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»Da habt Ihr verdammt recht«, erwiderte Neeson. »So viel Spaß hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Ihr müßt wissen, daß ich als Söldner angefangen habe. Euer Vater führte mich in die Welt des Geschäftemachens ein. Er meinte, jemand mit meinen Instinkten würde es als Bankier weit bringen. Wenn er gewußt hätte, wie recht er damit behalten sollte! Aber egal. Ich bin gekommen, um Euch zu sagen, daß meine Geschäftspartner und ich uns entschlossen haben, das alte Todtsteltzer-Informationsnetz wieder aufleben zu lassen.«

»Woher dieser plötzliche Sinneswandel?« spottete Hazel.

»Nun, zum einen wegen dem Edelmann an Eurer Seite«, antwortete Neeson. »Und zum anderen, weil jeder auf der Nebelwelt jetzt zur großen Rebellion gehört, ob er will oder nicht.

Und letztlich, weil wir alle uns heute seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder lebendig fühlen. Geschäfte schön und gut, aber es ist nichts besonders Aufregendes, wißt Ihr? Was für ein armseliges Leben, wenn das einzige Vergnügen im Kündigen von Hypotheken besteht! Nein, als Rebell hat man da viel mehr Spaß. Wir sehen uns später, Todtsteltzer.«

Er nickte Owen und Hazel steif zu und wanderte davon auf der Suche nach Wein, Essen und einem weiteren Opfer, vor dem er mit seiner plötzlichen Gesinnungswandlung prahlen konnte. Kein Mensch ist begeisterungsfähiger als ein Konver-tierter im mittleren Alter. Neeson wurde von Tobias Shreck und seinem Kameramann Flynn ersetzt. Ihre Presseausweise hatten die beiden vor dem allgemeinen Gemetzel an den angreifenden Streitkräften bewahrt; doch jetzt waren sie auf der Nebelwelt gestrandet, bis sie sich eine Passage erbetteln oder durch Bestechung erschleichen konnten.

»Hallo auch«, sagte Tobias. »Macht es Euch etwas aus, wenn wir uns zu Euch gesellen? Wir haben auch unsere eigene Hasche mitgebracht.«

»Da spricht endlich einmal ein zivilisierter Mann«, sagte Owen. »Wenn ich Euch richtig verstanden habe, seid Ihr daran interessiert, uns verzweifelte Rebellen zu begleiten, wenn wir von hier aufbrechen?«

»Da habt Ihr uns verdammt richtig verstanden«, antwortete Tobias. »Wo Ihr seid, sind die guten Storys. Außerdem haben wir schon alle anderen gefragt, und jeder hat nein gesagt.«

»Also schön, meinetwegen«, sagte Owen. »Wenn Ihr nach einer guten Story sucht: Einige meiner Bundesgenossen planen eine Expedition zu einem Planeten namens Hakeldamach. Ich werde Euch mit ihnen in Kontakt bringen. Warum interviewt Ihr in der Zwischenzeit nicht Jakob Ohnesorg? Er ist der offizielle Held der Stunde.«

Tobias und Flynn wechselten einen Blick; dann beugte sich Tobias vor und senkte die Stimme. »Seid Ihr sicher, daß der dort Jakob Ohnesorg ist?«

Owen und Hazel verzogen keine Miene, doch auch sie beugten sich vor und senkten die Stimmen. »Wieso denkt Ihr, daß er es nicht sein könnte?« erkundigte sich Hazel.

»Weil wir gesehen haben, wie er eine Rebellion auf Technos III angeführt hat, und das ist erst ein paar Wochen her«, antwortete Tobias. »Und er sah… ganz anders aus. Viel älter.«

»Ein ganzes Stück älter«, stimmte Flynn zu. »Ich habe alles aufgenommen, und meine Kamera lügt nie.«

»Viele Leute haben im Laufe der letzten Jahre von sich behauptet, Jakob Ohnesorg zu sein« entgegnete Owen vorsichtig.

»Sagen wir einfach, dieser hier wirkt überzeugender als die meisten anderen.«

Tobias blickte über die Schulter zu Ohnesorg, der noch immer von Gratulanten und hingerissenen Anhängern umgeben war. »Macht es Euch denn gar nichts aus, daß er den ganzen Ruhm für sich allein beansprucht? Ihr habt alle beide wenigstens genausoviel zum Sieg beigetragen wie er. Flynn hat das meiste davon auf Band.«

Hazel zuckte die Schultern. »Nichts geht mir mehr auf die Nerven, als wenn ich von Autogrammjägern verfolgt werde.

Soll er doch der Held sein, wenn es ihm soviel Spaß macht. Ich für meinen Teil habe mich nie sonderlich wohl in dieser Rolle gefühlt

»Aufgepaßt«, sagte Owen. »Sieht so aus, als will unser Held eine Rede halten.«

Die Ansprache, die daraufhin folgte, war eine Sensation.

Kurz, knapp, präzise, inspiriert und witzig . Ein professioneller Redenschreiber hätte es nicht besser machen können. Jung Jakob Ohnesorg rührte das Blut der Volksseele auf, indem er ihre Taten bei der Verteidigung der Stadt pries, und er versprach ihnen für die Zukunft weitere Schlachten gegen die Ungerechtigkeiten des Imperiums. »Vorwärts nach Golgatha!« rief er, und alles jubelte und applaudierte. Hazel und Owen schlossen sich dem Applaus an, um nicht kleingeistig zu erscheinen; doch keiner von beiden war von Ohnesorgs Worten sonderlich beeindruckt. Für den Todtsteltzer und die ehemalige Piratin war er einfach zu gut, um echt zu sein.

Doch alles in allem betrachtet, spürte Owen in sich einen wachsenden Optimismus. Zum ersten Mal schien der Lauf der Dinge seinen Vorstellungen zu folgen. Die Imperiale Invasion war abgewehrt; Nebelhafen war gerettet; seine eigene Mission war ganz offensichtlich ein gewaltiger Erfolg, und er hatte seinem eigenen Tod ins Gesicht gesehen und am Ende doch überlebt. Nicht, daß er jemals ernsthaft an die Prophezeiung der Kinder geglaubt hätte, doch es war ein gutes Gefühl, die Angelegenheit hinter sich zu wissen. Es war, als hätte er einen neuen Vertrag mit dem Leben abgeschlossen, und das Leben gefiel ihm im Augenblick ausgesprochen gut.

Owen und Hazel standen beieinander und beobachteten die Menge, die sich heiser jubelte, und insgeheim waren beide hoch zufrieden.

KAPITEL ZWEI

VERLORENE UNSCHULD

Sie nannten sie Shannons Welt, weil sie sein Traum und seine Vision war. Er hatte sich bis an den Rand des Bankrotts ver-schuldet, um diesen Traum zu verwirklichen, doch das Resultat war ein Vergnügungsplanet, der seinesgleichen suchte. Shannons Welt war reserviert für die Superreichen, für die mit den extrem guten Beziehungen und die Aristokraten, und für sonst niemanden. Die Koordinaten waren geheim und nur den oberen Zehntausend bekannt. Der neugierige Rest, der sich ohne Einladung durch Bestechung oder Erpressung den Weg zur Oberfläche hinab bahnte, wurde von den modernsten Sicherheitssystemen und Waffen in Empfang genommen und ins Jenseits befördert. Auf Shannons Welt gingen Träume in Erfüllung. Die gesamte Welt war lebendig. Ein Vergnügungsplanet, wie es keinen zweiten gab, ein Planet, wo selbst die erschöpftesten Seelen Ruhe, Trost und Zerstreuung finden konnten.

Und dann geschah das Unvorstellbare.

Hinterher sagte sich Shannons Welt vom Imperium los und unterbrach jede Form von Kontakt. Besucher wurden vernichtet, während sie noch im Orbit kreisten, ganz gleich, wer oder was sie waren. Die Imperatorin entsandte ein Schiff. Es kehrte niemals zurück. Sie schickte einen Imperialen Sternenkreuzer, dem es gelang, eine volle Brigade Marineinfanteristen auf der Oberfläche abzusetzen. Irgend etwas brachte sie um. Also versuchte es die Eiserne Hexe damit, eine ganze Reihe verdeckt arbeitender Agenten einzuschmuggeln. Nur ein einziger Mann kehrte von jener Welt wieder zurück, die einst der berühmteste Vergnügungsplanet im Imperium gewesen war. Er war von oben bis unten mit dem Blut anderer besudelt und vollkommen wahnsinnig geworden. Sein Verstand hatte nicht ausgehalten, was seine Augen gesehen hatten. Er starb kurz nach seiner Rückkehr, weil er nicht mehr weiterleben wollte. Und bevor er starb, taufte er den Planeten noch um auf den Namen Hakeldamach: Der Blutacker des Judas.

Die Imperatorin Löwenstein stellte die Welt unter Quarantäne und stationierte einen Sternenkreuzer in einem entfernten Orbit, um sicherzustellen, daß, was auch immer dort unten lau-em mochte, nicht herauskommen konnte… und wandte sich anschließend anderen Dingen zu. Dank dem Verräter Owen Todtsteltzer und seiner wachsenden Anhängerschar hatte sie weitaus drängendere Probleme als einen Planeten, der plötzlich verrückt spielte. Und so hätten die Dinge auch bleiben können, wäre nicht ein gewisser Vincent Harker, das wichtigste strategische und militärische Gehirn des Imperiums, auf dem Planeten abgestürzt, der einst Shannons Welt geheißen hatte. In Harkers Kopf steckten Informationen, die sowohl für das Imperium als auch für die Rebellion lebenswichtig waren. Und so entsandte die Eiserne Hexe eine Kompanie ihrer Elitetruppen, um Harker zu retten.