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Beckett schnaufte verächtlich. »Vielleicht liegt das daran, daß Ihr ein mit Drogen vollgepumpter Degenerierter seid, der schon so weit hinüber ist, daß man eine Münze werfen muß, um herauszufinden, wo oben und wo unten ist.«

»Möglicherweise liegt es wirklich daran. Wollt Ihr vielleicht eine kleine Kleinigkeit ausprobieren , General?« erkundigte sich Valentin liebenswürdig.

»Auf gar keinen Fall«, antwortete Beckett. »Ich habe nicht das geringste Interesse, meinen Verstand mit Chemikalien zu benebeln, wenn wichtige Arbeit auf mich wartet.«

»Das ist aber eine sehr engstirnige Einstellung, mein lieber Beckett«, sagte Valentin leichthin und sog den köstlichen Duft seiner Rose ein, während er kurz an einem der Blütenblätter knabberte. »Ich habe oft die Erfahrung gemacht, daß die richtigen Substanzen in der richtigen Menge und Mischung die Gedanken eines Mannes positiv anregen und zu größerer Klarheit und besserem Verständnis führen können. Ich habe schon viele Einsichten gewonnen, während rings um mich herum alles in Dunkelheit zu verschwinden drohte. Wenn Ihr nur die Dinge sehen könntet, die ich schon gesehen habe, mein lieber General, und die zahllosen Wunder, die sich mir enthüllt haben! Ich reite auf meinem erweiterten Bewußtsein wie auf einem ungezügelten Pferd, und ich zertrample niedrigere Seelen unter meine Hufen. Allerdings stehe ich – für den Augenblick jedenfalls – völlig zu Euren Diensten. Ich sterbe fast vor Neugier, alles über Eure Mission hier über Virimonde zu erfahren.«

»Da müßt Ihr schon warten, bis die anderen sich ebenfalls endlich einzufinden geruhen«, erwiderte Beckett stumpf, ohne in die Falle zu tappen. »Die Befehle der Imperatorin waren recht deutlich.«

»Gott schütze unsere Imperatorin!« sagte Valentin. Er schlug ein langes, weiß gekleidetes Bein über das andere und ließ es leise vor- und zurückschwingen, und das Licht glänzte auf seinen spiegelglatt polierten Schuhen. Beckett kam der Gedanke, daß der Wolf aussah wie eine Federzeichnung. Ganz genau die Art von Figuren, die man in Benimmbüchern fand – wahrscheinlich mit dem Wort Ausschweifung darunter. Beckett bewunderte insgeheim die Ruhe des Wolfs, selbst wenn die Ursache dafür aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Pillen-schachtel zu suchen war. Mit dem Debakel auf Technos III und der völligen Zerstörung seiner Fabrik für den neuen Hyperraumantrieb hatte die Erfolgssträhne des Valentin Wolf einen ernsthaften Dämpfer erhalten. Einst war der Wolf-Clan eine der führenden Familien des Imperiums gewesen, und Valentin hatte einen festen Platz zur Rechten der Eisernen Hexe gehabt.

Heute war er bei Hofe gerade noch geduldet, und das auch nur, weil die anderen sich über ihn amüsieren konnten. Die Produktion des neuen Hyperraumantriebs war dem Clan Chojiro übertragen worden, der von Grund auf neu beginnen mußte. Das hatte der Löwenstein überhaupt nicht gefallen. Die Eiserne Hexe hätte den neuen Antrieb lieber gestern als heute in den Schiffen der Flotte installiert.

Die beiden für das Fiasko auf Technos III verantwortlichen Wolfs, Daniel und Stephanie, waren wie vom Erdboden verschwunden und hatten Valentin allein die Schuld untergescho-ben, die er mit einem Schulterzucken, einem Kopfschütteln und einem charmanten Lächeln auf sich genommen hatte. So etwas passierte halt.

Jeder andere wäre vielleicht ruiniert gewesen und in Ungnade gefallen, und wahrscheinlich hätte er sogar den Kopf verloren.

Doch Valentin Wolf war aus anderem Holz geschnitzt. Er hatte sämtliche finanziellen Verluste aus der eigenen Tasche ausge-glichen, ohne mit der Wimper zu zucken, seine verschwunde-nen Geschwister in aller Öffentlichkeit enterbt und mit einer Trumpfkarte zurückgeschlagen, von deren Existenz nur die wenigsten auch nur etwas geahnt hatten. Valentin besaß Zugang zu einer geheimen Quelle extrem fortschrittlicher Technologien, und nur das hatte ihn heute hierher geführt und ihm eine Chance eröffnet, sich in Löwensteins Augen zu rehabilitieren.

Valentin hatte niemandem verraten, daß seine geheime Quelle die abtrünnigen KIs von Shub waren, die offiziellen Feinde der Menschheit. Es hätte nur unnötige Aufregung verursacht.

Der Türsummer ertönte erneut, und die Tür öffnete sich auf Becketts Befehl hin. Es erschien der Hohe Lord Dram, Oberster Krieger des Imperiums und offizieller Gemahl der Imperatorin persönlich, auch genannt der Witwenmacher, wenn auch nur hinter seinem Rücken. Er war groß, geschmeidig, muskulös und gekleidet in das übliche Schwarz. Außerdem trug er wie immer eine Kampfrüstung. Dram verbeugte sich vor General Beckett und nickte Valentin einen knappen Gruß zu. Beckett erwiderte Drams Gruß. Der Wolf winkte jovial mit den langen weißen Fingern. Dram gab vor, es nicht gesehen zu haben, und machte es sich in dem am weitesten von Valentin Wolf entfernt stehenden Sessel mit lang ausgestreckten Beinen bequem.

Dram war auf eine wenig spektakuläre Art und Weise attraktiv, doch seine dunklen Augen und das ständige leichte Grinsen waren kalt wie ein Grab. Ebenso wie Valentin, so hatte Dram auch sich während der Reise nach Virimonde überwiegend abseits gehalten, war in seiner Kabine geblieben und hatte nur mit seinen eigenen Leuten geredet. Innerlich schürzte Beckett die Lippen. Wahrscheinlich hielt sich Dram für zu bedeutend, um sich mit den niedrigeren Ständen abzugeben. Nicht, daß Beckett sich darüber beschweren wollte. Das letzte, was ihm fehlte, war ein Prinzgemahl der Eisernen Hexe, der ihm ständig über die Schulter spähte und sich anschließend Notizen machte.

Dram hatte niemandem erzählt, daß er genaugenommen nicht der echte Witwenmacher war, sondern nur ein Klon des Originals, den man auf Befehl der Eisernen Hexe herangezogen hatte. Es hätte die Leute nur unnötig in Aufregung versetzt.

»Wie lange noch, bis die Operation beginnt, General?« wandte sich Dram gelassen an Beckett. »Man hat mich informiert, daß meine Leute voll ausgerüstet sind und auf den Einsatzbefehl warten.«

»Bald, Mylord«, erwiderte Beckett. »Sehr bald. Das hier ist unsere letzte Einsatzbesprechung . Wir warten nur noch auf das Eintreffen der letzten Hauptdarsteller.« Die Tür summte. »Ah, das werden sie sein. Herein!«

Die Tür glitt auf, und Kapitän Johan Schwejksam trat ein, zusammen mit Investigator Frost und dem Sicherheitsoffizier K.

Stelmach. Der Wolf und der Hohe Lord Dram setzten sich beim Anblick der drei ein wenig gerader in ihre Sessel. Die drei Offiziere der berühmten Unerschrocken waren jedem im Imperium ein Begriff, der einen Holoschirm besaß. Ihre bewegte Karriere war häufiger hoch- und runtergegangen als das Nachtgewand einer Braut. Sie waren so schnell von Helden zu Ausgestoßenen und wieder zu Helden geworden, daß einige Zuschauer vom Hinsehen schwindlig geworden waren. Ihr gegenwärtiger Status war nicht ganz klar. Auf der einen Seite war es ihnen nicht gelungen, ihren Auftrag zu erfüllen und den be-rüchtigten Verräter und Banditen Owen Todtsteltzer zu fangen – sie waren von seinen Rebellenverbündeten geschlagen und nach Hause getrieben worden –, und auf der anderen Seite hatten sie im Alleingang die Heimatwelt Golgatha vor dem Angriff eines geheimnisvollen, mächtigen feindlichen Schiffes gerettet. Laut den letzten Nachrichten waren die drei zusammen mit der Unerschrocken auf Strafpatrouille bei den Welten am Abgrund versetzt worden, bis die Eiserne Hexe geruhte, ihnen zu vergeben. Und jetzt befanden sie sich hier an Bord der Elegance, weit weg von ihrem berühmten Schiff. Beckett, Valentin und der Hohe Lord Dram verbeugten sich kurz in Richtung der Neuankömmlinge und musterten sie mit offener Neugier. Legenden in Fleisch und Blut bekam man schließlich nicht alle Tage zu sehen.

Schwejksam war ein großer schlanker Mann in den Vierzi-gern mit dünner werdendem Haar und einem kleinen Bauchan-satz . Auf einem Holoschirm mochte er nicht viel hermachen, doch aus der Nähe war seine Persönlichkeit überwältigend.