Ich meine die Menge. Ihnen gefiel die Vorstellung nicht, daß wir nur zu unserem eigenen Vergnügen kämpfen könnten, statt zu ihrem. Außerdem haben wir in der Arena alles erreicht, was wir erreichen konnten.«

»Das stimmt nicht ganz«, widersprach Kit. »Ich hatte niemals eine Gelegenheit, dem Maskierten Gladiator gegenüberzutreten.«

»Leg es unter ›unerledigte Arbeiten‹ ab«, empfahl ihm David.

»Ich hätte ihn schlagen können.«

»Sicher. Wahrscheinlich hättest du ihn schlagen können.

Wenn seine Manager dich in seine Nähe gelassen hätten, was ich sehr bezweifle. Es muß eine Menge Geld damit zu verdienen sein, ganz zu schweigen von der Ehre, der unbesiegte Champion der Arena von Golgatha zu sein. Am Schluß wurde der Maskierte Gladiator äußerst vorsichtig, was die Wahl seiner Gegner anbelangte.«

Kit zuckte die Schultern. David hoffte, er würde das Thema auf sich beruhen lassen. Er hatte es Kit gegenüber nie zugegeben; aber er war froh gewesen, als sie der Arena schließlich den Rücken zugekehrt hatten. David hatte nicht gefallen, was die Arena aus ihm machte. Er war stets ein guter Kämpfer und stolz darauf gewesen; doch dort draußen auf dem blutigen Sand und vor der tobenden Menge, da hatte er ein dunkles Vergnügen und eine Freude am Akt des Mordens gefunden, die ihn zutiefst beunruhigte. Es paßte überhaupt nicht ins Bild, das er immer von sich gehabt hatte, paßte nicht zu dem Mann, der er sein wollte, und es jagte ihm eine Heidenangst ein. Sosehr er Kit auch mochte, er wollte auf gar keinen Fall ein zweiter Kid Death werden. Und so war er bei der ersten sich bietenden Gelegenheit nach Virimonde aufgebrochen, um wieder ein anderer Mensch zu werden, jemand, der sich an kleinen Vergnügen und einem friedlichen Leben erfreuen konnte. Und vielleicht fand ja auch Kid Death hier seinen Frieden, weit entfernt von den dunklen Trieben, die ihn beherrschten.

»Ich bin dir dankbar, daß du mich hierher mitgenommen hast«, sagte Kit unvermittelt. »Dafür, daß du mein Freund bist.

Ich weiß, daß das nicht leicht ist. Ich weiß einen Freund manchmal nicht zu schätzen. Ich glaube, mir fehlt einfach die Erfahrung. Solange ich mich erinnern kann, war ich immer nur allein, und ich kannte nichts anderes als Töten. Niemand mochte mich, niemand hat mir je vertraut, selbst dann nicht, wenn sie mich benutzten, um sich das zu holen, was sie anders nicht bekommen hätten. Ich hatte vor dir noch nie einen Freund, David. Ich habe niemals wirklich gelebt, bevor du mich nicht gelehrt hast, was Leben eigentlich heißt.«

David streckte die Hand aus und schlug Kit auf die Schulter; dann drückte er sie beruhigend. »Der Tag ist viel zu schön für so finstere Gedanken, Kit! Vergiß doch die Vergangenheit.

Niemand hier schert sich um das, was du früher warst, und niemand aus der Vergangenheit kann uns hier behelligen. Wir sind frei, uns selbst zu finden. Wir können alles sein , was wir wollen. Los , komm, wir fliegen zurück zur Festung. Der Verlierer zahlt die ganze Nacht die Drinks!«

»Du hast schon verloren!« rief Kit und gab Gas. Sein Schlitten schoß vor und wurde rasch schneller. David schrie in gespielter Empörung auf und jagte hinter seinem Freund her.

Gemeinsam verschwanden sie in der Ferne, und ihr Lachen klang klar und fröhlich und unbekümmert durch den stillen Sommertag.

Sie stellten ihre Schlitten in den dunklen Höhlen unter der Todtsteltzer-Festung ab und gingen nach oben in das große alte Haus, wobei sie sich freundlich darüber stritten, wer denn nun das Rennen gewonnen habe. Wie stets war das Ergebnis so eng, daß sie sich schließlich auf ein Unentschieden einigten.

Keiner von beiden war wirklich darauf erpicht, gegen den Freund zu gewinnen, und das war für beide eine ganz neue Erfahrung. Sie stapften durch die weitläufigen Korridore und Hallen bis zum großen Bankettsaal, und David blickte sich voller Stolz in seiner Festung um. Sie war seit vielen Generationen der Sitz des Todtsteltzer-Clans, und sie hatte schon auf vielen Planeten gestanden . Owen hatte das riesige Gebäude Stein für Stein abtragen und nach Virimonde schaffen lassen, gleich nachdem er die Lordschaft über den Planeten erworben hatte . Es war Familientradition, daß jeder neue Kopf des Clans seinen Regierungssitz auf einen anderen Planeten verlegte; doch David kümmerte das nicht. Virimonde gefiel ihm ganz ausgezeichnet, und es machte ihm Freude, gegen die Familientradition zu verstoßen, selbst wenn es nur mit einer so unbedeutenden Nebensächlichkeit war. Er wollte nicht einfach nur ein weiterer Todtsteltzer sein.

David hatte viel Zeit damit verbracht, sämtliche Spuren Owens aus der Festung zu entfernen. Er war jetzt der Lord, und er wollte auf keinen Fall, daß hier irgend etwas an seinen Vorgänger erinnerte. Also hatte er alles, was Owen gehört hatte, entweder aus dem Fenster geworfen oder verbrannt, und anschließend hatte er die zahlreichen Räume mit seinen eigenen Habseligkeiten gefüllt. Um ehrlich zu sein, wirkten seine Sie-bensachen in dem gewaltigen Haus ein wenig verloren und fehl am Platz neben all den Schätzen und Trophäen, die Generationen von Todtsteltzern zusammengetragen hatten; doch das hät-te David niemals gegenüber einem anderen Menschen zugeben – mit Ausnahme von Kit Sommer-Eiland vielleicht. Schließlich zählte im Grunde genommen nur eins: Die Festung und die Welt, auf der sie stand, gehörten jetzt ihm, und wenn er erst fertig war, würde sich kein Mensch mehr daran erinnern, daß es jemals einen anderen Lord von Virimonde gegeben hatte.

Sie hatten beinahe den Speisesaal erreicht, als der Steward David abfing. David warf einen Blick auf den dicken Stapel Papiere, die der Steward ihm entgegenstreckte, und stöhnte laut. Er haßte Papierkram, und er hatte sichergestellt, daß der Steward es wußte. Trotzdem bestand David darauf, die wirklich wichtigen Geschäfte selbst zu regeln. Der Steward mochte sich mit Alltagskram herumschlagen; aber er würde auf gar keinen Fall Entscheidungen treffen, die das rechtmäßige Privileg des Lords von Virimonde waren. David vertraute dem Steward nicht. Er hatte keinen Augenblick gezögert, sich gegen Owen zu wenden, als die Eiserne Hexe Davids Cousin verbannt hatte, und ein Mann, der einen Todtsteltzer verraten hatte, würde auch einen zweiten verraten.

Der Steward war eine langweilige Gestalt. Groß und dürr wie eine Bohnenstange, grauhaarig, in grauen Anzügen und mit einem grauen, leidenschaftslosen Gesicht. Seine Stimme war stets ein respektvolles Murmeln, und seine Augen waren immer ehrfürchtig auf den Boden gerichtet; doch David wurde das Gefühl nicht los, daß der Mann sich insgeheim über ihn lustig machte. Er schien sich für nichts anderes zu interessieren als für den laufenden Betrieb und die Verwaltung der Liegen-schaften mitsamt der kostbaren, niemals enden wollenden Bürokratie, und manchmal erweckte er den Eindruck, als betrachte er die Festung insgeheim als sein Eigentum und die verschiedenen Todtsteltzer nur als Besucher. Todtsteltzer mögen ja kommen und gehen, schien das Benehmen des Stewards auszudrücken, aber ich und meine Leute bleiben. Er knabberte ununterbrochen an kleinen Brotstückchen ohne Butter und Belag, und er knackte laut mit den Fingerknöcheln, wenn man ihn warten ließ. David verabscheute den Steward, doch er versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen. Er wußte, daß er die Festung ohne den Steward nicht leiten konnte .