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»Das haben wir bereits versucht, Sir«, antwortete der Erste Offizier. »Niemand kommt auch nur in die Nähe der Halle.

Irgend etwas… hindert uns daran.«

Razor dachte fieberhaft nach. Ringsherum regten sich nach und nach die Leute wieder und erwachten aus ihrer Besin-nungslosigkeit. Nach Legions Tod konnte es nicht mehr lange dauern, bis die überlebenden Esper der Nebelwelt herausfanden, daß ihre Kräfte zurückgekehrt waren. Und dann würden sie alle für das bezahlen, was sie angerichtet hatten. Die Esper würden die Bodentruppen auslöschen und ihre Aufmerksamkeit anschließend auf die Herausforderung richten.

»Fahrt sämtliche Systeme hoch«, befahl Razor tonlos. »Bereitet Euch darauf vor, den Planeten zu sengen.«

»Sir?« fragte der Erste Offizier ungläubig nach. »Unsere Leute sind noch immer dort unten, Sir.«

»Nach Legions Tod haben sie kaum noch eine Chance. Sie sind schon so gut wie tot. Unsere Befehle lauten, die Nebelwelt für das Imperium einzunehmen. Wenn ich ein riesiges Toten-feuer anzünden muß, um diesem Befehl nachzukommen, dann werde ich das tun. Fahrt sämtliche Disruptorkanonen hoch. Auf meinen Befehl fangt Ihr an zu feuern. Und hört nicht auf damit, solange auf diesem elenden Planeten auch nur noch ein lebender Fleck zu sehen ist.«

Das war der Augenblick, in dem an Bord sämtliche Lichter ausgingen. Einige lange Sekunden lang herrschte tiefste Finsternis, bis die Notaggregate ans Netz gegangen waren und die Brücke in dunkelrotes Licht tauchten.

Der Erste Offizier überprüfte seine Instrumente . Als er sich wieder Razor zuwandte, stand in seinen Augen nackte Angst .

»Sämtliche Hauptsysteme sind ausgefallen, Sir. Praktisch alles bis auf die Lebenserhaltungssysteme. Irgendeine… unbekannte Macht hat alle Maschinen einfach abgeschaltet. Wir sind hilflos, Sir.«

Investigator Razor ließ sich schwer in den Kommandantensitz fallen und überlegte, wie er diese Geschichte nur seiner Imperatorin erklären sollte.

Alles war ruhig und still in der Halle, in der Legions Tank stand. Sowohl Legion als auch die Mater Mundi waren verschwunden. Legions grauer fleischiger Körper war reglos an den Boden des Tanks gesunken. Owen und Hazel standen beisammen und gewöhnten sich allmählich daran, wieder in ihren eigenen Köpfen zu sein. Und die Typhus-Marie, die ebenfalls endlich wieder sie selbst war, beugte sich zu Kapitän Bartek hinunter, der auf dem Boden saß und mit leeren Augen ins Nichts starrte.

»Keine Sorge«, sagte Owen zu ihr. »Ich habe bereits nachge-sehen. Da drin ist niemand mehr zu Hause. Was auch immer er gesehen haben mag, sein Verstand konnte nicht damit umgehen.«

»Verdammt!« fluchte Hazel. »Ich hatte mich schon so darauf gefreut, den Mistkerl umzubringen.«

»Das Töten ist vorüber«, sagte die Typhus-Marie und richtete sich wieder auf. »Laßt uns nach Hause gehen.«

»Klingt wie ein verdammt guter Vorschlag«, stimmte ihr Owen zu. »Wollen doch mal sehen, ob wir nicht eine Rettungskapsel requirieren können. Ich bezweifle, daß irgend jemand an Bord in der Stimmung ist, uns diese Bitte abzuschla-gen.«

Sie verließen die Halle. Kapitän Bartek saß reglos auf dem Boden und starrte auf den toten grauen Klumpen in dem gläsernen Tank.

Hinterher: Die Überlebenden von Nebelhafen feierten. Die wenigen Imperialen Marineinfanteristen, die nicht schnell genug zu ihren Pinassen fliehen konnten, wurden gejagt und getötet. Niemand war in der Stimmung, Gefangene zu machen. Die Toten wurden irgendwo aufgestapelt. Man würde sich später darum kümmern. Rettungsmannschaften wurden gebildet, die in den eingestürzten Häusern nach Überlebenden suchten. Nebelhafen hatte es wieder einmal geschafft. Sicher, sie mußten eine ganze Menge Häuser neu aufbauen oder restaurieren; doch der größte Teil der Stadt war unbeschädigt geblieben. Es war schon verdammt schwer, einen Nebelweltler umzubringen.

Weil jeder, der die ersten Tage in Nebelhafen überlebt hatte, mit so ziemlich allem fertig wurde, was der Rest des Universums gegen ihn aufbieten konnte.

Die verbliebenen Ratsmitglieder hatten sich in der Gildenhalle eingefunden und koordinierten die Rettungsarbeiten.

Außerdem sorgten sie dafür, daß der psionische Schild an Ort und Stelle blieb, bis die Herausforderung aus dem Sonnensy-stem verschwunden war. Niemand verspürte Lust, noch ein Risiko einzugehen. Und die anderen in der Halle: sie feierten, als gäbe es kein Morgen mehr. Wahrscheinlich auch deswegen, weil die meisten von ihnen nicht damit gerechnet hatten, es könne noch ein Morgen für sie geben. Espergeschnatter erfüllte die große Halle, und es war beinahe laut genug, um auch von Nicht-Espern gehört zu werden. Ein paar Prahlhänse tanzten an der Decke, doch keiner der Nicht-Esper fühlte sich verletzt oder bedroht. Für den Augenblick wenigstens hatte der Sieg alle geeint.

Jung Jakob Ohnesorg war der Mann der Stunde. Jeder wollte neben ihm stehen oder in seiner Nähe sein, wollte ihm auf den Rücken klopfen oder ihm den nächsten Drink spendieren. Er war nur allzu gern bereit, über seinen Anteil bei der Verteidigung der Stadt zu berichten , und seine Zuhörer ließen keine Bescheidenheit zu. Jeder hatte die eine oder andere Geschichte oder Anekdote über die Heldentaten und wagemutigen Kabi-nett-Stückchen des legendären Rebellen beizutragen.

Owen Todtsteltzer und Hazel d’Ark saßen in einer Ecke der Halle und tranken einen halbwegs schmackhaften echten Wein, während sie mißtrauisch die Partyhäppchen musterten, die man auf einem improvisierten Büfett zusammengetragen hatte. Ihre ungeahnten Fähigkeiten waren zusammen mit der Mater Mundi wieder verschwunden, und sie fühlten sich im großen und ganzen wie völlig normale Menschen. Ihre Wunden waren verheilt, und die bleierne Erschöpfung war ebenfalls gewichen; aber sie hatten das Gefühl, als brauchten sie beide noch eine ganze Weile, um mit den übernatürlichen Wundern zurechtzu-kommen, die sie vollbracht hatten . Ihre Heldentaten bei den Straßenkämpfen waren nicht unbeobachtet geblieben, und einige Leute machten sich tatsächlich die Mühe, die beiden zu suchen und ihnen zu danken und zu gratulieren, wenn auch insgesamt betrachtet die meisten es vorzogen, den überlebensgroßen Jakob Ohnesorg zu ihrem Idol zu erheben.

An Ohnesorgs Seite stand Donald Royal. Der alte Bursche schien zu neuer Kraft und neuem Leben erwacht zu sein. Die Schlacht hatte ihn revitalisiert, und er fühlte sich wieder wie in jungen Jahren. Damals war er ein großer Held gewesen, und außerdem hatte er sich nie wirklich mit einem friedlichen Leben anfreunden können. Jetzt fühlte er sich endlich wieder wie er selbst, volltrunken bis zum Rand, und er war fast hundertprozentig sicher, daß er am nächsten Tag bitter würde dafür zahlen müssen… aber darüber würde er nachdenken, wenn es soweit war. Die Leute brüllten seinen Namen und den von Jakob Ohnesorg, und sie prosteten ihm zu wie in den alten Zeiten. Ohnesorg legte den Arm um Donalds Schulter, und für den Rest des Abends waren die beiden unzertrennlich. Madeleine Skye hielt sich in Donalds Nähe und redete sich unaufhörlich ein, daß nicht nur ihre Eifersucht daran schuld war, daß sie dem legendären professionellen Rebellen noch immer nicht so recht über den Weg traute.

An der Theke auf der anderen Seite machten Cyder und Katze sich ernsthaft über die Champagnerbestände her.

Sie tranken stets nur das Beste – insbesondere wenn jemand anderes die Rechnung unterschrieb. Und je weiter sich der Pegel in der dritten Flasche dem Boden näherte, desto melancho-lischer wurde Cyder wegen des Verlustes ihrer schönen Taverne.

»Wir bauen einen neuen Schwarzdorn«, versprach sie Katze mit einem schwachen Lallen in der Stimme . »Für eine Weile können wir vom Geld der Versicherung leben, und ich werde ein paar sichere Dinger für dich organisieren. Nach dieser Geschichte muß es jede Menge leichte Beute geben. Die Wachen sind mit anderen Dingen beschäftigt. Die alte Mannschaft reitet wieder. Ach, was zur Hölle. Vielleicht sind wir beide auch gar nicht für ein ehrbares Leben geschaffen.«