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Alle verbeugten sich mehr oder weniger respektvoll voreinander, lächelten sich mit leeren Gesichtern an und gingen wieder ihrer Wege. Dram kehrte zu seinen Truppen zurück, Valentin Wolf zu seinen Maschinen, und Schwejksam, Frost und Stelmach zu ihren Quartieren. Keiner der drei machte sich über ihren Teil der Operation Illusionen. Der Todtsteltzer und Kid Death waren als zwei der gefährlichsten Kämpfer im gesamten Imperium bekannt, und sie zu überraschen und zu überwältigen, würde alles andere als leicht werden – ganz zu schweigen von der Aufgabe, sie lebend zurückzubringen und vor Gericht zu stellen.

Andererseits hatten die drei einen Ruf entwickelt, das Un-mögliche möglich zu machen, und so hatte die Eiserne Hexe sie freiwillig zu dieser Aufgabe abkommandiert. Ihre Belohnung – sollten sie überleben – wäre die Rückkehr der Unerschrocken von den Welten am Rand und die Wiedergewinnung der Imperialen Gunst Ihrer Eisernen Majestät.

»Wäre nicht meine Besatzung, ich hätte der Eisernen Hexe glatt gesagt, daß sie sich zur Hölle scheren soll«, knurrte Schwejksam, ohne sich darum zu kümmern, ob der Sicherheitsoffizier mithörte oder nicht. »Ich hasse Selbstmordmissio-nen. Und soweit ich weiß, wurden weder der Todtsteltzer noch der Sommer-Eiland jemals im Kampf besiegt. Zur Hölle, sie haben sich in der Arena jedem gestellt, der es mit ihnen aufnehmen wollte, und am Ende war niemand mehr da!«

» Uns haben sie noch nie gegenübergestanden, Kapitän«, sagte Investigator Frost. »Wir können sie schaffen, Kapitän. Vorausgesetzt, wir finden sie, bevor die Invasion losgeht und alles in Aufruhr und Chaos versinkt.«

»Ich wünschte, ich könnte mich Eurer Zuversicht anschließen«, murmelte Stelmach. »Ich weiß ja noch nicht einmal, warum die Imperatorin wollte, daß ich mit Euch komme.«

»Ihr seid unser Maskottchen, Kühnhold«, erwiderte Schwejksam. »Haltet Euch im Hintergrund und bleibt aus der Schußlinie, und wir erledigen die Arbeit.«

»Mit Freuden«, sagte Stelmach. Er hoffte nur, daß die beiden seine Lüge nicht bemerkten. K. Stelmach wußte ganz genau, warum die Eiserne Hexe ihn nach Virimonde geschickt hatte.

Seit einiger Zeit waren an Schwejksam und Frost beinahe übermenschliche Fähigkeiten festzustellen gewesen. Sie waren schneller, stärker und um einiges intelligenter als früher . Seit ihrer Begegnung mit dem rätselhaften Bauwerk der Fremdwesen auf der verlorenen Welt Haden, das unter dem Namen Labyrinth des Wahnsinns bekannt war, hatten sie Kräfte und Fähigkeiten zur Schau gestellt, die ans Wunderbare grenzten. Und die Imperatorin hatte nicht die Absicht , potentiell abtrünnige Esper mit derartigen Fähigkeiten und Begabungen unbeauf-sichtigt herumlaufen zu lassen. Also war diese Mission mit ihren zahlreichen offensichtlichen und noch zahlreicheren verborgenen Gefahren ganz speziell für Schwejksam und Frost arrangiert worden, um ihre Kräfte zum Vorschein zu bringen.

Und Stelmach würde an Ort und Stelle sein, um alles zu beobachten und hinterher Bericht zu erstatten .

Er war durch einen heiligen Eid zum Schweigen verpflichtet worden, bei Androhung der Todesstrafe, und des zerriß ihn innerlich. Stelmach betrachtete Schwejksam und Frost als seine Freunde; doch er durfte keinen Befehl ablehnen, der direkt von der Herrscherin kam. Also hielt er den Mund, machte sich Sorgen, bis er Magenkrämpfe bekam und versuchte unablässig, einen Ausweg aus seiner prekären Lage zu finden, der nicht zu seinem Tod führte egal ob durch die Imperatorin oder durch seine Freunde Schwejksam und Frost. Falls sie wirklich geheimnisvolle Kräfte besaßen – und davon war Stelmach ganz und gar nicht überzeugt –, dann mußte es einen guten Grund dafür geben, warum sie nicht darüber sprachen. Stelmach hoffte nur, daß es etwas war, was er in seinem Bericht erwähnen konnte – falls sich überhaupt irgendwelche Kräfte zeigten. Und bis dahin zerbrach er sich weiter den Kopf und zuckte regelmäßig zusammen, wenn Frost oder Schwejksam ihn anredeten.

»Wie tief sind wir nur gesunken?« knurrte Schwejksam angewidert. »Bezahlte Meuchelmörder, bis auf den Namen. All dieser Unsinn, von wegen lebendig gefangennehmen, um die beiden vor Gericht zu stellen nichts als Vernebelungstaktik.

Die da oben wissen ganz genau, daß wir den Todtsteltzer und den Sommer-Eiland niemals besiegen können, ohne sie zu töten. Und ganz genau das erwarten sie auch von uns. Weil wir ihnen die Peinlichkeit ersparen sollen, zwei Lords und Oberhäupter ihrer Clans vor Gericht zu zerren.«

»Das ist die einzige Möglichkeit, wie wir unser Schiff vom Rand wegholen können«, entgegnete Frost. »Und wenn ich als Preis dafür zwei Fremde töten muß, dann habe ich damit kein Problem. Ich habe schon früher auf Befehl der Imperatorin getötet, sowohl Fremdwesen, als auch Menschen, und ich werde es ohne Zweifel wieder tun. Das gehört nun mal zu meinem Job.«

»Aber nicht zu meinem«, entgegnete Schwejksam tonlos.

»Ich bin nicht zur Hotte gegangen, um politische Gegner der Eisernen Hexe zu ermorden.«

»Dann wart Ihr allerdings bemerkenswert naiv, Kapitän, wenn ich das sagen darf«, sagte Frost. »Im Grunde genommen geht es nämlich immer nur genau darum. Wir kämpfen und töten diejenigen, die von der Eisernen Hexe zu Feinden des Imperiums erklärt worden sind.«

»Wir sollten besser die wirklichen Feinde bekämpfen«, sagte Schwejksam. »Der Todtsteltzer und der Sommer-Eiland sind nur zwei Kinder, die zuviel Freizeit haben. Wahrscheinlich hatten beide noch nie im Leben einen politischen Gedanken.

Die wirklichen Feinde des Imperiums stecken in der Untergrundbewegung. Die Rebellen. Owen Todtsteltzer und seine Freunde. Die Löwenstein nimmt sie nicht ernst genug. Ihr habt selbst gesehen, was auf der Wolflingswelt geschehen ist. Was aus Owen und seinen Leuten geworden ist. Ich für meinen Teil weiß nicht einmal, ob sie noch Menschen sind. Das ist die wirkliche Gefahr, und das ist der einzige Grund, warum ich das hier mache. Wir müssen unbedingt wieder in eine Position zu-rück, in der wir die Imperatorin vor der bevorstehenden Rebellion beschützen können. Die Eiserne Hexe braucht uns, ob sie das nun zugibt oder nicht.«

»Ihr scheint die Imperatorin nicht zu mögen«, stellte Stelmach fest.

»Zur Hölle, Kühnhold! Niemand mag die Imperatorin«, er-klärte Frost. »Sie ist bestenfalls eine gutgelaunte Psychopathin.

Aber sie ist die Imperatorin. Ich habe einen Eid geschworen, bei meinem Blut und meiner Ehre, daß ich ihr dienen und sie bis ans Ende meiner Tage schützen werde. Oder vielleicht nicht, Kapitän?«

»Genau«, stimmte ihr Schwejksam zu. »Vielleicht ist sie eine Psychopathin, aber sie ist immer noch unsere Psychopathin.

Unsere Imperatorin. Außerdem kann sie ja nicht ewig leben, und wenn sie mal nicht mehr ist, dann gibt es das Imperium immer noch, wenn wir unsere Arbeit richtig gemacht haben. Im Endeffekt gilt unsere Loyalität nämlich dem Thron, stimmt’s?

Ganz gleich, wer gerade zufällig darauf sitzt. Wir schützen das Imperium, mitsamt all seinen Fehlern, weil die Alternativen noch schlechter sind. Ohne die zentrale Kontrolle durch die Heimatwelt, die alles am Laufen hält, würde alles ganz schnell auseinanderfallen. Unsere Welten würden in Barbarei versinken, und Milliarden würden in Hungersnöten sterben . Nicht zu vergessen die Bedrohung von außerhalb durch die verschiedenen Fremdrassen. Wir müssen stark und organisiert sein, um gegen sie bestehen zu können, wenn sie eines Tages kommen.

Wir können uns keinen Luxus wie unterschiedliche Meinungen mehr leisten. Oder irre ich mich, Stelmach?«