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Die Explosion traf ihn völlig überraschend. Direkt neben ihm flog ein ganzes Haus in die Luft. Er hörte nur ein Geräusch wie Donner, und dann wurde er von irgend etwas gepackt und durch die Gasse geschleudert. Er prallte hart auf das Kopfsteinpflaster, und seine Kleidung zerriß. Er versuchte, seinen Kopf unter den hochgerissenen Armen zu schützen, als ringsum zerfetztes Mauerwerk niederprasselte. Steine trafen ihn auf dem Rücken und an Armen und Beinen, und er schrie laut auf; doch seine Stimme ging im allgemeinen Lärm unter. Irgendwann war es vorbei, und Tobias hob vorsichtig den Kopf und spähte um sich. Die halbe Straße lag in Trümmern. Flynn war nicht weit entfernt. Der Kameramann war halb unter zusam-mengebrochenem Mauerwerk begraben. Tobias zwang sich auf die Beine und stolperte zu Flynn. In seinen Ohren klingelte es; seine Hände zitterten, und seine Beine fühlten sich an, als ge-hörten sie jemand anderem; aber Tobias vergaß das alles, als er sich über Flynn beugte. O Gott, sei nicht tot, Flynn! Bitte sei nicht tot! Ich habe dich nicht zum Sterben mit genommen. Seine tastende Hand fand einen schwachen Puls an Flynns Hals, und Tobias entspannte sich wieder ein wenig. Er fing an, die Ziegelsteine von Flynn weg zuräumen, einen nach dem anderen. Ihm schien, als würden sie überhaupt nicht weniger.

Er hatte kaum richtig angefangen, als eine Kompanie Imperialer Marineinfanteristen im Laufschritt durch die Gasse marschierte. Sie hielten schußbereite Waffen in den Händen. Der Unteroffizier erblickte Tobias und richtete die Waffe auf ihn.

Tobias hob die Hände.

»Nicht schießen! Ich bin Reporter! Ich berichte über die Invasion!«

Der Sergeant rümpfte enttäuscht die Nase und bedeutete seinen Männern mit einem Wink, die Waffen zu senken und ste-henzubleiben. Dann funkelte er Tobias drohend von oben herab an. »Was macht Ihr dort? Ihr härtet diese Gegend längst verlassen sollen!«

»Mein Kameramann ist hier drunter verschüttet«, sagte Tobias und nahm vorsichtig die Hände runter. »Helft mir, ihn wieder auszugraben, und wir verschwinden von hier wie der Blitz.«

»Alles, wenn Ihr nur so schnell wie möglich verschwindet.

Ich weiß sowieso nicht, warum die Imperatorin Euch überhaupt hier haben wollte.«

Er winkte ein paar seiner Leute herbei, und sie halfen Tobias, die restlichen Trümmer über Flynn beiseite zu räumen. Und da erst bemerkte Tobias, daß entweder die Gewalt der Explosion, oder die scharfen Ränder der zerbrochenen Steine Flynns Kleider aufgerissen hatten und allen einen freizügigen Blick auf die spitzenbesetzte schwarze Frauenunterwäsche gestattete, die Flynn heute darunter trug. Die Strümpfe und die Strapse waren ganz besonders aufreizend. Sechs Marineinfanteristen wichen so hastig vor Flynn zurück, als hätten sie sich verbrannt, während ihre Kameraden anzügliche Witze rissen und zweideutige Kommentare abgaben.

Tobias’ Gedanken überschlugen sich.

»Das ist eine Art Talisman!« rief er. »Die Wäsche gehörte einer Kollegin von Flynn, die ihm sehr nahe stand, und seit ihrem Tod trägt er diese Unterwäsche als Erinnerung und als Glücksbringer. Ehrlich! Viele Kameramänner tun so etwas!

Das ist eine alte Tradition bei uns Reportern.«

»Haltet die Klappe«, sagte der Sergeant. »Das gilt auch für Euch, Männer! Ein Freak wie der dort kann sich unter gar keinen Umständen für die Frontberichterstatter der Armee qualifiziert haben, und das bedeutet, daß Ihr beide illegal auf Virimonde seid. Wahrscheinlich seid ihr nicht nur Degenerierte, sondern auch noch Rebellen!«

»Selbstverständlich sind wir keine Rebellen! Ich bin Tobias Shreck! Ihr müßt mich kennen! Sicher habt Ihr schon die ein oder andere meiner Reportagen gesehen!«

»Hab’ ich.« Der Sergeant sah seine Männer an. »Erschießt sie. Alle beide.«

Tobias stand wie erstarrt da. Für einen Augenblick, der ihm wie eine Ewigkeit erschien, geschah überhaupt nichts. Er besaß keine Waffe, um sich zu verteidigen, und es gab keine Fluchtmöglichkeit – selbst wenn er sich dazu hätte überwinden können, Flynn zurückzulassen. Er sah hilflos zu, wie die Soldaten ihre Waffen auf ihn richteten, und er dachte nur daran amüsiert, ob die Kamera auch alles filmte. Und dann fiel ihm der Unterkiefer herab, als der Sergeant und all seine Soldaten mit einemmal lichterloh in Flammen standen . Die Marineinfanteristen warfen ihre Waffen weg und rannten schreiend und in Panik durcheinander. Sie schlugen mit nackten Händen auf die Flammen ein, die immer stärker loderten und ihre Opfer ver-zehrten . Einer nach dem anderen gingen sie zu Boden, während die Flammen ihrem Atem den Sauerstoff stahlen, und schließlich lagen sie zuckend am Boden . Ihr Fleisch wurde schwarz, und ihr Haar brannte in hellen blauen Flammen. Dann traten zwei Frauen aus den Schatten, die beide gleich aussahen, und mit einemmal begriff Tobias, was geschehen sein mußte. Die Stevie Blues waren gekommen und hatten ihn wieder einmal gerettet.

Er grunzte ihnen ein hastiges Dankeschön zu und beugte sich erneut über Flynn, der benommen versuchte, sich aufzurichten.

Die beiden Stevies halfen ihm auf die Beine und zerrten ihn mit sich die Gasse entlang. Tobias eilte hinter ihnen her. Selbst im Chaos einer brennenden Stadt zeigten die Menschen noch genügend Instinkt, um den Stevie Blues aus dem Weg zu gehen. Sie kamen rasch voran, obwohl sie immer wieder marodierenden Abteilungen Imperialer Marineinfanteristen ausweichen mußten. Sie eilten durch eine Reihe weiterer enger Gassen, die in Tobias’ Augen allesamt gleich aussahen, und blieben schließlich vor einer nichtssagenden Tür in einer relativ unzerstörten Gegend stehen. Stevie Drei hämmerte mit der Faust an die Tür, und eine kleine Klappe wurde geöffnet. Dahinter kam ein Paar mißtrauischer Augen zum Vorschein. Stevie Drei erwiderte den Blick, und das Paneel wurde wieder zugeworfen. Dann ertönte das Geräusch von Riegeln, die zu-rückgeschoben, und von Schlössern, in denen Schlüssel gedreht wurden, und die Tür öffnete sich. Die Stevies führten Tobias und Flynn hinein, und hinter ihnen wurde die Tür wieder verschlossen und verriegelt .

Es war nicht viel mehr als ein Schlupfloch – ein einzelner großer Raum mit brettervernagelten Fenstern und nur einem einzigen Eingang. An einer Wand waren Pistolen und Gewehre aufgestellt, zusammen mit großen offenen Munitionskisten . Ein Dutzend schwerbewaffneter Männer und Frauen starrte durch Ritzen in den verbarrikadierten Fenstern nach draußen . Sie würdigten Tobias und Flynn kaum eines Blickes. Die Luft war dick und abgestanden und roch nach Schweiß und Anspannung. Stevie Eins unterhielt sich mit gedämpfter Stimme mit einem der Rebellen, während Stevie Drei eine Waffe entdeckte, die ihr zusagte, und sie begann, sie zu laden. Tobias half Flynn auf einen Stuhl. Der Kameramann sah inzwischen wieder ein wenig besser aus, doch der Zustand seiner Kleidung machte ihm inzwischen zunehmend zu schaffen.