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»Was? O nein, natürlich nicht. Richtig, Kapitän. Wir müssen loyal sein, Kapitän. Was auch immer uns das kosten mag.«

Valentin Wolf kehrte allein in sein Quartier zurück. Es waren kahle, einfache, unpersönliche Räume, und das kam Valentin ganz gelegen. Was er im Innern seines Kopfes fand, war sowieso viel interessanter als die Welt da draußen. Für den Augenblick war er lediglich angenehm betäubt, doch das war auch schon alles. Er mußte schließlich nachdenken .

Valentin flegelte sich in seinen Lieblingsstuhl und aktivierte das Massageprogramm. Er konnte am besten denken, wenn sein Körper in guten Händen war. Der Wolf zupfte eines der dicken fleischigen Blätter von seiner langstieligen Rose und stopfte es sich in den Mund. Der Wolf-Clan steckte in tiefen Schwierigkeiten, und wie immer lag es an Valentin, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der Clan hatte seine Lizenz zur Produktion des neuen Raumschiffsantriebs verloren, als die Rebellen auf Technos III die Fabrikanlagen zerstört hatten. Allerdings hatte Valentin noch seine geheimen Kontakte zu den ab-trünnigen KIs von Shub besessen, und die unvergleichliche Technologie, mit der die KIs ihn versorgten, hatte ihm einen Ausweg aus der mißlichen Lage eröffnet. Er hatte der Löwenstein einen Teil seiner Erungenschaften präsentiert, als Geschenk, um seine Loyalität unter Beweis zu stellen, und dann darauf hingewiesen, daß er als Meister dieser Technologien die perfekte Wahl darstellte, um die Imperialen Kriegsmaschinen bei ihrem ersten großen Einsatz zu kommandieren. Und so war es ihm nicht schwergefallen, die Gunst der Eisernen Hexe wie-derzuerlangen.

Selbstverständlich hing jetzt alles davon ab, wie gut die Maschinen sich auf Virimonde bewährten, doch Valentin sah darin kein Problem. Er grinste, und der purpurne Saft des Rosenblat-tes rann über sein Kinn. Er war hellwach und so im Einklang mit sich selbst, daß er spüren konnte, wie seine Fingernägel wuchsen. Nichts konnte schiefgehen. Er würde Erfolg haben.

Es war seine Bestimmung. Valentin freute sich schon auf das, was seine Metallarmee mit den armen Bauern anstellen würde.

Blut und Zerstörung und Feuer und Tod, und all das in einem Ausmaß, das selbst für jemanden wie ihn neu war. Er seufzte wohlig. So viel Spaß.

Und wenn er hier auf Virimonde erst einen guten Eindruck hinterlassen hatte, würde die Eiserne Hexe dem Wolf-Clan die Massenproduktion der Imperialen Kriegsmaschinen übertragen, und er konnte endlich wieder seinen Platz an Löwensteins Seite einnehmen, denn dort gehörte er hin . Es gefiel ihm überhaupt nicht, einer der geringeren Lords zu sein. Das war eine Beleidigung für sein empfindliches Selbstwertgefühl. Alte Feinde waren nur allzu schnell bereit gewesen, sich über ihn herzumachen, als die Imperatorin ihm ihre Gunst entzogen hatte. In seiner momentanen Schwäche hatten sie eine günstige Gelegenheit gewittert, alte Dispute auszutragen, vorzugsweise in Blut. Jetzt warteten sie nur darauf, daß er auf Virimonde versagte, und dann würden sie ihn bei Hofe umkreisen wie die Haie, die vom Blutgeruch im Wasser angezogen wurden. Valentin schniefte verächtlich. Er würde sich an ihre Namen erinnern . Und sobald er wieder zu Macht gekommen war…

Natürlich gab es auch noch andere Probleme. Seit dem Debakel auf Technos III waren seine Schwester Stephanie und sein Bruder Daniel verschwunden. Das waren gute und schlechte Neuigkeiten zugleich. Gut, weil sie ihm kein Messer mehr in den Rücken stoßen konnten, und schlecht, weil er so nicht sicher sein konnte, was sie als nächstes planten. Daniel war offensichtlich aufgebrochen, um den toten Vater zu suchen. Der alte Wolf war das letzte Mal bei Hofe gesehen worden, wo sein von einer KI kontrollierter Leichnam als Botschafter von Shub aufgetaucht war. Wie es schien, glaubte Daniel fest daran, daß ihr Vater noch lebte und sich nichts sehnlicher wünschte, als gerettet zu werden.

Valentin hoffte nur, daß Daniel sich irrte. Er wollte seinen Vater nicht noch einmal töten müssen. Und nachdem die KIs Daniel erwischt und umgebracht hatten, konnte er sie vielleicht dazu überreden, seinen Bruder als Geistkrieger oder Furie zu-rückzuschicken. Daniel würde bei Hofe sicher einen nützlichen Verbündeten abgeben , sobald ihm sein eigener beschränkter Verstand nicht mehr in den Weg kommen konnte.

Valentins Schwester Stephanie hingegen war verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Niemand schien zu wissen, wohin sie gegangen war, und das beunruhigte Valentin zutiefst.

Seine Schwester gehörte nicht zu der schweigsamen, nachdenklichen Sorte. Wo auch immer Stephanie steckte, sie plante neue Schwierigkeiten für Valentin, soviel war sicher. Es lag in der Familie; obwohl es in ihrem Fall ziemlich lange gedauert hatte, bis diese Veranlagung zum Vorschein gekommen war.

Stephanie besaß keine Geduld für verschlungene Intrigen.

Im Augenblick suchten Valentins Agenten nach seiner Schwester, und sie hatten Anweisung, Stephanie zu ihm zu-rückzubringen – vorzugsweise natürlich in mehreren kleinen Päckchen.

Der andere Haken an der Geschichte war der verdammte Professor Ignatius Wax, der Kybernetikexperte von der Universität von Golgatha. Wax war der verantwortliche Kopf für das Design der meisten Kriegsmaschinen gewesen, die auf Virimonde eingesetzt werden sollten, und so hatte sich Valentin gezwungen gesehen, die Hilfe des Professors anzunehmen; obwohl er genau wußte, daß der Professor in Wirklichkeit nur aus einem Grund mitgekommen war: Er sollte Valentin Wolf beobachten und nach der Quelle der revolutionären neuen Technologie suchen. Wax bedeutete keine Gefahr. Es war mehr als unwahrscheinlich, daß er die Geheimnisse der Shub-Technologie durchdringen konnte. Nicht einmal Valentin mit seinem chemisch erweiterten Bewußtsein konnte mehr tun als die Systeme bedienen.

Trotzdem, der Mann hatte sich als ein Ärgernis herausgestellt, und so hatte Valentin Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß der gute Professor ihm nicht in die Quere kommen konnte, während er unten auf Virimonde seinen Geschäften nachging. Sehr… amüsante Schritte. Valentin grinste fröhlich. Er würde die Maschinen unten auf Virimonde zum Sieg führen, würde über Städte herfallen und sie dem Erdboden gleichmachen, und die Löwenstein würde ihn wieder lieben.

Und dann… Gnade Gott seinen Feinden.

Der Mann, der in Wirklichkeit gar nicht der Hohe Lord Dram war, ging nachdenklich in seiner Kabine auf und ab. Das hier würde sein erster Versuch werden, Truppen im Feld zu kommandieren, und er freute sich nicht im geringsten darauf. Er hatte sich mit dem Thema befaßt, so gut er konnte, ohne Verdacht zu erregen; doch keine noch so guten theoretischen Kenntnisse konnten praktische Erfahrungen wettmachen. Der ursprüngliche Dram hatte zu zahlreichen Gelegenheiten Truppen geführt und große Erfolge errungen; aber der ursprüngliche Dram war auf Haden getötet worden, der verlorenen Welt, die auch als Wolflingswelt bekannt war. Und jetzt mußte sein Klon in die Rolle schlüpfen, damit niemand hinter die Wahrheit kam. Der Klon mußte Dram sein und sich verhalten, wie Dram sich verhalten hätte. Er war verantwortlich für die Niederschla-gung der Bauern, und die Löwenstein hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß er besser daran tat, erfolgreich zu sein, was auch immer es kosten mochte. Es würde hart werden für die Bauern, aber es war schließlich ihre eigene Schuld. Warum mußten sie auch versuchen, sich über ihren Stand hinaus zu erheben?

Der Mann, den alle als Dram kannten, seufzte tief und setzte sich. Der Tag hatte kaum angefangen, und schon mußte er so schnell laufen, wie er nur konnte, um den Anschluß nicht zu verlieren. Er mußte mit den anderen mithalten, mußte durch Versuch und Irrtum lernen und sich ununterbrochen den Anschein geben, als wäre er ein Mann, der sich in Kriegführung auskannte. Dabei half ihm auch nicht gerade, daß ihm seine eigenen Leute mißtrauten. Offensichtlich war der ursprüngliche Dram ein richtiges Monster gewesen, hart und unnachgiebig in jeder Beziehung und stets bereit, die eigenen Leute zu opfern, wenn er nur so zum Sieg kommen konnte.