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Die Truppen meldeten sich nie zurück.

Danach waren die Rebellen am Zug.

Eine kleine Schar von Rebellen beobachtete angestrengt die Instrumentenkonsolen an Bord des hastig umgerüsteten Frachtschiffs Wilde Rose, und jeder von ihnen hoffte inbrünstig, daß das neue Tarnsystem der Hadenmänner all das hielt, was es versprach. Die planetaren Verteidigungseinrichtungen waren stark genug, um jeden Energieschirm zum Zusammenbruch zu bringen, der von schwächeren Generatoren als denen an Bord Imperialer Sternenkreuzer erzeugt wurde. Und das Frachtschiff besaß wirklich nur rudimentäre Schilde. Entweder gelang es den Rebellen mit Hilfe der Technologie der Hadenmänner, die Satelliten im Orbit an der Nase herumzuführen, oder sie würden nicht einmal lange genug leben, um zu bemerken, daß sie tot waren. Der Tarnmechanismus war ein klobiger Kasten, der hinter ihnen provisorisch am Boden festgenietet worden war.

Er bestand aus lauter scharfen Ecken und Kanten und unerwarteten Winkeln, und ständig leuchteten merkwürdige Lichter auf und erloschen wieder, ohne daß ein Grund dafür erkennbar gewesen wäre. Die Rebellen zogen es vor, den Apparat nicht näher in Augenschein zu nehmen. Allein die äußeren Umrisse taten ihnen in den Augen weh. Also starrten sie entschlossen auf die Instrumente und den großen Hauptschirm, auf dem der Planet langsam größer wurde: eine kalte, blaue und ziemlich unheimliche Kugel.

An Bord der Wilden Rose befand sich Finlay Feldglöck, der Aristokrat, der zu den Rebellen übergelaufen war, der kühne Kämpfer mit der kalten Seele, der einst der Maskierte Gladiator gewesen war, der unbesiegte Champion der berühmten Arena von Golgatha. An Finlays Seite stand seine große Liebe, Evangeline Shreck, Tochter aus hohem Hause, die viele Jahre lang mit dem Geheimnis hatte leben müssen, daß sie in Wirklichkeit ein Nichts war nur ein Klon, geschaffen, um die von ihrem eigenen Vater sexuell mißbrauchte und am Ende ermordete Tochter zu ersetzen. Auf der anderen Seite von Finlay stand Julian Skye, der abtrünnige Esper, den Finlay aus den Verhörzellen tief unter der Erde Golgathas befreit hatte. Skye war einst einer der mächtigsten Esper des Imperiums gewesen. Er war ein mutiger Rebell; doch die Zeit in den blutbesudelten Händen der Imperialen Hirntechs hatte ihn gebrochen und verletzt – vielleicht sogar so schwer, daß er sich nie wieder davon erholen würde. Und schließlich war da noch Giles Todtsteltzer, der legendäre Erste Todtsteltzer, der mehr als neunhundert Jahre in Stasis verbracht und nach seinem Erwachen ein Imperium vorgefunden hatte, das er kaum noch wiedererkannt hatte.

Allesamt waren sie Rebellen, Repräsentanten der Untergrundbewegung von Golgatha, und ihr Auftrag lautete, Vincent Harker zu finden, bevor das Imperium ihn zu fassen bekam.

Außerdem an Bord: Tobias Shreck und sein Kameramann Flynn. Die beiden waren unterwegs zu einer Story, die dunkler und fremdartiger war als alles, was die beiden je erlebt hatten.

Finlay stand vor der Instrumentenkonsole und trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. Warten war noch nie seine Stärke gewesen. Sein einziges Gebet hatte schon immer gelautet: Lieber Gott, bitte schick mich in Schlachten und Gefahren bis zum Hals. Einst war Finlay ein Meister der Mode gewesen, ein berüchtigter Stutzer und Dandy; doch das war nur eine Persona gewesen, die ihm dabei geholfen hatte, sein zweites Ich als Maskierter Gladiator und gefeierte Liebling der Arena zu tarnen. Jetzt war Finlay auf der Flucht vor genau der Gesellschaft, in der er sich früher so ungeniert bewegt hatte, nichts weiter als ein Rebell unter vielen und entbehrlich genug, um hinausgeschickt zu werden auf eine Mission, die viele als glatten Selbstmord betrachteten. Finlay war sechsundzwanzig Jahre alt, aber er wirkte zehn Jahre älter. Sein langes Haar war von einem derart blassen Blond, daß es fast farblos schien. Er trug es im Nacken zu einem praktischen Pferdeschwanz zusam-mengebunden und wirkte deswegen wie ein Söldner: kalt und gefährlich, aber im Grunde genommen gleichgültig gegenüber der Sache. Er hatte sich der Rebellion nur aus einem einzigen Grund angeschlossen: Nur auf diese Weise konnte er seine geliebte Evangeline beschützen. Finlay machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Politik der Untergrundbewegung. Er war damit zufrieden, daß sie ihn mit Aufträgen überhäuften, bei denen er seinen Mut und sein Geschick im Umgang mit Waffen unter Beweis stellen konnte. Finlay Feldglöck war auf dem besten Weg, zur gefährlichsten aller Sorten von Männern zu werden: jener Sorte, die nichts mehr zu verlieren hatte. Allein Evangeline Shreck sorgte dafür, daß Finlay nicht wahnsinnig wurde und bei der Sache blieb, und beide wußten es.

Evangeline Shreck hatte die meiste Zeit ihres Lebens in Furcht verbracht. Furcht davor, als Klon enttarnt und für das unverzeihliche Verbrechen exekutiert zu werden, erfolgreich die Rolle der Aristokratin gespielt zu haben. Furcht vor der perversen Liebe ihres Vaters. Furcht vor dem ständigen Allein-sein . Und dann war sie Finlay begegnet, und zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie einen Grund gehabt weiterzuleben. Sie wußte nicht, was sie tun würde, sollte Finlay sterben. Im Gegensatz zu ihm fand sie keinen Geschmack an Gefahr und Aufregung. Aber sie war ein Klon und schon allein deswegen eine wütende Verfechterin der Sache der Rebellen. Und wenn die vielen Spannungen in ihrem Leben sie auch zu zerreißen drohten, so war das ganz allein ihre Angelegenheit. Evangeline war schlank und elfenhaft, und ihr militärischer Umhang schlacker-te lose um ihren Körper wie ein Zelt. Sie besaß große, dunkle Augen – die Sorte, in der ein Mann ertrinken konnte –, einen festen, entschlossenen Mund und die unverwechselbare Aura einer Person, die Schmerz, Entsetzen und Verzweiflung überlebt hatte und die nicht daran zerbrochen war – noch nicht.

Sie standen beisammen und betrachteten den großen hellen Planeten auf dem Hauptschirm. Nirgendwo ein Zeichen von Zivilisation, keinerlei Spuren, die auf die Anwesenheit von Menschen auf Shannons Welt hingedeutet hätten. Keine Städte, keine größeren Straßen , nichts, das groß genug gewesen wäre, um von den Sensoren der Wilden Rose erfaßt zu werden. Was auch immer dort unten lebte, es hielt sich versteckt und offen-barte sich nicht. Plötzlich seufzte Evangeline.

»Alles sieht so unschuldig aus«, sagte sie. »So unberührt.

Überhaupt nicht nach einem Blutacker. Was mag nur dort unten geschehen sein? Was ist so schrecklich, um einen Namen wie diesen zu rechtfertigen?«

Finlay lächelte schwach. »Irgend etwas, das machtvoll und gemein genug ist, um jeden bewaffneten Mann zu töten, den die Eiserne Hexe bis heute dort hinuntergeschickt hat. Und es gibt Gott weiß nicht viel im Universum, das einer ganzen Armee bewaffneter Marineinfanteristen widerstehen könnte. Ich liebe Herausforderungen.«

»Glaubst du… könnte es vielleicht so etwas wie das Gren-delwesen sein? Ich habe im Holo gesehen, was diese Kreatur am Hof angerichtet hat.«

»Unwahrscheinlich«, sagte Tobias von hinten. »Nach dem Desaster von Grendel wurde jeder Planet des Imperiums nach verborgenen Schläfergruften abgesucht. Nicht einmal eine Vergnügungswelt wie diese ist dabei ausgenommen worden.

Und falls irgend jemand weitere Schläfer gefunden hat – wie um alles in der Welt hätte er es geheimhalten sollen? Dafür gibt es im ganzen Imperium nicht genug Geld!«

»Mach dir keine Gedanken, Liebste«, sagte Finlay zu Evangeline. Er legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich. »Was auch immer dort unten lauern mag, ich werde dich beschützen.«